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Genrecheck: COMICVERFILMUNGEN

Autor: am 02.05.2010, um 11:42 Uhr | Kategorie: Bonusmaterial | 13 Kommentare

INVICTUS Trailer

Comicverfilmungen gelten heute als eines der gewinnbringendsten Geschäfte überhaupt. Jahr für Jahr werden die Helden aus unzähligen Heften und Geschichten immer aufwendiger zum Leben erweckt. Dabei gilt es längst nicht mehr nur die Erwartungen der langjährigen Fans zu erfüllen, denn mittlerweile haben auch die weniger comicerfahrenen Kinogänger den Reiz der Superhelden und ihrer schillernden Gegner entdeckt. Vom milde belächelten Kinderkram bis zum groß angelegten Blockbuster-Event: Comics und ihre Verfilmungen haben einen langen Weg hin zur verdienten Anerkennung hinter sich, der es wert ist, einmal etwas näher beleuchtet zu werden.

1: Ursprünge und Wegweiser

Würde man die Ursprünge der Comickultur ausführlich zurückverfolgen wollen müsste man wohl bis in die Antike gehen, in der das Erzählen in sequentiellen Bildformen bereits stattfand, von Höhlenmalereien in der Steinzeit ganz zu schweigen. Dies würde jedoch zu weit reichen, daher beschränkt sich der Rückblick hier auf den Ursprung des Superhelden-Comics und das Eingreifen der berühmten Figuren aus den Häusern Marvel und DC Comics in die Film- und Fernsehwelt.

1933 erschien in der Kurzgeschichte The Reign of Superman ein glatzköpfiger Schurke, der nach der Herrschaft über die Menschheit strebte. Tatsächlich handelte es sich hierbei um einen frühen Entwurf des von Jerry Siegel und Joe Shuster entwickelten und später als Archetp des Superhelden geltenden Strumpfhosenträgers Superman. Im Juni 1938 schließlich erschien ihre Figur, nachdem sie zuvor von zig Verlagen abgelehnt worden war, im Rahmen der Reihe Action Comics. Das Heft wurde zu einem phänomenalen Erfolg und die Erstausgabe gilt heute als teuerstes Comicheft der Welt.

Action Comics erschien bei DC, wo 1939 in der Reihe Detective Comics auch Batman sein Debüt gab. Der Erfolg dieser Reihen (sowie weiterer Figuren wie Wonder Woman, Flash oder Green Lantern) und Comics im Allgemeinen verhalf den beiden bis heute größten Aushängeschilder des DC-Verlages bald auch zu Kinoehren. In sogenannten Serials, ca. 30 minütigen Vorfilmen, traten Superman und Batman in die Fußstapfen berühmter Vorläufer wie Flash Gordon, Zorro oder Dick Tracy.

Superman erlangte schnell auch im Rest der Welt Ruhm, galt aber weiter vornehmlich in Amerika als heroisches Vorbild und z. B. während des Kalten Krieges als Symbolfigur amerikanischer Werte. Dabei blieb der Kryptonier über die Jahre und Jahrzehnte seinem ‚Gutmenschtum‘ treu, während Pendant Batman später starke konzeptionelle Veränderungen erleben sollte, die ihn vom gutgelaunten Playboy-Verbrechensbekämpfer zu einem zwiespältigen Soziopathen machten.

DC‘s größter Konkurrent war und ist Marvel Comics, wobei die beiden Unternehmen eher eine ‚freundschaftliche Rivalität‘ verbindet. Marvel begann ebenfalls in den 1930ern seine Heldencomics zu publizieren, bspw. Human Torch und Namor den Sub-Mariner. Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges ließ man den Supersoldaten Captain America gegen Nazis zu Felde ziehen.

