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Stars im Portrait: PENÉLOPE CRUZ

Autor: am 23.07.2010, um 10:59 Uhr | Kategorie: Stars im Portrait | 4 Kommentare


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Portrait

Der typische Spanier ist er nicht: obwohl Andrés Iniesta die Selección española de fútbol im Weltmeisterschaftsfinale mit seinem 1:0 zum Titel schoss entsprechen Teamkollegen wie Sergio Ramos, David Villa oder Xavi Hernández zumindest optisch eher dem Bild des südländischen Don Juan. Iniesta hingegen, Edeltechniker des FC Barcelona, ist ein blasses, manchmal fast kränklich aussehendes und sympathisch-scheues Kerlchen. Nicht nur ein Gegensatz zu seinen Mitspielern auf dem Fußballfeld, sondern auch zu Landsfrau Penélope Cruz, ihres Zeichens der Inbegriff rassig-feuriger Klasse von der iberischen Halbinsel, die Lippen geschwungen wie die Provinzen der Extremadura, die Kurven üppig wie die Küsten und Bergketten Galiciens, ausgeprägt ihre Gibraltar-förmige Nase. Der größte Unterschied zum bleichen Iniesta ist aber ein ganz anderer. Während der sowohl auf Vereinsebene, als auch im Dienste seiner Nationalmannschaft außerhalb der Heimat mit Pässen und Toren glänzt tut sich Cruz meist schwer, überzeugende Leistungen abzuliefern, sobald sie den spanischen Boden unter den Füßen verliert.

Geboren und aufgewachsen in Alcobendas, eine Gemeinde der autonomen Gemeinschaft Madrid, interessierte sich Penélope Cruz Sánchez erst einmal nicht für die Schauspielerei, obwohl sie ihre Familie bereits als niño mit nachgespielten Werbespots belustigte. Wie später ihre jüngere Schwester Mónica bot Cruz zunächst der Tanz und das Ballett eine Bühne. Sie nahm neun Jahre klassischen Ballettunterricht am spanischen Nationalkonservatorium, vier Jahre verbrachte sie außerdem an Cristina Rotas Schule in New York. Die Schauspiellust weckte schließlich Pedro Almodóvars ¡Átame! (1990). Im Alter von fünfzehn begann Cruz sich für Castings zu bewerben, trotz ihrer extrovertierten Art anfangs jedoch ohne Erfolg. Allerdings stach sie noch im gleichen Jahr 300 andere junge Damen beim Vorsprechen einer Talentagentur aus, gewann einen Vertrag und bekam nun erste Engagements in Spots für das spanische Fernsehen und in Musikvideos. Unter anderem trat Cruz im Video zu La Fuerza Del Destino der Band Mecano auf, ebenso moderierte sie die an ein Teenie-Publikum gerichtete Talkshow La Quinta Marcha.



Ein erster Eindruck war hinterlassen, Spanien nun nicht unbedingt im Sturm erobert, aber doch angetan von der selbstbewussten chica mit dem gewissen beeindruckenden Etwas. Dieses blieb auch der Filmwelt nicht verborgen und Penélope Cruz gab ihr Debüt neben ihrem späteren Ehemann Javier Bardem in Jamón, jamón (1992). Ihre Performance als schwangere Silvia brachte ihr eine Nominierung für den Goya Award und aufgrund ihrer Nacktszenen im Film ward ein neues Sexsymbol gefunden. Für internationale Aufmerksamkeit sorgte Fernando Truebas Belle Epoque (1992), der 1994 mit dem Oscar als Bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet wurde. Nach diesen ersten Erfolgen spielte Cruz in einer Vielzahl von Filmen, zum Beispiel im italienischen Drama Per amore, solo per amore, Rafael Alcázars Thriller El Laberinto griego (beide 1993), in der romantischen Komödie Alegre ma non troppo (1994) und zwei bis drei weiteren Filmen pro Jahr. Ohne sich an Genres oder feste Rollentypen zu binden wurde Cruz in kurzer Zeit zur gefragtesten Darstellerin Spaniens, was natürlich auch dem größten Filmemacher des Landes nicht verborgen blieb.

