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Review: FASTER

Autor: am 10.03.2011, um 20:30 Uhr | Kategorie: Kritiken | 6 Kommentare

FASTER Filmkritik
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Eigentlich ein ganz gewöhnliches Ereignis: ein Typ betritt einen Nachtclub, ein anderer ist gerade auf dem Weg nach draußen und raunt dem Neuankömmling »Have fun« zu. Überhaupt nicht bemerkenswert – würde sich diese Szene nicht in einem Film abspielen und wäre der Typ der kommt nicht Dwayne „don’t call me The Rock The Rock“ Johnson und der Typ der geht nicht DIE Actionikone himself, Arnold Schwarzenegger. Der Ex-Wrestler hatte mit The Scorpion King (2002) soeben seine erste Hauptrolle gestemmt, die steirische Eiche befand sich auf Abschiedstour vor der Politikerkarriere und absolvierte in besagtem Film, Peter Bergs Welcome to the Jungle (2003), einen ihrer letzten Auftritte. Und übergab mit zwei kurzen Worten quasi den Staffelstab DES Actionsstars an Johnson. Doch so richtig kam der zu jener Zeit noch einzig unter seinem Ringnamen The Rock in den Credits auftauchende Brocken nicht ans Laufen: mit Walking Tall (2004) und Doom (2005) folgten nur zwei weitere Rollen im Krach-Boom-Genre, ehe Johnson, wie seine Vorgänger Schwarzenegger und Sylvester Stallone, sein komödiantisches Talent beweisen wollte. Mit, milde ausgedrückt, seichter Familienunterhaltung wie Die Jagd zum magischen Berg (2009) und Zahnfee auf Bewährung (2010) landete der Riese tatsächliche größere Hits, als mit seinen Krawallauftritten. Dennoch: die Fans wollten ihren Action-The Rock wieder und bekamen Faster – der in den USA nicht einmal seine schon relativ geringen Kosten von 24 Millionen wieder einfahren konnte. Leute, so gibt’s den Dwayne doch bald wieder im Tutu! Aber hätte Faster überhaupt einen größeren Erfolg verdient gehabt oder ist er zu Recht gefloppt?

Story



Nach zehn Jahren wird ein schweigsamer Mann, der Driver, aus dem Gefängnis entlassen. Und verliert keine Zeit: nach einem erfolgreichen Banküberfall wurden er und sein Bruder damals von einer anderen Bande niedergestreckt und der Driver will Vergeltung. Einen nach dem anderen spürt er die Männer auf und lässt sie seine Wut spüren. Währenddessen hängen sich ein drogensüchtiger Cop kurz vor der Pensionierung und ein Auftragskiller, der anschließend ein neues Leben mit seiner Freundin beginnen will, an die Fersen des Driver. Alles läuft auf ein verhängnisvolles Zusammentreffen der Drei hinaus…

Der Film

Whao, so wenige Zeilen Inhalt, so viele Klischees. Ist richtig, dafür muss man nicht absätzeweise über Faster schreiben, der Film ist tatsächlich bis unter’s Dach angehäuft mit Klischees. Typ wurde verraten und will Rache, abgewrackter Bulle will es ein paar Tage vor dem Ruhestand nochmal allen beweisen, ein Killer ist des Jobs überdrüssig und will aussteigen, nur noch diesen einen letzten Auftrag erledigen. Drei stereotype Ausgangspositionen für drei Archetypen des Kinos, die sich genau so schon durch unzählige Einzelfilme geschlagen, geschnieft und geschossen haben. Ist das Fazit damit schon gezogen? Ist Faster etwa der unoriginellste, der einfallsloseste Film aller Zeiten? Nein, keinesfalls, denn es ist genau diese Einfallslosigkeit, die der goldene… na ja, zumindest der gute Einfall der Drehbuchbrüder Tony und Joe Gayton war. Denen fällt nämlich nicht bloß nichts besseres oder originelleres ein, nein, die wollen ihre Protagonisten in genau diesen Situationen, die geben ganz und gar beabsichtigt ihrem Trio die jeweils simpelste und gleichbedeutend deutlichste Motivation. Die wollen mit Faster nichts neues erzählen, die wollen zitieren, die wollen huldigen, die wollen ihren Film anspielungsreich. Und es gelingt ihnen und Regisseur George Tillman, Jr., dass Faster genau so, wie er gewollt ist, bestens funktioniert.



