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Autor: am 12.03.2011, um 18:30 Uhr | Kategorie: Kritiken | 2 Kommentare

Review: WELCOME TO THE JUNGLE

WELCOME TO THE JUNGLE Filmkritik
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Der Film

Wenn man irgendwann herausfinden muss, dass die Kämpfe in den Ringen der WWE (respektive früher der WWF) nicht „echt“ sind, dann ist das sicher nicht so schockierend, wie die Wahrheit über den Weihnachtsmann zu erfahren. Dennoch: wie auch immer man nach der Offenbarung zum Wrestling steht, man neigt doch leicht dazu zu vergessen, dass hinter dem Aspekt des Showfights weit mehr steckt, als sich die Muskelberge aufzupumpen, bis die Nähte platzen und ansonsten bloß möglichst gezielt vorbei zu hauen. Absprachen, Show, Kalkül hin oder her, kaum ein Sportgeschäft ist härter, als das professionelle Wrestling, besonders auch auf den Stufen unter WWE oder TNA. Man werfe nur mal einen Blick auf Darren Aronofskys The Wrestler (2008). Dass aber gerade auf den großen Bühnen, die zu Mega-Events wie dem Royal Rumble oder Wrestlemania führen, ein gewisses Schauspieltalent von nöten ist, um die Storylines der Kämpfe und das Brimborium drumherum zu gestalten, dürfte recht unzweifelhaft sein. Das Problem ist nur, dass selbst die dicksten Nummern des Wrestling-Zirkus ihr Talent nicht auf die Leinwand transportiert bekommen. Da quälte sich und sein Publikum Mitte der ‘90er ein Hulk Hogan durch Quatsch wie Der Ritter aus dem All und Mr. Babysitter, aktuelle Top-Männer wie John Cena und Ted DiBiase jr. vergeigen’s als und in The Marine und The Marine 2. Aber wenigstens einer zeigt, welchen Nutzen ein gefeierter Ringakrobat für einen Film haben kann: der 1m96-Hühne Dwayne „The Rock” Johnson rettete seit seiner ersten auffälligen Rolle in Die Mumie kehrt zurück (2001) sein enormes Charisma vor die Filmkameras. Eines der besten Beispiele dafür ist fraglos Welcome to the Jungle, der nicht ganz ausschließlich, aber doch hauptsächlich von Johnson profitiert.



Johnson spielt (und ja, das Wort kann man guten Gewissens so stehen lassen) den smarten Schuldeneintreiber Beck, der aus Überzeugung nie zu Waffen greift, aber dennoch, zur Not mit schlagfertigen Mitteln, jeden Schuldner klein bekommt. Aber wie es ein altgedienter Drehbuchkniff eben so will ist Beck nicht mehr am harten Geschäft interessiert und sammelt lieber fleißig Rezepte, um sich seinen Traum vom eigenen kleinen feinen Restaurant zu erfüllen. Nur noch einen letzten Job muss er für seinen Boss Billy Walker erledigen, um bei diesem nicht mehr selbst in der Kreide zu stehen. Beck soll Walkers Sohn Travis aufspüren, der sein Studium geschmissen hat und stattdessen den brasilianischen Dschungel nach Schätzen durchforstet. Doch das Unterfangen gestaltet sich für den Kampfkoloss schwieriger als erwartet: in (H)El(l) Dorado angekommen ist Travis zwar schnell ausfindig gemacht, doch geraten die beiden mitten in den Kampf einer Rebellentruppe gegen den ausbeuterischen Goldminenbesitzer Hatcher. Eine wichtige Rolle spielt dabei das goldene Artefakt Gato, das den Konflikt in die eine oder die andere Richtung entscheiden könnte…

