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Stars im Portrait: MICHAEL BAY

Autor: am 26.11.2009, um 00:30 Uhr | Kategorie: Stars im Portrait | 1 Kommentar


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Portrait

Michael Bay gehört zu einer Generation von Filmemachern, die aus der Werbe- und/oder Musikvideoszene heraus „rekrutiert“ wurden (wie zum Beispiel auch die von der Kritik ungleich geschätzteren Spike Jonze und Michel Gondry). Nach einem Studium am Art Center College of Design in Pasadena inszenierte er ab 1984 Spots für verschiedenste Marken und Musik-Clips für Künstler und Bands wie Lionel Richie, Tina Turner oder Aerosmith. Besonderes Lob und Beachtung erhielten hierbei die visuell und erzählerisch sehr cineastisch aufgebauten Clips zu Meat Loafs I’d Do Anything for Love (but I Won’t Do That) (1993), sowie Objects in the Rear View Mirror May Appear Closer Than They Are (1994). Auch und besonders dürften es diese beiden Videos gewesen sein, die die Produzenten Don Simpson und Jerry Bruckheimer auf Bay aufmerksam machte. Das erfolgsverwöhnte Duo vertraute dem Neuling 1995 die Regie des Action-Streifens Bad Boys an, dessen Drehbuch sich bereits seit 1986 in ihrem Besitz befand, einiges an Änderungen durchlaufen hatte und für dessen Umsetzung ein verhältnismäßig geringes Budget von knapp 19 Millionen zur Verfügung stand. Dies merkte man dem recht überschaubaren Maßstab des Films zwar an, dennoch wurde er mit den Sprüche reißenden Helden und soliden Baller- und Explosionsszenen zum Hit und begründete nebenbei die Filmkarriere des Will Smith. Bereits vorhanden waren einige obligate Stilmittel Bays, wie die durchgestylte Hochglanzoptik, energetische Schnitte, pathetische Zeitlupen – und Schwächen in Storytelling und Charakterzeichnung, vor allem bei den zweckdienlich mittelheiligenden Nebenfiguren.



Simpson/Bruckheimer waren restlos überzeugt, aber auch Kritiker und Publikum waren letztlich mit Bad Boys sehr einverstanden und die eingangs erwähnte Spaltung innerhalb der genannten Parteien vollzog sich so erst mit dem Folgewerk The Rock. Hier störten sich die ersten entschieden an der hektischen Videoclipästhetik und Eindimensionalität und tatsächlich schwelgt der Fels der Entscheidung (dt. Untertitel) in einigen Momenten zu sehr in von Bombastmusik untermalten Heldenposen, lässt sich aber ohne weiteres zu den besten Actionproduktionen der 90er Jahre zählen. Bay bestätigte sein Talent für zwar oberflächliches, aber auf rein audio-visuell orientierter Ebene auch enorm unterhaltsames und ungezwungen-anspruchsloses Blockbuster-Kino, dem man sich bedenkenlos zwei Stunden hingeben kann. Dies taten 1998 ganze Scharen, als Bruce Willis die Welt vor der Vernichtung durch einen Asteroideneinschlag rettete. Armageddon wurde zu Bays bis dahin größtem Erfolg und ist in seinem bisherigen Gesamtwerk wohl der Film, bei dem es am deutlichsten love it or hate it heißt. Einmal mehr optisch wie akustisch bombastisch, ersäuft das Spektakel aber auch in seinen kitschig-pathetischen Plattheiten, logischen Genikbrüchen, seinem schwülstigen Patriotismus und der abstrusen Gesamtkonstruktion um einen Haufen Ölbohrspezialisten, die per Crashkurs zu Astronauten ausgebildet werden. Den thematisch ähnlichen, weniger spektakelfixierten Deep Impact, der ein paar Monate früher startete, ließ Armageddon dennoch deutlich hinter sich und wurde zum weltweit erfolgreichsten Film des Jahres.

