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Review: THE ROMANTICS

THE ROMANTICS Filmkritik
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Story


Zur Hochzeit ihrer Freunde Lila und Tom kommt eine ehemalige College-Clique zusammen: die flippige Tripler und Pete sind bereits verheiratet, Weesie und Jake drücken sich noch um den Bund für’s Leben und für Laura wird die Wiedervereinigung besonders schwierig. Denn sie und der zukünftige Ehemann Tom waren vor Jahren selbst ein Paar. Laura hat ihre Gefühle seitdem zu verdrängen versucht, doch das Wiedersehen mit Tom bleibt für beide nicht ohne Folgen. Am Vorabend der Hochzeit feiert die Clique feuchtfröhlich Toms Junggesellenabschied, bis dieser nach einem Bad im nahen See plötzlich verschwunden ist. Die Gruppe macht sich getrennt auf die Suche, Tripler und Weesie jeweils mit dem Partner des anderen. Als es schließlich Laura ist, die auf den zweifelnden Tom stößt, werden nicht nur sie von pikanten Gefühlen überwältigt…

Der Film

Eine Hochzeit vor traumhaft-romantischer Kulisse, eine komplizierte Dreiecksbeziehung und ein Haufen spleeniger Nebenfiguren – Galt Niederhoffers The Romantics, Adaption ihres eigenen gleichnamigen Romans, bringt ein paar der ganz typischen Zutaten der handelsüblichen RomCom unter. In diesen groben Zügen enden aber bereits weitestgehend die Gemeinsamkeiten, denn was die Produzentin und Schriftstellerin sonst zu bieten hat, hat nur wenig mit den zuckerwattigen Wohlfühlfilmchen zu tun, die mit ihren ewig gleichen Formeln Klischee auf Klischee stapeln und herunter leiern und deren Ausgang man meist bereits nach Sichtung eines Trailers voraussagen kann. Niederhoffers Problem: was ihr The Romantics sonst so bietet ist zwar stimmungsmäßig anders gewichtet, irgendwie viel gediegener und weniger konventionell – aber auf seine Art auch nicht angenehmer, sehenswerter oder aufregender, als wenn man während eines Masochistenmarathons die zehnte Katherine Heigl-/Jennifer Aniston-RomCom am Stück schauen würde.



Selbst ohne Kenntnis der Romanvorlage lässt sich ziemlich sicher sagen, dass Niederhoffers Geschichte auf ihren 288 Seiten besser aufgehoben ist, als in 93 Minuten Film. So nennt die New York Times das Buch immerhin »more entertaining than many other such stories without being notably more original« und »it is well enough executed by Ms. Niederhoffer to illustrate why well-wrought cynicism never goes out of style« [>Quelle], gut geschriebener Zynismus und Unterhaltsamkeit sind ihr allerdings vom Transfer der Buch- auf Drehbuchseiten scheinbar abhanden gekommen. Die größte Schwierigkeit hat The Romantics in der Zelluloidversion mit seinen Charakteren. Die alte College-Clique findet nach ein paar Jahren der Trennung wieder zueinander, drei von ihnen sind zu Paaren geworden, nur Laura ist allein geblieben, beziehungsweise unsanft von Tom verlassen worden. Trotz vermeintlichem Liebesglück kommt da im Großen und Ganze eine Gruppe von Verlieren zusammen, alle beseelt von einer gewissen Lebenstragik, die aber keine Sekunde in angebrachter Weise von einem Medium ins andere transportiert wird.

Da ist zum Beispiel die quirlige Tripler, deren Schauspielkarriere im Anschuss an den Collegeabschluss nach einem einzigen, nie veröffentlichten Film endet, bevor sie begonnen hat. Das wird in einem von ermüdend vielen unbedeutenden Gesprächen so nebenher erwähnt, ohne großen Effekt, ohne erkennbares Wirken auf die Figur, da man Tripler genausowenig wie den anderen irgendwie nahe kommt, sie keine Emotion und Vergangenheit über das hinaus erfühlbar machen, was mit meist dummem Gesabbel nach außen komuniziert wird. Da stehen einem Roman natürlich ganz andere Mittel zur Verfügung und diese beherrscht Niederhoffer möglicherweise, als Regisseurin hingegen fehlt es ihr am nötigen Gespür, um ihre Charaktere einzuleiten und aufzubauen. Ihre Frauen sind quäkig, zickig, komplexkompensierend, ihre Männer sind schluffig, unreif und so gelangweilt wie langweilig. Da böten sich zwar genug Oberflächlichkeiten an, die Niederhoffer im Laufe der Handlung aufbrechen und durchleuchten könnte, aber dazu fehlt ihr nicht nur die Zeit, um drei Paare und acht Einzelpersonen (Lilas taugenichtsigen Bruder mitgezählt) angemessen abzuhandeln, es mangelt ihr außerdem einfach am nötigen Timing, am Gespür für den richtigen Moment, um die Charaktere entsprechend anzugehen.



