Skip to content

Review: DIE ETWAS ANDEREN COPS – DIRECTOR’S CUT

DIE ETWAS ANDEREN COPS - DIRECTOR'S CUT Filmkritik
KLICKEN ►mehr zum Film


Ein selbstmordgefährdeter Halbirrer und ein besonnener Schwarzer, ein dauerquatschquasselnder Schwarzer und ein besonnener Asiate, ein undisziplinierter Neuling und ein besonnenener alter Hase, der wilde Vorschriftendehner und der besonnene Vorschriftentreue. Man kann nicht gerade behaupten, dass Buddy Movies sich von Mal zu Mal neu erfinden würden. Ob die Lethal Weapon-Quadrilogie, die Rush Hour-Trilogie, das Men in Black-Doppel, oder Starsky und Hutch, der Unterschied liegt stets in der Qualität, nicht den Grundzutaten; zwei Regierungsbeamte, ob nun klassisch Cops oder Alienjäger, die sich anfangs nicht grün sind und sich anschließend über neunzig Minuten (oder mehrere Filme hinweg) doch zusammenraufen und deren grundsatzverschiedenes Miteinander am Ende natürlich die Formel zum Erfolg ist. Da im allgemeinen mit den beiden publikumsanziehendsten Genres kombiniert, Action und Komödie, immer wieder und bei aller Abgegriffenheit für ordentliche Erfolge gut. Halbwegs ein solcher wurde dann auch The Other Guys, schlecht eingedeutscht in Die etwas anderen Cops. Der für Hauptdarsteller Will Ferrell international zweitgrößte Karrierehit (gewohnheitsmäßig ist der sehr eigene Humor des Kaliforniers nur in den USA für volle Kassen gut) kam seiner horrenden Kosten wegen zwar nicht weit in die Gewinnzone, gewinnt aber als eine der gelungensten und witzigsten Buddy-Action-Komödien seit gefühlt ewig.

Story

Detective P.K. Highsmith und Detective Christopher Danson sind die Dickhosen-Träger des NYPD. Dank ihrer rücksichtslosen „erst schießen, nie fragen“-Methoden bringen sie nicht nur die Kriminellen hinter Gitter, sondern zerlegen nebenbei auch bei jedem Einsatz die halbe Stadt. Die Super-Cops werden als Helden gefeiert, können sich vor Sex kaum retten und haben natürlich keine Zeit für lästigen Papierkram. Der bleibt bei den Kollegen im Innendienst hängen, zum Beispiel beim vorschriftstreuen Experten für Wirtschaftskriminalität (boooooring) Allen Gamble und seinem unfreiwilligen Partner, dem unwirschen Terry Hoitz. Hoitz wurde strafversetzt, nachdem er versehentlich den New York Yankee Derek Jeter angeschossen und dem Baseball-Star die Karriere geraubt hat. Doch dann schlägt ihre große Stunde: als Highsmith und Danson vor lauter Selbstüberschätzung drauf gehen und sich die gesamte Einheit um ihre Nachfolge streitet sind es ausgerechnet Gamble und Hoitz, für die eine scheinbare Lapalie um nicht genehmigten Gerüstbau zum Fall ihres Lebens wird…

Der Film



Man muss einer Komödie ja schon dankbar sein, wenn nicht neunzig Prozent ihrer Gags auf Nacktheit, Körpersaftausscheidungen, swear word-shouting und Minderheiten-/Anderssein-Bashing hinauslaufen. Neben dem oft fehlenden Gespür für den passenden Absprungpunkt von der Pointe und dem stattdessen stattfindendem totalen overuse eines an sich lustigen Moments das Hauptproblem (heutiger?) US-Komödie, sei sie nun von Judd Apatow (The 40 Year Old Virgin), Todd Phillips (The Hangover) oder Adam McKay. Der arbeitet nach Anchorman, Ricky Bobby und Die Stiefbrüder zum vierten Mal mit Buddy Will Ferrell zusammen und der Griff in die unteren Schubladen ist auch bei diesem Duo eine eingeübte Bewegung. Auch bei Die etwas anderen Cops bleibt die südwärts gelegene Schranköffnung nicht unangetastet, überwiegend holt der Film seine Gags aber doch aus der oberen Ablage. Allein das Intro, in dem Samuel L. Jackson und Dwayne „don’t call me The Rock The Rock“ Johnson (jaaa, das wird der überstrapazierte Gag auf Cellurizon ;)) als kollateral-is-egal-Superbullen die Stadt zerlegen, nur um ein paar vergleichsweise harmlose Drogendealer aufzuhalten, ist Comedy-Gold, ihr selbstgefälliger big balls-Auftritt vor den ehrfürchtigen Kollegen ebenso und nicht zuletzt ihr grandioser Abgang zu My Hero von den Foo Fighters.

