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Stars im Portrait: ROBERT DOWNEY jr.


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Portrait

Was dem gewöhnlichen Arbeiter sein Feierabendbier ist dem Rockmusiker seine Groupie- und Alkoholorgie, dem Sportler sein Pillen- und Pulvereinwurf und dem Schauspieler sein Koksschniefer und Meskalincocktail. Alles natürlich untereinander austauschbar. Während nun Sex & Drugs im Rockerleben als Pflichtbestandteil von Lebenslauf und Lifestyle romantisiert werden kommt es für Filmstars ähnlich schwer, wie für den die Regeln des FairPlay ignorierenden Sportsmann, dem die Ausübung seines Sports entzogen wird. Ein ansprechendes Leinwandimage lässt sich nur noch schwer verkaufen, wenn der Star kurz zuvor in den Abendnachrichten nach diversen Exzessen auf einem unvorteilhaften Fahndungsfoto zu sehen war. Skandaltanten wie Lindsay Lohan, Nick Nolte oder Mel Gibson legten ihre Karrieren eigenhändig lahm, andere, wie Charlie Sheen und David Duchovny, schlugen daraus Kapital und geben in ihren Hit-Serien Two and a half Men und Californication einfach ein comedy- und satiretaugliches Selbstportrait aus Promiskuität und Ethanolrausch. Das große Leinwandcomeback? Dennoch eher unwahrscheinlich. Allerdings: keine Regel ohne Ausnahme und dies personifiziert in diesem Fall kaum jemand besser, als Robert Downey jr., einer der bis ins Bodenlose gestürzt ist und es trotzdem zurück auf die höchste Spitze geschafft hat. And we are glad to welcome you back.

Robert John Downey jr. debütierte bereits im Alter von fünf Jahren vor der Kamera. In der surrealen Komödie Pound (1970), geschrieben und inszeniert vom Papa, dem Independentfilmer Robert Downey sr., spielte er einen kranken Hundewelpen in einem Tierheim. Downey jr. übernahm außerdem kleine Rollen in Greaser’s Palace (1972) und Up the Academy (1980), ebenfalls Filme seines Vaters, der in ersterem außerdem seine Frau Elsie, in letzterem Downey jr.‘s ältere Schwester Allyson besetzte. Nach der Scheidung der Eltern 1978 zog Downey jr. zunächst gemeinsam mit seinem Vater nach Los Angeles, kehrte jedoch vier Jahre später nach New York zurück, um dort seine Schauspielkarriere voranzutreiben. Es folgten Nebenrollen in John Sayles‘ Baby it’s you (1983) und in Michael Apteds Drama Firstborn (1984), bei dessen Dreharbeiten Downey jr. die Schauspielkollegin Sarah Jessica Parker kennenlernte. 1985 trat er der wöchentlichen Late-Night-Sketch-Comedy Saturday Night Live bei, die einen ganzen Haufen von Starkomödianten hervorbrachte. Für Downey jr. war allerdings nach einem Jahr und neunzehn Auftritten Schluss, als man den Cast wegen Quotenschwäche austauschte.



Durch seine Auftritte als Sidkick in Tuff Turf und als Schläger in John Hughes‘ Weird Science (beide 1985) hatte sich Robert Downey jr. jedoch mittlerweile einen Namen gemacht, den seine erste Hauptrolle nebst Molly Ringwald und Dennis Hopper in The Pick-up Artist (1987) bestätigte. In der Adaption von Bret Easton Ellis‘ Roman Less Than Zero (1987) warf Downey jr. quasi einen Blick in die eigene Zukunft, spielte den reichen, kokainsüchtigen Julian Wells und erntete großes Kritikerlob. Es kamen Angebote für größere Rollen in größeren Filmen, während die Drogenprobleme sich in seinem Privatleben fortzusetzen begannen und die Beziehung zu Sarah Jessica Parker kosteten. Downey jr. spielte unter anderem mit Cybill Shepherd und Ryan O’Neal in Chances Are (1989), 1990 nahm er die zweite Hauptrolle neben dem damaligen Megastar Mel Gibson in Air America an, der Downey jr.‘s endgültiger Durchbruch auf die A-Liste Hollywoods hätte werden sollen, stattdessen aber böse floppte. Trotz (oder wegen) der Alkoholeskapaden Gibsons während des Drehs wurden die beiden zu engen Freunden.