1997 besetzte Pedro Almodóvar Penélope Cruz als Prostituierte neben Liberto Rabal, Francesca Neri und Javier Bardem in Carne trémula, im gleichen Jahr spielte sie in Alejandro Amenábars in Spanien enorm erfolgreichen und mit acht Goyas ausgezeichneten Mystery-Thriller-Drama-Meisterwerk Abre los ojos. Für La Niña de tus ojos (1998) erhielt sie schließlich auch selbst den spanischen Oscar. Mit Stephen Frears‘ The Hi-Lo Country (1998) spielte sie neben Billy Crudup, Woody Harrelson und Sam Elliott erstmals in einer US-Produktion, trotz ausbleibenden Erfolges des Films bei Kritik und Publikum wurde Cruz für den ALMA Award nominiert. Weit größere Erfolge feierte Almodóvars Todo sobre mi madre (1999). Der Film, in dem Cruz eine HIV-infizierte Nonne spielt, wurde mit über vierzig Filmpreisen, unter anderem dem Oscar, dem GoldenGlobe und dem BAFTA, ausgezeichnet und wurde mit weltweit eingespielten 67 Millionen zu ihrem bis dato erfolgreichsten Film. Nun wollte auch Hollywood mehr von ihr sehen. Nach der Hauptrolle als Köchin mit Flugangst in Woman on Top trat sie in Billy Bob Thorntons lahmer Pferdeoper All the Pretty Horses (beide 2000) gemeinsam mit Matt Damon und Henry Thomas vor die Kamera, in Ted Demmes ausgezeichnetem Drogendrama Blow verführte sie Johnny Depp, in John Maddens schwerfälligem Kriegsdrama Captain Corelli’s Mandolin (beide 2001) sah man sie neben Nicholas Cage und Christian Bale. In Cameron Crowes gespalten aufgenommenen Remake von Abre los ojos, Vanilla Sky (2001), wiederholte Cruz den Part der Sofia.



Obwohl Penélope Cruz schauspielerisch nicht viel verkehrt machte gaben ihre Rollen, selbst die zum Original im Prinzip identische in Vanilla Sky, in dieser Zeit weniger her. Mimische Ausdrucksstärke und Selbstbewusstsein waren weniger gefragt, Cruz wurde zum Love Interest, zum exotischen Anhängsel mit verführerischem Akzent degradiert. Sp erregten dann auch weniger ihre Leistungen Aufmerksamkeit, als vielmehr die Liebelei mit Megastar und Vanilla Sky-Partner Tom Cruise. Daran änderten auch die Nebenrollen in der Komödie Waking Up in Reno (2002) und dem Light-Grusler Gothika (2003) mit Halle Berry und Robert Downey jr. nicht viel. Nach dem Weihnachtsdrama Noel (2004) mit Susan Sarandon und Paul Walker stellte den Tiefpunkt wohl die Clive Cussler-Abenteuerromanverfilmung Sahara (2005) dar, in dem Cruz und Matthew McConaughey einander anschmachten und nebenbei Afrika vor einer gefährlichen Seuche retten. Bei Kosten von 130 Millionen brachte es der müde Wüstentrip gerade einmal auf 119 weltweit eingespielte Millionen und die Affäre der Cruz mit dem zu dieser Zeit Sexiest Man Alive McConaughey sorgte einmal mehr für ein Übergewicht an Schlagzeilen.

Im Jahr 2006, nachdem sie auf der Überholspur Hollywoods nicht wirklich hatte mithalten können, bog Penélope Cruz wieder in Richtung Heimat und vor allem schauspielerischen Anspruchs ab. Im Anschluss an den harmlosen, von Luc Beeson produzierten Spaß-Western Bandidas mit Freundin Salma Hayek arbeitete sie zum dritten Mal mit Pedro Almodóvar. Dessen leichtfüßige Geister- und Familiengeschichte Volver bot Cruz endlich einmal wieder Gelegenheit zu ausdrucksreichem und vielfältigem Spiel. Ihre Rolle der Raimunda brachte ihr die erste Oscar-Nominierung und eine Vielzahl weiterer Auszeichnungen, unter anderem gab es für sie und ihre Leinwandpartnerinnen Carmen Maura, Lola Dueñas, Blanca Portillo, Yohana Cobo und Chus Lampreave den Darstellerpreis bei den 59. Internationalen Filmfestspielen von Cannes, sowie den Europäischen Filmpreis. Im Torero-Biopic Manolete (2007) spielte sie neben Adrien Brody, in Isabel Coixets Elegy die junge Geliebte von Ben Kingsley. Für die Dramödie Vicky Cristina Barcelona (beide 2008) von Altmeister Woody Allen erhielt sie für ihre Nebenrolle an der Seite von Scarlett Johansson, Javier Bardem und Rebecca Hall den Academy Award, den BAFTA, den Goya Award und einiges weitere an Preisen.