Den unrühmlichen Höhepunkt seiner zweifelhaften Inszenierungsattribute erreichte Bay schließlich 2001, als er unter Produzent Bruckheimers Vorgabe, einen Erfolg in Titanic-Regionen (mit 1,8 Milliarden an weltweitem Einspiel erfolgreichster Film aller Zeiten) zu landen, Pearl Harbor schuf. Zwar bringt der Kalifornier in der knapp ¾stündigen Angriffssequenz auch wieder alle seine Vorzüge zum Vorschein, trotzdem ist der Film (und da gibt es ausnahmsweise nur wenige zweite Meinungen) ein unsagbar dreistes Propagandawerk, das sich eines tragischen historischen Ereignisses nicht respekvoll annähert, sondern es bloß zu berechnet-komerziellen Zwecken ausschlachtet. Das ist in Bays Werk konsequent, wirkt hier aber völlig verfehlt und im Gegensatz zu seinen rein fiktiven Krawall-Produkten einfach unehrlich. Gerechterweise wurde Pearl Harbor nicht zu dem großen erhofften Überhit, sondern lief lediglich solide. Zurück auf das Gelände reiner Unterhaltungsware ohne jeden zu erfüllenden Anspruch begab sich Michael Bay zwei Jahre später mit Bad Boys 2. Dieser wurde zum erwarteten Hit, spielte knapp das Doppelte des Vorgängers ein, kostete allerdings auch annähernd das 10fache. Mit hyperaktiver Kamera und wesentlich höher skaliertem Actionanteil überzeugte die Rückkehr der bösen Jungs wiederum als pflichtbewusster und –erfüllender Buddy-Actioner, oder enttäuschte als seelenloses Gewaltspektakel, mit dessen teils makaberer Note sich mancher nicht anfreunden konnte, obwohl der Film durch den Verzicht auf political correctness (auch als Remineszens an „klassisches“ Action-Kino) seine eigene Kommerzialisierung durchaus wirkungsvoll auskontert.



Außerdem gründete Bay 2003 gemeinsam mit Andrew Form und Brad Fuller die Produktionsfirma Platinum Dunes, die durch ihre Spezialisierung, der Neuverfilmung großer Horrorklassiker, zum weiteren großen Herd der (mehr und mehr persönlich/unsachlich werdenden) Kritik gegenüber Bay wurde. Bisher produzierte Platinum Dunes unter anderem Remakes zu Texas Chainsaw Massacre (2003), The Amityville Horror (2005) und Freitag der 13. (2009), die allesamt Lob und Verrisse im Gleichgewicht einfuhren, bei geringen Kosten aber teils überragende Einspielergebnisse erzielten. Ungewohnten Zuspruch der Rezensenten und ironischerweise Ablehnung seitens des Publikums erntete Bay 2005, als er erstmals ohne Produzent Jerry Bruckheimer Die Insel verwirklichte, in den Hauptrollen Ewan McGregor und Scarlett Johansson. Interessante und zeitkritische Anklänge in der ersten, zurückgehaltenen Hälfte des Films opfert Bay später einem weiteren ausufernden Effekte-Spektakel, welches insgesamt dann doch zumindest ansatzweise über etwas Tiefgang verfügt und bei Kosten von 126 Millionen in den USA gewaltig floppte (knapp 36 Millionen Einspiel).

Spielzeugroboter bewahrten Bay 2007 vor einer drohenden Krise: mit riesigem Erfolg hievte er gemeinsam mit Steven Spielberg die Transformers auf die große Leinwand und lieferte eine dröhnende CGI-Orgie, deren Qualität viele positiv überraschte, konnte man bei dem Grundgedanken, aus formwandelnden Riesenrobotern einen Film zu machen, kaum an ein wertvolles Ergebnis denken. Zwar ist auch der Maschinen-Clash von einer unangenehm aufdringlichen Militär-Verherrlichung durchzogen und verlässt sich über weite Strecken auf sein simples „wow“-Potenzial, ist neben seinem erstickenden Bombast aber sympatisch naiv und geht charmant mit seiner eigenen Belanglosigkeit um. Die Effekt- und Actionportionen in Sachen Anschauungswert und auch den Erfolg des Vorgängers toppte im Jahr 2009 noch das Sequel Transformers: Revenge of the Fallen, bei den Kritikern fiel er allerdings komplett durch und kann mit grenzwertig dümmlichem Humor und diesmal kaum mehr zu irgnorierender übler Militärpropaganda tatsächlich nicht wirklich abseits der Hochglanzoptik überzeugen.



Michael Bay bietet unzweifelhaft mehrere Meter Angriffsfläche für harscheste Kritik an seinem Stil. Recht tut man ihm damit nur sehr bedingt. Zum einen weiß mittlerweile jeder, worauf er sich bei Bay einzulassen hat und da er in seinen Möglichkeiten kaum variiert und seine Werke niemals als mehr anpreist, als sie letztlich sind, nämlich sinnbetäubend-eskapistisches Entertainement, betrügt er niemandem um etwas anderes. Bay steht zu dem, was er tut und ist dabei nicht frei von Selbstironie. So gibt es eine Szene in Transformers, in der Bösewicht Megatron einen Passanten mit dem Kommentar »Disgusting!« gegen ein Fahrzeug schleudert. Dieser Passant ist der Regisseur selbst. Bay versucht nicht, mehr zu verkaufen, als er dem Publuikum zu bieten hat, und das ist zumindest (fast) immer beste Unterhaltung, die die Grenzen der Sinneswahrnehmung ausreizt, auf Kosten dessen, dass sie einen im Innern überwiegend kalt lässt. Das kann abstoßend sein – oder für den Moment zutiefst befriedigend, doch da werden die Meinungen wohl ewig gespalten bleiben…

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