Robert Downey jr.‘s Arbeit vor der Kamera erreichte dennoch in der Folge einen vorläufigen Höhepunkt. Nach Michael Hoffmans starbesetzter Satire Soapdish (1991) spielte er nach intensiver Vorbereitung die Legende Charles Chaplin in Richard Attenboroughs aufwendiger Biographie Chaplin (1992). Downey jr. lernte Violine und Tennis spielen, mit Hilfe eines Coaches eignete er sich Chaplins typische Haltung und Bewegungen an. Seine Performance brachte eine Auszeichnung mit dem BAFTA, sowie die erste Oscar-Nominierung. Danach spielte er in Robert Altmans gefeiertem Ensemble-Drama Short Cuts (1993), Oliver Stones rabiater Mediensatire Natural Born Killers, mit Marisa Tomei in der romantischen Komödie Only You (beide 1994), neben Ian McKellen, Annette Bening und Jim Broadbent im Shakespeare-Drama Richard III und dem Oscar-gekrönten Kostümschinken Restoration (beide 1995). Gerade einmal dreißig Jahre alt, hatte Downey jr. sein Ausnahmetalent unter der Führung einiger der besten Regisseure ihrer Zeit nachgewiesen und für die Aufnahmezeremonie in den Olymp der ganz großen schienen bereits sämtliche Vorkehrungen getroffen.



Doch Robert Downey jr. nahm den langen und harten Umweg durch die Unterwelt. Im April 1996 wurde er nach einer wilden Fahrt über den Sunset Boulevard erstmals wegen Drogen- und Waffenbesitzes inhaftiert, weitere Verurteilungen folgten, als er unter Betäubungsmitteleinfluss in das Haus eines Nachbarn einbrach und gerichtlich angeordnete Drogentests versäumte. 1999 verurteilte man Downey jr. zu einer Haftstrafe und er verbrachte ein Jahr im California Substance Abuse Treatment Facility and State Prison, ehe er gegen Kaution freigelassen wurde. Einige Filmrollen gingen ihm zwischen diesen Vorfällen verloren, dennoch spielte Downey jr. immerhin Nebenrollen in den Flops One Night Stand von Mike Figgis und Gingerbread Man (beide 1997), einer John Grisham-Verfilmung von Robert Altman. Außerdem war er im Auf der Flucht-Nachklapp Auf der Jagd (1998) zu sehen und konnte noch vor der Inhaftierung die Arbeit an Neil Jordans Psycho-Thriller In Dreams (1999) beenden. Eine Woche nach seiner Haftentlassung stieß Downey jr. in der vierten Staffel zur Erfolgsserie Ally McBeal. Wie für seine Rolle als schwuler Verleger in Curtis Hansons wunderbarem WonderBoys (2000) war ihm auch als charmanter Love Interest von Hauptdarstellerin Calista Flockhart das Kritikerlob sofort wieder gewiss, eine Emmy-Nominierung und eine Auszeichnung mit dem GoldenGlobe folgten, außerdem bewies Downey jr. auf Vonda Shepards Ally McBeal: For Once in My Life-Album und im Duett mit Sting sein Gesangstalent.

Noch vor Staffelende wurde Robert Downey jr. an Thanksgiving im Jahr 2000 erneut verhaftet, als er unter Rauchmitteleinfluss und im Besitz von Kokain und Valium in seinem Hotelzimmer aufgefunden wurde. Die Ally McBeal-Produzenten hielten zunächst an ihm fest, feuerten ihn aber endgültig nach einem weiteren Vorfall, bei dem Downey jr. unter Drogeneinfluss barfuß in Culver City umherwandernd aufgefunden wurde. Eine Bühnenproduktion von Mel Gibson, in der Downey jr. als Hamlet vorgesehen war, musste abgesagt werden, ebenso verlor er die Hauptrolle in der Komödie America’s Sweethearts (2001). Statt eines weiteren Haftaufenthalts wurde Downey jr. einem kurze Zeit zuvor erlassenen Gesetz entsprechend in Rehabilitation geschickt. Nach Jahren des Drogenmissbrauchs, der Freiheitsstrafen, Rehaversuchen und Rückfällen erwies sich im Jahr 2003, nachdem Downey jr. endlich den Willen zum Clean sein gefunden hatte, erneut Gibson als wahrer Freund. Als Produzent des Krimi-Musicals The Singing Detective engagierte er ihn für die Hauptrolle und übernahm Downey jr.‘s Versicherung. Obwohl landesweit nur in 46 Sälen aufgeführt und mit einem Einspiel von nicht einmal einer halben Millionen alles andere als ein Hit und auch nicht unbedingt wohlwollend von der Kritik besprochen zeigte der Film doch, das Downey jr. sein Schauspieltalent nicht abhanden gekommen war.



