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Stars im Portrait: GERARD BUTLER

Autor: am 15.06.2010, um 10:18 Uhr | Kategorie: Stars im Portrait | 2 Kommentare


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Portrait

»Gesucht werden SIE. Sie verfügen über ein kantiges Äußeres, befinden sich in körperlicher Topform, inklusive stahlhartem Sixpack und Brustmuskeln Größe Doppel D; wie selbstverständlich verströhmen sie genug Testosteron, um damit Kraftwerke anzutreiben; sie wirken bei aller überbordenden Männlichkeit dennoch nicht unnahbar und regen das weibliche Publikum dazu an, vom Schutz ihrer starken Arme und ihres breiten Kreuzes zu träumen, während die Männer an ihrer Seite kämpfen und sie in einer Bar zum Armdrücken herausfordern wollen; sie haben das Prinzip des trockenen Oneliners verstanden; bringen eine enorme physische Präsenz mit und eine Waffe wirkt in ihren Händen nicht wie ein Zahnstocher oder eine Last, sondern wie die logische Verlängerung ihres gefährlichsten Tötungsinstrumentes, ihres Körpers. Wenn SIE diese Voraussetzungen erfüllen, und dazu noch zwei- bis dreihundert Millionen an Einnahmen pro Film garantieren, bewerben sie sich bitte bei jedem Casting sämtlicher momentan in Hollywood angesetzter Actionproduktionen für die Hauptrolle. Ihre Einstellungschancen standen nie besser!«<

Hollywood sucht ihn verzweifelt, DEN neuen Actionstar, aber irgendwie will oder kann den nach Schwarzenegger, Stallone, Gibson und Willis verwaisten Posten niemand so recht ausfüllen. Prädestinierte und hoffnungsvolle Bizepsbrocken wie Vin Diesel und Dwayne „The Rock“ Johnson mogeln in laschem Family-Entertainment wie Der Babynator (2005) und Zahnfee auf Bewährung (2010) herum, Nicolas Cage hat sich nach Aufsehen erregenden Auftritten in The Rock (1996), Con Air und Face/Off (beide 1997) längst wieder disqualifiziert und Jason Statham bringt trotz adrenalingeschwängerten Baller-Burnern wie The Transporter 1-3 (2002/’05/’08), sowie Crank 1+2 (2006/’09) irgendwie nicht so ganz den überzeugenden Kassenzug mit. Und bevor die alten Haudegen und die neue (gescheiterte?) Garde sich demnächst zur großen Zusammenkunft in Sylvester Stallones The Expendables (2010) vereinigen bleibt eigentlich nur noch ein einziger aussichtsreicher Kandidat für die Solokampagne. Einer, der sämtliche der oben gewünschten Kriterien erfüllt, der (rein finanziell betrachtet) ein paar sehr ordentliche und einen richtig dicken Hit gelandet hat – und der sich wohl trotzdem ebenfalls längst gegen den einzig auf Action abonnierten Berserker entschieden hat: Gerard Butler.



Als jüngstes von drei Kindern in eine strikt römisch-katholische Familie geboren verbrachte Gerard James Butler seine Kindheitsjahre im kanadischen Montreal, sowie seinem Heimatort Paisley, unweit Glasgows gelegen. Butlers Eltern Margaret und Edward ließen sich bald nach seiner Geburt scheiden, bis in seine Teeniejahre brach Butlers Kontakt zu seinem Vater völlig ab. Nach Wiederkontaktaufnahme pflegten die beiden ein enges Verhältnis, ehe Edward starb, als Butler Anfang Zwanzig war. An eine Schauspielkarriere war ihm bis dahin noch kein Gedanke gekommen, vielmehr studierte er an der University of Glasgow Jura und wurde dort seiner umgänglichen und offenen Art wegen zum Präsident der Law Society gewählt. Noch vor Studiumsende gönnte Butler sich ein Jahr Auszeit und genoss eine ausgelassene Zeit in Kalifornien, ehe er nach Schottland zurückkehrte, sein Studium beendete, einen Job bei einer Kanzlei erhielt – und wenig später wegen Unzuverlässigkeit gefeuert wurde. Währenddessen hatte das Edinburgh Festival seine Leidenschaft für die Schauspielerei geweckt.

