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Autor: am 03.05.2010, um 14:08 Uhr | Kategorie: Kritiken | 4 Kommentare

Review: IRON MAN

IRON MAN Filmkritik
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Superhelden werden unter recht ominösen Umständen auf den Weg gebracht. Radioaktive Spinnen (Spider-Man), kosmische Strahlung (Fantastic Four), Gammastrahlen (Hulk), genetische Mutation (X-Men) – Marvel-Urgestein Stan Lee hat sich über die Jahre seines Schaffens einiges einfallen lassen. Allerdings kann auch ein gut gefülltes Bankkonto, ein überragender Verstand und ein persönliches Trauma zum Superhelden ganz ohne übermenschliche Kräfte führen. Das beweist nicht nur der dunkle Ritter Batman, sondern natürlich auch der von Lee 1963 erdachte Iron Man. Im März jenen Jahres hatte der schwerreiche Womanizer und Großindustrielle Tony Stark seinen ersten Auftritt in der Reihe Tales of Suspense, im Mai ’68 startete mit The Invincible Iron Man eine eigene Serie. Obwohl sich der Kampf des Eisenmannes gegen Kommunisten und Geschäftskonkurrenten schnell großer Beliebtheit erfreute gehört Iron Man besonders außerhalb der USA eher zu den Helden aus der zweiten Reihe. Das änderte jedoch schlagartig der Mai des Jahres 2008, in dem Jon Favreaus Adaption zum weltweiten Überraschungshit wurde und verdiente 585 Millionen erwirtschaftete. Tja, Tony Starks untrüglicher Geschäftssinn…

Story

Ob man es nun beneidet oder verabscheut, kalt lässt es niemanden, das Leben des Tony Stark. Der stinkreiche Playboy und arrogante Großkotz ist ein technisches Genie und stellt dies mit seiner Firma Stark Industries in den Dienst Amerikas und dessen Millitäraparats. Doch nach der Präsentation eines vernichtenden neuen Raketensystems in Afghanistan wird Starks Korso von der Terrororganisation der Zehn Ringe überwältigt, er selbst von einer Granate tödlich verletzt und als Geisel genommen. Sein Mitgefanger Yinsen rettet Stark mit einem in die Brust implantierten Elektromagneten das Leben, während die Entführer von Stark den Nachbau seiner wirkungsvollsten Waffe verlangen. Doch stattdessen entwirft und baut Stark eine klobige, aber durchschlagskräftige Rüstung, mit der er fliehen kann. Zurück in den USA entwickelt er im Geheimen seine Rüstung weiter – bis der Iron Man als Ein-Mann-Abrüstungsarmee einsatzbereit ist…

Der Film

Wie alle seine (jüngeren) Genrekollegen widmet auch Iron Man dem Menschen vor dem Superhelden eine Menge Zeit. In der Einleitung lässt es sich Tony Stark im Humvee (besser gesagt „Fun“vee) mitten in Afghanistan gut gehen, klopft Sprüche und genießt einen Drink. Die Soldaten himmeln ihn wie Fanboys an, fast schon eingeschüchtert wird nach einem gemeinsamen Foto gefragt. Doch wenig später werden sie unter schweren Beschuss genommen, Stark sieht überrascht eine seiner eigenen Granaten vor sich einschlagen und sein »Mir kann keiner was«-Gehabe wird ihm gehörig unter’m eitlen Hintern weggeballert. Dank eines Flashbacks darf Hauptdarsteller Robert Downey Jr. dieses allerdings noch ein bißchen länger ausleben, während man bei einer Preisverleihung Starks beeindruckenden Werdegang präsentiert bekommt, er selbst sich aber statt zur Übergabe der Ehrung zu erscheinen lieber an einem Spieltisch und später mit einer Journalistin vergnügt.



Mit schwermütig-weinerlichen Arachniden oder finster-angeknackstem Fledermausphobikern hat Tony Stark wenig gemein und seine Bestimmung zum Helden, Rächer und Kämpfer für die Gerechtigkeit entnimmt er nicht getöteten Familienangehörigen (obwohl auch Stark Waisenkind ist), sondern der Erkenntnis, dass das Blut der falschen Seite an seinen Händen klebt. Im Lager der Entführer entdeckt er kistenweise seine eigene mörderische Ware, deren Entwicklung ihn reich und berühmt gemacht hat. In der ersten richtig großen Action-Sequenz rettet sich Stark mit Rüstung und Feuerkraft aus den Fängen der Entführer und beherzigt den letzten guten Rat seines gefallenen Helfers Yinsen: »Don’t waste it… don’t waste your life, Stark.« Zur Überraschung der Welt und zum Missfallen seines Geschäftspartners und väterlichen Freundes Obadiah Stane gibt er den Rückzug seiner Firma aus sämtlichen millitärischen Gebieten bekannt. Stark ist geläutert zurückgekehrt, aber auch mit dem Willen, seine Fähigkeiten nicht ungenutzt zu lassen.

