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Stars im Portrait: KATE WINSLET

Von Riggs J. McRockatansky vor 8 Jahren geschrieben11 / 20090 Kommentare

Portrait

Misst man sie an dem, was in Hollywood für weibliche Stars als Standard gilt, so hat Kate Winslet zweifellos eine gänzlich ungewöhnliche Karriere hinter und höchstwahrscheinlich auch vor sich. Denn dass die Britin sich und ihre einmalige Klasse doch noch in den Dienst glattgebürsteter Massenproduktionen stellt und womöglich sogar ihren kurzen, aber überaus erfolgreichen Ausflug ins Sangesfach zu einer Dauerreise macht, davon ist bei ihr eigentlich nicht auszugehen. Winslet gilt zwar spätestens nach einer der überfälligsten Oscar-Auszeichnungen in der Geschichte der Academy als DIE gefeierte Actrice, die bei Publikum wie Kritikern gleichermaßen hoch im Kurs steht, doch hat sie dies auf eine wunderbar eigenständige Art geschafft. Kate Winslet: she does it her way…

Die Schauspielerei ist in Winslets Familie Tradition. Ob ihre Großeltern, die in ihrer Heimat Reading das Theater leiteten, ihre schauspielernden Eltern und Geschwister, oder ihr Onkel, der Musical-Star, Kates Weg war ein vorgezeichneter. 1986 begann sie an der Redroofs Theatre School mit dem Schauspielunterricht und erhielt ihre erste Rolle in einem Werbespot. Aufgrund ihrer pummeligen Gestalt wurde Winslet von Mitschülerinnen gehänselt und verspottet, woraus sie allerdings Stärke und Überzeugung zog, statt sich unterkriegen zu lassen. In Schulaufführungen spielte sie größere Rollen in Peter Pan, A Game of Soldier, sowie What the Butler Saw, bevor sie 1990 in dem Drama Shrinks zum ersten Mal in einem Fernsehfilm auftrat. Dem folgten die Rollen in den Serien Dark Season (1991), Get Back und einem weiteren Fernsehfilm, Anglo Saxon Attitudes (beide 1992).

Dark Season machte indes noch auf andere Weise auf Winslet aufmerksam. Die damals 15jährige begab sich in eine Beziehung mit dem dreizehn Jahre älteren Kollegen Stephen Tredre, den sie am Set der Serie kennenlernte. Dies begründete gemeinsam mit Winslets schrägem Modegeschmack und ihrer Resistenz gegenüber öffentlich-damenhaftem Benehmen ihren Ruf als rebellische Exzentrikerin. Winslet war jedoch nicht etwa auf einen öffentlichkeitswirksamen Skandal aus, tatsächlich verbanden sie und Tredre eine innige Freundschaft, die mit seinem Krebstod 1997 ein tragisches Ende fand.



Bis dahin hatte sich Winslets Schauspielkarriere erstaunlich weiterentwickelt und nach ihrem Spielfilmdebüt in Peter Jacksons formidablem Heavenly Creatures (1994) und dem unbedeutenden A Kid in King Arthur’s Court (1995), trat sie neben der ganz großen britischen Schauspielprominenz in Ang Lees Sinn und Sinnlichkeit auf und wurde dafür 1996 zum ersten Mal für den Oscar nominiert. Es folgten Michael Winterbottoms Jude und die Hamlet-Interpretation von Kenneth Branagh (beide 1996), bevor Winslet schließlich 1997 der ganz große Durchbruch in einem der größten Filme aller Zeiten vergönnt war. James Cameron engagierte sie für sein Mammutprojekt Titanic und an der Seite von Leonardo DiCaprio schipperte der Film einem bis heute unüberbotenen finanziellen Erfolg und Winslet selbst ihrer zweiten Oscar-Nominierung entgegen. Die oft gedroschene Phrase „über Nacht zum Superstar“ wurde ihr so hartnäckig wie unpassend angehängt. Winslet, deren Vorgabe für Titanic »abspecken« gelautet hatte, nahm aus dem Erfolg jedoch vor allem die Lehre mit, sich weiterhin keinen Mechanismen unterordnen zu wollen und statt Angebote für prestigeträchtige Produktionen wie Shakespear in Love oder Anna und der König anzunehmen, wandte sie sich anspruchsvollen und vom Publikum überwiegend ignorierten Indie-Filmen zu. In Marrakesch (1998), Holy Smoke (1999), Quills (2000) und Enigma (2001) spielte Winslet ohne jede Eitelkeit eines angeblichen Weltstars und reifte stattdessen zur vielseitigen Charakterdarstellerin, der die Figur und was diese fordert stets wichtiger ist, als sich selbst zu präsentieren. Für Iris (2001) erhielt sie, gerade einmal 26 Jahre alt, bereits ihre dritte Oscar-Nominierung und machte in einer Nacktszene zudem deutlich, dass sie ihre weiblichen Kurven keinem Schlankheitswahn opfert.