In den 1950er Jahren, in denen Comics ein schädlicher Einfluss auf Kinder vorgeworfen wurde, ebbte der Erfolg zwischenzeitlich ab. Superhelden lagen nicht mehr im Trend und die Verlage setzten eher auf Monster-, Romantik- und Western-Serien. In den 60ern begann DC jedoch, angestaubte und/oder abgesetzte Serien erfolgreich neu zu starten. Marvel-Mastermind Stan Lee wurde daraufhin ebenfalls um neue Konzepte gebeten und während die DC-Reihen in Sachen Storytelling und Charakterentwicklung stagnierten trumphte Marvel mit seinen zugkräftigsten Serien auf. Lee schuf die Fantastic FourThe Incredible Hulk, Iron Man, Spider-Man, etc. Diese neuen Helden zeichneten sich durch mehr Tiefgang und Lees Wertlegung auf einen ausgeprägten Realitäts- und damit Identifikationsbezug aus. Die Storys passierten nicht in fiktiven Städten wie Metropolis oder Gotham City, sondern überwiegend in New York City, Spider-Man hat mit den typischen Problemen eines Teenagers zu kämpfen, die Mutantengruppe X-Men (wenngleich in ihrer Anfangszeit noch nicht unbedingt absatzstark) musste sich neben ihren außergewöhnlichen Gegnern auch mit Anfeindungen und Rassenhass seitens der ‚normalen‘ Menschen auseinandersetzen. Zudem schuf Lee ein einheitliches Serienuniversum und eine kontinuierliche Zeitlinie, wiederum im Gegensatz zu DC, wo sich eine unübersichtliche Menge an Paralleluniversen und –zeitlinien ansammelte.

In bewegten Bildern wurde sich in den 50ern, 60ern und 70ern vor allem in Serienform mit den Helden auseinandergesetzt. Mehreren Superman-Ablegern folgte von 1966-68 die populäre Batman-Serie mit Adam West in der Titelrolle. Marvels Formate taten sich hier schwerer, was wohl aber auch Zeugnis deren komplexerer Dichte war. Spider-Man bestritt immerhin Zeichentrickabenteuer, wurde allerdings erst 1977 zu einer 17 Episoden umfassenden Realfilmserie mit Nicholas Hammond als (recht behäbigem) Netzschwinger. Aus einigen Doppelfolgen entstanden sogar Kinofilme, die man (ohne großen Erfolg) in Deutschland zeigte. Erst mit der Serie Der unglaubliche Hulk gelang ein künstlerisch zufriedenstellender Transfer einer Marvel-Figur. Der große filmische Triumph war aber einmal mehr dem Mann aus Stahl vergönnt.

1978 brachte Richard Donner Superman-The Movie in die Lichtspielhäuser. Christopher Reeve verkörperte den strahlenden Helden, mit der Besetzung Marlon Brandos als Kal-El‘s (Supermans richtiger Name) Vater gelang ein absoluter Besetzungs-Coup. Die 55 Millionen teure Produktion spielte weltweit über 300 Millionen ein und wurde mit einem Ehren-Oscar für die seinerzeit herausragenden Special Effects bedacht. Zudem nutze Donner das ironische Potenzial, welches durch Supermans Geheimidentität des unbeholfenen Reporters Clark Kent vorhanden war, sehr viel prägnanter aus, als die Comics es taten. Der aufgrund seiner übermächtigen Unbesiegbarkeit oft langweilige Heroe bekam so die notwendige Ausdifferenzierung, ohne dass die Wurzeln der Figur und ihre Attitüde angetastet wurden.

In den 80ern gelang DC eine grundlegende Renovierung seines Programms, so wurden die vielen Paralleluniversen zugunsten stringenter Handlungsstränge abgeschafft. Besonders zwei Reihen verhalfen DC in der Folge zur erneuten Vorherschaft auf dem Markt: Frank Millers aufsehenerregende Batman-Dystopie The Dark Knight returns und vor allem Alan Moores als größtes Meisterwerk der Comickultur geltendes Watchmen. Die kreativen Freiheiten und der teilweise radikale Umgang mit ihren Helden und deren Umwelt sorgten für große Aufmerksamkeit und waren in der Hauptsache dafür verantwortlich, dass Comics sich von dem Ruf, bunte Bildchen mit belanglosen Textchen zu verknüpfen, nachaltig entfernten. So landete Watchmen als einziger Comic überhaupt auf der Time Magazin-Liste der 100 besten Romane. Millers Werk hatte Einfluss auf Tim Burtons 1989 erscheinenden Batman, der, begleitet von einer gigantischen Marketingkampagne, weltweit über 400 Millionen einspielte und einen wahren Boom, besonders im Merchandisingbereich, auslöste.