Plain and simple. Welcome to the Jungle richtet sich an ein paar wenigen Fixpunkten aus, die so schon seit ewigen Filmzeiten funktionieren. Ein cooler Held, ein Sidekick/unfreiwilliger Partner mit großer Fresse/ungeheurem Nervpotenzial, ein ominöser, die Handlung vorantreibender Gegenstand, ein skrupelloser Böser, der Unschuldige knechtet und das alles vor exotischer Kulisse. Im seltenen Idealfall funktioniert und ergänzt sich dies auf einem gemeinsamen hohen Level, wie zum Beispiel in Steven Spielbergs Indiana Jones und der Tempel des Todes. Indy, Short Round, Willie, Shankara-Steine, Mola Ram, Dorfkinder, Indien. Check, alles da, alles gut. Welcome to the Jungle hingegen bekommt seine Zutaten nicht alle auf ein gleiches Niveau gehoben, schafft aber knapp die Dreifünftelmehrheit. Hinter den coolen Helden setzt der Film den dicksten Haken, dafür muss Dwayne Johnson anfangs nicht mal viel tun, es genügt, dass ihm Arnold Schwarzenegger entgegen kommt und ihm »Have fun« zuraunt. Wiiiie geil ist das denn bitte?!? Aber auch davon abgesehen, aufgemöbelt mit ein bißchen optischem Firlefanz und wilden Kameraspielereien bekommt Schuldeneintreiber Beck ein cooles Intro spendiert, legt sich in einer Disco mit der gesamten Offensive Line eines Football-Teams an und äußert seinem Auftraggeber gegenüber einzig deswegen Bedenken, dass er die schweren Jungs so kurz vor einem möglichen Triumpfzug in der Meisterschaft nicht verletzen will. Doch da der Schuldner ihn mit ein paar lumpigen Kröten als Anzahlung stehen lassen will und dann auch noch ein Drink im Gesicht Becks landet bleibt halt keine Wahl und die Sportriesen werden mit ein paar knackigen Moves zu Boden gebracht. Can you smell what the Beck is cooking?



Yeah, so führt man the People’s Champ ein und macht ihn prompt auch zum Audience’s Champ. Soviel Coolness braucht, ungeschriebenen Proportionalitätsgesetzen nach, ein entsprechendes Nervness-Gegenstück. Da hat sich Welcome to the Jungle mit ein-Leben-lang-Stifler Seann William Scott natürlich genau den Richtigen gesucht – und den vollkommen Falschen. Natürlich muss Scott hier gnadenlos überdrehen, aber darüber vergessen er oder auch die Drehbuchautoren R. J. Steward und James Vanderbilt und Regisseur Peter Berg total, dass er auch ein bißchen in der Rolle des Abenteurers überzeugen sollte, der sich im brasilianischen Dschungel zu behaupten weiß. Das packt Scott aber nur in ein, zwei Szenen, die prompt ziemlich out of character wirken und ansonsten nervt Stifler…ähhh…Travis einfach nur und nicht auf irgendwie liebenswerte Weise. Das hat Scott außerhalb der American Pie-Filme zum Beispiel in Ivan Reitmans Evolution (2001) besser hinbekommen, aus dem er in einer Szene sogar quasi zitiert. Seine Suche nach dem Gato und dessen Nutzen für ihn, das notleidende Volk und Ausbeuter Hatcher wird eben so hingebogen, dass der Besitz des Artefakts zum Ziel jeder Partei wird und damit seine Bedeutung hin zur Auflösung des Films hat. Überdies ist der Gato nichts spektakuläres, nichts konkretes, scheinbar auch nichts unwegbar-schwierig zu findendes und ansonsten nur für eine Indiana Jones-Gedächtnisszene gut.