Jackson und Johnson allein lohnen während ihrer paar Szenen schon den gesamten Film. Knallend selbstironisch parodieren die allein durch ihr Auftreten in wenigen Minuten treffend und mo’fuckin‘ awesomely komisch ein ganzes Genre voller unbesiegbarer Actionhelden, die vor dem Sprung von einem zwanzigstöckigen Gebäude nicht mal auf die Idee kommen, dass das nicht gut ausgehen könnte. Der Auftritt der beiden ist so genial, dass man fast schon »SpinOff!« schreien möchte und man befürchten muss, dass einem question of taste-Comedian Ferrell und Mark Wahlberg für den Rest des Films dieses Vergnügen nicht bereiten können.Bei Ferrell weiß man natürlich so in etwa, was man zu erwarten hat, der öfter mal unterschätze, aber hin und wieder auch unterirdische Wahlberg hat sich im Komödienfach bisher bestenfalls an schrägem (I Heart Huckabbes) oder in Nebenrollen versucht (Date Night) – erweist sich hier aber als perfekter Gegenpart. Es ist ein Riesenplus von Die etwas anderen Cops, dass er nicht zwei Vollpfeifen zeigt, dass Ferrell kein Steve Carell, kein John C. Reilly und kein Jon Heder an der Seite steht. Wahlbergs Terry Hoitz könnte längst die große Nummer des NYPDs sein (sofern die zupackenden Krawall-Cops Highsmith und Danson der Standart dafür sind), wenn er nicht einem Baseball-Star versehentlich ins Bein geschossen hätte. Hoitz ist ein harter Hund, eingepfercht hinter dem Schreibtisch, Ferrells Bürohengst Gamble ist für ihn geradezu ein Hassobjekt, ein Sinnbild dessen, was für Hoitz nichts mit echter Polizeiarbeit zu tun hat.



Wahlberg und Ferrell gemeinsam sind, in Ermangelung eines passenden deutschen Begriffs, just hilarious. Der dauerbrüllende Hoitz, der dem nicht aus der Fassung zu bringenden Gamble am liebsten den Schädel vom Hals reißen würde, die beiden, wie sie sich einen irrwitzigen Dialog über Löwen und Thunfische liefern, der fassungslose Hoitz, der immer wieder damit konfrontiert wird, dass die schärfsten Frauen auf den Waschlappen Gamble stehen – hhiillaarriioouuss. Da ist manch ein Wortgefecht, manch ein Gag dabei, der nicht bloß zündet, sondern regelrecht explodiert, nur ganz wenig versandet im Nichts. Pointen sollen hier natürlich nicht gespoilert werden, aber selten war eine Prügelei auf einer Beerdigung oder ein ungläubiges Starren auf ein Paar hochgepushte Brüste, nebenbei Eva Mendes‘ ihre, witziger bzw. running gag-tauglicher. Erfrischend selten und im Director’s Cut leider ein bißchen öfter wird Die etwas anderen Cops dabei zotig, einige Gags werden in der um zehn Minuten verlängerten Fassung etwas über ihre Pointe hinaus getrieben, etwa wenn Gamble und Hoitz sich anhören müssen, was über Nacht so in Gambles geklautem Auto los war. Da geht der Director’s Cut wie bei annähernd jeder eingefügten Szene genau den einen Spruch zu weit.

