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Classic: RAMBO II – DER AUFTRAG

Autor: am 10.09.2010, um 14:33 Uhr | Kategorie: Classic | 4 Kommentare

RAMBO II - DER AUFTRAG Filmkritik
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Der Film


Fremde Kulturen kennenlernen, unbekannte Länder bereisen, einen Blick in die Zukunft werfen, eine stürmische Affäre beginnen – Filme können so einiges ermöglichen, Einfühlungsvermögen und Hingabe seitens des Zuschauers vorausgesetzt. Manchmal können Filme sogar helfen, ein Trauma zu überwinden. Etwa wie jenes, das die Großmacht USA durch die Niederlage im Vietnamkrieg erlitten hatte, in dem über 58.000 US-Soldaten fielen und das Land politisch und gesellschaftlich zerriss. 1984 war es an Chuck Norris, als knallharter Colonel James Braddock in Missing in Action, zurückgelassene Soldaten aus der Kriegsgefangenschaft zu befreien und den Vietnamkrieg nachträglich in Richtung US-Triumpf zu drehen, ein Jahr später legte Sylvester Stallone als John Rambo in ähnlicher Mission nach. Ausgerechnet, möchte man sagen, war der Charakter des hochdekorierten Veteranen doch im Erstling von 1982 als gebrochene Existenz eingeführt worden, am Versuch scheiternd, ein Leben außerhalb des Krieges zu führen und unfähig, dessen Grauen zu überwinden und zu vergessen. Mit im Vergleich zum Vorgänger ums dreifache höherem Budget ging es für den enttäuschten Heimkehrer also zurück in den Dschungel.

Nachdem der Vietnamveteran John J. Rambo in einer Kleinstadt von der örtlichen Polizei zu weit getrieben wurde, die Gegend zum Kriegsgebiet erklärte und schließlich von seinem einzigen Vertrauten, Colonel Trautman, zur Aufgabe bewegt werden konnte, verbüßt er seine Haftstrafe in einem Steinbruch. Doch Trautman hat seinen besten Schüler nicht vergessen und bietet ihm einen Spezialauftrag an: Rambo soll in den vietnamesischen Dschungel zurückkehren und dort, Jahre nach offizieller Beendigung des Konflikts, durch Fotos die Anwesenheit von Kriegsgefangenen nachweisen oder widerlegen. Rambo willigt ein und gemeinsam mit der einheimischen Co Bao trifft er in einem verlassen geglaubten Lager tatsächlich auf gefangene amerikanische Soldaten. Als Rambo einen von ihnen befreit und zum Abholpunkt schleppt fürchtet der Befehlshaber Murdock jedoch um die politischen Auswirkungen dieser Neuigkeiten – und auf seinen Befehl wird Rambo zurückgelassen…



»Do we get to win this time?«
Der Computer (wooooooah, der Computer…!) spuckt Rambo laut Colonel Trautman als einen von nur drei geeigneten Männern aus, um den Auftrag auszuführen: ein bis hinein in die völlige Unberechenbarkeit labiler Mann, der vor ein paar Jahren in einer Extremsituation total außer Kontrolle geraten ist, soll also zurück dorthin, wo das stattgefundene Grauen ihn überhaupt erst zu dem gemacht hat, der nun mit Land, Leben und Leuten nicht mehr klar kommt. Der nachvolllziehbare Zusammenhang mit dem Vorgänger geht in Rambo II: Der Auftrag bereits in den ersten Minuten irgendwie flöten, da kann es der treue Trautman noch so gut mit seinem Lieblingsschüler meinen, wirklich Sinn ergibt das von beiden Seiten aus nicht. Aber ohnehin schlägt der Film einen ganz anderen Ton an. Rambo hatte seine schwächsten Momente, wenn Trautman wenig zweideutig und mit feuchter Buchse von den Fähigkeiten seiner Kriegsschöpfung schwärmte und man meinen könnte, das mit mehr Frontsäuen wie Rambo der Vietnamkrieg an einem Wochenende zugunsten Amerikas entschieden gewesen wäre. Während Rambo diese Message aber mit dem dramatischen Schlussmonolog des Protagonisten ins Leere laufen ließ, die Tragik des Menschen hinter der Kampfmaschine verdeutlichte, ist Rambo II nun quasi die Verfilmung zu Trautmans pathetischen Sprüchen, Rambo II ist die Ausgabe des Playboy, mit der sich der Colonel auf’s stille Örtchen zurückziehen und danach mit stolzgeschwollener Brust den Befehl zum Losschlagen geben würde.

