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Stars im Portrait: ROBERT DE NIRO

Autor: am 26.11.2009, um 04:00 Uhr | Kategorie: Stars im Portrait | 0 Kommentare


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Portrait

»Ask your friends in the neighborhood about me. They’ll tell you I know how to return a favor.« (Don Vito Corleone, Der Pate II)
Fragt man nach dem größten, dem besten Schauspieler aller Zeiten, so kommt man bei dieser subjektiv gestellten und eigentlich nicht zu beantwortenden Frage doch recht schnell und mit objektiver Gewissheit auf den Namen Robert De Niro. Kaum ein Mime nimmt einen derart unangefochtenen Rang im Olymp der absoluten Top-Darsteller ein und kaum einer hat größeren Anspruch darauf. Vielleicht gibt es aber auch einfach nur nicht genügend andere Worte, um De Niro gerecht zu werden und man greift deshalb auf das eigentlich nichtssagende „beste“ zurück. Wie dem auch sei, zu den herausragendsten und wichtigsten Akteuren, zu den Legenden des modernen Hollywood-Kinos zählt der gebürtige New Yorker ohne Zweifel.



»You talkin’ to me? You talkin’ to me? Then who the hell else are you talking…« (Travis Bickle, Taxi Driver)
Aufgewachsen in Little Italy, Manhattan, hatte Robert De Niro seinen ersten Auftritt auf einer Bühne im Alter von zehn Jahren, als er im Zauberer von Oz den ängstlichen Löwen gab. 1963 engagierte ihn Brian De Palma für The Wedding Party, eine Komödie, die allerdings erst sechs Jahre später veröffentlicht wurde. So war De Niro stattdessen zuvor bei einem Kurzauftritt in Trois chambres à Manhattan (1965), dem ebenfalls von De Palma inszenierten Greetings – Grüße (1968) und in der Hauptrolle des Dramas Sam’s Song (1969) zu sehen. Nach einigen weiteren unbedeutenden Rollen folgten 1973 die ersten Ausrufezeichen und zudem begann eine der künstlerisch fruchtbarsten Kolaborationen der Filmgeschichte. Zunächst gewann De Niro für seine Darstellung des Baseballspielers Bruce Pearson in Bang the Drum Slowly den New York Film Critics Award, anschließend kam es zur ersten Zusammenarbeit mit Martin Scorsese, der ihn in seinem dritten Spielfilm Hexenkessel besetzte. Hierfür gewann De Niro den Award der National Society of Film Critics als bester Nebendarsteller. Dies machte schließlich das nächste Schwergewicht des Filmeschaffens auf ihn aufmerksam und De Niro ergatterte die Rolle des jungen Don Vito Corleone in Francis Ford Coppolas Der Pate II (1974). Nicht nur tat die Fortsetzung es ihrem Vorgänger gleich und gewann den Oscar in der Kategorie Bester Film, nach Marlon Brando bekam auch Robert De Niro für seine Leistung als Mafiosi Corleone den Preis zugesprochen. Somit trat er mehr als nur in Brandos Fußstapfen, vielmehr setzte De Niro in den folgenden Jahren seinen eigenen Abdruck breitflächig auf das Gebiet beispielloser Schauspielkunst.

»This is this. This ain’t something else. This is this.« (Michael Vronsky, Die durch die Hölle gehen)
1976 kam es zur zweiten und vielleicht bedeutungsvollsten Zusammenarbeit mit Martin Scorsese. In Gestalt von Travis Bickle schuf De Niro einen der erinnerungswürdigsten Charaktere und Taxi Driver zählt fraglos zu den meistdiskutierten, aber auch hochverehrtesten Filmen überhaupt. Einen ähnlichen Status erreichten zwar weder The Last Tycoon, noch Bernardo Bertoluccis fünfstündiges Epos 1900 (beide 1976), oder Scorseses Film-Noir-Musical New York, New York (1977), doch festigten sie De Niros Ruf als Ausnahmeschauspieler. Zu weiteren großen Höhepunkten wurden hingegen Michael Ciminos Die durch die Hölle gehen (1978) und Scorseses Wie ein wilder Stier (1981), der heute als bester Sportfilm aller Zeiten gilt. Für letzteren trainierte De Niro zunächst wie ein Bessessener mit dem echten Jake LaMotta, nur um danach 27 Kilo an Gewicht zuzulegen, um die späteren Jahre des abgehalfterten Boxers hautnah portraitieren zu können. Hier zahlten sich die Lehren des Lee Strasberg, der das sogenannte Method Acting erfand und an seine Schauspielschüler weitergab (u.a. James Dean, Marlon Brando, Paul Newman, Al Pacino) vollends aus und De Niro bekam seinen zweiten Oscar, diesmal in der Kategorie Bester Hauptdarsteller.



»You punch like you take it up the ass.« (Jake LaMotta, Wie ein wilder Stier)
An weiteren Meisterwerken mangelt es seiner Filmografie auch in den restlichen 1980ern nicht und während die Schwarzeneggers, Fords, Stallones und Gibsons waffenstarrend die Positionen der Megastars besetzten, war De Niro den hochgezüchteten Actionheroen mit seiner unverwechselbaren Wechselhaftigkeit doch stets meilenweit voraus. Sein Erscheinungsbild wechselte von Film zu Film chamäleonartig, keine Darstellung glich der anderen, präsent blieb stets De Niros komplette Verschmelzung mit jeder Figur, ob in Sergio Leones letztem Mammut-Werk Es war einmal in Amerika (1984), der Sci-Fi-Dystopie Brazil (1985), dem okkulten Horror-Thriller Angel Heart oder dem brillianten Krimi The Untouchables (beide 1987). Doch auch wenn er sein Spektrum ins scheinbar Unendliche ausdehnte und nahezu jeden Darsteller neben sich zum limitierten Laien degradierte, ein Star für die Massen wurde De Niro nicht. Sein bis dato erfolgreichster Film wurde mit einem Einspielergebnis von 76,2 Mil. (USA) De Palmas The Untouchables, was jedoch eher der aufkommenden und der ungebrochenen Popularität eines Kevin Costner und eines Sean Connery zu verdanken war. Ändern konnte De Niros dies auch mit Ausflügen in seichtere Komödiengefilde nicht, weder die actionreiche Buddy-Klamotte Midnight Run (1988), noch Wir sind keine Engel an der Seite von Sean Penn wurden zu Hits, ebensowenig das etwas schwerfällige Vietnam-Drama Jacknife (beide 1989).