Der Driver kann es kaum erwarten, das Muskelbiest läuft in seiner Zelle schnaubend auf und ab, die Zeit des Abwartens und der Geduld hat nach zehn Jahren ein Ende, es ist der Tag seiner Entlassung und der Driver hat es eilig. Die guten Ratschläge des Gefängnisdirektors, die Dunkelheit hinter sich zu lassen, ausgesprochen während der Driver einzig den Sekundenzeiger im Ohr hat, landen mitsamt der Visitenkarte mit hilfreichen Nummern im Staub, der den Knast meilenweit umgibt und der den Riesen als einziger kurz still stehen lässt. Ehe er losläuft. Läuft, bis er einen Schrottplatz erreicht, in ein unversehrtes Muscle Car einsteigt und seinen gnadenlosen Feldzug beginnt. In diesen ersten Minuten scheint Faster ein Carsploitation/Revenge-Movie in bester B-Movie-Tradition zu werden, doch das ist nur einer der Einflüsse, derer sich der Film bedient. Rasend schnell legt der Driver sein erstes Opfer humorlos per Kopfschuss um, ehe auch nur ein Wort über seine Beweggründe verloren wurde. Es gibt da ja noch andere Typen vorzustellen. Der drogensüchtige Cop taucht am Tatort auf und mischt sich ungebeten in die Ermittlungen von Detective Cicero ein, die zunächst wenig begeistert ist, aber den abgehalfterten Kollegen machen lässt, um ihm einen halbwegs würdigen Abgang zu gönnen. Und dann ist da der Killer, der von einem mysteriösen Anrufer auf den Driver gehetzt wird, während seines Auftrags mit einer Psychiaterin telefoniert und das dreckige Geschäft hinter sich lassen will: der Killer wohnt pompös, hat längst ausgesorgt und will nur noch sein Leben mit Freundin Lily genießen.

…und hat sich natürlich nicht ganz zufällig das Main Theme aus Sergio Leones Über-Western Il buono, il brutto, il cattivo (1966) als Handy-Klingelton ausgesucht. Zu jenem stellt Faster einen seiner überdeutlichen Bezüge her, hier wie dort gibt’s die drei Hauptfiguren, die sich im Dreieck umeinander bewegen, es werden keine Namen, sondern nur Bezeichnungen genannt und die werden an passender Stelle neben der Figur eingeblendet. Dazu darf dann noch der Cop zu Mickey Newburys Just Dropped In (To See What Condition My Condition Was In) einem (wenn auch nicht so surrealen) Dude-Moment frönen (Stichwort: Gutterballs) und die nächste Huldigung ist eingestreut. Das geht nicht in dieser Dichte weiter, dennoch sind natürlich auch die Einflüsse von Vorbildern wie dem Endzeit-Kracher Mad Max, Quentin Tarantinos Rache-Epos Kill Bill und sogar des Stallone-Schnachers Assassins auszumachen. Von letzterem einmal abgesehen wirft Faster noch nicht einmal einen fingerbreit Schatten auf diese Vorbilder mit ihren großen Namen und trotzdem bereitet das Entdecken dieser Verweise (auch wenn sie einen manchmal regelrecht anspringen) mächtig Laune, ohne dass es wirkt, als seien sie einem ansonsten nichts sagenden Film bloß übergestülpt. Wie dem auch sei: einen ganzen Kinosaal bekommt man selten zum Lachen, vom Erklingen des besagten Klingeltons und davon ausgehend dem Verständnis seiner Bedeutung kann dies jedoch behauptet werden.