Besonders in der ersten Hälfte ist Die etwas anderen Cops teils (abgewetzter Begriff voraus) brüllend komisch. Obwohl es dem Film während dieser Zeit immer zuerst um den Gag geht, vieles auf nichts anderes zu inszeniert wird und die Story kaum Fahrt aufnimmt, um den Figuren nicht in die Parade zu fahren, macht Regiesseur McKay nicht den Fehler, überhaupt keine Geschichte zu erzählen zu haben. Wie eine weitere gelungene Actionkomödie in 2010, Shawn Levys Date Night, so ist auch Die etwas anderen Cops nicht bereits nach ein paar Minuten bis ins Detail vorhersehbar, die Geschichte um einen Finanz-Investor in der Bredouille ist nicht dumm und nicht bloß Zweckmittel, sondern ein taugliches Bindeglied zwischen reiner Gag-Parade und dem Anliegen, diese nicht willkürlich erscheinen zu lassen. Schließlich ist Die etwas anderen Cops, spätestens nach dem Abtreten von Samuel L. Jackson und Dwayne Johnson, keine Buddy Movie-Parodie, wie Loaded Weapon (1993) eine war, Die etwas anderen Cops ist ein Buddy Movie mit schwererem Ausschlag Richtung Komödie, mit einigen umgangenen, ein paar bedienten und insgesamt prächtig präsentierten und unterhaltsamen Elementen des Sub-Genres.



Wo es aber einem Vorbild wie der Lethal Weapon-Reihe, die klar die Action in den Vordergrund stellt (wobei sich das von Teil zu Teil immer mehr bis fast ins Gleichgewicht bewegt) leichter fällt, gegen Ende ernst zu werden, bekommt es den etwas anderen Cops nicht so gut, dass der Krimiplot und mit diesem der Actionanteil im letzten Drittel deutlich zunimmt. Witzig ist der Film dann immer noch, fällt aber gegenüber der Einleitung und den ersten zwei Dritteln doch ein wenig ab. Verfolgungsjagden, Schießereien mit Autos, Motorrädern und Helikoptern sind halt Verfolgungsjagden mit Autos, Motorrädern und Helikoptern, das üppige Budget der Produktion wird hier deutlich, sehr viel eigenes hat das dann aber nicht mehr, beziehungsweise dann nur noch im Zusammenhang mit einigen der weniger gelungenen Gags des Films, wie Gambles Zuhältervergangenheit. Mit einem gewissen Gefühl der Gewohnheit, dass eine Komödie, die dermaßen überragend startet, dieses Niveau nicht bis zum Ende und schon gar nicht über eine üppige Laufzeit von immerhin fast zwei Stunden halten kann, ist das gut zu verkraften.

Zumal Die etwas anderen Cops ansonsten tatsächlich so nah an einer uneingeschränkt guten ActionKOMÖDIE ist, wie lange kein Film mehr. Wahlberg und Ferrell bilden eines der besten Buddy-Gespanne, sowohl was die Anlegung der Figuren, als auch die Darstellung angeht, seit Gibson und Glover und werden dazu noch von Nebenfiguren wie Michael Keaton als Captain der Einheit hervorragend unterstützt. Keaton gibt etwa nicht den typischen Choleriker-Chef, sondern reißt seine Szenen mit knochentrockenen Sprüchen (»Shake your dicks, this pissing contest is over«) und Aktionen an sich und ist zudem Teil eines der besten running gags, der mit herrlich unzeitgemäßen Popkulturverweisen daherkommt. Die etwas anderen Cops versetzt nicht in eine solche Euphorie, dass man gleich nach einem Sequel verlangen würde (zu dem es wohl auch nicht kommen wird, dafür genügt das solide Einspiel dann doch nicht), aber es ist toll, bei einem solchen Film mal wieder mehr Lachen zu können, als die Augen verdrehen zu müssen.