So wirkt The Romantics wie ein Film, der sich immer mal wieder aufzubäumen versucht, aber dann doch wieder und wieder von Niederhoffer runtergedrückt wird. Jeder Moment, in dem Banalitäten und Belanglosigkeiten endlich in etwas von Interesse umschlagen könnten, verstreicht ungenutzt oder ergibt sich in etwas, dass man dann bei allem stimmungsmäßigen Konventionsbruch doch genau so hat kommen sehen. Als die beiden Paare der Gruppe auf der nächtlichen Suche nach dem verschwundenen Bräutigam Tom (keine Sorge, das ergeht sich hier nicht in einer The Hangover-Variante) einen Partnertausch vornehmen ist sofort absehbar, dass der Alkoholpegel und die generelle, wenn auch nie spannende Unzufriedenheit der Figuren für einiges an Durcheinander sorgen wird. Was dann aber auch wieder keinerlei Rolle spielt, weil die behaupteten Freunde unter- und miteinander keine Chemie besitzen und viel mehr wie eine Gruppe sich völlig Fremder wirken und alle Ereignisse in der Folge wie ungeschehen zurückbleiben. Einzig dem Lila/Tom/Laura-Dreieck bleibt Niederhoffer bis zum Schluss erzählerisch treu und dessen nicht-Auflösung ist ein netter Kniff – und dennoch ebenso nichtssagend, wie alles, was ihm voran geht.

Die Besetzungsliste von The Romantics liest sich immerhin ganz gut: Katie Holmes, Anna Paquin, Josh Duhamel, Adam Brody, Malin Åkerman, Elijah Wood – da kann selbst manch zigfach höher budgetierte RomCom nicht mithalten. Wenn allerdings völlig unklar bleibt, warum sich Schauspieler mit recht wohlklingenden Namen für dermaßen langweilige, schwach geschriebene und unterentwickelte Figuren entscheiden und sie ihnen auch nichts hinzuzufügen haben, dann bleiben es eben nur recht wohlklingende Namen, bei denen das Zusammenspiel nicht funktioniert. Insofern leidet The Romantics am Real Madrid-Syndom der letzten Jahre: immer fleißig große Namen sammeln, trotzdem keine Titel gewinnen. Näher bringt einen den Protagonisten auch das überwiegende Handkameragewackel nicht, mit dem den Figuren mal hinterher geackert oder direkt bei ihnen gestanden wird, als solle man sich selbst wie einer der Freude fühlen. Zu denen teilt man aber höchstens eine Reaktion der übrigen Hochzeitsgesellschaft, die bei den zotigen Reden beim Diner vorm Hochzeitstag beschämten Blickes lieber mal weghört.



The Romantics ist eigentlich nur einem sehr exklusiven Zuschauerkreis zu empfehlem: einem, dem der zwischendurch recht freizügig gewährte Blick auf knapp bekleidete Beine, Brüste und Pos von Schnuckel Malin Åkerman, Anna Paquin und Katie Holmes genügt. Aber auch in diesem Fall ist man mit der Google-Bildersuche garantiert besser bedient, denn Åkerman gibt in diesem Ensemble der Unsympathen die nervigste Kacktrulla, Paquin könnte ihre Rolle höchstens aufwerten, wenn sie sich als Sukkubus entpuppen würde, und Holmes muss nur noch ein bißchen vergrämter ausschauen, um zur aussichtsreichsten Kandidatin für eine Angela Merkel-Biographie zu werden. Galt Niederhoffer indes hätte es bei ihrem Roman belassen oder hätte ihn in fähigere Hände geben sollen. Dann wäre daraus vielleicht doch nur eine weitere glatt gebürstete RomCom mit Katherine Heigl oder Jennifer Aniston in der Hauptrolle geworden – aber viel schlechter hätte das auch nicht werden können…

Wertung & Fazit

Action: 0/5
Kein Kriterium.
Spannung: 0/5
Die Charaktere bleiben farblos und uninteressant, entsprechend auch ihre platten Konflikte und Probleme.
Anspruch: 0/5
Nö. Bleibt alles Oberfläche.
Humor: 0/5
Nicht wirklich Rom, aber noch viel weniger Com: ein bißchen Rumgezote, wie man es bei solchen Hochzeitskonstellationen immer von irgendwelchen Freunden/Verwandten zu hören kriegt, ansonsten geht’s eher melancholisch zu.
Darsteller: 1,5/5
Namhaft, aber bleiben alle unter ihren Möglichkeiten. Insgesamt aber noch das Beste am Film…
Regie: 1/5
Galt Niederhoffer beweist keinerlei inszenatorische Geschicke, um ihren Roman umzusetzen. Für die Verweigerung diverser Konventionen darf’s zumindest ein Respektpunkt sein.
Fazit: 1,5/10
Wenig gelungene Romanadaption, die sich zwar nicht auf den üblichen Wohlfühl- und Kitschfaktor aus dem Hollywood’schen RomCom-Land verlässt, deren melancholische Gediegenheit aber auch nicht mehr bietet.

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