Ähnlich wie die Sequels zu Superman, die zwischen 1980 und ’87 entstanden, manövrierte sich auch das Batman-Franchise mit seinen Fortsetzungen ins filmische Abseits. Burtons Batman Returns (1992) konnte kommerziell nicht annähernd an den Vorgänger anknüpfen und die weiteren Folgen unter der Regie von Joel Schumacher, Batman Forever (1995) und Batman & Robin (1997), gerieten zu künstlerischen Katastrophen, für die sich die Beteiligten noch heute entschuldigen (oder wie in Hauptdarsteller George Clooneys Fall bei jeder Gelegenheit darüber lustig machen).

Obwohl Marvel mit den von Chris Claremont überarbeiteten X-Men die mittlerweile erfolgreichste aller Serein sein eigen nannte, sah es im Laufe der 90er schlecht aus. Hatte es Anfang des Jahrzehnts einen riesigen Ansturm seitens der Fans gegeben, der Marvel zu einer immensen Steigerung des Titelausstoßes veranlasste, ließ das Interesse Mitte der 90er schlagartig nach, das mittlerweile an der Börse notierte Unternehmen stand kurz vor dem Bankrott. Durch neue Konzepte, wie etwa die Ultimate Comics, in denen die Hintergrundgeschichten der Charaktere modernisiert und neu interpretiert und somit für eine frische Leserschaft interessant wurden, sowie dem Verkauf der Filmrechte an mehreren Serien, stabilisierte sich die Lage. Bryan Singers X-Men und Sam Raimis Spider-Man markierten Meilensteine in Sachen Comicverfilmung, glänzten inhaltlich und mit enormen Einspielergebnissen. Der Realitätsbezug, die charakterliche und erzählerische Tiefe und Mehrdimensionalität hielt nun auch in den Filmversionen Einzug, die Kombination aus Werktreue und Anpassung ans Medium Film funktionierte auch dank der tricktechnischen Möglichkeiten immer besser, fand einen seiner künstlerischen Höhepunkte in Robert Rodriguez Kolaboration mit Frank Miller und der Umsetzung dessen Sin City-Reihe.

Wie allen Dingen in jedem Bereich war und ist auch das Interesse an Comics und Superhelden über die Jahrzehnte starken Schwankungen unterlegen, nichts desto trotz haben sich die oft als Kinderkram abgetanen Hefte als anspruchsvolles Kulturgut längst etabliert und dies gilt inswischen auch für die Verfilmungen, die nicht mehr nur bloße Krawall-Unterhaltung versprechen, bzw. für solche gehalten werden.

2: Geebtnete Wege beschreiten

X-Men und Spider-Man sollten nur die Vorhut einer riesigen Welle an Comicverfilmungen darstellen. Beide wuchsen zu Trilogien an, weitere Teile und diverse Spin-Offs sind längst in Planung. Nach den DC-Recken Superman und Batman übernahmen die auf Marvels Figuren basierenden Filme nun klar das Zepter und waren zudem weit erfolgreicher als alle vorigen Comicverfilmungen. Bei dem enormen Output konnte verständlicherweise nicht jedes Produkt beste Qualität bieten.

Mark Steven Johnsons Daredevil und Ghost Rider, Ang Lees Hulk, Rob Bowmans Elektra – diese Produktionen blieben weit hinter den Erwartungen zurück, sowohl was die Akzeptanz seitens der Fans, als auch die Zahlen angeht. Trotz immer noch beachtlicher Einspielergebnisse (bei vergleichsweise überschaubarer Budgetierung) scheiterten diese Filme jedoch nicht nur an eigenen Unzulänglichkeiten, sondern auch an dem relativ geringen Bekanntheitsgrad ihrer Protagonisten. Zudem stelte sich auch hier schnell eine gewisse Übersättigung ein: der herkömmliche Kinobesucher wollte einfach nicht jeden (für ihn) x-beliebigen Helden sehen.

Marvel lief trotzdem nicht wirklich Gefahr, das Interesse zu überreizen. X-Men und Spider-Man steigerten sich, begleitet von massiven Marketingkampagnen, in den Einspielergebnissen nahezu von Teil zu Teil, wobei die jeweiligen Trilogie-Abschlüsse einigermaßen zwiegespalten aufgenommen wurden und besonders das dritte Spinnen-Abenteuer die Klasse der Vorgänger aufgrund seines völlig überfrachteten Plots nicht zu halten wusste. Dennoch: die Superhelden waren überall.

