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Review: STAR TREK

Von Riggs J. McRockatansky vor 7 Jahren geschrieben11 / 20091 Kommentar

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Als eine von Gene Roddenberry konzipierte Serie namens Star Trek drei Jahre nach ihrer Erstaustrahlung im Jahr 1969 wegen schlechter Einschaltquoten abgesetzt wurde hatte es wohl kaum jemand ahnen können: damals, als der Weltraum noch unerforscht und jungfräulich war, wurden die zuvor SciFi-Fan-exklusiven Abenteuer des Raumschiffs Enterprise in der Zweitverwertung und im triumphalen Licht der ersten bemannten Mondlandung zum Phänomen. Mehr noch: im Laufe der Jahre zu einem DER Popkulturphänomene überhaupt. Die drei Staffeln der Ur-Serie genießen unter Fans eine kultige, gar religiös anmutende Verehrung, das Star Trek-Universum weitete sich auf zehn Filme und fünf Serienableger aus, ganz zu schweigen von unzähligen Weiterverwertungen in Buch-, Comic-, etc.-Form. Doch die bislang letzten Leinwandausflüge, Star Trek: Insurrection (1998) und Star Trek: Nemesis (2002), stießen nicht mehr auf die uneingeschränkte Gegenliebe der Trekkies und abgesehen von der Prequel-TV Show Enterprise blieben weitere Trips in die unendlichen Weiten zunächst aus. Aber ein Weltkulturerbe mit solch breiter und ergebener Fanbase bleibt natürlich nicht auf ewig unberührt und so hieß es 2009: reboot this! J.J. Abrams, selbst eher Star Wars-Jünger, und die bekennenden Trekkies Roberto Orci und Alex Kurtzman machten sich ans Werk – und die Neuinterpretation des Director/Writer-Trios besitzt absolut das Zeug zum (neuen) Heiligen Gral des Franchise. Ihr Star Trek ist so sehr Huldigung an über vierzig Jahre Establishment, wie es auch ein genialer Transfer in eine völlig neue Dimension des gesamten Sternentrecks ist.

Story

Das Jahr 2233: die USS Kelvin stößt in den Tiefen des Alls auf unerklärliche Energie-Turbulenzen, aus denen unerwartet ein gigantisches und hochüberlegenes romulanisches Raumschiff hervor dringt – und dem Föderationsschiff keinerlei Chance lässt. Nur die mutige und aufopferungsvolle Heldentat des ersten Offiziers George Kirk rettet achthundert Besatzungsmitgliedern das Leben und kostet ihn das eigene. Durch das Eingreifen des zeitreisenden Romulaners Nero entsteht eine alternative Zeitlinie, in der der junge James T. Kirk ohne die Anleitung und das Vorbild seines Vaters zu einem zwar talentierten, aber ziellosen Taugenichts verkommt. Zeitgleich ist auf dem Planeten Vulkan der Halbvulkanier Spock aufgewachsen, die Bürde tragend, Sohn eines Vulkaniers und einer Menschenfrau zu sein. Seinen logikorientierten, brillianten Verstand stellt Spock in den Dienst der Sternenflotte. Und zu dieser wird auch der hitzköpfige, umhertreibende Kirk gerufen, als er nach einer Barschlägerei Captain Christopher Pike begegnet, der ihn überzeugen kann, den Fußstapfen seines Vaters zu folgen. Als die Sternenflotte drei Jahre später einen Notruf des Vulkan empfängt gelangen sowohl Spock, bereits zum Commander aufgestiegen, als auch Kirk an Bord der Enterprise. Und die Geschichte nimmt ihren Lauf…

