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Classic: PREDATOR

Von Riggs J. McRockatansky vor 7 Jahren geschrieben06 / 201013 Kommentare

Der Film

Was treibt einen Außerirdischen auf die Erde? Friedliche Kontaktaufnahme mit einer neuen Zivilisation wie in Steven Spielbergs Close Encounters of the Third Kind (1977), die Spende ewiger Jugend, so gesehen bei Ron Howards Cocoon (1985), medizinische Forschung samt Analsondeneinführung wie in zig Filmen und den X-Files thematisiert, oder auch der Wille zur totalen Vernichtung, wie er Roland Emmerichs Aliens in Independence Day (1995) oder jenen aus Krieg der Welten (1953 & 2005) innewohnt. Und natürlich die Möglichkeit auf einen Fight gegen den größten Box-Champ der Erde, Rocky Balboa! Nachdem der nämlich mit Erzrivale Apollo Creed, dem Berserker Clubber Lang und in Gestalt des kantigen Russen Ivan Drago sogar den Kommunismus besiegt hatte schien es für Sylvester Stallones Italian Stallion nach inszwischen vier Filmen keinen gleichwertigen Gegner mehr auf Erden zu geben. So machte ein Witz in Hollywood die Runde, den Jim und John Thomas allerdings ernst nahmen und darauf basierend ihr Skript zu Hunter verfassten. Mit der Begegnung im Boxring wurde es dann zum Glück doch nichts, nach einigen konzeptionellen Änderungen, besonders bezüglich des Creature-Designs, wurde aus dem Stoff Predator, der die Frage, warum ein Außerirdischer auf die Erde kommt, höchst martialisch beantwortet: für die Jagd, die Herausforderung und die Ehre.

Major Alan „Dutch“ Schaefer wird mit seiner Spezialeinheit auf Rettungsmission in den zentralamerikanischen Dschungel entsandt. Der Helikopter eines wichtigen Ministers ist über Rebellengebiet abgeschossen worden, Dutchs Truppe soll die Geiseln aus den Händen der Guerilleros befreien. Die Männer werden von Dillon, einem alten Kampfgefährten des Majors und jetzigen CIA-Agenten begleitet. Vor Ort treffen sie auf unerwartetes Grauen, finden die Helikopter-Crew aufgehängt und gehäutet vor. Nachdem sie ein ganzes Rebellenlager ausgeräuchert haben offenbart Dillon die wahren Hintergründe der Mission und der angewiderte Dutch will seine Männer nur noch wegschaffen. Doch auf dem Weg zur Abholzone bemerken sie bald, dass im Dschungel noch etwas ganz anderes lauert – etwas, das eine erbarmungslose Jagd eröffnet…



Der Weltraum. Aus den Tiefen der unendlichen Weiten stößt ein Raumjäger, der schon nicht wirklich den Eindruck macht, als könnten sich an Bord die stereotypen wohlgesinnten Glotzaugen befinden. Das Schiff wirft ein Objekt ab, das in die Erdatmosphäre eindringt. Fade-out, denn was mit SciFi beginnt wird zunächst mal zum ganz typischen 80er Actioner. Dutch und sein Team kommen an der Küste Guatemalas an, die riesigen Kerle entsteigen dem Helikopter, während ihr Major noch ein paar Züge an der Zigarre genießt. Als Dutch seinem alten Kumpel Dillon begegnet schwellen die Muskelberge, als die beiden zum Wettarmdrücken ansetzen und Dillon sich dabei als durch die Büroarbeit der letzten Jahre reichlich abgeschlafft zeigt. Predator ist qualmendes, adervortretendes, Sprüche klopfendes Kerlekino, das seinem Helden Dutch Schaefer ein paar moralische Grundzüge verpasst (»We’re a rescue team. Not assassins.«), sein Team von Machomackern (Blain: »This stuff will make you a god damned sexual Tyrannosaurus, just like me.«) zu Rock’n’Roll zur Mission in feindlichem Gebiet aufbrechen lässt.

