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Stars im Portrait: NATALIE PORTMAN

Von Riggs J. McRockatansky vor 6 Jahren geschrieben01 / 20114 Kommentare

Portrait

Wer in ziemlich jungen Jahren mit ziemlich großem Erfolg glänzt, der verschwindet nicht selten ziemlich glanzlos in der Versenkung. Haley Joel Osment sah 1999 als elfjähriger tote Menschen in The Sixth Sense – heute bricht er sich Knochen nach besoffenen Autofahrten und man hört ihn als Sprecher in Videospielen. Die siebenjährige Drew Barrymore gab nichts auf E.T.‘s Rat, vonwegen brav sein und so – und versackte für Jahre im Drogen- und Alkoholsumpf. Der zehnjährige Macaulay Culkin war als Kevin – Allein zu Haus – nach dem Scheidungskrieg seiner Eltern steht er ohne Karriere und immer mal wieder mit Skandälchen da. Eine bis ins sprichwörtlich endlos fortführbare Liste der früh verbrannten, gescheiterten und verzagten. Kurz dagegen die Liste der Gegenbeispiele. Eines ist aber zweifellos Natalie Portman. Die beeindruckte im Alter von zwölf Jahren als abgebrühte, frühreife und unfreiwillige Partnerin eines Profikiller in Léon (1994) – und dennoch blieb Luc Bessons Meisterwerk nur ein vorläufiger Höhepunkt einer bis zum heutigen Tag interessanten Filmographie zwischen Anspruchskino, seichter Unterhaltung und kultisch verehrter Sternenoper.

Natalie Hershlag wurde in Jerusalem geboren, siedelte aber bereits dreijährig in die USA über, als ihr Vater, der Arzt und Fruchtbarkeitsspezialist Avner Hershlag, eine Anstellung in Maryland fand. Mehrere Umzüge führten die Familie letztendlich nach New York. Die junge Natalie hegte früh große Ambitionen, sowohl was ihre Bildung, als auch ihren künstlerischen Ausdruck anbelangte. Vierjährig begann sie mit Tanzstunden und performte mit lokalen Truppen. Während der Schulferien besuchte sie Theatercamps, in den Jahren 1994 und ’95 das Stagedoor Manor Performing Arts Camp, an dem zum Beispiel auch bekannte Größen wie Zach Braff, Jon Cryer, Bryce Dallas Howard oder Robert Downey Jr. teilnahmen. Zehnjährig sprach Hershlag für eine Rolle im off-Broadway-Musical Ruthless! vor, wurde allerdings gemeinsam mit dem zukünftigen Pop-Sternchen Britney Spears nur für die Zweitbesetzung ausgewählt. Trotz gewisser vorhandener Grundzutaten rund um ihre Entdeckung durch einen Talentspäher in einer Pizzeria ist Hershlags Werdegang hin zum Film also keine typische from rags to riches-Story, sondern ein sehr gezielt eingeschlagener und verfolgter Weg.



Denn jenes Angebot für einen Kindermodeljob lehnte Natalie Portman (für die Bühnen- und Filmkarriere nahm sie den Nachnamen ihrer Großmutter an) ab, um sich klar auf die Schauspielerei zu fokussieren. So sprach sie 1994 für die Rolle des Weisenmädchens Mathilda vor, die sich dem Profikiller Léon anschließt, gespielt von Jean Reno. Neben dem im Fernsehen ausgestrahlten Kurzfilm Developing markiert dies das Debüt der damals Dreizehnjährigen. Léon wurde zum internationalen Hit, auch wenn trotz Portmans beeindruckender Leistung nicht jeder unbedingt mit dem Killerlolita-Aspekt einverstanden war. Kritikerlegende Roger Ebert schrieb dazu: »Always at the back of my mind was the troubled thought that there was something wrong about placing a 12-year-old character in the middle of this action«. Es blieb jedoch so ziemlich die einzige Rolle in Portmans Karriere, über die man sich aus solchen Gründen über ihr placing Gedanken machen konnte, denn nach der selbstmordgefährdeten Stieftochter Al Pacinos in Michael Manns Über-Crime-Thriller Heat (1995) folgte nichts kontroverses, eher teils schon fast zu braves „positive role model for young girls to look up to“-Material.