Auch für ihre vierte Zusammenarbeit mit Pedro Almodóvar, Los abrazos rotos, war das Lob für Penélope Cruz reichlich. Rob Marshalls mit enorm hohen Vorschusslorbeeren bedachtes Musical Nine (beide 2009) floppte trotz Aufsehen erregender Besetzung, neben Cruz gaben unter anderem Daniel Day-Lewis, Marion Cotillard, Kate Hudson und Nicole Kidman ihre Sangeskünste zum besten. Für Cruz gab es 2010 dennoch die dritte Oscar-Nominierung. Dieses Jahr brachte ihr außerdem eine Nebenrolle in Sex and the City 2, sowie die Hochzeit mit Javier Bardem, mit dem sie seit den Dreharbeiten zu Vicky Cristina Barcelona liiert ist. Außerdem startet Cruz in einem der gewinnversprechendsten Blockbuster-Franchises den nächsten Anlauf zum ganz großen Hit auf US-Boden: im für Mitte 2011 angekündigten Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides gibt sie die feurige Seebräuberin Angelica, die Captain Jack Sparrow, alias Johnny Depp, das Freibeuterleben schwer macht. Das ausgerechnet eine Jerry Bruckheimer-Produktion ihren darstellerischen Fähigkeiten gerecht wird, davon darf natürlich getrost nicht im Ansatz ausgegangen werden, Cruz‘ nicht selten offensiv eingesetzte Reize dürften da eher gefragt sein. Die Kombination aus beiden scheint eh nur Meister Almodóvar in Perfektion zu gelingen.

Er mag der Masse an Leidenschaft, an Ungezähmtheit, an blühender Vielfalt und emotionaler Substanzhaltigkeit, die Penélope Cruz auf und von der Leinwand direkt ins Publikum zu transportieren fähig ist, tatsächlich nicht gewachsen sein, der typische Hollywoodfilm. Das, was diese Señora zu bieten hat, findet nur sehr bedingt seinen Platz im kurzen Stichpunktbogen, dem ein weiblicher Charakter zu entsprechen hat, aber wer schert sich schon darum, wenn Cruz doch immer wieder den Weg vor die Kamera jener Filmemacher findet, die ihre Optik ebenso wie ihren Inhalt einzusetzen in der Lage sind. Da kann ihr ein Pedro Almodóvar oder eine Isabel Coixet noch so direkt ins Dekoltee filmen, ihren Hintern und ihre Brüste ins Bild rücken, ihre Bewunderung für die Weiblichkeit gilt darum nicht weiniger dem Wert und der Stärke ihrer Performance, ihrem Weg weg von der der Schauspierin Penélope Cruz, hinein in die Figuren. Exotischer Love Interest, sexy Sidekick, Geschichten über Affären mit Co-Stars – zumindest auf letzteres wird man nach der Eheschließung mit Bardem wohl verzichten „müssen“, alles andere an Talentverschwendung wird sich verschmerzen lassen, wenn stets mal wieder ein Volltreffer dabei ist. Immerhin hat Andrés Iniesta auch erst sieben Treffer in neunundvierzig Länderspielen erzielt, aber: ein entscheidenes 1:0 zu schießen ist eben immer wichtiger und erfreulicher als ein belangloses 5:0, das ist beim Fußball so und irgendwie auch bei Penélope Cruz.

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  • Schickes neues Design. Zudem sehe ich alles vom Bild (musste wieder auf einen 4:3 Monitor umsteigen) und auch die verschiedenen Seiten machen sich gut.

  • Mir hat Cruz in „Vanilla Sky” sogar noch besser gefallen als im Original. Wie überhaupt dieser Hollywood-Streifen (meiner Meinung nach) tatsächlich mal berechtigterweise gefilmt wurde und das Original insgesamt überflügelt.

    • Auch wenn der viel Kritik kassiert hat: mir hat’a auch ziemlich gut gefallen. Die Schlussszene finde ich großartig. Da spiegelt das oben geschriebene also nicht ganz meine subjektive Meinung wieder, was bei diesen Star-Artikel hier und da mal vorkommt ;)