Mit Mathieu Kassovitz‘ mäßigem Mystery-Thriller Gothika (2003) kehrte Robert Downey jr. zum Mainstream zurück, wurde aber längst noch nicht für den Blockbusterbereich entdeckt. Die gebotenen Alternativen hätten besser aber kaum ausfallen können, so wurde Downey jr. Teil des tollen Ensembels in George Clooneys ausgezeíchnetem Good Night, and Good Luck und legte neben Val Kilmer in der virtuos-frechen Krimi-Komödie Kiss Kiss, Bang Bang (beide 2005) einen herrlich bedröppelten Auftritt hin. Das Drama A Guide to Recognizing Your Saints mit Rosario Dawson und Shia LaBeouf, der experimentelle A Scanner Darkly und Fur: An Imaginary Portrait of Diane Arbus (alle 2006) machten zwar kleine Kasse, zeigten aber allesamt Downey jr.‘s große Klasse. 2007 besetzte ihn David Fincher in seinem akribischen Serienkiller-Thriller Zodiac, mit Anton Yelchin spielte er in der Teenagerkomödie Charlie Bartlett. In jenen ursprünglichsten Bereichen des Mediums Film, in dem Geld kein Qualitätsmerkmal ist, in dem keine Effekte den Blick auf den Schauspieler verbauen und in dem es einzig darauf ankommt, was man vor der Kamera anzubieten bereit und abzuliefern fähig ist, dort hatte sich Robert Downey jr. nun endlich als einer der besten seines Fachs etabliert, als jemand, bei dem Verlass darauf ist, dass er etwas außergewöhnliches liefern wird, sobald jemand »Action!« ruft.

Im Jahr 2008 wurde Action zum Stichwort. Robert Downey jr. war mehr als nur zurück und dennoch gingen die Marvel Studios mit ihrer ersten geplanten Eigenproduktion ein Risiko ein, als sie ihn im Zuge des anhaltenden Superhelden-Booms als Iron Man und dessen Alter Ego Tony Stark besetzten. Plötzlich ruhte eine 185 Millionen Dollar-Produktion auf den Schultern eines Edelmimen aus der Indie-Sparte, dessen Starappeal bei allem Können fraglich schien. Doch wie selbstverständlich wurde Downey jr. zum Highlight des Films und selbiger zum weltweiten Megahit. Für Ben Stillers knalligen Tropic Thunder (2008) gab es anschließend eine weitere Oscar-Nominierung, seine starke, zurückgenommene Leistung neben Jamie Foxx in Joe Wrights Der Solist (2009) rettete das ansonsten misslungene Obdachlosen-Drama. Als Meisterdetektiv in Guy Ritchies Neuinterpretation Sherlock Holmes führte er ein weiteres Riesenprojekt an, dessen Erfolg und Sequeltauglichkeit jenen des Iron Man in nichts nachsteht. Zudem erhielt Downey jr. für seine exzentrische Spurensuche einen GoldenGlobe.



Ob Due Date vom The Hangover-Regisseur Todd Phillips, die logischen Iron Man 2 und Sherlock Holmes 2, oder das Mega-Marvel-Projekt The Avengers, in dem sich die Superhelden unter Joss Whedons Regie vereinen – Robert Downey jr. ist angesagt, wie zur Zeit kaum ein zweiter Superstar. Der Privatmensch steht dem Schauspieler nicht mehr im Weg, Downey jr. leugnet seine Vergangenheit nicht, vielmehr scheint er aus ihrem Passieren und dem Wissen, eine ganze Menge Glück gehabt zu haben, die Kraft für sein jedes Mal auf ein neues überwältigendes Spiel zu nehmen. Ungehemmte Clownerei, lässige, manchmal herablassende Coolness, einnehmender Charme, steinerweichende Hilflosigkeit und felsenfeste Entschlossenheit – Downey jr. ist ein mimischer Flächenbrand, eine physische Eiszeit, ein emotionales Erdbeben, eine mitreißende Flutwelle. Einer, der soviel hinter sich hat, dass er die Zeit umso intensiver genießt und auslebt, die noch vor ihm liegt. Dieses mal ohne Drogen, sondern mit der Gabe, jeden Filmfan durch sein eigentlich gar nicht zu erklärendes special something daran teilhaben zu lassen. We are blessed to have you back.

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Kommentare

  • http://plopper.wordpress.com graval

    Hat er alles auch verdient. Ich mag den Kerl. :) Seit Iron Man mein Lieblingsschauspieler :mrgreen:

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Ich hab ja nicht unbedingt DEN EINEN Lieblingsschauspieler, aber Downey jr. hat seinen festen Platz sehr weit vorne jederzeit sicher ;)

      • http://plopper.wordpress.com graval

        Ich ja eigentlich auch nicht. Aber er ist schon cool :)

  • Pingback: Batman vs. Iron Man « Ploppers Wörld

  • Pingback: Sherlock Holmes 2 ab 2011 - Blokster

  • http://cinetologie.blogspot.com Der Gründer-CINEtologe

    Für mich einer der wahrhaft Großen seit IRON MAN.

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      SPÄTESTENS seit „Iron Man”! Hat ja schon lange vorher viele gute Sachen gemacht und verdientermaßen zeigt er seine Klasse nun auch im Blockbuster-Kino

  • http://www.moviepire.de Danny

    Iron-Man ist auf jedenfall sein Meisterwerk! Die Rolle paßt wie A… auf Eimer :)

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Tja, da wurde schon zusammen geschweißt, was zusammen gehört ;)