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Review: DER ZAUBER VON MALÈNA

Von Riggs J. McRockatansky vor 8 Jahren geschrieben11 / 20090 Kommentare

Story

Italien, 1940: im kleinen sizilianischen Örtchen Castelcutò meldet das Radio die Kriegserklärung des Duce del Fascismo Mussolini an England und Frankreich. Doch nicht nur der zwölfjährige Renato Amoroso und seine Klassenkameraden interessieren sich für jemanden ganz anderes. Die ganze Stadt blickt auf die Schritte der aufregenden Malèna Scordia, die Männer begehren sie, die eifersüchtigen Frauen verachten sie. Nachdem Malènas Ehemann in Nordafrika fällt, werden die Gerüchte um ihre sexuellen Verfehlungen immer lauter, mehr und mehr hat sie unter Wollust und Verachtung zu leiden. Einzig Renato, der Malèna auf Schritt und Tritt folgt und sein Herz an sie verloren hat, weiß um ihre wahre Geschichte…

Der Film

Die Entdeckung der Sexualität hin zur Mann- und Frauwerdung darf mit pubertärem Fäkalhumor, zotigen Anspielungen und am liebsten in vorehelicher Keuschheit problemlos in filmischer Form stattfinden. Die Darstellung erotischer Vorgänge, die das Zeigen von entkleideten Körpern in Sinnlichkeit und die Annäherung an die eigenen Leidenschaften nicht nur als physischen, sondern auch als einen Akt des Geistes zelebrieren, haben es da auf gewissen Märkten ungleich schwerer. Der Zauber von Malèna, geschrieben und inszeniert von Oscar-Preisträger Giuseppe Tornatore, spart zwar nicht mit Zoten, noch weniger aber an in vollendeter Schönheit eingefangenen Reizen, weshalb der Film für den US-Markt um eine satte Viertelstunde gekürzt wurde. Sex sells, solange er lächerlich gemacht wird, Nacktheit in schattenschaffendem Gegenlicht gefilmt wird oder gar nicht passiert, aber bitte nicht in Verbindung mit künstlerischem Anspruch.


DER ZAUBER VON MALENA Pic1


Gekürzt wie ungekürzt, einen gewissen Zauber hat der Film letztlich so und so all den keuschen und moralisch verlogenen Kitschdramen oder frivolen Teenie-Komödien voraus, und das vorwiegend aus drei Gründen:

– la musica di Ennio Morricone: Der Zauber von Malèna ist ein Körper und Morricones Musik ist sein Gang.
Der Tag, an dem Italien England und Frankreich den Krieg erklärt, ist für Renato Amorose der Tag, an dem er ein neues Fahrrad bekommt und an dem er sie zum ersten Mal sieht. Den Kopf gesenkt, die Augen halb geschlossen, in weißer Bluse und Rock schreitet Malèna an ihm und seinen Klassenkameraden vorbei und während alle nur daran denken, in welche Körperöffnung sie Malène ihre schwellende Männlichkeit stecken wollen, entdeckt Renato in ihrem Anblick die Liebe. In einer Zeit, als Frauen in Sizilien nur durch ihre Männer existierten, als Ehefrauen und Mütter, sorgt Malèna durch ihre bloße Anwesenheit für Aufsehen, denn durch Bewusstes, durch Taten löst sie es nicht aus. Die Männer geifern nach ihrer Schönheit, die Frauen ergehen sich in Neid und Eifersucht. Sie ist bloßes Objekt sexueller Begierde und niederträchtiger Missgunst. Nur Renatos Blick, wenn er auch jeden Abend im Gedanken an Malèna onaniert, richtet sich auf eine einsame Frau, deren Schönheit sie zum Opfer verachtenswerter Umstände macht, die ihren Mann und ihren Vater an den Krieg verliert und deren Trauer anderen zum Nutzen wird. Der Film hält über die gesamte Laufzeit ein kaum variiertes Tempo, sein Schritt ist aber mal federleicht, voller Komik und witziger Situationen, Morricones Musik dabei beschwingt und locker. Dann verändert sich der Schritt, wird schwerer, weniger ausschreitend, je mehr Lasten Malèna auferlegt werden, je mehr Renato einsehen muss, dass seine unausgesprochene Liebe sie nicht zu schützen vermag. Dies verbindet Morricone mit großartigen, tieftraurigen Kompositionen. Der Oscar-nominierte Score folgt in exakt abgepasstem Gang den Facetten der Geschichte.


DER ZAUBER VON MALENA Monica Bellucci nackt Brueste


– il cineoperatore Lajos Koltai: Der Zauber von Malèna ist ein Körper und Koltais Kamera ist sein Gewand.
Ob hoch über dem Dorf schwebend, durch dessen Straßen schwenkend, oder auf den Gesichtern der Schauspieler verharrend, ob beobachtend durch ein Loch in der Hauswand, an Gebäuden und Körpern entlang gleitend, herrlich sind stets die Bilder, in die der ungarische Kameramann Koltai den Film kleidet. Vieles geschieht dabei durch Renatos staunende, verzückte Augen und den Bildern gelingt es, die aufwallenden Gefühle und sexuellen Phantasien des Jugendlichen zu transportieren. Renato beginnt, Malèna in seinem Alltag in jeder anderen Frau zu sehen, sie ist seine Lehrerin, sie ist die Prostituierte, die ihm seine erste Erfahrung verschafft, sie ist jede Schauspielerin in den alten Schwarz/Weiß-Klassikern, die er im Kino sieht und Renato selbst ist der Held, dem sie in den Armen liegt.Gerade letzteres Element sorgt für optische Abwechslung und einen Großteil der Komik des Films, wobei beispielsweise auch die theatralischen Gesten von Renatos Papa, der ob der Onaniewütigkeit seines Sohnes um dessen Sehkraft fürchtet, in ihrer Weitschweifigkeit toll eingefangen werden und Luciano Federico einige brüllend komische Auftritte verschaffen. Doch ihr elementares Motiv findet die Kamera natürlich in der Hauptdarstellerin.