Mit Christopher Walken hat Welcome to the Jungle selbstverständlich einen sicheren Treffen in seinen Reihen, sein Hatcher ist zwar nicht oft zu sehen und unterfordert Walken natürlich, aber allein das schräge Gebaren des Kerls, was er sagt, wie er seine Zeilen spricht – ist typisch Walken, ist ein Ereignis. Genau wie zwei weitere Dinge an Welcome to the Jungle: die Landschaftsaufnahmen sind phantastisch. Laut Peter Berg wurden er und sein Team beim Location Scouting in Brasilien von Einheimischen mit Waffen bedroht und ausgeraubt, woraufhin der Film auf Hawaii gedreht wurde. Scherz oder nicht, an Schönheit haben die Panoramen dadurch nichts eingebüßt und der Film würdigt sie mit einigen tollen und aufwendigen Shots. Bleibt noch DAS Highlight von Welcome to the Jungle zu erwähnen: die Actionszenen sind awesome! Dwayne Johnson zeigt, dass Wrestling Moves nicht nur zu Showzwecken taugen, da verpasst er einem Bösewicht knochenknackend seinen Finisher, den Rock Bottom, bringt mit einer donnernden Clothesline ein Dach zum Einsturz und setzt zur verheerenden Headscissor an. Das bringt enorm Abwechslung ins übliche Haudrauf und wird gekonnt genug eingefangen, um auch effektiv zu wirken, zumal sich Johnson für einen Brocken seines Ausmaßes ungemein geschmeidig zu bewegen versteht. Absoluter Höhepunkt ist zweifellos seine Auseinandersetzung mit einigen Rebellenkämpfern, die Lianen zu Kampfzwecken nutzen und sich eine atemberaubend wuchtig-rasant-originelle Keilerei mit ihm liefern.



Dagegen kommt nicht mal mehr der schusswaffenlastige Showdown an, in dem Johnson dann doch noch auf das Podest des unbezwingbaren Helden mit einer dicken Wumme pro Hand gehoben wird, die angenehme Selbstironie, die er in seine gesamte Performance packt, geht dem Film dabei aber zum Glück nicht ganz verloren. Mit dem Ende hat sich Regisseur Berg durchaus die Möglichkeit eines Sequels offen gehalten, zu dem es aber wohl nie kommen wird. Muss auch gar nicht sein, Welcome to the Jungle genügt mehr als reichlich als spaßiger Einteiler mit coolem Helden, nervigem Partner wider Willen, ausreichendem Storyantrieb, einem nicht erinnerungswürdigen, aber von Christopher Walken gespielten Bösewicht, tollem Setting und brachialer Action. Was hier allein an überragender Stunt-Arbeit geleistet wird, zu Recht mit zwei World Stunt Awards gewürdigt, ist aller Ehren wert, besonders auch der Körpereinsatz Dwayne Johnsons. Dem Sympathen nimmt man es sofort ab, wenn er davon spricht, es vor allem seinem Publikum schuldig zu sein, dass man seine Visage während der halsbrecherischen Manöver sieht, der Mann ist da für seine Fans. If you smeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeell what the Johnson is cooking!

Wertung

Fazit: 6/10

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  • Ich wage zu bezweifeln, dass sich die Karriere eines Dwayne Johnson mit „The Wrestler” vergleichen lässt, und wenn auch nur ansatzweise. Dennoch habe ich etwas für ihn übrig, seit sein „The Mummy”-RipOff zehnmal so unterhaltsam war als das lahme Original. Trotzdem habe ich nicht die geringste Erinnerung, ob ich den hier schon gesehen habe oder nicht …

    • „…kaum ein Sportgeschäft ist härter…besonders auch auf den Stufen unter WWE oder TNA. Man werfe nur mal einen Blick auf Darren Aronofskys The Wrestler…“

      The Rocks Karriere ist sicher nicht mit The Wrestler vergleichbar, das habe ich aber weder geschrieben, noch gemeint ;)
      Zumal’s Aronofsky auch hier und da sicher ein bißchen übertreibt.

      Johnson ist ‘n grundsympathischer Typ, wobei ich mir sein Scorpion King-Solo düsterer gewünscht hätte, etwa so ironiefrei wie den ersten Conan