Genau, wie Stark sich seine Rüstung zusammenbaut, besteht auch Iron Man im Grunde aus vielen kleinen Einzelteilen, die im Laufe des Films ineinandergreifen und in der Summe die Story ergeben. Die Freundschaft zwischen Stark und Colonel James „Rhodey“ Rhodes, das kecke Verhältnis zu seiner ebenbürtigen Assistentin Virginia „Pepper“ Potts, Stanes krumme Geschäfte hinter Starks Rücken und seine Entwicklung einer eigenen Kampfrüstung, sowie Starks Probeläufe mit seinem Anzug und der erste richtige, rummsende Auftritt des Iron Man in einem Krisengebiet – daraus wird eine Szenenkette gebildet, die in der Anordnung ihrer Glieder sehr gut funktioniert, ohne das Einzelnes trotz der klaren Absehbarkeit von Sequels allzu fragmentarisch wirken würde. Schauspieler und Regisseur Jon Favreau, zuvor mit Buddy – Der Weihnachtself (2003) und Zathura (2005) nicht die ganz überzeugenden Reverenzen abgeliefert, hat Tempo und Timing jederzeit im Griff und weiß vor allem verdammt gut, was er an dem großartigen Robert Downey jr. hat.



Ähnlich, wie es Hugh Jackman mit Krallenmann Wolverine gelang, macht sich Downey jr. die Figur des Tony Stark gänzlich zu eigen, sein »Fuck the rest, I am the best«-Ego platzt aus allen Maßanzügen und Downey jr. suhlt sich darin wie das Eisen im Feuer. Rückschläge, etwa wenn ihn der Schub beim ersten Flugversuch geradewegs gegen die nächste Wand schleudert, quittiert er mit staubtrockenen Sprüchen und schulterklopfender Selbstverständlichkeit (»Yeah, I can fly«). Ein sympathischer Egozentriker mit Hang zur gepflegten Arschigkeit. Ein Typ, mit dem man in chauvinistischer Laune um die Häuser ziehen wollen würde, aber der sich natürlich viel zu wichtig nimmt, um überhaupt aufzutauchen. Denn bei allem Glamour ist seine Werkstatt ihm der liebste Ort und Stark dabei als im Grunde einsame Existenz, die sich die meiste Zeit mit seinen helfenden Robotern und Computersystemen abgibt und unterhält, das vergessen Favreau und Downey jr. nicht zu zeigen. Auch wenn Iron Man sich (noch) nicht an die bemerkenswertesten aus den Comics bekannten Probleme Starks, etwa dessen Alkoholsucht, heranwagt, so nimmt er doch ohne Frage einen vorderen Platz als eine der am gelungensten adaptierten Marvel-Figuren ein.

Über allen etwas ernsteren Untertönen in Bezug auf Starks Charakter und die leicht anklingende Kritik am amerikanischen Weapons and Armory-Kapitalismus ist Iron Man aber natürlich ein reines, augenzwinkernd-schnoddriges Spaßspektakel und als solches ein Highlight des Comicgenres und Blockbusterkinos im allgemeinen. Die Actionsequenzen treten nicht gerade gehäuft auf und sind auch nicht von überwältigendem Ausmaß, dafür wird der Titelheld aber einfach extrem cool in Szene gesetzt und die verhältnismäßig geringe Leinwandzeit kommt der Wirkung und Frische des Iron Man absolut zugute. Bemerkenswert dabei: sowohl ohne als auch mit Anzug gehen Stark und sein Alter Ego erstaunlich vehement und wenig zimperlich zu Werke und wo andere Helden die Schurken sich mehr oder weniger selbst erledigen lassen (siehe sämtliche Spider-Man-Teile) ist der Iron Man nicht gerade im Auftrag der Resozialisierung unterwegs. Das bekommt die Terrororganisation der Zehn Ringe zu spüren, als Stark das Dorf Gulmira von deren gewalttätiger Herrschaft befreit. In Zusammenhang mit der klischeebeladenen Darstellung der Extremisten könnte man sich daran fast schon stören, aber dafür meint es Iron Man letztlich schlicht viel zu wenig ernst und rockt stattdessen ganz gewaltig.



Zwar ist den Terroristen mit deren Anführer, gespielt von Faran Tahir, ein recht charismatisches Gesicht gegeben, beim Hauptbösewicht muss man jedoch nicht lange auf das Outing Obadiah Stanes warten, den Jeff Bridges ohne große Extravaganzen, aber mit geschäftsmännischer Verschlagenheit gibt. Im Gegensatz zu Downey jr. kann er sich nicht (und soll es wohl auch nicht) so richtig entfalten und ist ganz klar, auch später als mächtiger Iron Monger, einer jener Schurken, die dem Helden und dessen Einführung nicht die Bühne stehlen (ähnlich wie Liam Neeson und dessen Ra’s al Ghul in Batman Begins). Verglichen mit dem zweiten Comicschurken des Jahres, Heath Ledgers herausragendem Joker aus The Dark Knight, hat Stane die Bedrohlichkeit eines Windelwechsels, aber sein Zweck ist halt auch ein anderer und die Klasse eines Jeff Bridges genügt natürlich reichlich für ein sehenswertes Duell. Nicht ganz entgegen kommt diesem das letzte Drittel von Iron Man, da Favreau zum Ende hin etwas die anfangs investierte Zeit ausgeht und über viele Ereignisse im Eiltempo hinweg gegangen wird. Allein der Wechsel des Kontinents scheint prinzipiell in Überschallgeschwindigkeit von statten zu gehen. Dennoch leitet Favreau gut in einen auch wiederum nicht sehr weitläufig skalierten, aber sehr gut choreografierten Showdown über, in dem es ordentlich auf’s Blech gibt.



