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Review: THOR

Autor: am 01.05.2011, um 18:42 Uhr | Kategorie: Kritiken | 9 Kommentare

THOR Filmkritik
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Helden aus der zweiten Reihe heißt ein Sportfilm mit Keanu Reeves und Gene Hackman aus dem Jahr 2000, in dem ein Kader voller Reservisten ein streikendes Profi-Footballteam ersetzt. Elf Jahre später könnte man meinen, dieser Film oder zumindest sein Titel wird zum Motto eines ganzen Kinojahres: neben ihrer Sequellastigkeit waren die Monate von Januar bis Dezember wohl noch nie dermaßen überfüllt von Comicverfilmungen, wie anno 2011. Doch abgesehen vielleicht von den X-Men, die im Trilogie-Prequel First Class aber auch ohne ihren Superstar Wolverine/Hugh Jackman auskommen müssen, sind es diesmal eben eher die Helden aus der zweiten Reihe, die sich im Zuge der anhaltenden Popularität ihres Genres einen Platz in der Zuschauergunst zu erobern versuchen. Ehe demnächst wieder die Batmans, Supermans und Spider-Mans übernehmen machte in diesem Jahr The Green Hornet den Anfang, es folgen Green Lantern und Captain America, die zwar alle ihre Fangemeinden haben, aber doch nicht ganz so tiefe Popkulturwurzeln geschlagen haben oder zumindest nicht dem comicfernen Kinogänger sofort ein Begriff sind. Den donnernden Heldensommer leitet nun aber erstmal eine der größten Ungewöhnlichkeiten ein, die das Marvel-Universum zu bieten hat: mit Thor verschlägt es einen Gott der nordischen Mythologie auf die Erde/in den Kinosaal, was sicher noch ein ordentliches Quantum mehr an Toleranz verlangt, als radioaktive Spinnenbissen, Gamma- und kosmische Strahlen oder Genmutationen. Aber nicht nur deshalb macht es einem der erste Auftritt des Donnergottes alles andere als einfach…

Story

Am Tag, an dem Göttervater Odin seinen Sohn, den mächtigen, aber auch unwirschen Thor, zum König und neuen Herrscher von Asgard zu krönen gedenkt, dringen eine Handvoll Eisriesen in das Götterreich ein, um ein Relikt zu entwenden, das die Götter vor vielen Jahren im Krieg gegen die Eisriesen an sich nahmen. Obwohl Odin weiterhin zur Besonnenheit aufruft sieht der kriegslüsterne Thor den währenden Frieden als gebrochen an und reist mit einigen Kampfgefährten, unter anderem seinem jüngeren Bruder Loki, nach Jötunheim, in die Heimat der Eisriesen, und lässt durch seine unbedachte Tat den Krieg erneut beginnen. Der zornige Odin beraubt daraufhin seinen Sohn all seiner Kraft und auch des mächtigen Hammers Mjölnir und verbannt ihn auf die Erde. Dort, nahe eines kleinen Kaffs in der Wüste New Mexicos, gabeln den gefallenen Gott die Wissenschaftlerin Jane Foster und ihre Kollegen auf. Währenddessen, nach einer Auseinandersetzung mit Loki, fällt in Asgard der geschwächte Göttervater in den Odinsschlaf – und der hinterlistige Loki, der hinter den Ereignissen zur Verbannung Thors steckt, ergreift die Macht. Zeit für den Donnergott, auf der Erde seine Lektion zu lernen…

Der Film



Puh, soviel musste man wohl seit Hellboy (2004) nicht mehr schlucken: präsentierte Guillermo del Toro in der Exposition seiner Mike Mignola-Comicverfilmung noch einen untoten Aufzieh-Nazi, einen unsterblichen russischen Zaren und Schwarzmagier, sowie totbringende Tentakelviecher aus einer fremden Dimension (vom rothäutigen Höllenbengel selbst mal ganz zu schweigen), so muss man auch in den ersten Minuten von Thor einen harten Crashkurs über sich ergehen lassen, um sich Zugang zum Film verschaffen zu können. Odin, Asgard, Eisriesen, Bifröst, Natalie Portman als Wissenschaftlerin – puh. Abgesehen von der Portman-Sache ist das für Experten in nordischer Mythologie wahrscheinlich nur insofern ein Problem, ob die Götterwelt und ihre Bewohner und Feinde hier eine adäquate Umsetzung finden, betreffs des Films als solchen haben sich die produzierenden Marvel Studios allerdings zuvorderst der Schwierigkeit zu stellen, dieses gänzlich außer- und überweltliche in ihre doch eher irdisch angelegte eigene Mythologie einzubetten. Schließlich soll Thor in der selben Welt stattfinden, wie die Iron Man-Filme, in deren zweiten Teil der Hammer Mjölnir immerhin schon einen Cameo absolvierte.