Predator könnte so fast als Prequel zum Schwarzenegger’schen Trash-Fest Commando (1985) durchgehen, ist aber von dessen teils selbstironisch gebrochener, aber klischeegetränkter Debilität und unfreiwilligen Komik von Anfang an ein ganzes Stück entfernt. Die kultverdächtigen Oneliner halten sich in Grenzen und durch Alan Silvestris hervorragenden, bedrohlichen Score herrscht eine völlig andere Stimmung, bei aller Sprücheklopferei stehen die Männer um Dutch ihrem Auftrag eher skeptisch gegenüber, Dillon wird höchstens geduldet und als sie den abgeschossenen Hubschrauber und wenig später die gehäuteten und kopfüber im Dschungel aufgehängten Leichen dreier bekannter Green Berets finden, von deren Anwesenheit Dillon nichts gewusst haben will, schleicht sich Ablehung und Wut, aber auch Angst ob der bestialischen Tötungen in die Gruppe. Dennoch bleiben die harten Burschen harte Burschen, spüren das Rebellenlager auf und ballern, und da kann Dutch sein Team vorher noch so vehement als Rettungstrupp deklarieren, alles mit gewaltiger Waffenkraft in Grund und Boden, mit Minigun und Granatwerfer wird den Entführern ohne den geringsten eigenen Verlust der Garaus gemacht (Poncho: »You’re bleeding, man. You’re hit.« Blain: »I ain’t got time to bleed.«).



Bis dahin ist Predator wahrlich fast Stangenware seiner Zeit, ein bißchen weniger cheasy, aber allemal mit den typischen larger than life-Momenten, in denen Schwarzenegger etwa ein mit Sprengstoff beladenes Auto anhebt und in eine Rebellengruppe rauschen lässt, oder dem typischen Phänomen, dass die „Bösen“ magazinweise daneben knattern, währen die „Guten“ jeden Schuss versenken. Die Rebellen werden brennend und in Zeitlupe von ihren Aussichtstürmen geschossen und jede Explosion wird um ihren tatsächlichen Radius verdoppelt. Doch wo man andernorts schnell mit „stumpfsinnige Ballerorgie“ urteilen würde ist bei Predator die totale Überhöhung des scheinbar unbesiegbaren Kampf(yeah Dutch, I know, RESCUE)trupps, dieses völlige Aufgehen der Figuren in ihrer kampfmaschinellen Profession eine unabdingbare dramaturgische Notwendigkeit, ein so simpler wie genialer Kniff, um dem was folgt seine Wirkung zu verleihen.

Nach dem heftigen Feuergefecht, das einzig eine Einheimische namens Anna überlebt, finden die Männer die Geiseln getötet vor und Dillon offenbart, dass es bei der Mission einzig um die Auslöschung der Rebellen ging, die kurz vor einem millitärischen Schlag standen. Von der Obrigkeit betrogen gibt der aufgebrachte Dutch widerwillig den Befehl, den Rückzug durch ein schier undurchdringliches, enges Tal anzutreten – und ahnt nicht, dass sich schon seit längerem etwas auf ihren Fersen befindet, das ganz eigene Interessen verfolgt. Das zu Anfang auf die Erde geschossene Wesen, in dessen Thermalsicht-Perspektive der Film nun vermehrt wechselt, erkennt in Dutch und seinen Männern würdige Beute für seine Trophäensammlung und so überlegen die hartgesottenen Soldaten bis dahin waren, so heftig beginnt nun der Predator, sie der Reihe nach niederzuschlachten. Rücksichtslos, sowohl den Männern als auch in gewisser Weise dem Zuschauer gegenüber, schwenkt Predator nun vom Actiondonner hin zum unerbittlichen SciFi-Horror, der außerirdische Jäger kennt keine Gnade, häutet, weidet aus und zerstückelt und je kleiner die Gruppe wird, desto mehr gehen die grausamen Geschehnisse an den Verstand der übrig gebliebenen.

War das vom schweizer Künstler H. R. Giger entworfene und von Ridley Scott 1978 und von James Cameron 1986 in Rudeln auf die Leinwand losgelassene Alien rein durch instinktgetrieben Tötungs- und parasitären Fortpflanzungsdrang motiviert, ist die Jagd des Predators eine nach Trophäen und Ehre, die Unerbittlichkeit der monströsen Gestalt eine sportliche Herausforderung. Mit Tarnausrüstung und Laserkanone ist er eine allgegenwärtige, ständig lauernde Bedrohung, deren Spannungspotenzial von Regisseur John McTiernan voll ausgeschöpft wird. Die Szenen, in denen er aus der Verborgenheit seiner Tarnung beobachtet und die Menschen als Hitzequellen vor blauem Hintergrund erscheinen, er ihr Verhalten analysiert und ihre Sprache aufzeichnet und wiedergibt, gehören klar zu den optischen und akkustischen Highlights des Films, ebenso wie die Erscheinung des Predators selbst. Der von Stan Winston designte Außerirdische zählt zweifellos zu den besten Arbeiten des 2008 verstorbenen Special Effect- und MakeUp-Genies und nicht umsonst wurde der »ugly motherfucker« zu einem der beliebtesten Filmmonster, seine mythologischen Hintergründe durch Comics, Bücher und Videospiele vertieft.