Gerard Butler sprach unter anderem für eine Rolle in Danny Boyles Trainspotting (1996) vor, die Geschichte seines ersten Engagements ist aber eher Hollywood-like. Schauspieler Steven Berkoff sprach Butler in einem Café in London an und verschaffte ihm eine Rolle in dem Bühnenstück Coriolanus. Mit der Anwaltskarriere war es nun endgültig vorbei, Butler bekam Ewan McGregors Part des Renton in der Bühnenfassung von Trainspotting und gab kurze Zeit später in John Maddens Mrs Brown (1997) sein Spielfilmdebüt, unter anderem neben Judi Dench und Billy Connolly. Während der Dreharbeiten und eines Picknicks mit seiner Mutter rettete Butler einen Jungen vor dem Ertrinken und bekam für diese Heldentat ein Certificate of Bravery von der Royal Humane Society. Passenderweise ging es 1997 mit dem James Bond-Streifen Der Morgen stirbt nie weiter, wenn auch selbstverständlich nicht als Geheimagent, sondern bloß als Nebenrollenfüller. Nicht viel größer geriet der Part im Horrorfilm Tale of the Mummy (1998) von Highlander-Regisseur Russell Mulcahy. Es folgten TV- und Serienauftritte in Little White Lies und The Young Person’s Guide to Becoming a Rock Star (beide 1998), sowie Rollen als durchdrehender Autor im Kurzfilm Please! und in der Drama-Romanze One More Kiss (beide 1999). In The Cherry Orchard (1999) und Harrison’s Flowers (2000) gerieten die Auftritte wiederum kleiner, allerdings bahnte sich nun Butlers Durchbruch an.



Ursprünglich für namhaftere Stars gedacht wurde Gerard Butler sowohl in der TV-Miniserie Attila (2001), als auch in Dracula 2000 für die Titelrollen besetzt. Während der Hunnenkönig sehr starke Quoten brachte, wurde die von Wes Craven produzierte Neufassung des transsylvanischen Blutsaugers weder zum Kassen- noch zum Kritikerhit. Butler allerdings wurde in beiden Fällen eine durchaus sehenswerte Performance bescheinigt. Die beiden großen Namen, denen er Gesicht und Körper spendiert hatte, brachten Butler einen ordentlichen Bekanntheitsschub und nach weiteren Fernsehrollen in Lucy Sullivan Is Getting Married (2000) und The Jury (2002) spielte er neben Christian Bale und Matthew McConaughey im Endzeit-Drachen-Abenteuer Reign of Fire (2002), klaute mit Charisma und vor allem beeindruckender Statur Angelina Jolie die Show im miesen Lara Croft – Tomb Raider: The Cradle of Life und trat auch in Richard Donners Michael Crichton-Adaption Timeline (beide 2003) als einziger Beteiligter positiv in Erscheinung.

Ihrer mangelnden Qualität entsprechend floppten all diese Werke, Gerard Butler genoss gleichwohl längst nicht mehr nur den Ruf als einer der nettesten und zugänglichsten Kerle der Filmindustrie, sondern wurde mittlerweile auch als aussichtsreicher Action Man gehandelt, hatte Präsenz und Sexappeal bewiesen. Nach Pierce Brosnans letztem Auftritt als Doppel-Null-Agent in Die Another Day (2002) war er für dessen Nachfolge im Gespräch, ehe die populäre Figur an Daniel Craig ging. Butler selbst meinte allerdings später, den Bond eh nie spielen zu wollen, da ihm eine breitgefächertere Rollenauswahl läge, während Bond seine Stars an die Kette legt. Mit Produktionen wie dem britischen Drama Dear Frankie, das von »deeply movin« bis »manipulative tearjerker« so einiges genannt wurde, und Joel Schumachers aufweniger Musical-Adaption Das Phantom der Oper (beide 2004), in dem er außerdem sein Gesangstalent bewies, untermauerte Butler seine selbstbewussten Absichten und Ansprüche.