Der Film

Zeitreisen wurden in Star Trek immer wieder thematisiert, sowohl im Verlauf der Serien, als auch der Filme. Doch bisher wurde das narrative Konzept nie dazu genutzt, dem Gesamtkonstrukt einen solch frischen Impuls zuzuführen und statt des Verhinderns von Konsequenzen die Konsequenzen weiterzudenken: dadurch, dass mit Neros Wirken in der Vergangenheit eine ganz neue Zukunft entsteht, geht das Konzept des Films weit über ein bloßes Prequel hinaus, vielmehr versetzt er sich durch diesen Kniff in die Lage, bei aller Treue zu den Wurzeln ein völlig neues Geäst von Abenteuern und Konstellationen sprießen zu lassen. Ab dem Eintreffen der Romulaner knickt die Zeitlinie in einen alternativen Strahl ab und… Ach, das kann Doc Brown alles besser erklären. Wenngleich auch in Star Trek ein paar der typischen Logiklöcher in den Mechanismen des Zeitreisens klaffen gelingt den Machern damit ein genialer Schachzug, der ihnen genug Freiraum mit dem Star Trek-Universum verschafft, um den Film nicht als bloßes Zitat enden zu lassen, neue und eigene Geschichten erzählen zu können und sich Unvorhersehbarkeiten offen zu lassen, Gefahren zu schaffen, wie sie innerhalb eines reinen Prequels unmöglich wären.



Bereits die Eröffnungsszene macht deutlich, in welche Richtung Abrams geht. Mit dem ersten Auftauchen von Neros Schiff, der Narada, und ihrem Angriff auf die USS Kelvin etabliert er einen tricktechnischen Bombast, wie man ihn in den Vorgängern so noch nicht gesehen hat. Kaum verwunderlich bei einem Budget, das beinahe ums dreifache über dem des bisher teuersten Ablegers, Star Trek: Nemesis, liegt. Doch nicht nur Special Effects und Materialschlacht dominieren die ersten Minuten, auch an Emotionen und Tragik mangelt es nicht. George Kirk könnte kaum ein heldenhafterer Tod ereilen, James T. Kirk kaum eine schicksalhaftere und sagenträchtigere Geburt. Das kommt sicher nicht ganz ohne pathetische Reden und eine grundsätzliche Konstruiertheit aus, erreicht aber insgesamt sein Ziel, indem es nicht nur einen gefühlsmäßigen und optischen Höhepunkt gleich zu Beginn setzt, sondern sich auch einer der Stärken der Serie bedient: der Held bekommt einen persönlichen Bezug zum Schurken. Dies dupliziert sich sogar noch, wenn man später mehr über Neros Absichten und Hintergründe erfährt.

Nach dem krachenden, aufwühlenden Prolog (und einigen bekannten Piep-Klängen) mit mehr Drama und Dynamik, als bis dato den meisten Star Trek-Ablegern ingesamt innewohnte, bleibt es zunächst den Beastie Boys und ihrem ‚Sabotage‘ überlassen, den Lärmpegel aufrecht zu erhalten und nebenbei noch die Charakterisierung des führungslos-rebellischen jungen Kirk zu unterstützen. Die näheren Umstände leuchtet Abrams dabei nicht aus (Mama Kirk ist nicht auf dem Planeten, der Schwiegerpapa scheinbar ein Scheusal), muss er aber auch nicht. Sowohl bei Kirk, als auch während des folgenden Abstechers auf den Planeten Vulkan und hin zum kleinen Spock genügen dem Regisseur wenige Einstellungen von ausreichender Prägnanz, um ihre Kontroversen mit der Umwelt, besonders aber mit sich selbst zu vermitteln. Als Sohn eines Vulkaniers und einer Menschenfrau kämpft Spock um seine Identität, hin- und hergerissen zwischen seiner teilweisen Menschlichkeit und der emotionalen Distanziertheit und Logikfixierung seines Volkes. Unter den kühlen Schlussfolgerungen und der Unnahbarkeit, durch die sich die Vulkanier auszeichnen, brodelt der wohl spannendste und am stringentesten aufgebaute Konflikt des Films.



Bleibt der Spock-Part eine durchgehend sehr ernsthafte Auseinandersetzung mit Selbstwerdung und Positionierung unter Anderen (denn einen Gleichen kann Spock schließlich nicht finden), ist das Kirk-Analogon eher locker aufgebaut, großmäulig und frauenheldisch erstickt der Halbwaise Perspektivlosigkeit und Outlawtum eher in Arroganz und Überheblichkeit. Dass er dabei aus keiner Schlägerei als Gewinner hervorgeht und zuerst auf seiner großen Klappe landet, bevor sie ihn weiterbringt, macht diese Attitüde aber dennoch sympathisch und Kirk nicht etwa zum unausstehlichen Proleten. Der Bursche braucht keine tiefgreifende Selbsterkenntnis, sondern bloß einen Kanal. Dass Captain Pike in ihm mehr sieht, als einen nutzlosen Raufbold, ist zwar mehr einfach nur Notwendigkeit der Story denn tatsächlich aus dem bisher von Kirk gesehenen erschlossen. Doch unter dem Gesichtspunkt, dass der gutherzige Pike dem Sohn des verdienten Vaters unter die Arme greifen will, wird es dem naiv-optimistischen Charme des Universums von Serienerfinder Gene Roddenberry schon wieder vollauf gerecht.