In dieser Hinsicht überrascht Thor, denn wider Erwarten scheitert die Konnektivität nicht am majestätischen Asgard. Dem fehlt es zwar ganz entscheidend am großen Wow-Effekt, für den schon gar nicht das überflüssigerweise nachkonvertierte 3D sorgen kann, insgesamt zieht der Film aber doch seinen einzigen Reiz aus den Konflikten (so wenig originell die auch ausfallen und große Themen wie Hinterlist und Verrat allzu oft mit motivischer Willkür durcheinanderbringen), dem großgestig-pathetischen Gehabe und nicht zuletzt dem Visuellen der Götterwelt. Obwohl die Kostüme, Kulissen und Waffen nichts von ihrem Plastiklook des ersten Eindrucks verloren haben, so macht Thor immer dann, wenn etwas in Asgard oder Jötunheim passiert, mit Abstand am meisten Spaß und den homogensten Eindruck und ziemlich sicher hätte es dem Film besser getan, hätte er keinerlei oder nur marginale Verbindungen zum Irdischen und erst Recht nicht zu vorangegangenen und kommenden Comicverfilmungen schlagen müssen.



Der Schauplatz New Mexico ergibt selbstverständlich in mehrerlei Hinsicht Sinn: für den verbannten eigensinnigen Donnergott wird der größtmögliche Kontrast zu seiner pompösen Heimatwelt geschaffen, er kann sich quasi auf niederstem Gebiet unter den niederen Kreaturen als den Vorstellungen seines Vaters würdig erweisen, indem er gerade diese verhältnismäßige Bedeutungslosigkeit als wichtig und beschützenswert entdeckt. Außerdem bleibt der Ort des Exils Thors vor einer Öffentlichkeit verborgen, die die Figur durch die kommende The Avengers-Verflechtung und die Allgegenwärtigkeit der Geheimbehörde S.H.I.E.L.D. zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht bekommen darf. Zumal der Film auf den Kniff der Comicvorlage verzichtet, den Gott mit seinen Kräften auch seine Erinnerung verlieren und ihn zunächst unwissend als normalen Menschen leben zu lassen. Aber zurück zum Punkt: neben ein paar modifizierten culture clash-Gags bietet der Handlungsstrang auf der Erde in jeder Hinsicht viel zu wenig. Die Wandlung des eitlen Kriegers zum aufopferungsvollen Beschützer, wie sie rein formell auch Tony Stark in den Iron Man-Filmen hinter sich brachte, geht ohne wirklich nachvollziehbare Momente der Läuterung von statten, die Verbannung scheint den bockigen Thor innerhalb von ein paar wenigen Szenen zur Besinnung zu bringen und ihn zum freundlichen, leicht abgedrehten weil geschwollen daher redenden Charmeur zu machen…

…an den Natalie Portman in genau so wenigen oder noch weniger Szenen ihr Herz verliert, ohne dass die beiden besonders viel Zeit miteinander verbringen, keinerlei Intimität aufkommt und die Akzeptanz, dass da ein leibhaftiger Gott vom Himmel gefallen ist, sich von jetzt auf gleich und ein schelmisches Grinsen später einstellt. Portman und ihre Wissenschaftskollegen Kat Dennings und Stellan Skarsgård bekommen zudem noch weniger Persönlichkeit, als Thors Mitstreiter Jaimie Alexander, Ray Stevenson, Tadanobu Asano und Josh Dallas und die werden schon auf Eigenschaften wie „Amazone“ und „Fresssack“ reduziert. Deren Auftritt in voller Asgard-Montur erinnert außerhalb des andersartigen Götterreichs zudem verboten an den Power Rangers-Abklatsch Mystic Knights, wozu auch der wenig inspirierte Auftritt der feuerspuckenden Rüstung Destroyer passt.



Die Passagen in Asgard mit dem Ränke schmiedenden Loki bleiben zumindest in ihrer Weltfremdlichkeit weiterhin sehenswert, wozu Tom Hiddleston seinen nicht unwesentlichen Teil beiträgt und, Göttersohn hin oder her, das Potenzial andeutet, in zukünftigen Produktionen einen emotionalen und in seinen Fähigkeiten der Täuschung und Einflüsterungen interessanten und spannenden Schurken geben zu können. Chris Hemsworth, zuvor auch in J.J. AbramsStar Trek als Papa Kirk durchaus positiv aufgefallen, macht seine Sache auf Heldenseite abseits der Storyschwächen nicht viel schlechter, den wenigen Platz, der ihm bei der Entfaltung von Thors Eigenschaften eingeräumt wird, nutzt er zu einer prägnanten Performance. Die wird jedoch wie letztlich der komplette Film von seiner beherrschenden Pointlessness untergraben. Thor besitzt einen gewissen Unterhaltungswert, ordentliche Darsteller in unterentwickelten Rollen, nette und mit einigen tatsächlich außergewöhnlichen und einzigartigen Bildern angereicherte Action – aber abseits seiner Prequel- und Charaktereinführungs-Funktion erfüllt der Film keinerlei eigenständigen Zweck und seine vielen nur angerissenen Entwicklungen hätte man auch locker in einen The Avengers-einleitenden Kurzfilm packen können.