Nach dem Erdrutsch-Flop des Fussball-Dramas The Game of Their Lives (2005), der bei einem Budget von 20 Millionen nicht einmal eine halbe Millionen an weltweitem Einspiel einfuhr, sollte Butler Hollywood dennoch den Gefallen tun, als Actionheld zu glänzen. Im Anschluss an Beowulf & Grendel (2005) erhielt der Schotte die Hauptrolle des kriegerischen Spartaner-Königs Leonidas in Zack Snyders kontroverser Comicverfilmung 300 (2007). Der Kampf bei den Thermopylen gegen das übermächtige Heer der Perser bekam faschistoide Züge angedichtet, von der blutig-stilisierten Ästethik waren viele begeistert, viele abgestoßen, aber mit über 450 eingespielten Millionen wurde das bildgewaltige Schlachtenportrait zum weltweiten Hit und profitierte dabei auch von Butlers durchaus mitreißender Leistung. Weit weniger martialisch ging es mit dem seichten Thriller Spiel mit der Angst und dem Tränenzieher P.S. I Love You (beide 2007) weiter. Festnageln auf den Krawall-Heroen ließ sich Butler also doch wieder nicht, ganz im Gegenteil spielte er 2008 gar an der Seite von Jodie Foster und Abigail Breslin in der harmlosen Familienunterhaltung Die Insel der Abenteuer und anschließend als Kleinkrimineller in Guy Ritchies RocknRolla.

Im Jahr 2009, bislang sicher sein präsentestes, wechselte Gerard Butler fließend vom Explosions-Ekstatiker zum RomCom-Liebling. Robert Luketic‘ Die nackte Wahrheit, den einzig Butlers lockere Chauvie-Show in den Bereich der Durchschnittlichkeit rettete, wurde zum Hit, der brachiale und Möchtergern-kritische Gamer des Regieduos Mark Neveldine/Brian Taylor enttäuschte zwar deren von Crank 1+2 begeisterte Fans und Kritiker, lief bei geringen Kosten aber ebenfalls noch einigermaßen brauchbar. Butler preschte rücksichtslos-brutal durch das Zukunftszenario und knüpfte hier am nächsten an die alte Schule der mimisch minderbegabten, aber physisch unter Hochspannung stehenden Recken der 1980er an, die rein durch Körpereinsatz die Leinwand beherrschten. Der Selbstjustizreißer Gesetz der Rache, in dem Butler als Vergeltung fordernder Witwer gegen Staatsanwalt Jamie Foxx antritt, geriet so kurzweilig unterhaltend wie hanebüchen unlogisch, ließ Butler aber durchaus Raum für, soweit ihm und innerhalb der Figurenzeichnung möglich, differenziertes Spiel, gerade in jenen Momenten väterlicher Verzweiflung und eiskalter Rache. Erwartungsgemäß weniger fordernd geriet der Anfang 2010 anlaufende The Bounty Hunter, in dem sich Butler mit Jennifer Aniston kabbelt.



Gerard Butler zählt sicher nicht zu den mimischen Ausnahmekönnern und wirkt meist mehr wie ein um Wandlungsfähigkeit bemühter Schauspieler, denn ein tatsächlich dazu fähiger. Dass es ihm dabei an Authentizität und Ausstrahlung mangelt wäre aber absolut an dem, was Butler möglich ist, vorbeibehauptet. Denn an einer im Komödien- und, so sehr er sich auch darum herum windet, Actionbereich zur Geltung kommenden Wirkung fehlt es ihm nicht, wenn dabei auch bei weitem nicht immer der bestmögliche Film oder schauspielerische Referenzleistungen heraus kommen. Sympathien bekommt er trotzdem recht locker auf seine Seite gezogen, daran dürfte es auch nicht fehlen, wenn er demnächst in Ralph Fiennes‘ Regiedebüt Coriolanus (ein Stoff, mit dem Butler schließlich schon Erfahrung hat) und in Marc Fosters Machine Gun Preacher (geplanter Start in 2012) neben Michelle Monaghan und Michael Shannon zu sehen sein wird. DER Actionstar wird und will Butler nicht werden, aber letztlich reicht auch, was er ist: ein guter, ehrlicher Kerl, der um sich selbst nicht allzuviel Rummel veranstaltet und der überwiegend sehr anguckbare Leistungen liefert. Absolut ok, das.

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  • Mein Bauch (ziemlich dick und unheilschwanger) sagt mir, Gerard Butler sei der ideale Kandidat für „The Passion of the Christ – Part 2″ ;)