Kirk ringt sich also zur Karriere bei der Sternenflotte durch und lernt nebenbei Uhura, Dr. McCoy und Spock kennen. In der eher ruhigen Phase der Exposition ist Star Trek mit vielen kleinen und größeren Anspielungen und in-jokes gewürzt, wie zum Beispiel Kirks Schummelaktion, die ihn als ersten Kadetten die Kobayashi Maru-Simulation bestehen lässt. Charakterzeichnung, Ausstattung und überwiegend auch der angeschlagene Humor (Kirk über Spock: »Who was that pointy-eared bastard?« McCoy: »I don’t know, but I like him.«) treffen hier den Ton der Vorlage auf eine Weise, die zugleich eine wohlige Vertrautheit und absolut unterhaltsame Originalität erweckt. Durch das stimmig arrangierte Zusammenspiel der Figuren verliert Star Trek abseits der Action nicht an Fahrt und kann sich dabei besonders auf die Besetzung verlassen. Der Cast ist kein namhafter, dafür ein sehr bedacht ausgewählter. Chris Pine gibt einen augenzwinkernd-einnehmenden Kirk, der William Shatners Ausstrahlung tatsächlich in nichts nachsteht. Gleiches gilt, in anderer Form, für Zachary Quinto als Spock. Hier passt die Optik und vor allem Quintos Fähigkeit, die runtergebremsten Emotionen Spocks hinter dessen Fassade zu zwängen, sie aber trotzdem jederzeit spürbar zu machen. Im Laufe der Story rückt Spock sogar um einiges deutlicher ins Zentrum als Pines Kirk, was absolut nicht zum Schaden des Films ist, fällt Spock doch letztlich die wesentlich dramatischere Rolle in Neros Rachefeldzug zu. Teilweise wird Kirk in seiner Entwicklung dabei zwar etwas zu sehr vernachlässigt, in der Dynamik mit Spock macht dieser geringe Mangel allerdings Sinn, definieren sich doch beide über weite Strecken an ihren extremen Gegensätzen und finden schließlich über diese in Freundschaft und Respekt zueinander. Zu erwähnen ist außerdem Karl Urban, der als tiradenhafter „Pille“ McCoy am ehesten ein fast perfektes Imitat seines Rollenvorgängers, in diesem Fall DeForest Kelley, gibt.



Mit dem Aufbruch in Richtung Spocks Heimatwelt Vulkan setzt die Action wieder zur Warpgeschwindigkeit an. Der jungen Crew werden noch einige nette Charaktermomente gegönnt, wenn etwa der Bordcomputer Chekovs russischen Akzent nicht versteht oder Navigationsoffizier Sulu einen Fehlstart mit der nagelneuen Enterprise hinlegt. Das gewagte Manöver zur Rettung des Vulkan, kilometerweit über dessen Oberfläche auf einer Plattform stattfindend, ist spektakulär inszeniert, wiederum tricktechnisch brilliant und bestätigt die alte Faustregel: red shirts finish first. Obwohl Star Trek ab hier nochmals mächtig an Rasanz zulegt, mit planetenfressenden schwarzen Löchern, zähnefletschenden Monstren und wummernden Weltraumschlachten enorme Schauwerte auffährt, muss man die Macher loben, dass sie dennoch die Figuren samt ihrer Eigenheiten nicht aus den Augen verlieren und ein gewisser Tiefgang in den Motiven und angesprochenen Themen nicht verloren geht. Star Trek ist auch in dieser (tricktechnisch) modernisierten und in Grundpunkten umgedeuteten Version kein hirnloses Schlachtenspektakel. Dadurch, dass der Film mehrere Aufgaben zu erfüllen hat (Charaktere einführen, ein Gruppengefüge aufbauen, sich innerhalb des Franchise positionieren, Fans befriedigen, seine Welt Nicht-Fans nahe bringen), kann nicht jeder Aspekt voll ausgereizt werden, doch das Spektrum ist mit Identitätsfindung, Isolation, dem Grauen eines Genozid und dem, was der Völkermord in den Figuren auslöst (oder auch nicht auslöst) breit gefächert. Damit wird genug Spannung und Anreiz erzeugt, der Story zu folgen und um darüber hinwegzutäuschen, das es einmal mehr „nur“ darum geht, die Erde zu retten. Zwangsläufig wird somit auch nicht jedes Klischee umgangen, selten fielen diese jedoch so wenig störend auf.