Natürlich kann einer solchen Bestie am Ende nur einer entgegentreten, der Äktschen Hero aus der Steiermark himself, Arnold Schwarzenegger. Dabei setzt er dem Predator nicht größtmögliche Feuerkraft entgegen, sondern stellt sich dem Jäger mit Cleverness, überzieht seinen Körper mit einer Schlammschicht, die die Thermalsicht austrickst und versucht, das Alien in allerlei Fallen zu locken. Trotzdem kracht es natürlich ordentlich während der finalen Konfrontation, die auch eines Faktors wegen zu den besten Showdowns ihres Genres gehört, der heutzutage reichtlich oft vernachlässigt wird: die Länge. Dem Predator wird seine Überlegenheit nicht einfach plötzlich abgesprochen, der Endkampf durchläuft mehrere Etappen, die teils fast subtile Qualitäten erreichen, wenn etwa der getarnte Jäger direkt neben dem schlammbedeckten Dutch auftaucht. Später, wenn der Predator sich seiner Rüstung entledigt und es zum rohen hand to hand combat kommt, klingen Dutchs Keuchen und seine Schmerzensschreie durch die auditive Wahrnehmung des Außerirdischen wie das hilflose Gewimmer eines Kindes. Den Nimbus des beinahe Unbesiegbaren wahrt die Kreatur so selbst im Kampf mit Schwarzenegger, der wohl in keinem Film vor- oder nachher derart zermürbt wurde.

Predator hat seine Schwächen, etwa wenn er es mit einigen pathetischen Sprüchen (Dutch: »He was a good Soldier« Mac: »He was… My friend.«), dazugehörigen Trompeten und ebenso mit der Stereotypisierung des natur- und schwingungsempfindlichen Native American Spurensuchers Billy etwas arg platt angeht, dennoch ist der simple „monster hunts down soldiers“-Plot mit mächtig Dampf und Härte und konstanter Hochspannung versehen. Die in all ihrer Unwirtlichkeit beklemmend eingefangene Dschungelatmosphäre lässt nie den Eindruck zu, dass da bloß ein paar Schauspieler durch ein gesichertes Gebiet marschieren, wo außerhalb des Bildausschnittes Snacks und Kaltgetränke warten. Nicht mal Schwarzenegger, dessen Anwesenheit ansonsten nicht selten dafür sorgt, kann den beeindruckenden mexikanischen Originalschauplätzen ihre Authentizität rauben. Sowohl die Kriegsaction des Anfangs, als auch die späteren Scharmützel mit dem Predator sind nicht nur ihrer Zeit zugeordnet 1A-Highlights des Genres, sondern bis heute durch den trick- und MakeUp-technischen Aufwand und die perfekt eingesetzte Titelfigur herausragend. Der 2,20 Meter-Hüne Kevin Peter Hall verleiht dem Predator gegenüber Muskelbergen wie Schwarzenegger, Carl Weathers und Jesse Ventura die nötige Physis (kaum auszudenken, wie der zunächst im Kostüm steckende, vergleichsweise mickrige Jean-Claude Van Damme gewirkt hätte…) und nicht zuletzt er macht aus dem Film eines der brutalsten und besten creature features überhaupt.

Wertung & Fazit

Action: 5/5
Spannung: 5/5
Anspruch: 0,5/5
Humor: 0,5/5
Darsteller: 4/5
Regie: 4,5/5
Fazit: 8,5/10
Harte SciFi-Horror-Action mit herausragender MakeUp- und Effektarbeit und zwei perfekt eingesetzten Kreaturen.

Mehr zum Film

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Kommentare

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  • Dutch 1 Kommentar(e)

    Eben habe ich Predator nach Jahren mal wieder angeschaut und bin nach wie vor sehr gut unterhalten worden.
    Für mich ist und bleibt der von Kevin Peter Hall im wahrsten Sinn des Wortes BELEBTE Predator der beeindruckendste und igendwie auch authentisch wirkendste Ausserirdische bislang. Alle Nachfolger haben dieser Creatur eher etwas von ihrer Mythologie genommen. Ganz besonders das aktuelle Predators-Machwerk. Der Drehbuchauthor gehört verklagt und den Maskenbildnern lebenslanges Berufsverbot erteilt!

