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Review: KISS & KILL

Autor: am 07.12.2010, um 17:35 Uhr | Kategorie: Kritiken | 10 Kommentare

KISS & KILL Filmkritik
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Ein Trend ändert die Richtung: führte der Weg für Schauspieler einst mit aller Macht weg vom Fernsehen, rauf auf die Leinwand, so scheuen mittlerweile auch gestandene Akteure den Schritt (zurück) ins Kleinformatige nicht, im Gegenteil. Durch die Qualität der Fernsehenformate, die Hollywood in Sachen Originalität und Kreativität längst überflügelt haben, aber auch durch die Klasse und prägende Präsenz der Stars wirkt nicht einmal jemand wie David Caruso wie ein Gescheiterter. Der Rotschopf wurde berühmt mit der Cop-Serie NYPD Blue, stieg nach nur einem Jahr zugunsten der Filmkarriere aus, landete hart auf dem Boden und definiert nun seit 2002 als Horatio Caine in CSI: Miami die Standarts in Sachen Sonnenbrille cool auf- und absetzen. Auch Gary Sinise als Mac Taylor in CSI: NY (seit 2004), Laurence Fishburne als Raymond Langston im Ursprungsformat CSI: Den Tätern auf der Spur (seit 2008), Kyra Sedgwick als Brenda Leigh Johnson in The Closer (seit 2005), Glenn Close in Damages (seit 2007) oder Vincent D’Onofrio und Jeff Goldblum in Criminal Intent (seit 2001, bzw. 2008) füllen ihre einstündige Sendezeit mit Top-Leistungen. Ganz zu schweigen von Kiefer Sutherland, der mit CTU-Agent Jack Bauer in 24 (von 2001 bis 2010) mal eben die Rolle seines Lebens an Land zog. Manch Matschscheibenmime sieht seine einzige Bestimmung aber weiterhin in front of siebenhundert Kinosesseln und in Robert Luketic‘ Kiss & Kill sind derer gleich drei versammelt. Von denen jeder, gemessen am Maßstab dieses Films, weder ins Kino, noch auf den Fernseher gehört, sondern egal wohin, nur eine Kamera sollte nicht in der Nähe sein…

Story



Nachdem mal wieder eine Beziehung in die Brüche gegangen ist macht die Computerspezialistin Jen Kornfeldt mit ihren Eltern Urlaub in Nizza. Und siehe da: in der malerischen Hafenstadt an der Côte d’Azur lernt sie bereits kurz nach dem Einchecken ihren Traummann kennen. Spencer Aimes ist groß, gutaussehend, gebaut wie ein junger Gott – und außerdem ein Auftragskiller der Regierung. Davon bekommt Jen allerdings nichts mit und für ein gemeinsames Leben mit der Liebe steigt Spencer aus dem dreckigen Geschäft aus. Drei Jahre später lebt das paar glücklich in einer ganz normalen Vorstadtsiedlung. Doch als sich an seinem dreißigsten Geburtstag Spencers alter Auftraggeber Holbrook meldet ahnt der Ex-Killer böses. Und nur wenig später geht sein bester Kumpel auf ihn los und gemeinsam mit der wenig begeisterten Jen sieht Spencer sich der Gefahr ausgesetzt, dass jeder ihrer Nachbarn es auf sein Leben abgesehen haben könnte…

Der Film

Desperate Housewives meets Smokin‘ Aces meets Meine teuflischen Nachbarn und dabei sind der größte Trottel aus den ‘70ern, der lässigste Hawaiihemdenträger aus den ‘80ern und die… ähm… blondeste? Ärztin der 2000er. Für die drei Hauptdarsteller von Kiss & Kill ist die Serienvergangenheit Fluch und Segen. Ashton Kutcher konnte das Image des monumentalen Doofkoppes Michael Kelso aus That 70’s Show (1998 – 2006) so richtig nur in The Butterfly Effect (2004) vergessen lassen und ist ansonsten mehr Teilzeit-MTV- (Punk’d, 2003 – ’07) und gemeinsam mit Gattin Demi Moore Twitter-Phänomen, denn ernstzunehmender Schauspieler. Tom Selleck ist zwar einer der wenigen legitimen Schnauzbartträger, sein Engagement als Privatdetektiv Magnum (1980 – ’88) verhinderte aber auch größere Kinoehren, indem es ihn die Titelrolle in Steven Spielbergs Indiana Jones kostete. Katherine Heigl, für ihre Darstellung der „Izzie“ Stevens in Grey’s Anatomy (2005 – 2010) immerhin mit einem Nebendarstellerinnen-Emmy ausgezeichnet, landete einen dicken Hit neben Seth Rogen in Beim ersten Mal (2007) und sitzt seitdem in der Rolle der klemmigen Erfolgsfrau fest und wird darin immer wieder verzweifelt als neue Katherine Hepburn, Doris Day oder zumindest Meg Ryan zu verkaufen versucht. Vergleiche, denen sie höchstens optisch gewachsen ist.