Wertung & Fazit

Action: 3,5/5
Gewinnt im Laufe des Films immer mehr die Oberhand, bietet aber nüscht außergewöhnliches.
Spannung: 1/5
Eine Story, und keineswegs eine blöde solche, ist absolut vorhanden, spannend ist sie aber nicht wirklich. Das macht aber nichts, da der Film vor allem zugunsten des Humors auf Spannung verzichtet.
Anspruch: 0,5/5
Die leise Kritik an Finanz- und Investmentbetrug ist… leise. Aber dennoch, die Story ist einigermaßen clever und ein gutes Stück über dem, was man so von Actionkomödien gewohnt ist.
Humor: 4/5
Die deutliche Mehrzahl der Gags sitzen, wenn auch besonders im Director’s Cut nicht alle.
Darsteller: 4,5/5
Mark Wahlberg und Will Ferrell schütteln mal eben eines der besten Buddy-Gespanne seit ewigen Zeiten aus dem Ärmel, Samuel L. Jackson und Dwayne Johnson liefern ebenso einen Highlight-Auftritt sondergleich ab, toll auch die Nebendarsteller.
Regie: 3,5/5
Adam McKay muss eigentlich nur auf seine bestens aufgelegten Darsteller drauf halten – und macht meist auch genau das. Geht hier und da auf Kosten des Timings, ist in den nötigen Bereichen aber mehr als solide inszeniert.
Fazit: 7,5/10
Grundsolide, ironische Action, Top-Komödie mit einem der besten Buddy-Duos seit Riggs und Murtaugh. Im Director’s Cut ein paar Minuten zu lang, trotzdem hoch unterhaltend.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

Liken/Teilen

Artikel Credits

Kommentare

  • olli versum

    Finde den Formulierungsfehler: Wie eine weitere gelungene Actionkomödie in 2010…
    Das in würde ich durch von ersetzen. In vor einer Jahreszahl gibt es im Deutschen nicht, auch wenn man es im TV immer wieder hört. Das HAT (!) keinen Sinn.
    Zur Review: Es gibt ja keine Zufälle. Lief auch gestern bei mir, allerdings auf Deutsch. Bei solchen Schnellsprechern wie Herrn Ferrell kann ich dem Untertitel nicht folgen. Sorry! Aber da ich Deine Meinung voll und ganz teile, werde ich den mir wohl noch öffter ansehen. Also: gut gemacht! Weiter so! :D

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Och ja, da bevorzuge ich eine flexible Verwendung des deutschen Sprachgebrauchs, ich mag das „in” vor einer Jahreszahl ;)

      • olli versum

        :lol: jaja… :P war klar…

  • http://www.nachosandwine.de nachosandwine

    Nachdem ich jetzt erstmal am letzten Sonntag „Welcome to the Jungle” und „Spiel auf Bewährung” nachgeholt habe, wird dieser Dwayne Johnson Film auch bald bei mir anstehen =)

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Richtig so, auch wenn „Dwayne Johnson-Film” hier nur auf die ersten paar Minuten zutrifft :P

      • http://www.nachosandwine.de nachosandwine

        Schade… aber besser wie gar nicht

  • http://goingtothemovies.wordpress.com donpozuelo

    Wow, so eine gute Bewertung hätte ich nicht erwartet :) Der Film kam mir eigentlich auch nur als trailer unter und da dachte ich schon, man hätte die besten Sachen schon gesehen. Aber hey, immerhin hast du mich ja auch bei „The Social Network” eines besseren belehrt. ;)

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      In diesem Fall passt dieses typische Trailer-Syndrom tatsächlich mal nicht. Die 108 weiteren Minuten lohnen sich ausnahmsweise wirklich ;)

  • http://holylausiblog.wordpress.com Laosüü

    Als ich den Film eingelegt hatte, habe ich eigentlich einen Film mit eher peinlichem Humor erwartet. Stattdessen wurde ich angenehm überrascht. Der Großteil der Gags war weit über dem sonstigen Niveau von Filmen mit Ferrell. Am meisten musste ich aber eher bei Sätzen lachen, die eher nebenbei und vollkommen trocken in kleinen Sätzen verpackt waren.

    Und das Beste waren sowieso – wie du ja auch geschrieben hast – Johnson und Jackson als SuperCops. :D

    • http://christiansfoyer.de christiansfoyer

      Ich hatte den auch wesentlich flacher erwartet, umso besser war’a dann. Besser als andersrum, so viel steht fest