    • christiansfoyer 1462 Kommentar(e)

      Leider wahr. Die Figur hätte auf jeden Fall ein paar mehr Filme von der Qualität des ersten Teils verdient

  • christian 55 Kommentar(e)

    Was mich an Predator stört, ist, dass es eben wie Stangenware seiner Zeit wirkt, wie du es ja selbst schreibst. Der Film hat definitiv einige Highlights zu bieten (gerade gegen Ende), setzt davor aber nahezu keine eigenen Akzente und plätschert träge vor sich hin. Ridley Scott hat mit Alien dem Genre acht Jahre zuvor schon mehr innovative Impulse gegeben. Deswegen bin ich auch eher Anhänger des sabbernden Konkurrenten 😉

    Predator 2 fand ich dann aber irgendwie richtig blöde, der hat mich echt ein bisschen gelangweilt. Auf den neuen Teil freu ich mich aber trotzdem.

    • christiansfoyer 1462 Kommentar(e)

      Ich finde eher, dass der Film das erste Drittel wie Stangenware AUSSEHEN lässt, dies aber durch das radikale Eingreifen des Predators dramaturgisch gerechtfertigt wird. Und von “träge dahinplätschern” kann ja wohl keine Rede sein 😉
      Sicher, “Alien” war der innovativere Film, aber auch “Predator” hat durch Kameraarbeit, Schnitt und Silvestris klasse Musik einige Standarts für das Genre gesetzt. Aber wie gesagt, die ersten beiden “Alien”-Filme stehen bei mir trotzdem auch eine Stufe über “Predator”.
      Zum zweiten gibt’s hier die Tage mehr, an den kann ich mich kaum noch erinnern

  • Bandrix 7 Kommentar(e)

    Mal wieder ein klasse Bericht und so wahr. 🙂
    Finds aber schon ein bisschen krass, dass der nachträglich ab 16 eingestuft ist. Denn hart ist er ja doch!

    • christiansfoyer 1462 Kommentar(e)

      Danke 😉
      Wie einen Kommentar weiter oben geschrieben, ‘ne 18er Freigabe hätte ich da auch eher erwartet. Dafür bleibt Teil 2 indiziert…

    • Bandrix 7 Kommentar(e)

      Seltsame Logik der Herren der FSK. Stimmt, der war wohl ein paar Minuten vor mir. Aber ich hatte die Seite nach dem Durchlesen deines Berichts nicht aktualisiert… 😉

  • Sprengstoff Olli 80 Kommentar(e)

    Sehr gut! Genau die Bewertung, die er verdient hat. Kaum zu glauben, aber die BluRay-Neuveröffentlichtung hat eine Freigabe ab 16 UNCUT bekommen! Ich bin bestimmt kein Moralischer oder so, aber das halte ich für seeeehr “großzügig”, auch wenn der Film schon über 20 Jahre alt ist. Auf jeden Fall werde ich meine alte Uncut-DVD demnächst mal wieder in den Player legen. 😉

    • christiansfoyer 1462 Kommentar(e)

      Ist richtig, die Uncut-Version hat’s teils schon in sich, sicher nicht gerechtfertig indiziert gewesen, aber ‘ne 18er Freigabe wäre schon zu vertreten. Na ja, verstehe einer die FSK… 😉

  • bullion 39 Kommentar(e)

    Oh ja! Schöner Film, doch wahrlich kein Vergleich zu Alien bzw. Aliens. Insofern stelle ich mich auf die Seite der anderen Filmmonster… 😉

    • christiansfoyer 1462 Kommentar(e)

      Die beiden ersten “Alien”-Filme schneiden bei mir wertungstechnisch auch noch einen Ticken besser ab, aber gerade im direkten Duell in den (höchst bescheidenen, aber dazu in ein paar Tagen mehr) “vs.”-Filmen macht der Predator den besseren Eindruck

  • Laosüü 89 Kommentar(e)

    Ganz großes, wenn auch anspruchsloses Kino und bis heute der Grund, warum ich im Zweifelsfalle für den Predator und nicht für die Aliens bin. 😉

    • christiansfoyer 1462 Kommentar(e)

      Geht mir ähnlich… 😉

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