»It has been explained to me that I’ve been away for quite some time. I’m back.« (Leonard Lowe, Zeit des Erwachens)
Nach fast zehnjähriger Pause wurden Robert De Niro erst Anfang der 1990 wieder Award-Ehren zuteil. Blieb das Liebesdrama Stanley & Iris noch eher unbeachtet, erntete die Oliver Sacks-Adaption Zeit des Erwachens drei Oscar-Nominierungen und lief auch an den Kassen ordentlich. Einmal mehr unter der Regie von Martin Scorsese lieferte De Niro dazwischen das gefeierte Mafia-Drama GoodFellas, dessen Nichtberücksichtigung bei den Academy Awards bis heute als eine der größten Fehlentscheidungen gilt (bei sechs Nominierungen erhielt nur Joe Pesci als bester Nebendarsteller den Goldjungen). Der Gerichtsthriller Schuldig bei Verdacht (1991) fand wiederum kaum Beachtung, Ron Howards starbesetzter Feuerwehr-Thriller Backdraft wurde im selben Jahr zum soliden Hit, doch die Krone der 90er für einen der besten Filmbösewichte setzte erneut Scorsese seinem Lieblingsdarsteller auf, als sie das Remake des Klassikers Ein Köder für die Bestie (1962) unter dem Titel Kap der Angst (Originaltitel beider Filme: Cape Fear) verwirklichten. De Niro bot eine geradezu brachial-monströse Performance und machte sogar den Original-Max Cady Robert Mitchum vergessen. Überdies blieb Kap der Angst seine bis heute letzte Filmpreisnominierung. Bis zum Ende des Jahrtausends wechselte De Niro mehr und mehr zwischen Mainstream- und Independent-Produktion, neben seinem Regiedebüt In den Straßen der Bronx (1993) agierte er unter anderem in Kenneth Branaghs allzu selbstverliebtem Mary Shelly’s Frankenstein (1994), dem glatten Tony Scott-Thriller The Fan (1996) und in Quentin Tarantinos Jackie Brown (1997). Mit Casino und Michael Manns gewaltigem Gangster-Drama Heat (beide 1995), welches erstmals De Niro und Al Pacino auf der Leinwand vereinte (bei Der Pate II hatten sie keine gemeinsame Szene), finden sich auch in dieser Zeit noch zwei absolute Glanzstücke. Überzeugen konnte außerdem der Action-Thriller Ronin (1998) und die Komödie Reine Nervensache (1999) mit Billy Crystal, in der De Niro sein Mafia-Paten-Image aufs köstlichste persifliert.



»Every man… every man has to go through hell to reach paradise.« (Max Cady, Kap der Angst)
Ab dem Jahr 2000 jedoch findet sich nicht mehr wirklich ein Werk, das an die Klasse vergangener Tage anknüpfen könnte und während nicht wenige seiner Fans ihm den endgültigen Schritt in Richtung leichter Kost übel nehmen, geht Robert De Niro selbst offen und ungeschönt damit um. Eines schlechten Drehbuches ist er sich bewusst, der Gage für jene Projekte allerdings auch. Doch tatsächlich denkt er hierbei nicht nur an sich selbst (und ohnehin würde sich wohl niemand im höheren Alter noch den körperlichen Strapazen aussetzen, die De Niro sich über Jahre zugemutet hat), vielmehr geht es ihm auch um seine 1989 gegründete Firma TriBeCa Productions und das gleichnamige Filmfestival. Zu deren Nutzen konnte De Niro für lasche Projekte wie Men of Honor (2000), Showtime (2002), Godsend (2004), oder Hide and Seek (2005) gewonnen werden, denn aus den Gagen finanziert der Schauspieler Streifen mit, die ihm wesentlich mehr am Herzen liegen, wie etwa seine zweite Regiearbeit Der gute Hirte (2006) mit Matt Damon und Angelina Jolie. Kommerzielle Highlights und auch weiterer Beweis seines großen komödiantischen Talents waren für De Niro außerdem im Jahr 2000 Meine Braut, ihr Vater und ich und die etwas überdrehte Fortsetzung Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich (2004), die ebenfalls von ihm mitproduziert und zu internationalen Hits wurden. Desweiteren muss man festhalten, dass jeder Mangel an Qualität jüngerer Werke, wie zum Beispiel auch Reine Nervensache 2 (2002), Inside Hollywood, oder Righteous Kill (beide 2008) nicht etwa an De Niros Leistung festzumachen ist. Der besitzt auch weiterhin die Fähigkeit, selbst der simpel gestricktesten Figur noch Tiefe zu verleihen und deshalb wird es auch in Zukunft ein unbedingt erlebenswertes Ereignis bleiben, einem der großartigsten, vielfältigsten, erfurchgebietendsten, oder, wenn alle anderen Wörter nicht genügen, besten Schauspieler zuzusehen. Ladys & Gentlemen, Mr Robert De Niro…

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