2005 griff auch DC wieder ins Geschehen ein und reaktivierte die Batman-Serie. Nachdem diese von Joel Schumacher derart drastisch gegen die Wand gefahren worden war entschied man sich für einen kompletten Neustart und erzählte in Batman Begins den Werdegang des Bruce Wayne zum nächtlichen Rächer. Der Erfolg gab den Machern um den ambitionierten Regisseur Christopher Nolan und seinem Star Christian Bale Recht. Für Supermans Reaktivierung konnte man sogar Bryan Singer abwerben, der für den Stählernen den dritten X-Men sausen ließ. Superman Returns, der an Richard Lesters Superman 2-Allein gegen alle von 1980 anknüpfte, geriet allerdings in seiner eher konservativ-huldigenden Art nicht wirklich nach dem Geschmack von Fans und Kritikern, die sich eine mutigere Neuauslegung des Vaters aller Helden gewünscht hätten. Hier denkt man inszwischen ebenfalls über einen kompletten Neustart à la Batman Begins nach.

Neben den Superhelden konnten auch die bei Dark Horse Comics erschienenen Frank Miller-Adaptionen Sin City und 300 Erfolge feiern, letzterer ist zwar inhaltlich heftig umstritten, kommt der Vorlage mit stilisierter Optik aber beinahe Bild für Bild nahe (was auch ein Merkmal von Sin City ist), wodurch die Verwandtschaft der Medien Comic und Film von den Regisseuren Robert Rodriguez und Zack Snyder beeindruckend verdeutlicht wurde. Neben den beiden Größen Marvel und DC ist Dark Horse so etwas wie die dritte Kraft. So entspangen Guillermo del Toros Hellboy (2004) und Hellboy 2 – Die goldene Armee (2008), sowie das Jim Carrey-Vehikel Die Maske und Timecop mit Jean-Claude Van Damme (beide bereits 1994) dem Verlag, der nebenbei auch die Rechte an Star Wars- und Buffy-Comics und diversen Manga-Importen besitzt.

Erwähnenswert ist außerdem Vertigo, aus dessen Programm Swamp Thing (B-Movie von 1982), Tank Girl (1995), Constantine (2005, heißt als Comic Hellblazer) mit Keanu Reeves und Alan Moores V wie Vendetta (2005, adaptiert von den Wachowski Brüdern) hervorgingen. Bei Vertigo handelt es sich allerdings „nur“ um eine Unterabteilung von DC, orientiert sich von der Auslegung her jedoch an schwierigeren und vornehmlich thematisch anspruchsvollen Bezügen, was auf die Erfolge der bei DC veröffentlichten The Dark Knight returns, Watchmen oder The Saga of the Swamp Thing samt ihrer Ausrichtungen zurückgeht.

Alles bisherige in seinen Schatten hüllen sollte 2008 schließlich der dunkle Ritter. Nachdem zunächst Robert Downey jr. im selbstironischen Iron Man vollauf überzeugte und einen der unterhaltsamsten Vertreter ablieferte, war es Christopher Nolans The Dark Knight, der einen unvergleichlichen Einschlag im Genre der Comicverfilmungen markierte. Das allegorische Meisterwerk pulverisierte in den USA sämtliche Kassenrekorde und wurde auch weltweit, als einer von nur fünf Filmen, die den Sprung über die Milliardenhürde schafften, zu einem unvergleichlichen Megahit. Unter anderem inspiriert von Alan Moores The Killing Joke bot der Film mit Heath Ledger und seiner Darstellung des anarchischen Jokers ein beispielloses, mit Preisen überhäuftes Highlight und evolutionierte in seiner Art das gesamte Genre und machte es endgültig „erwachsen“. Passend dazu schaffte es nach langer Anlaufzeit Anfang 2009 unter der Regie von Zack Snyder auch Watchmen in die Kinos; zwar von geringerem kommerziellen Erfolg gekrönt, künstlersich aber ein weiterer, mit großem Fuß getaner Schritt. Wenig gerecht wurde dem der erste Soloauftritt eines beliebten Herren aus der Mutantenriege: X-Men Origins: Wolverine mit Hugh Jackman in seiner Paraderolle wurde zum eher platten Spektakel ohne Würze.