So sehr Faster selbst Freude daran hat, sich bei den genannten und noch einigen weiteren Werken zu bedienen: der Film weiß dennoch mehr damit anzufangen, als sie bloß herunter zu zitieren. Der angenommene Actionreißer, eben dem Titel entsprechend, ist Faster nicht, bei aller Präsenz des Stars ist er auch kein reines Dwayne Johnson-Spektakel. Den drei Figuren wird in etwa gleich viel Raum gewährt, um ihnen bei aller Deutlichkeit in den Motiven einen Hintergrund zu schaffen. Und der gerät durchaus düster, nicht unbedingt tiefgründig, aber doch differenzierter, als man annehmen könnte. Die Rache des Drivers ist involvierend genug, um dem Antihelden auf seinem Weg zu folgen, wird im Laufe des Films aber durchaus und der Selbstjustizthematik angemessen ambivalent erzählt. Während sein erstes Opfer noch völlig annonym bleibt und man danach die Hintergründe um den Banküberfall und den brutalen Mord an Drivers Bruder erfährt, ist sein zweites Opfer ein Perverser, ein Triebtäter, just im Begriff, ein Mädchen zu missbrauchen, als der Driver dazwischengeht. Ein einfacher Kniff, den Zuschauer auf seine Seite zu ziehen, doch so viel doppelte Rechtfertigung hat der Driver bei den restlichen Namen auf seine Liste nicht. Sein Weg führt nicht zur Erlösung, sondern nur in die Verdammnis. Das ist nicht sehr subtil, wenn man aber bedenkt, dass Faster auch gänzlich auf hinterfragende Elemente hätte verzichten und die Rache einfach aus sich selbst heraus gerechtfertigt hätte passieren lassen können, ist es mindestens lobenswert und sorgt in den Konfrontationen des Drivers mit seinen Opfern zudem immer wieder für Spannung.

…die ansonsten auch kaum gegeben wäre, denn die Bezeichnung „Opfer“ fällt hier nicht zufällig in solcher Häufigkeit. Auf wirkliche Gegenwehr körperlicher Natur stößt der Driver nicht, seiner unbändigen Wut ist niemand gewachsen. Die Begegnungen mit den Mördern seines Bruders sind dennoch, ob radikal kurz oder mit längerer Einleitung, immer von hoher Intensität, ihnen kommt genügend Bedeutung zu, um den Driver nicht groß in Schwierigkeiten manövrieren zu müssen. Der unablässig wummernde Drang nach Vergeltung ist so übermächtig, dass Faster ihm nichts in den Weg inszeniert. Der selbstzerstörerische Handlungsstrang mit dem Cop, dessen Ex-Frau und dem gemeinsamen Sohn, ist kein unter solch ständiger Anspannung stehender, es ist vielmehr der, dem man am ehesten gerechtfertig vorwerfen könnte, dass Faster derart klischeebeladen ist. Denn obwohl Billy Bob Thornton und überraschenderweise auch Moon Bloodgood (Terminator Salvation) überzeugend gegen- und miteinander spielen bieten die Szenen ihrer kaputten Familie wirklich fast gar nichts. Der Killer steht in mehrerlei Hinsicht im krassen Gegensatz zu den beiden anderen: zwar ist auch eher ein Getriebener, aber das gänzlich selbstbezogen. Gutaussehend, reich, eine funktionierende Beziehung; er müsste nicht, er will. Um der Ankennung willen. Für seine Aufträge berechnet er gerade mal einen symbolischen Dollar, es ist einzig der Mangel an Herausforderung, der ihn an seinem Job anödet. Bis er im Driver einen ebenbürtigen Gegner findet und trotz der Aussicht, mit seiner Lily glücklich zu werden (die entgegen der gängigen Handlungsmuster von seinem Beruf weiß und ihn gar aufregend findet), zur sportlichen Leidenschaft zurück findet, die ihn am Töten hält.