Star Trek bietet insgesamt zu viele hervorragend gelungene Elemente, als das überhaupt irgendetwas störend auffallen könnte, auch wenn besonders der Mittelteil ein bißchen random, ein bißchen episodenhaft ausfällt. Einziger echter kleiner Schwachpunkt ist der Mangel an Screentime und die etwas einfallslose Gestaltung des von Eric Bana gespielten Schurken Nero. Bana kann an sich schauspielerisch überzeugen, finster dreinschauen und Befehle raunzen, jedoch wird er an mancher Stelle zu versatzstückhaft an bekannte Star Trek-Bösewichte angelehnt. Zum Beispiel hantiert er, ähnlich wie Ricardo Montalban in The Wrath of Khan, mit gehirnmanipulierenden Kriechtieren herum und ist, wie die Borg in First Contact, auf Zeitreisemission, um seinem eigenen Volk die Zukunft zu retten. Am Ende und im Zuge der erwähnten Multifunktionalität des Films erfüllt Nero aber dennoch gut seinen Zweck als auf Seiten des Bösen vorantreibendes Element der Handlung, als Motivlieferer für das Zusammenfinden der Enterprise-Crew und ihrer beiden wichtigsten Mitglieder.



Letztendlich gelingt J.J. Abrams in technisch überragender Manier und erzählerisch mehr als zufriedenstellend der schwierige Spagat zwischen Vorlagentreue und Neuauslegung. Star Trek ist voranpeitschendes, genial eingefangenes Blockbuster-Kino, wie man es in letzter Zeit kaum besser gesehen hat, bleibt dem abenteuerhaften Pioniergeist der Roddenberry-Schöpfung dabei weitenteils treu. Würdigend, ohne in Ehrfurcht zu verharren, visionär, ohne sich von den Grundzügen zu entfernen. Michael Giacchino liefert einen entsprechenden Score, der die alten Hymnen mit neuen vereint, unter anderem einem imposanten Theme, und der ebenso ausgezeichnet für den Film, die Story und die Charaktere arbeitet, wie es Abrams Inszenierung tut. Man könnte Star Trek auch als „würdig“ bezeichnen, doch damit wird man dem, was hier geschaffen wurde, nicht annähernd gerecht. Der Film kann und wird eine ganz neue Generation von einem Mythos begeistern, den er eben nicht nur würdigt, sondern in großartiger Art und Weise fortführt und selbst ganz neu schafft.

Wertung & Fazit

Action: 4,5/5
Großartige Sequenzen, durch Soundkulisse und tolle Special Effects bisweilen ein wahres Bombardement an Eindrücken.
Spannung: 4/5
Die Story ist nicht unbedingt neu, aber ungemein packend umgesetzt. Die Interaktion und das Zueinanderfinden der Charaktere bietet außerdem für sich genommen viel Spannungspotenzial.
Anspruch: 2/5
Natürlich zuvorderst ein Unterhaltungsfilm, aber, ganz im Sinne seiner Vorfahren, ein durchaus intelligenter.
Humor: 2,5/5
Gut getimte Einlagen, die sich nicht aufdrängen und den Kern der Charaktere treffen.
Darsteller: 4,5/5
Die neue Crew ähnelt der alten nicht nur optisch und in diversen Angewohnheiten, sondern etabliert sich zugleich als Team von guten Schauspielern, denen man einfach ebenso gerne folgt, wie damals Shatner und co.
Regie: 5/5
J.J. Abrams beweist für sämtliche Aspekte einer solchen Blockbuster-Produktion ein überragendes Händchen und liefert ein Glanzstück.
Fazit: 9/10
Nahe an der Perfektion erhält der Film nur deshalb nicht die Höchstnote, weil der Neustart genügend Potenzial für noch mehr bietet. Alles in allem aber natürlich ein grandioses Sternenabenteuer.

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