3: Schöpfer & Stars

Neben der (von den Verlagen gezielt forcierten) Dynamik in der Rivalität zwischen Marvel und DC, die Fangruppen über die Jahrzehnte bei Laune hielt und hält, sind es vor alle eine Ansammlung großartiger Künstler, die das Comic-Genre nachhaltig beeinflussten, die Leser und folgerichtig auch die Zuschauer immer wieder begeistern.

Ob Jerry Siegel und Joe Shuster, die ihren Superman zunächst als Schurken konzipierten und ihn später zum Überhelden machten, Bill Finger und Bob Kane, die gemeinsam Batman gestalteten, oder auch Will Eisner, dessen The Spirit als wöchentliche Beilage zur Sonntagszeitung erschien und bis heute als einer der Grundbausteine der Comickultur gilt – sie alle schufen in der Symbiose aus Text und Zeichnung großartige und nachhaltige Werke.

Der größte Einfluss ist jedoch wohl dem Duo Stan Lee und Jack Kirby zuzuschreiben. Ihre Arbeit geht dabei über das bloße Produkt als solches hinaus: Lee, dem als Redakteur in den 1960ern die Verantwortung über die meisten Marvel-Serien übertragen worden war, legte als Autor nicht nur Wert auf Komplexität und Identifikationspotenzial seiner Charaktere, er verstärkte vor allem den Dialog mit dem Endverbraucher, sprich dem Leser. Lee führte in den Heften Leserbriefrubriken ein, deren Beantwortung er persönlich übernahm, dazu schrieb er die monatliche Kolumne Stan’s Soapbox, in der Lee seine Zeichner vorstellte und auf die Entstehung der Hefte einging, was es in dieser Form vorher noch nicht gegeben hatte. „Eine große Familie“ zu schaffen hatte Lee seinerzeit im Sinn und tatsächlich nahmen die Leser dies begeistert auf, fühlten sich in ungekannter Weise von den Küstlern respektiert und anerkannt. Stan Lee ist bis heute Marvels Gesicht und in beinahe jeder Verfilmung in einem Cameo zu finden.

Auch heute noch bringt das Geschäft immer wieder Autoren und Zeichner hervor, die Impulse zu setzen wissen und die Leserschaft faszinieren. Alan Moore, nebenbei praktizierender Magier, auf einem Auge blind und auf einem Ohr taub, lieferte die Vorlagen zu den Filmen From Hell, Die Liga der au-ßergwöhnlichen Gentleman, V for Vendetta und zuletzt Watchmen. Moore distanziert sich allerdings deutlich und vehement von den Umsetzungen seiner Comics und besteht auf der Nichtvereinbarkeit der Medien und seinem Grundsatz, mit seinen Arbeiten etwas schaffen zu wollen, das filmisch nicht möglich ist.

Todd McFarlane arbeitete in den 1980ern für Marvel und DC, zeichnete bei The Incredible Hulk, Daredevil, G.I. Joe, später auch Batman und Wolverine. Enorme Popularität erlangte McFarlane als Co-Zeichner von The Amazing Spider-Man, woraufhin ihm eine eigene Spinnen-Serie übertragen wurde. Deren Erstausgabe ist eines der erfolgreichsten Comic-Hefte aller Zeiten. McFarlane kreierte außerdem einen der bekanntesten und beliebtesten Schurken des Spider-Man-Universums: Venom. Anfang der 1990er kündigte er sein Engagement bei Marvel und war 1992 einer der Mitgründer von Image Comics. Dort veröffentlichte er schließlich die erfolgreiche Spawn-Reihe, der 1997 eine recht unwürdige Verfilmung angehängt wurde. McFarlane gründete außerdem Todd Toys, dort werden detailgetreue Miniatur-Skulpturen geschaffen, die in Sammlerkreisen Kultstatus erlangten.