Wertung & Fazit

Action: 3/5
Donnergott Thor und sein Hammer, der zwar ausschaut, als könne er nichtmal zwei Blatt Papier zusammen nageln, kloppen ordentlich drauf.
Spannung: 1,5/5
So wenig der Donnergott zu Anfang begreift, wodurch er seine Göttlichkeit zurück erlangt, so klar ist dem Zuschauer dieser Weg und all seine Stationen.
Anspruch: 0,5/5
Vater-Söhne- und -Bruder-Konflikte, wie man sie zwar mitsprechen kann, dennoch nicht ganz ohne Tiefe, wofür vor allem Tom Hiddlestons Loki als interessanteste Figur sorgt.
Humor: 0,5/5
Ein paar mehr Momente der Selbstironie hätten gut getan, neben einigen auf dieser Basis netten Gags versanden zu viele andere.
Darsteller: 3/5
Von den Namen her locker eine der bestbesetzten Marvel-Verfilmungen, was durchaus den Stellenwert verdeutlicht, den Comicfilme mittlerweile inne haben. Auch die Leistungen sind mehrheitlich ok, nur die Figuren geben nicht genug her.
Regie: 2,5/5
Kenneth Branaghs Inszenierung bewahrt sein hammerhartes Spektakel überraschenderweise vor den Untiefen der unfreiwilligen Komik und des Trashfestes, schwächelt dafür aber an anderer Stelle.
Fazit: 4/10
Da hatten viele Marvel-Helden doch einen besseren Start: Thor ist ein so typischer, wie ganz anderer Superheldenstartfilm, da er zwar nach ähnlichen Mechanismen abläuft, diese aber nicht annähernd so gut bedient wie Iron Man & co.

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  • […] aus der Blogosphäre: At the Movies: 6/10 Punkte Christians Foyer: 4/10 Punkte Jason Auric Owley.ch: 8/10 Punkte PopKulturSchock: 8,5/10 Punkte […]

  • Aua! Dann lies lieber nicht meine Rezension ;) Ich mochte den Film. So richtig. Vielleicht lag das aber auch daran, dass ich sehr skeptisch ran gegangen bin – immer mit der Frage, ob Branagh sowas ÜBERHAUPT hinbekommt. Und ich finde mit seiner Shakespeare-Vergangenheit ist ihm das ganz gut gelungen.

    • Werde ich trotzdem lesen ;)
      Skeptisch war ich auch, obwohl mich dann andere Dinge als erwartet enttäuscht haben. Den Asgard-Kram hätte ich total dulle erwartet, das Erden-Zeug in typischer (guter) Marvel-Form, andersrum war’s und Branagh hätte da ruhig noch mehr den Drama-Modus raushauen können.

  • Zähle auch zu denen, die ihn besser empfangen als du. Der Wandel hat mich nicht so gestört, das gehört zum Film (allgemein) dazu, wo gibt es schon nachvollziehbare Wandel innerhalb von 90 Minuten zu begutachten? Aber die Szenen in Asgard waren zumindest der Handlung zuträglicher als die auf der Erde (die primär dem comic relief dienten).

    • Sorry, deine beiden ersten Kommentare sind aus irgendwelchen Gründen in meinem Spamordner gelandet und ich war gestern abend nicht mehr online. Habe, deiner Anweisung folgend, die anderen Kommentare mal gelöscht.

      Zum Film: ich denke es gibt schon genügend andere Comicverfilmungen, die diese Heldengenese besser hinbekommen. Tony Stark erlebt sein einschneidendes Erlebnis in Afghanistan, Batman Begins beschäftigt sich ausgiebig damit, Spider-Man hat seine Schuld am Tod Onkel Bens – aber Thor? Der kann einfach nur seinen Hammer nicht heben, womit er ja hätte rechnen müssen, abgesehen davon ist er ab Ankunft auf Erde bereits ein knuddeliges Kerlchen, der sich aber wahrscheinlich genauso als arroganter Kriegerarsch dem Destroyer gestellt hätte. Da fehlen doch die konkreten wake up-Momente. Andererseits: wer kann schon die Motive eines Gottes deuten…?

  • Ui, dann fand ich ihn ja tatsächlich doch nicht als einer der wenigen so schlecht, auch wenn ich ihn dann doch etwas stärker einschätze als du ;) Das mit dem Wandel Thors kann ich nur unterschreiben – das passiert einfach alles zu schnell und sehr wenig ist nachvollziehbar was sie da veranstalten…

    • So is’s.
      Ich hab sogar lange mit mir gerungen, um dem Film überhaupt noch etwas anzurechnen, während der Sichtung hab ich irgenwann nur noch die Augen verdreht und unmittelbar nach dem Film wären’s eher noch ein paar Punkte weniger geworden.

  • Hi Christian! Ich kann kaum glauben, das Thor so übel war! Ich wollte mir den eigentlich, obwohl ich nicht allzuviel erwarte, mal im Kino anschauen!
    Lieben Gruss!
    Tobias

    • Na ja, was heißt „so übel”?! Die Passagen in Asgard waren ok, die auf der Erde weniger. Ist nicht so, dass der völlig unguckbar wäre. Geh ruhig rein und, wenn du die Wahl hast, unbedingt in die 2D-Fassung