Doch, und das immerhin trotz solcher Machwerke wie Voll verheiratet, Drei Männer und eine kleine Lady und 27 Dresses, für das Trio bringt Kiss & Kill eine gute Nachricht mit sich: die Talsohle, der Bodensatz des Mediums Film ist erreicht, es kann nicht mehr weiter nach unten gehen. Der Film startet mit dem Lionsgate-Logo, welches, rot eingefärbt, auch die Saw-Filme eröffnet und zwischen dem Jigsaw’schen Folterhorror und der Luketic’schen Action-RomCom besteht tatsächlich kaum eine Differenz, was die Unerträglichkeit angeht. Das geht schon auf dem Flug nach Nizza mit der Familie Kornfeldt los; die dem Alkohol zugetane spleenige Mum, der überbehütende brummbärige Dad, beide mit ordentlich Fremdschämpotenzial, und in der Mitte Tochter Jen, die Spontanitätsphobikerin, die sich an zu viele Regeln kettet. Eine Familie, so originell, wie wenn man die Katze Muschi, den Hund Bello und den Wellensittich Rambo nennt. Danach folgt schon das Beste an Kiss & Kill, nämlich der James Bond-/Mission: Impossible-stylige Vorspann. Die schönen Aufnahmen von Nizza, die paar netten visuellen Spielereien und der schicke Ferrari, mit dem Killer Kutcher durch die Gegend düst sind wenigstens das einzige, das einen besseren Film um sich herum verdient gehabt hätte.

Aus irgendeinem dramaturgisch sinnfreien Grund entschieden sich die Autoren Bob DeRosa und Ted Griffin dazu, zumindest für das Publikum um die Identität von Kutchers Spencer kein Geheimnis zu machen. Sicher, Trailer und generell Marketing hätten es eh nicht verborgen, dennoch liegt gerade in dem riesigen Informationsvorsprung, der dem Zuschauer gegenüber der ahnungslosen Jen verschafft wird, eine der größten Schwächen von Kiss & Kill, einfach weil nicht einmal Restzweifel übrig bleiben. Spencer MUSS einer von den Guten sein, keiner aus dem Schatten oder Zwielicht, der sich vielleicht gar aus niederen Motiven mit der blonden Schönen einlässt, denn Spencer überwältigt einen finsteren Typen, während ein anderer Typ finster dreinschaut, der schlafenden Jen beichtet er nach dem ersten Date gar, das er seinen Job verachtet und somit herrscht bis zum Zeitpunkt, an dem sie herausfindet, wer er wirklich ist, keinerlei Spannung zwischen den Figuren. Stattdessen sollen es flunderige und vorhersehbare Witzchen richten, etwa wenn Jen, um sich interessanter zu machen, ihren Vater Spencer gegenüber als perversen Russen hinstellt, oder der Auftragskiller in der Disco einen zudringlichen Dancefloorchecker abwehrt und später meint »I’d kill for a normal life«.



Wenn wenig später die Schauwerte Nizzas dem ruhigen Vorstadtleben weichen hat Kiss & Kill schließlich gar nichts, absolut GAR NICHTS mehr zu bieten. Zu sagen, die Story würde dahinplätschern, würde eine noch viel zu schnelle Fortbewegung suggerieren, nein, der Film kreist in minutenlangen Szenen rund um den völligen Stillstand. Aus welchem anderen Grund etwa sollte Katherine Heigl im BH von Kutcher durch ihr gemeinsames Haus und in ihr neu gestaltetes Büro geführt werden, wenn nicht aus dem, dass die komplette Szene abgesehen von ihren Brüsten NICHTS zu bieten hat? Alles, was sonst so „passiert“, das Spencer Jens Geburtstagsgeschenk, einen Flug nach Nizza, nicht annhemen will, das Jen auf Geschäftsreise nach San Francisco fliegen soll, das Spencer von seinem alten Auftraggeber kontaktiert wird, das Jen sich mit ihrer kodderschnäuzigen Freundin über Beziehungsprobleme unterhält… VERFLUCHT NOCHMAL, ist das alles EGAL, ist das alles UNINTERESSANT, ist das alles ein einziges großes GAR NICHTS, ohne Schwung, ohne zündende Gags, ohne Spannung, ohne auch nur das geringste bißchen, das Lust oder Intention hat, Interesse zu wecken!

