Skip to content
Autor: am 07.12.2011, um 19:42 Uhr | Kategorie: Kritiken | 5 Kommentare

Review: BAD TEACHER

BAD TEACHER Filmkritik
KLICKEN ►mehr zum Film

Story


Der Unterricht, die Kollegen, die Schüler – alles Dinge, auf die die rotzige und dauerfluchende Lehrerin Elizabeth Halsey so gar keinen Bock hat. Drum verabschiedet sie sich auch nach nur einem Jahr mit vier-Stunden-Woche wieder von der John Adams Middle School, um ihren stinkreichen Verlobten zu ehelichen und in fauler Dreistigkeit ein Leben im unverdienten Luxus zu genießen. Doch die Schwiegermama und der Zukünftige selbst durchkreuzen Elizabeths Rechnung und lassen sie gedemütigt zurück. Also bleibt wieder nur der mies bezahlte Job hinter’m Pult – oder nach einer durchzechten Nacht auch mal unter’m Pult. An ihrem Lehrplan hält Elizabeth sturr fest: während des Unterrichts Filme zeigen, die Schüler bei jeder Gelegenheit beleidigen, in der Pause Marihuana rauchen und Kollegen wie die lästige Überpädagogin Amy und den paarungswilligen Sportlehrer Russell auf Distanz halten. Doch dann stellt sich ihr der schmucke Aushilfslehrer Scott vor – Spross reicher Eltern. Um ihre Chancen zu erhöhen beschließt Elizabeth, dass ein Paar neue und möglichst große Titten her muss. Um die nötige Kohle zu beschaffen sind ihr so einige Mittel recht, da wird ein wohltätiges Autowaschen schonmal zur Pinup-Show und ein Elternabend zur Spendenaktion…

Der Film



Kindergarten Cop, Der Prinzipal, Der Club der toten Dichter, Dangerous Minds, Half Nelson, High School High, School of Rock – Lehrer und Bildungseinrichtungen sind vom Actionfilm über das betulich-moralisierende Sozialdrama und die Indie-Perle bis hin zur Jon Lovitz-Klamotte ein gern genommenes Personal und Setting. Mit Bad Teacher tritt Cameron Diaz dem illustren Kollegium um Arnold Schwarzenegger, James Belushi, Robin Williams, Michelle Pfeiffer, Ryan Gosling und Jack Black bei. Und egal, wie die sich auch alle mit Lehrplänen, persönlichen Problemen, Obrigkeiten oder aufsässigen Schülern schlagen mögen: die Diaz reißt mit ihren Methoden den Notenschnitt ganz sicher ein gutes Stück nach unten. Zum Glück aber nicht den Unterhaltungswert. Nach nicht ganz so viel für die Gedächtnishaftbarkeit leistenden Auftritten in The Box, Knight and Day und The Green Hornet zeigt sich Diaz endlich mal wieder als die komödiantische Triebkraft, mit der sie einst durch There’s something about Mary ulkte. Zu Gute kommt der breitmäuligen Kalifornierin, dass man ihr das süße Gekiekse immer schon ebenso abnahm, wie das unflätige Gerülpse. Womit sie bereits ein Spektrum abdeckt, das nicht viele der aktuellen Komödien-im-Abo-Actricen gestemmt bekommen und das in Bad Teacher mühelos die Balance findet zwischen rüpeliger Überzeichnung, oberflächlicher Money’n’Beauty-Fixierung und trotzdem irgendwie sympathischer Sweetness.

Zwar sieht Diaz zwischendurch aus wie die achtzehn Jahre ältere und schlecht auf zwanzig Jahre jünger gemachte Ellen Barkin (für beide kein Kompliment), aber ihre Performance hat die Freche und Frische, die eine solche premise-based-comedy wie Bad Teacher zum Funktionieren braucht. Denn Jake Kasdans Film lebt nicht von Story- und Charakterentwicklung, sondern eben und einzig von seiner Prämisse, die eigentlich nur eine klassiche Rollenkonstruktion umdreht: wenn vor fünfzehn Jahren Sandra Bullock eine engagierte, leich überkandidelte und liebenswerte Lehrerin gespielt hätte, die von einer unfähigen, aber gerissenen Kollegin (gespielt von irgendeiner Europäerin) übertölpelt wird und wenn dieser Film Ramona – Eine Lehrerin zum Verlieben gehießen hätte und mit einem gezuckerten und moralische Lattenzäune schwingenden kutschikutschi-heal the world and save the children-Kleister geendet wäre – dann würde man Bad Teacher heute als das genaue Gegenteil dieses Films bezeichnen. Cameron Diaz und Lucy Punch tauschen das klassische Bild von Prota- und Antagonistin; die eigentlich voller Idealismus und Engagement lehrende Punch wird dafür mit einem reichlichen Schuss Cholerik und Stutenbissigkeit versetzt, Diaz und ihrem »I don’t give a shit« wird hingegen ein solch erzkonservatives Spießertum von Lehrbetrieb entgegen gestellt, dass sie allein dadurch zur Sympathieträgerin werden muss.