– e finalmente la bella Monica Bellucci: Der Zauber von Malèna ist ein Körper und Bellucci ist sein fleischliches Äußeres und sein zerbrechliches Inneres.
Die Rolle einer Schönheit, die eine ganze Stadt um den Verstand bringt, kann man kaum jemandem so selbstverständlich abnehmen, wie Monica Bellucci. Bei dem ehemaliegen Model kann man nicht von „Geschmackssache“ oder dem „Auge des Betrachters“ sprechen, hier hat man es mit einer über jede Subjektivitätsgrenze hinaus atemberaubenden Frau zu tun, die in ihrer Vollkommenheit die ultimative Verkörperung für Malèna ist. Ihren Augen, ihren Lippen, ihrem Busen, ihrer Taille, ihrem Hintern, ihren Beinen gilt im Film die Aufmerksamkeit der Männer aller Altersklassen und der Kamera, von der jeder ihrer Reize ausgiebig, in huldigender Eleganz und wiederum durch die ihre Unschuld verlierenden Augen Renatos gezeigt wird. Die Geschichte, Tornatores Regie und vor allem Belluccis Spiel nähern sich dieser Figur hingegen ganz und gar nicht voyeuristisch, in keinem noch so sehr mit ihrer erotischen Kraft aufgeladenen Moment verkommt sie zum puren Lustobjekt für den Zuschauer. Zu verabscheuenswert sind dazu zum einen die Geilheitsbekundungen der Männer und die bösartigen Gerüchte der Frauen, die Tornatore von Beginn an einflechtet und gegen die Renato vorgeht, indem er in Getränke spuckt, Handtaschen pinkelt und in der Kirche Beistand für Malèna erbittet. Zu aufrichtig ist zum anderen Renatos Liebe, der man durch Aufkeimen, Phantasieren, sexuelle Bedürftigkeit, Hoffen, Verzweiflung und bis in ihre Unendlichkeit folgt. Zudem und hauptsächlich sorgt Monica Bellucci selbst für die Wahrnehmung Malènas als Mensch. Auch wenn ihr Hintergrund nicht erklärt wird, vereint sich in ihrem Gesicht, ihren kleinen Regungen doch scheinbar eine ganze Welt aus Einsamkeit und Verlorenheit, aber auch aus Stärke und Mut, die diese Frau bereits hinter sich hat. So ist es letztlich nicht ihr Körper, der in Erinnerung bleibt, es ist ist Belluccis Fähigkeit, Malèna ein Inneres zu geben, dass nur aus ihr heraus existieren kann, da die Geschichte es nicht erzählt.


DER ZAUBER VON MALENA Pic2


Der Zauber von Malèna ist ein Film in und über Schönheit, über ihre Kraft, ihre Wirkung und das Verderben, dass sie auszulösen im Stande ist. Während im Radio immer wieder Berichte über die Verluste der italienischen Truppen verkündet werden (und Tornatore Kritik gegenüber dem faschistischen Regime zumindest andeutet), bleibt Malèna trotz allem das vorrangige Gesprächsthema. Aus Angst vor ihren Frauen geben die Männer ihr keine Arbeit, die Frauen verkaufen ihr minderwertige Waren, so dass Malèna gezwungen ist, auf anderen Wegen Rechnungen und Lebensmittel zu zahlen, wodurch sie in einen immer absurderen Strudel aus Anschuldigungen gerissen wird, der in einem schockierenden Akt der Gewalt eskaliert, als der Krieg endet. Kamera, Musik und Hauptdarstellerin sind die herausragenden Vorzüge des Films, in seinem Debüt überzeugt außerdem Giuseppe Sulfaro als Renato. Die lebhafte Komik und das Erwachsenwerden des Jungen unterhalten ebenso gut, wie die sich steigernde Tragik der Protagonistin berührt und bestürzt. Die Geschichte bleibt zwar eine einfache, an manchen Stellen sogar eine etwas zu konstruierte und überspitzte, ist aber dennoch weit mehr als bloßes Gerüst zwischen den Szenen, in denen Monica Bellucci nackt zu sehen ist. Womit Der Zauber von Malèna einen weiteren Punkt gegenüber den meisten jener Filme voraus hat, die ungekürzt (und ausschließlich) von Sex handeln dürfen.

Wertung & Fazit

Action: 0,5/5
Spannung: 2/5
Anspruch: 3,5/5
Humor: 3/5
Darsteller: 4,5/5
Regie: 4,5/5
Fazit: 8/10
Eine intime Geschichte vor großem Hintergrund, zwischen heiterer Komik und tiefer Tragik.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

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