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Stars im Portrait: DANIEL CRAIG

Von Riggs J. McRockatansky vor 7 Jahren geschrieben11 / 20090 Kommentare


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Portrait

Boygroup-Mitgliedern passiert es nicht selten, dass ein Engagement in einer solchen das Individuum so weit einschnürrt, dass der entstehende Druck sich über viele ungute Ventile entlädt: Depression, Sucht, Verzweiflung, Ausstieg. Teil einer der wirtschaftlich erfolgreichsten und langlebigsten Film-Franchises aller Zeiten zu werden kann in Sachen Verlust der eigenen Identität gegenüber der übermächtigen Figur vielleicht nicht ganz so dramatische Folgen haben, den ewigen Stempel der Rolle und das Prädikat, in ihr „gesiegt“ oder „versagt“ zu haben, bringt es aber zumindest mit sich. Als achtes Mitglied der Boygroup Bond nach Barry Nelson, David Niven, Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton und Pierce Brosnan wurde im Oktober 2005 der Brite Daniel Craig angekündigt. Und während ihm nicht wenige Fans und Medienvertreter den gefürchteten „versagt“-Stempel schon vor Drehbeginn aufdrückten, bedingt durch Argumente wie blonde Haare und gewisse Vorschriften rund um das Tragen von Schwimmwesten, überzeugte Craig in Casino Royale (fast) alle – darüberhinaus aber ebenfalls mit einer Vielzahl seiner Soloprojekte vor, während und mit Sicherheit auch nach Bond.



Daniel Wroughton Craig wuchs nach der Trennung seiner Eltern Timothy und Olivia in Liverpool und später in Wirral, Merseyside auf, wo seine Mutter, selbst Kunstlehrerin, mit dem in England bekannten Künstler Max Blond lebte. Ersten Auftritten im Alter von sechs Jahren in Schulaufführungen folgte zehn Jahre später der Umzug nach London, wo Craig dem National Youth Theatre beitrat und mit seiner älteren Schwester Lea die Hilbre High School und die Calday Grange Grammar School besuchte. Eine Schauspielausbildung begann Craig 1988 an der Guildhall School of Music and Drama, wo er 1991 abschloss. Seine Qualitäten als Womanizer kultivierte er schon in diesen Jahren, fiel dank seines Talentes aber vorrangig auf der Bühne auf. 1992 heiratete Craig die schottische Schauspielerin Fiona Loudon und spielte seine erste Filmrolle in der Romanadaption The Power of One mit Morgan Freeman, Stephen Dorff und Amin Mueller-Stahl. Dazu kamen Episoden-Auftritte in den TV-Serien Anglo Saxon Attitudes, Covington Cross, Boon (alle 1992), sowie Zorro und Drop the Dead Donkey (beide 1993).

Entscheidend voran brachte Daniel Craigs Karriere zunächst keines der Fernsehengagements, für größere Bekanntheit sorgte jedoch 1996 die neunteilige BBC-Miniserie Our Friends in the North. Anschließend spielte er in Anand Tuckers Drama Saint-Ex mit Bruno Ganz und Miranda Richardson (1996) und neben Heike Makatsch, mit der Craig sieben Jahre lang ein Verhältnis hatte, in Obsession (1997). Nach einer Nebenrolle in Shekhar Kapurs Oscar-prämiertem Elisabeth erhielt Craig für die Darstellung des Liebhabers von Maler Francis Bacon, gespielt von Derek Jacobi, in Love is the Devil (beide 1998) den British Performing Award. Nach weiteren TV-Auftritten, unter anderem in The Adventures of Young Indiana Jones (1999), drehte er unter Hugh Hudsons Regie die Kim Basinger-Schmonzette I Dreamed of Africa, spielte in Some Voices den schizophrenen Ray und wurde hierfür mit dem Independent Film Award ausgezeichnet, neben Toni Collette war er in der schwarzen Komödie Hotel Splendide (alle 2000) zu sehen und bekam auf der Berlinale einen Preis als Britischer Shooting Star des europäischen Films.