Im Gegensatz zum oben erwähnten Kollegen Moore steht Frank Miller dem Medium Film sehr nahe. Sein reduzierter schwarz/weiß-Zeichenstil orientiert sich stark am Film Noir der 40er Jahre und Miller setzt auf cineastisch anmutende Blickwinkel auf das Geschehen, die von Robert Rodriguez und Zack Synder nahezu 1:1 in ihren Werken Sin City und 300 als Storyboards übernommen werden konnten. Miller steht damit in der Tradition von Zeichnern wie Steve Ditko, John Romita sr. oder John Buscema, die ebenfalls auf sehr filmische Weise an ihre Zeichnungen gingen. Miller arbeitete außerdem an den Drehbüchern zu RoboCop 2 und RoboCop 3, die Marvel-Verfilmung Daredevil orientiert sich zudem stark an seinen Geschichten um den blinden Rächer, außerdem dessen misslungenes Spin-Off Elektra mit Jennifer Garner in der Titelrolle. Einem Herzensprojekt widmete sich Miller mit der Verfilmung von Eisners The Spirit (2008), bei dem er zum ersten Mal allein Regie führte, nachdem er bei Sin City als Co-Regisseur gelistet worden war. Allerdings kam der Film weder bei Kritikern, noch bei den Fans besonders gut an und enttäuschte auf der ganzen Linie.

Die genannten und viele weitere Künstler machten auf ihre ganz eigene Art Comics und Comicverfilmungen zu dem, was sie heute sind. Die universellen, aber auch die sehr speziellen Geschichten rund um den Kampf des Guten gegen das Böse bieten eskapistische Unterhaltung und Schauwerte, geizen dabei aber auch nicht mit interessanten Figuren und spannenden Storys (jedenfalls im besten Fall).

Für die Größen Hollywoods gehört eine Rolle in einer Comicverfilmung mittlerweile zum Pflichprogramm, um damit die Filmografie zu schmücken. Dabei wird von den Produzenten nicht bloß Wert darauf gelegt, das möglichst populärste Gesicht zu präsentieren. Bereits die frühen Filme, wie Superman und Batman, boten mit Christopher Reeve und Michael Keaton in den Titelrollen eher unbekanntes Personal auf, die es jedoch blendend verstanden, sich die Figuren zu eigen zu machen, ohne dass blendender Starruhm den Charakteren quasi die Show gestohlen hätte. Auf eine ähnliche Taktik wird auch heute noch gesetzt, wobei die folgende Aufstellung neben jenen Akteuren, die von ihren Superhelden-Auftritten profitierten, auch jene nicht unerwähnt lässt, die sich damit eher keinen Gefallen getan haben…

4: Ausblick

Comicverfilmungen werden auch weiterhin ein gewichtiges Wort auf den Produktionsplänen der Hollywood-Studios mitzureden haben. Aus dem schier unerschöpflichen Fundus der Verlage kann sich nahezu endlos bedient werden.

Neben vielen Fortsetzungen, wie etwa Iron Man 2 und X-Men Origins: Wolverine 2, dem recht zweifelhaften Reboot der Spider-Man-Serie durch Marc Webb, einem sicher zu erwartenden The Dark Knight-Nachfolger, sowie diversen weiteren Einzelfilmen zu den X-Men (Deadpool mit Ryan Reynolds, Magneto) fiebern Fans auch auf erste große Auftritte beliebter Größen hin. Chris Evans steht als The First Avenger: Captain America ebenso in den Startlöchern, wie der hammerschwingende Donnergott Thor, inszeniert von Kenneth Brannagh und gespielt von Chris Hemsworth und eine aufwendig angelegte Realisierung der Avengers, für dessen Regie Joss Whedon vorgesehen ist.  Letzterer wird durch allerlei Gastauftritte und Hinweise in den Einzelfilmen vorbereitet, um schließlich eine ganze Gruppe von Marvel-Helden im Kampf zu vereinen. Ein ähnlich gelagertes Projekt aus dem Hause DC, Justice League of America, kommt hingegen eher schleppend voran, stattdessen wird mit dem heldenversessenen Ryan Reynolds eine Umsetzung von Green Lantern angegangen, der mit einem außerirdischen Ring auf Verbrecherjagd geht, Wonder Woman und viele weitere Projekte sind mehr oder weniger konkret in Planung.