»I’m expendable.«
Das das im Gegensatz zum ersten Teil den Tiefgang einer Pfütze und die Subtilität eines Schlages ins Gesicht besitzt dürfte klar sein. Rambo II hat rein gar kein Interesse daran, die Geschichte seiner Titelfigur zu vertiefen oder auch nur halbswegs konsequent weiter zu spinnen, dafür ist die Story viel zu ärmlich, dafür sind die Dialoge viel zu spärlich, es gibt mehr Tote als Worte, mehr Explosionen als Silben und mehr Kugeln als Buchstaben. Überdies ist der Film tatsächlich so rassistsich, reaktionär, menschenfeindlich und kriegsverherrlichend, wie es ihm bereits zum Kinostart vorgeworfen wurde, wobei er sich da nicht mal vom Standart-Actioner der 1980er unterscheidet, es nicht anders, nicht besser und nicht schlimmer macht als die unzähligen Produktionen, in denen eine nicht-amerikanische Herkunft genügt, um als Feindbild zu dienen. Auch die Figuren sind nicht mehr als Schablonen, neben dem nur noch auf Ballern und Töten gepolten Rambo und dem väterlichen Trautman ist da der schlipstragende Einsatzleiter Murdock, der stellvertretend für die hinterfotzige Bürokratie und unfähig-verweichlicht-verräterische Politik steht, wegen der die tapferen Soldaten in ihrem Streben nach dem Sieg in Vietnam immer wieder behindert wurden… ja… Nach seiner unsanften Landung im Dschungel trifft Rambo außerdem auf die vietnamesische Verbindungsagentin Co Bao, gespielt von der süßen, aber deswegen ziemlich fehl am Platz wirkenden Julia Nickson-Soul, die furchbares Bröckchen-Englisch mit ganz viel Naivität zu sagen bekommt und die später sogar ein paar romantische Sekunden mit Rambo verbringen darf.



»To survive a war, you gotta become war.«
Aber um Liebe und Gefühle geht’s nun wirklich nicht in Rambo II und so folgen dem vorsichtigen Kuss die rücksichtslosen Kugeln im Körper und für Johnny gibt’s kein Halten mehr, der Auftrag ist vergessen, it’s war, motherfucker. Ein paar Sowjets unter Führung von Lt. Col. Podovsky haben sich inszwischen ebenfalls eingeschaltet und nach Co Baos Tod wird aus dem Gejagten der Jäger. Tausche felsige Waldlandschaft gegen dichten Dschungel und das Geschehen ähnelt ein bißchen dem ersten Teil, allerdings komplett ohne dessen Spannung und Intensität. Rambo schaltet die gesichtslosen Gegner im Dutzend aus, sticht und würgt und sprengt und ballert sich durch die Feindesreihen und als es durch ein kleines Dorf voller Zivilsiten geht bleibt auch dieses nicht verschont. Neben dem, dass hier krachende und ordentlich eingefangene Explosionen dominieren, trüben Kleinigkeiten in Sachen Continuity den Spaß an der Sache: Tageszeiten wechseln von einer auf die nächste Szene und an Ausrüstungsgegenständen steht Rambo immer im rechten Moment die passende Waffe zur Verfügung, auch wenn er sie kurz vorher ganz offensichtlich noch nicht bei sich hatte und auch nirgends aufgelesen hat. Das raubt in seiner Willkürlichkeit jede eventuelle Dramatik und Spannung, was bleibt ist einzig das zweifelhafte Vergnügen, Rambo beim rumbamboen zuzusehen und die zugegebenermaßen dicke Action einfach zu schlucken.



»For our country to love us as much as we love it!«
Natürlich wirft sich Stallone hier mit Pfeil, Bogen und Gewehr in einige Posen, wie sie postertauglicher nicht sein könnten, natürlich ist dieser auf das männlich-martialischste reduzierte John Rambo gerade für Actionfans schon ein beeindruckender, abfeierungs- und anfeuerungswürdiger Anblick. Aber: im ersten Teil tat und war er all das nicht oder wenigstens längst nicht nur, da war er ein Charakter mit Identität, eine interessante Figur, nicht bloß ein überproportionaler und jeder Dimension entrückter, unbesiegbarer Supersoldat. Als Stallone im ersten Teil seinen von der Kriegspein geschundenen Körper entblößt ist das ein schockierender Anblick, in Teil zwei hingegen wird jeder zuckende Muskel, jede hervortretende Ader in einen vor Männlichkeit grunzenden Mittelpunkt gerückt, bis sich beim Zuschauer die Brusthaare durch’s T-Shirt bohren. Vom Menschen John Rambo bleibt dabei nichts übrig, hier entsteht die brachiale Kunstfigur, der die Reihe ihren schlechten Ruf verdankt, hier wird das negative Image des Rambos als gewaltbereitem Rüpel geboren. Am Ende jagt Rambo den Feind zur Hölle und die feige Bürokratie des eigenen Landes gleich mit, hält einen in den Säften des Patriotismus liegenden Schlussmonolog und hat es damit vollbracht: die United States of America and awesomely bad sequels gehen doch noch als Sieger aus dem Vietnamkrieg hervor.

Wertung & Fazit

Action: 5/5
Spannung: 1/5
Anspruch: 0/5
Humor: 0/5
Darsteller: 2/5
Regie: 1/5
Fazit: 2/10
Ja ja, viel Action und so, aber als Fortsetzung des sehr guten ersten Teils katastrophal und von dreist-propagandistischer Doofheit.

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  • Das nenne ich Liebe zum Film: Ein Verriss, wie er verdienter nicht sein könnte! :)

  • :D :D :D :D <—- mehr nicht heute von mir dazu. :D :D :D :D