Mit einer alles andere als mainstreamgefügigen Rollenauswahl hatte Daniel Craig sich in Europa als Charakterdarsteller etabliert, der ohne sich von Genregrenzen einengen zu lassen seine Klasse in innovativen und gewagten Projekten (oder zumindest, was als solches gilt) bewies. Nach dem TV-Kriegsdrama Sword of Honour konnte auch Hollywood Craigs Gletschereisaugen nicht mehr widerstehen und mit Lara Croft: Tom Raider (beide 2001) und vor allem wegen seiner starken Performance neben Tom Hanks und Paul Newman in Sam Mendes‘ Road to Perdition (2002) machte er sich auch dort schnell einen Namen. Craig ließ sich davon jedoch keineswegs entwurzeln und schlug zahlreiche folgende Angebote aus, um weiterhin am Theater und in ambitionierten Projekten wie dem Episodenfilm Ten Minutes Older: The Cello, dem TV-Film Copenhagen (beide 2002) und dem Drama The Mother (2003), worin Craig eine Affäre mit der Mutter seiner Freundin hat, aufzutreten. Es folgte Sylvia (2003) mit Gwyneth Paltrow und Michael Gambon, für seine Darstellung in Enduring Love erhielt Craig den ALFS Award, Matthew Vaughns gewitzter Crime-Thriller Layer Cake (beide 2004), in dem Craig einen namenlosen Gernegroßgangster gibt, erlangte nicht nur in seiner britischen Heimat Kultstatus.

Mit dem Psychothriller The Jacket, Steven Spielbergs München (beide 2005) und der Capote-Alternative Infamous (2006), in dem er den Mörder Perry Smith spielt, kehrte Daniel Craig ins amerikanische Kino zurück und nachdem er die Rolle zuvor mehrmals abgelehnt hatte konnte Produzentin Barbara Broccoli ihn mit einem fürstlichen Gagenangebot schließlich zu Casino Royale überreden. Der offiziell 21. Bond-Film wurde zum überwältigenden Erfolg und die Neuorientierung der Reihe mit Craigs enormem physischen Einsatz, aber auch einer psychologischen Tiefengebung der Figur des Geheimagenten wurde nach allen anfänglichen Zweifeln letztlich mit offenen Armen empfangen. Der gestählte, aber Verletzlichkeit zulassende Craig wurde mit Härte und vom manierlichen Habitus seiner Vorgänger befreit zum Sexsymbol, mit dem Evening Standard-Filmpreis geehrt und als erster Schauspieler in der Rolle des Agenten überhaupt für den BAFTA-Award nominiert. Vor seinem nächsten Eineinsatz für den MI-6 war er jeweils neben Nicole Kidman Co-Star in Oliver Hirschbiegels verunglückter Körperfresser-Interpretation Invasion und dem besonders an verkehrten Marketingmaßnahmen und damit geschürrten Erwartungen scheiternden Fantasystreifen Der Goldene Kompass (beide 2007). Bei Flashbacks of a Fool (2008) verhalf Craigs gestiegener Ruhm seinem Freund Baillie Walsh zur Finanzierung eines großartigen Regiedebüts, in dem der Star als abgewrackter Schauspieler, der seine Vergangenheit bewältigen muss, überzeugt.



Kommerziell mit beinahe identischen und dementsprechend überragenden Zahlen wie der Vorgänger, gefiel Bond 22, Ein Quantum Trost (2008), erzählerisch und ästethisch mit unübersichtlichen Schnittgewittern nicht vollends, gilt aber dennoch als konsequente Fortführung der neuen Gangart der ewigen Reihe. Daniel Craig wurde außerdem mit der Goldenen Kamera als Bester Schauspieler international ausgezeichnet. Für Edward Zwick stand er 2008 zudem für den WorldWarII-Actioner Defiance vor der Kamera und ist an Steven Spielbergs und Peter Jacksons dreiteiligem Megaprojekt The Adventures of Tintin (vorraussichtlich 2011) beteiligt. Ebenfalls 2011 wird auch Bond 23 erwartet, der den über Casino Royale und Ein Quantum Trost gespannten Handlungsstang abschließen soll. Ob Craig im Anschluss daran weiterhin auf die Jagd nach Superschurken und Frauenhöschen gehen wird, wird sich zeigen. Als Schauspieler, der nicht nur mit seiner kraftvoll-rohen Präsenz Action-Parts meistert, sondern genauso viel Feingefühl und Emotion in seine Darbietungen legen kann, wird er mit Hang zu ungewöhnlichen, herausfordernen Stoffen so oder so erhalten bleiben.

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