Verlor Natalie Portman den Part der Julia in Baz Luhrmanns Romeo + Julia (1996) wegen des Altersunterschiedes zwischen ihr und Romeo Leonardo DiCaprio noch an Claire Danes, so lehnte sie andere durchaus begehrte Rollen von sich aus ab. Adrian Lynes Lolita strich sie aufgrund der Unlust am Sexualisieren Minderjähriger, Angs Lees Der Eissturm (beide 1997) erschien ihr zu düster und Robert Redfords Romanadaption Der Pferdeflüsterer (1998) zog sie The Diary of Anne Frank am Broadway vor. Außerdem spielte sie in Woody Allens Musical Everyone Says I Love You, Tim Burtons SciFi-Ulk Mars Attacks! und Ted Demmes Dramödie Beautiful Girls (alle 1996) – und hatte damit bereits als Fünfzehnjährige für und neben einigen der größten Stars auf und abseits der Leinwand gearbeitet. Den Part als Tochter von Susan Sarandon in Anywhere But Here (1999) schlug sie zunächst aus, Regisseur Wayne Wang und Sarandon sorgten jedoch für einen Re-Write des Skripts, dem eine von Portman ungewollte Sex- und Nacktszene zum Opfer fiel. Ihr Engagement machte sich bezahlt, erhielt Portman für ihren Beitrag zu einer konfliktreichen Mutter/Tochter-Beziehung doch ihre erste GoldenGlobe-Nominierung.



Einem, dem man nicht ins Skript hineinredet, sagte Natalie Portman anschließend für eine ganze Trilogie zu. Und nicht irgendeine. »A long time ago, in a galaxy far far away« hieß es 1999, als das erste von einem fast beispiellosen Hype getragene Star Wars-Prequel vom Schöpfer der Jedi-Ritter und Sith-Lords George Lucas in die Kinos kam. Und die Fans erst vor Freude, dann vor Enttäuschung wahnsinnig machte. Als Königin Amidala ging Portman, zuvor keinen Teil der Ur-Trilogie gesehen, letztlich ebenso wie ihre Co-Stars Liam Neeson und Ewan McGregor im bunten und kindgerechten Effektgewitter unter. Nebenbei schloss sie die Syosset High School und ließ die Episode 1: The Phantom Menace-Premiere sausen, um für ihre finalen Examina zu büffeln. Abgesehen von ihrer Rolle als Novalee Nation in Where the Heart Is (2000), einem Cameo in Ben Stillers Zoolander (2001), einem zweimonatigen Bühnenausflug Mitte 2001, bei dem sie neben Meryl Streep und Kevin Kline in Anton Tschechows Die Möwe spielte, und den Arbeiten an Episode II: Attack of the Clones (2002) konzentrierte sich Portman nun hauptsächlich auf ihr Studium an der Harvard University. Dort schloss sie Psychologie mit dem Bachelor ab und gab zu Protokoll: »I don’t care if college ruins my career. I’d rather be smart than a movie star.«

Klappte schließlich ja beides und die A-Studentin wurde zur A-Darstellerin. Etwas leicht bemühtes, streberhaftes könnte man auch sagen, haftete ihr bis dahin zugegebenermaßen immer ein wenig in ihren Performances an. Vielleicht sogar ein bloß dadurch bedingter Eindruck, dass nicht ganz so wahnsinnig viele Schauspielerinnen in Natalie Portmans Altersklasse mit so viel Bedacht an Privatleben und Karriere herangehen und sie dagegen vor lauter Natürlichkeit unnatürlich wirkt… Wie auch immer, der Schritt von der ihrer Zeit in Reife und Erwachsenenmentalität voraus seienden Teeanagerin zur Erwachsenen musste vollzogen werden und Portman tat ihn mit Bravour. Nach einem kleineren Auftritt in Anthony Minghellas Cold Mountain (2003) spielte sie die notorische Lügenerin und leicht querliegende Epileptikerin Sam in Zach Braffs famosem Garden State und, als Stripperin Alice verführerisch wie nie, neben Julia Roberts, Jude Law und Clive Owen Mike Nichols‘ Bühnenstückadaption Closer (beide 2004). Letzterer brachte ihr neben der zweiten GoldenGlobe- außerdem die erste Oscar-Nominierung. Nach dem abschließenden und besten Star Wars-Prequel, Episode III: Revenge of the Sith, sah man sie in Amos Gitais Road Movie Free Zone (beide 2005), in dem der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern aus der Sicht von Frauen reflektiert wird, neben Hanna Laslo und Hiam Abbass. Für Aufsehen sorgte außerdem ihr kahlgeschorener Kopf in der Comicverfilmung V for Vendetta (2006), für den Portman den Saturn Award erhielt.