Nachdem sich Spencers notgeil-vulgärer (und damit ebenfalls der Klischeehölle entstiegener) Kumpel Harry, gespielt von Saturday Night Live-Komiker Rob Riggle, als erster der Nachbarn als Killer entpuppt, der drei Jahre lang nur auf das Signal zum Zuschlagen gewartet hat, müsste Kiss & Kill seiner Prämisse nach eigentlich etwas zulegen. Ein ganzer Vorort voller möglicher Auftragsmörder, das MUSS doch Potenzial für Komik und Action beinhalten, für überspitzte Situationen und gepflegte suburbane Satire. Aaaaber nix da. Dafür sind Nebenfiguren wie das geekige Pärchen Mac und Lily, der knautschgesichtige Pete oder die nervige Jackie viel zu lieblos um Jen und Spencer positioniert und viel zu nah am Standart des schrulligen Vorstädters angelegt, dazu sind die sich nun häufenden Actionszenen mit Geprügel, Schießerein und Verfolgungsjagden viel zu armselig choreographiert, dazu ist die ganze auftretende Vertrauensproblematik zwischen Jen und Spencer viel zu hohles Blabla und dazu wirkt Kiss & Kill viel zu oft und ständig so, als hätte absolut niemand wirklich Bock darauf und Spaß daran gehabt, diesen Film zu realisieren. Das vorhersehbare Ende, das nur darin überrascht, noch viel dämlicher zu sein und aufgesetzter zu wirken, als man das jemals hätte vorausahnen können, verstärkt diesen Eindruck nur.



Ebenso wie Ashton Kutcher. Der scheint manchmal schlicht zu vergessen, dass eine Kamera auf ihn gerichtet ist, so wenig ist da in seinem Gesicht los. Das man dem Bubi den Killer nicht abnimmt ist allgemein und berechtigterweise einer der Hauptkritikpunkte am Film gewesen. Da kann er hart daherreden und seine (auch nicht wirklich beeindruckenden) Muckis zeigen, Kutcher wirkt trotzdem nur, als wolle sich ein milchgesichtiger Schmachtlappen mit Wasserpistole und vor dem Spiegel geübtem bösen Blick unter lauter richtig harten Kerlen behaupten. Heigl hingegen ist sich der Anwesenheit der Kamera geradezu überbewusst, die wuppt und zuckelt und ruckelt und wippt und wackelt ständig an und mit sich herum und so etwas wie angemessenes Reagieren auf die Situationen scheint sie nicht zu kennen. Drum wirkt Heigl letztlich nur unnatürlich und unsympathisch, in keinem Moment glaubwürdig und in ihren vielen fingerspitzigen Hysteriemomenten nervig. Hört man Produzent Scott Aversano da im Making Of von dieser gewissen „movie star brightness“ reden und Vergleiche zu klassichen Cary Grant-Filme ziehen, dann möchte man tun, was Jen sich vorgenommen hat, nicht mehr zu tun: in der Öffentlichkeit kotzen.

Tom Selleck schlägt sich im Angesicht der Zelluloidzyste, die sich da mit Kiss & Kill gebildet hat, noch am besten, kann aber auch nichts daran ändern, dass er hier nur einen Robert De Niro aus den Meet the Parents-Filmen plus Schnauzbart zu spielen bekommt. Seine Filmgattin Catherine O’Hara wirkt indes nicht wie jemand, der in dem Film mitspielt, sondern wie jemand, der ihn sich gerade ansieht: gelangweilt, geistig abwesend, gleichgültig und sehnsüchtig darauf wartend, dass es endlich vorbei ist. Wenn es nach quälenden sechsundneunzig Minuten soweit ist hinterlässt Kiss & Kill nicht bloß den Eindruck eines „gewöhnlichen“ schlechten Films. Er hinterlässt den Eindruck von fünfundsiebzig Millionen teurem verschwendetem Raum, den die Kameras beim Dreh, die Leinwände während der Vorführung und die DVDs und BluRays im Regal einnehmen und eingenommen haben. Fünfundsiebzig Millionen teure verschwendete Zeit, in der die Caterer bedürftigere Menschen hätten versorgen können, in der der Filmvorführer sich einen freien Tag hätte gönnen können, in der die Fließbänder etwas verpackenswertes hätten verpacken können. Ein derart uncharmantes, unspannendes, unlustiges und von so viel Untalent fabriziertes Ätzwerk von einem Film bekommt man in dieser Ausprägung selten vor die Augen.

Wertung & Fazit

Action: 1,5/5
…ab der Mitte viel, aber miesester Sorte.
Spannung: 0/5
…gibt’s nicht.
Anspruch: 0/5
…gibt’s nicht.
Humor: 0,5/5
…gibt’s kaum.
Darsteller: 0,5/5
…sind mies.
Regie: 0/5
…wirft die Frage auf, ob dieser Robert Luketic tatsächlich ein Mensch ist oder bloß eine Strohpuppe, die irgendein Scherzbold auf einen Regiestuhl gesetzt hat.
Fazit: 0/10
Da ist eigentlich selbst jedes schlechte Wort noch zu viel gesagt….

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  • Vernichtende Kritik… Gruss an die Strohpuppe.

  • Wow, das ist ja eine richtige Klatsche für den Film. Wohlwissend, dass ich nach Mr. und Mrs. Smith und Knight and Day genug Profikiller-Actionkomödien gesehen habe, brauche ich „Kiss & Kill” überhaupt nicht.

  • Wow, 0 von 10 Punkten habe ich ja noch nie gesehen. D.H. also, theoretisch müssten wir diesen Film sowie alle Kopien und Negative mit einer Sonde in die Sonne jagen.

    Aber bei Ashton Kutcher und Katherine Heigl kann ich das sogar verstehen ;)