Wie Faster die drei im Schlussakt zusammenführt ist absolut vorhersehbar, dafür braucht es keine großartige Kenntnis von Twist-Enden oder der reichhaltig zitierten Vorbilder, sondern (zumindest in der deutschen Fassung) lediglich ein gutes Gehör für Stimmen. Ob auch das, wie so vieles andere, nun in der Absicht des Films liegt, ist wohl eher anzuzweifeln. Der Konfrontation des Drivers, des Cops und des Killers fehlt es somit an Bedeutung und Schwere und auch der Schlussgag ist ein so vermutbarer wie bemühter. Das ändert aber wenig am Gesamteindruck und der stimmt bei Faster: aus der ganzen Zitierfreude, den ganzen Klischees ergibt sich ein enorm geschlossen wirkender Film, einer, der sich eben dieser bekannten Elemente bedient, um seine Geschichte zu erzählen und der diese dennoch nicht sich selbst überlässt. Die episodische Struktur (natürlich auch auf entsprechende Vorbilder zurückzuführen) unterstützt die dünne Haupthandlung und kommt den drei einzelnen Strängen entgegen und ein paar Einzelmomente, etwa wenn sich der Driver und der Cop nach einem kurzen Schusswechsel in einem in Flackerlicht getauchten Gang gegenüberstehen (by the way ein Wink an Sieben und Die purpurnen Flüsse), bleiben überdies ob ihrer inszenatorischen Raffinesse durchaus längerfristig im Gedächtnis. Jeder der drei Darsteller, auch und vor allem Dwayne Johnson, stemmt die Action- ebenso wie die dramatischen Momente, die der Film jederzeit im Gleichgewicht hält. Daran hat, als einer der positivsten Aspekte von Faster, Clint Mansells Score seinen Anteil. Darren Aronofskys Hofkomponist leistet auch hier wieder erstklassige Arbeit, seine Musik holt oft genug aus Szenen, die leicht ihre Wirkung verfehlen könnten, ob nun der Klischeelastigkeit oder anderer Gründe wegen, das Möglichste heraus und selbst den begrenzten mimischen Fähigkeiten Johnsons wird so ein zusätzliches Transportmittel geboten.

Wertung & Fazit

Action: 3/5
Nicht so überbordend viel, wie man vielleicht erwartet hätte, aber wenn die Kugeln hageln und die Reifen quietschen, dann mit gutem Wummms und Rummms.
Spannung: 3/5
Kein Nervenzerrer, aber intensiv. Die Schlusswendung verdient diese Bezeichnung zwar nicht, aber bis dahin kommt es immer wieder zu einzelnen Höhepunkten.
Anspruch: 1/5
Hier war die Null eigentlich fest eingeplant. Und auch wenn Faster nichts zum Nachdenken ist, so bleibt’s doch kein völlig hohles Gebilde.
Humor: 1/5
Einiger Humor verbirgt sich hinter dem Entdecken der zahlreichen Anspielungen. Dazu haut Dwayne Johnson ein paar kantige Oneliner raus (wenn er denn mal was sagt).
Darsteller: 4/5
Für Johnson gilt, was früher für Arnie galt: mimisch nicht überragend, aber enorm präsent. Wobei: der Mann hat sich durchaus weiterentwickelt. Billy Bob Thornton und Oliver Jackson-Cohen ebenfalls gut, starker Support durch Carla Gugino.
Regie: 4/5
Sich reichhaltig bei anderen Filmen zu bedienen nennt man bei vielen Regisseuren Klau, bei Tarantino heißt’s Kult. Nun ist George Tillman, Jr. freilich nicht Tarantino, bekommt aber viel Fremdinhalt fast ebenso stimmig verbunden.
Fazit: 8/10
Die erste große Überraschung des Kinojahres 2011: starkes, schnörkelloses Rache-Drama, das sich vieles von anderswo borgt, dies aber durch das Ergebnis rechtfertigt.

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  • Als DVD-Film jetzt schon ausgeliehen. Klingt alles nicht schlecht.

  • Klingt ja tatsächlich gar nicht einmal so schlecht. Wäre für mich jetzt aber doch eher ein DVD-Film ;)

    Aber für ne Sneak-Preview ist der Film ja ein echter Glücksgriff.

    • War er, auch wenn ich die fast ungetrübt positive Meinung bislang wohl ziemlich exklusiv habe ;)
      Der Film reicht sicher auch für’n DVD-Abend, zwingendes Leinwand-Muss besteht da nicht

      • Es ist mir zwar schon etwas unangenehm, aber ich muss sagen, seit Faster bin ich ein absoluter Dwayne-Fan geworden. Werde schnellstmöglichst alle seine Action-Streifen nachholen, und Fast Five kann ich auch kaum noch erwarten ^^

      • Wieso ist dir das unangenehm? Das is ‘n astreiner Typ, für den muss man sich nicht schämen ;)