Unter jenen Comicverfilmungen, deren angestrebtes und zuvorderst zu erfüllendes Ziel die pure Unterhaltung des Zuschauers ist, rangiert Jon Favreaus Iron Man ganz weit vorn. Der anfangs kritisch beäugte, da blockbusterfremde Robert Downey jr. erweist sich als Idealbesetzung, zieht die richtigen Schrauben fest an und hat selbstverständlich auch einige locker, neben ihm agiert ein ausgezeichneter, wenn auch nicht ganz ausgereizter Cast. Terrence Howard als „Rhodey“ Rhodes wird für spätere Einsätze aufgespart (und im Sequel Iron Man 2 von Don Cheadle gespielt), Gwyneth Paltrow ist eine entzückende „Pepper“ Potts, die zum Schluss ein bißchen kieksig wird, aber immer noch handlungsfähig und nicht bloß damsel in distress ist (was man nach der Spider-Man-Trilogie auch nicht mehr ertragen könnte). Außerdem hat Stan Lee hier einen seiner besseren Gastauftritte. Action und Humor werden in Iron Man angenehm dosiert, kommen weder kontextlos noch überfrachtend daher, der rockige Soundtrack passt bestens, die unter anderem durch einen Post Credits-Gastauftritt geschaffene Vertiefung des Marvel-Universums und damit einhergehende Vorbereitung kommender Großereignisse (wie der für 2012 angesetzten Heldenzusammenkunft in The Avengers) sorgt bei Fans und Kennern zusätzlich für mächtig gute Laune. Die sollte aber eigentlich sowieso jeder bei Iron Man haben. Dow dow dowdowDOW! Dadadada dadada DOW DOW DOW!

Wertung & Fazit

Action: 3/5
Die sehr stark gefilmten und kräftig rockenden Actionsequenzen sind umso effektiver, da sie nicht verschwenderisch eingesetzt werden.
Spannung: 2,5/5
Durch den Fokus auf die Einführung der Charaktere lässt Iron Man nicht unbedingt Hochspannung zu, muss er aber auch nicht.
Anspruch: 1/5
Iron Man nimmt sich nicht sonderlich ernst, verkauft sein Publikum aber auch nicht für dumm, Charaktere und Story sind nicht bloß Staffage.
Humor: 2,5/5
Ohne Aussetzer in Form von Infantilgags oder ähnlichem, Starks Arroganz und Überheblichkeit sind köstlich.
Darsteller: 4,5/5
Ein verbales Backenfutter verteilender Downey jr. in überragender Spiellaune neben einem tollen, wenn auch wenig geforderten Cast.
Regie: 4,5/5
Favreaus Inszenierung führt großartig in die Welt des Tony Stark ein, Action, Humor und Story kombiniert er annähernd perfekt, einzig im Schlussakt setzt ein wenig Hetze ein.
Fazit: 9/10
Da gibt’s wenig “wenns” und kaum ein “aber”: Iron Man gehört zu den besten Comicverfilmungen und Fun Blockbustern der letzten Jahre.

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  • [...] is gonna be a large one: 7/10 Punkten Medienjournal: 9/10 Punkten Wie ist der Film? : 8/10 Punkten Christians Foyer: 9/10 [...]

  • [...] Christians Foyer: 9/10 Punkte Moviescape: 7/10 Punkte [...]

  • Erstmal: Mal wieder ein super Review, hast jeden deiner Kritik-Punkte sehr genau beschrieben. Aber mit einem bin ich nicht einverstanden. Du hast geschriebn dass die Story nebensächlich ist, das finde ich nicht, da man sehr gut in Batman Begins gesehen hat, dass man sehr viel Zeit auf den werdenden Supehelden verwenden kann, was aber trotzdem nicht zu Lasten der Story kommt. Ausserdem fand ich die wandlung von Obediah zum Villain etwas sehr weit hergeholt, und deswegen gefiel mir auch der Schluss nicht, ich habe einfach etwas mehr erwartet als zwei Leute in Kampfanzügen die sich kloppen… In den anderen Punkten bin ich aber mit dir einverstanden, Downey ist als T.S. einfach genial!

    • Danke, aber: wo hab ich denn geschrieben, die Story sei nebensächlich? Ich hab zwar geschrieben, das der Film vorrangig ein Spaßspektakel ist, aber das bedeutet ja nicht, dass er auf die Story keinen Wert legt und das Gegenteil ist schließlich der Fall. Und zum Ende hin wird’s halt alles ein bißchen fix abgehandelt, wodurch dann auch, wie du richtig sagst, der Auftritt Stanes ein wenig weit hergeholt scheint