Der Animationsfilm Eine Weihnachtsgeschichte (2001), für den sie zum ersten Mal eine Synchronisatiosarbeit leistete, brachte außerdem die Singleauskopplung des Songs „What If“ mit sich, den Winslet sang. „What If“ wurde zu einem Nr. 1-Hit und trotz reichlicher Angebote und eines nicht zu leugnenden stimmlichen Talents weigerte sich Winslet, weitere Lieder aufzunehmen und bewies erneut, dass sie keinem Trend (in diesem Fall dem des singenden Schauspielers) hinterher zu hecheln bereit ist.



Neben Kevin Spacey und Laura Linney bot Winslet eine weitere tolle Performance im Todesstrafe-Drama „Das Leben des David Gale“ (2002). Nach ihrer Hochzeit mit Regisseur Sam Mendes spielte sie 2004 in zwei der meistgelobten Filme des Jahres. Für die genial-ungewöhnliche Lovestory Eternal Sunshine of the Spotless Mind gab es Oscar-Nominierung Nummer vier, in Marc Forsters bezaubernd schönem Finding Neverland glänzte sie an Johnny Depps Seite und beide Filme verdeutlichten erneut Winslets Facettenreichtum, mit dem sie jedem Charakter zur Einzigartigkeit verhilft. In John Turturros Musical Romance & Cigarettes (2005) schloss sie sich einem hochkarätigen Ensemble um James Gandolfini, Susan Sarandon Christopher Walken und Steve Buscemi an und spielte im nicht minder namhaft besetzten All the King‘s Men (2006). Diese wurden von Kritikern jedoch eher verhalten aufgenommen, ganz im Gegensatz zu Todd Fields Meisterwerk Little Children (2006), das Winslet mit einer hingebungsvollen Leistung adelt, die ihr die unglaubliche fünfte Nominierung für den Goldjungen einbrachte. Im selben Jahr war sie außerdem in der eher harmlosen Liebeskomödie Liebe braucht keine Ferien zu sehen, in der sie mit Cameron Diaz einer der typischsten Hollywood-Blondinen gegenübersteht.

Im Jahr 2009 war es schließlich so weit und Kate Winslet feierte einen Triumpf, den ihr wirklich ausnahmlos jeder gönnte: für ihre Darstellung der KZ-Aufseherin Hanna Schmitz in Stephen Daldrys nicht unumstrittener Romanverfilmung Der Vorleser (2008) erhielt sie bei der sechsten Nominierung endlich den ersten Oscar und daneben viele weitere Preise, ebenso für das abgründige Drama Zeiten des Aufruhrs (2008), inszeniert von ihrem Ehemann Mendes und nach „Titanic“ wieder gemeinsam mit DiCaprio. Kate Winslet ging damit endgültig in die Geschichtsbücher der Academy Awards ein, keine Schauspielerin wurde in ihrem Alter öfter berücksichtigt.



She does it her way, und ohne Zweifel hat dies Kate Winslet heute zu einer der besten Darstellerinnen überhaupt gemacht, die ohne jede Scheu zu sich selbst steht und ihre Rollen mit einer Tiefe und Reichhaltigkeit ausfüllt, dass man sich nicht nur ihrer natürlichen Schönheit wegen gar nicht an ihr satt sehen kann. Da gibt es kaum eine, die herzhafter lachen, leiden, auf der Leinwand leben kann; und eindrucksvoller als an ihrem Beispiel ist nicht zu beweisen, dass Popularität nicht im Verhältnis zu sinkender Kleidergröße, plastischer Chirurgie und chronischer menschlicher Bedeutungslosigkeit steht. Dabei bleibt Kate Winslet in all ihrer Großartigkeit eine so ungezwungene, warme Persönlichkeit, nebst allem Ruhm eine so außergewöhnlich gewöhnliche Erscheinung, wenn sie zum Beispiel ungeschminkt an Flughäfen Autogramme schreibt, dass man sich ihr nicht entziehen kann und diese Frau einfach verehren muss.

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