Im von Tom Tykwer inszenierten Segment des Episodenfilms Paris, je t’aime und neben Javier Bardem und Stellan Skarsgård in Miloš Formans Goya’s Ghosts (beide 2006) spielte Natalie Portman anschließend, ebenso in kleineren Rollen in Wong Kar Wais My Blueberry Nights und Wes Andersons The Darjeeling Limited. Nach mutigem, skurrilem, experimentellem und arthousigem durfte es neben Dustin Hoffman und Jason Bateman in Mr. Magorium’s Wonder Emporium (alle 2007) mal wieder etwas mehr harmloses (und floppendes) sein, ehe sie in The Other Boleyn Girl (2008) in den aristokratischen Zickenkrieg gegen Scarlett Johansson und um die Gunst Eric Banas zog. Von 2009 bis 2011 legt Portman nun ein wahres Marathonprogramm hin, ehe sie sich in die angekündigte Babypause verabschiedet. In dieser Zeit ist komprimiert alles dabei, was sich so durch die Karriere der genrewechsel- und wandlungswilligen Schauspielerin zieht, von der kleinen Nischenproduktion, die kaum jemand sehen wird, über konventionelle Unterhaltungsware, bis hin zum potenziellen Award-Abräumer. Im Episodenfilm New York, I Love You spielte und inszenierte sie jeweils ein Segment, das Kriegsheimkehrerdrama Brothers (beide 2009) stellt sie zwischen Tobey Maguire und Jake Gyllenhaal, im startterminlosen Indie-Drama Hesher spielt sie mit Joseph Gordon-Levitt und Rainn Wilson. Für Darren Aronofskys sowohl kommerziell erfolgreichen, wie auch von der Kritik gepriesenen Black Swan (beide 2010) hagelt es indes Auszeichnungen: Portmans enorme Leistung bis hin zur völligen Selbstaufgabe als perfektionistische, dem Wahnsinn anheim fallende Ballerina dürfte durch einen Oscar-Triumpf Ende Februar gekrönt werden.

Die R-Rated- und wohl durchaus freizügige Ivan Reitman-Komödie No Strings Attached mit Ashton Kutcher dürfte wohl ebenso Geschmackssache werden, wie der Stoner-Humor in Your Highness mit Natalie Portman als Mittelalteramazone im Keuschheitstanga. Kenneth Branaghs aufwendige Marvel-Verfilmung Thor (alle 2011) indes schaut bislang verdächtig nach Trashfest aus – aber auch dem darf sich die Streberin unter den Endzwanzigerinnen getrost einmal hingeben. Immerhin wartet mit dem bereits 2009 produzierten The Other Woman auch noch ein vielversprechenderes Werk auf seinen Release, die SciFi-Romanadaption Cloud Atlas von Tom Tykwer und Lana Wachowski und mit Tom Hanks befindet sich außerdem in der Pre Production. Danach sei der Natalie ihr Mutterglück gegönnt, immerhin hat sie erst einmal mehr als genug vorgelegt, um auch während ihrer Abwesenheit als smart ass unter den hot chicks im Gespräch zu bleiben. Für manche zu smart und zu hot, um noch Natürlich zu sein und nicht bemüht zu wirken – eigentlich aber doch nur, und nicht zuletzt im Vergleich mit den eingangs erwähnten „nach-frühem-Ruhm-Karriereknickern“: ziemlich smart, ziemlich hot, ziemlich begabt, ziemlich beeindruckend.

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Kommentare

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  • Wulf | Medienjournal 7 Kommentar(e)

    Sehr schönes Star-Portrait zu einer großartigen Schauspielerin! Mich wusste sie bisher auch in (fast) allen Rollen/Filmen zu überzeugen und es sind tatsächlich noch ein paar Filme dabei gewesen, die ich bisher noch nicht gesehen habe!

    • christiansfoyer 1462 Kommentar(e)

      Mir fehlen auch noch ein paar, sind aber eher die, dich mich nicht so interessieren, wie z.B. Mr. Magorium’s Wonder Emporium

  • Dos Corazones 61 Kommentar(e)

    Eine wundervoll anders tickende Schauspielerin im großen Hollywoodeinheitsbrei und da kommen ja noch einige interessante Filme…

    • christiansfoyer 1462 Kommentar(e)

      Sehr richtig, schöne Einschätzung. Einige nervt ja ihre Omnipräsenz – aber von Gutem kann’s doch eigentlich kein “zu viel” geben 😉

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