Ob dies nun besonders einfallsreich oder innovativ ist, sei einmal dahingestellt. Fraglos ist aber, das zum einen der Erfolg stimmt, zum anderen sich aber auch die Qualität der auf Comics basierenden Filmen überwiegend auf einem hohen Niveau befindet, weshalb man die Helden immer wieder gern aufsucht und sie bei ihren Abenteuern bestaunt. Anders ausgedrückt: der ewig währende Kampf des Guten gegen das Böse wird neimals langweilig.

In diesem Sinne: Up, up an away zu neuen Box Office-Höhen!

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  • Super Artikel! Ich warte ja noch auf eine meiner ultimativen Comicverfilmungen: „Incal”, SF-Comic von Moebius. Bizarre Story, Charaktere, Fantasie, der reinste Trip! Für eine gute Verfilmung würde ich (fast) alles geben! ;)

  • Respekt vor diesem Überblick über Comicverfilmungen. Persönlich kann ich mit den Filmen mehr anfangen als mit den Heften in den Händen – aber die kommenden Adaptionen sind dann wohl nicht mehr so meins.

    • Danke.
      Ich lass mich da gern vom Gegenteil überzeugen, aber „Thor”, „Captain America”, „Green Lantern” etc. sind auch nicht so mein Fall. Betreffs Film vs. Heft: ich hab meine Comicleserphase hinter mir (wohlgemerkt nicht aus Altersgründen, hat sich einfach irgendwann nicht mehr ergeben), drum sind mir die Filme mittlerweile auch lieber

  • Zufall, habe ich mich doch erst vor kurzem mit den Marvel-Verfilmungen in einem Post befasst. Habe gestern Iron Man 2 gesehen, und wenn das so mit den Superheldenfilmen weitergeht, dann bin ich happy :)

    • Das ist tatsächlich ein Zufall (allerdings ist mein Artikel schon fast ein Jahr alt, hatte ihn bisher nur auf meinem alten Blog und anlässlich „Iron Man 2″ hier jetzt aufgemöbelt übernommen ;) )
      Ich werd „Iron Man 2″ am Donnerstag gucken und bin guter Dinge

  • Im Ausblick hättest du noch erwähnen können, dass Marvel mehr und mehr darauf setzt, seine einzelnden Verfilmungen inhaltlich miteinander zu vernetzen (durch Nebenrollen einiger Superhelden auch in anderen Filmen), was dann irgendwann wohl in einem Marvel-Allstar-Film münden soll. Was auch immer man davon halten mag …

    Die Comic-Verfilmung, auf die ich mich am meisten freue, ist jedenfalls Edgar Wrights „Scott Pilgrim vs. the World” mit Michael Cera. Und dann steht ja auch noch James Camerons Adaption von „Battle Angel Alita” an, plus die immer mal wieder aufflackernden Gerüchte um eine Realverfilmung von „Akira” – hach ja. :-D

    • Der „Marvel-Allstar-Film” wird ja „Avengers”, den hab ich erwähnt, aber hast trotzdem nicht unrecht, vielleicht bastel ich da nochmal dran.
      Von “Scott Pilgrim vs. the World” hab ich bis zum Trailer noch nie was gehört, sieht aber ganz gut aus. Und was Cameron angeht: mal sehen, ob der Pandora nochmal verlässt ;)

  • Ein sehr schöner Überblick über die Welt der Comicverfilmungen. Gut auch, weil du einen kleine Einsicht gewährt hast, dass Comicverfilmungen weit über die populären Superhelden-Comics hinausgehen.
    Wenige würden sich glaube ich denken, dass auch z.B. A HISTORY OF VIOLENCE oder aber auch GHOST WORLD ihren Ursprung auch in den sog. Graphic Novels haben.

    Und ich verstehe es einfach nicht, wie du WOLVERINE so schlecht bewerten konntest ;-)
    Als großer Fan der Comics, fand ich die Verfilmung klasse (und sogar besser als die einzelnen X-Men Teile)

    • Nochmals danke ;)
      Ich hätte gerne noch ein paar mehr dieser nicht auf den ersten Blick als Comic-/Graphic Novel-Verfilmungen zu erkennenden Filme erwähnt, aber der Artikel brauchte dann einfach ein paar Grenzen.
      Mir als ebenfalls großer Fan der Comics hat „Wolverine” wirklich überhaupt nicht gefallen, viel zu harmlos, viel zu ausgelutsche Story