Das ist selbstverständlich ein simples Konzept und auch schauspielerisch ohne großen Leistungsdruck zu bedienen, an’s Laufen muss es natürlich dennoch erstmal gebracht werden. Bad Teacher, und deswegen sind’s am Ende auch „nur“ 7 von 10 Punkten geworden, reizt leider keine der beiden Seiten so weit aus, wie man sich das immer wieder vorstellen könnte, einiges macht sich der Film mit dem reinen und häufigen Benutzen von Unflätigkeit, Sex- und Klowitzchen zu einfach – »whoooo, swearword, swearword, look at me, I am so politically incorrect!« – , statt auf einen satirischeren Ton zu setzen und besonders die Lehrersleute noch ein bißchen weiter in ihre zugeknöpfte Verklemmtheit zu treiben, um den Kontrast zur aufgeknöpft-görigen Diaz noch härter zu gestalten. Die hätte selbst auch noch eine Zahnreihe mehr Biss vertragen, ist mit ihrer total oberflächlichen Motivation (Kohle ranschaffen, um Titten zu vergrößern, um Kerl samt Reichtum klar zu machen) und den schulterzuckend-ausbeuterischen Beschaffungsmaßnahmen aber so oder so das größte Pläsier. Ihr vorteilsbedachtes bis bockloses Rumgerotze wird nicht nur nicht langweilig, sondern vor allem ohne große Zwänge moralischer Läuterung bis zum Ende durchgezogen. Diaz bleibt am Ende (beinahe) wer sie am Anfang gewesen ist und das ist bei derart überdrehten Figuren der einzige Weg, den ein Neunzigminüter gehen sollte, will er nicht mit sich selbst brechen und irgendwelche dahergedichteten Wandlungen verkaufen, die aus dem Nichts ploppen statt entwickelt zu werden.

Kasdan hält das Erzähltempo hoch und tritt dankenswerterweise auch nicht für Romanzenmomente auf die Bremse, liefert dafür mit der „Sex“szene zwischen Diaz und Justin Timberlake (mit Socken aus, aber allem anderen an) eine wunderbare Parodie auf den generell ultraprüden Einschlag romantischer US-Komödien. Dass die schnodderige Anti-Lehrerin am Ende nicht in den Armen des braven Brillenträgers landen wird ist spätestens mit dem Auftauchen Jason Segels klar, der als Sportlehrer Russell ebensogern mal zum Joint greift und Elizabeth eben nicht zu ihrem Gegenteil bügelt, sondern als ihr Gegenstück den erwartbaren Schluss als solchen verschmerzbar macht. Ein bißchen mehr Screentime hätte Segel allerdings nicht geschadet, nicht nur aus Gründen der Kohärenz, sondern einfach weil der Typ super ist. Diese und jene Szene zu viel bekommt dafür Lucy Punch, deren Comedytalent entweder tatsächlich daraus besteht, oder aber davon übertüncht wird, dass sie ständig irgendwelche disgustingly disturbing Sachen mit ihrem Mund macht, worauf der Film sogar mehrmals anspielt. Gemeinsam mit einem schön selbstironischen Timberlake, der nicht nur seine spektakulären Dancemoves, sondern auch sein singer-songwriter-Talent daheim gelassen hat, rundet Punch die ménage à quatre aber dennoch gelungen ab.



Bad Teacher haut einige Gags ziellos ins Blaue, verzichtet auf andere schon im Ansatz (Stichwort Missstände im amerikanischen Bildungssystem), setzt aber reichlich genügend ins Schwarze, um nun nicht direkt mit Bravour, aber ‘nem sehr wohlgesonnenen Schulterklopfer abzuschließen. Film und Hauptdarstellerin ziehen ihre Prämisse ohne allzu schwerwiegende Kompromisse oder Zugeständnisse durch, neben Attraktion Diaz gibt’s von Timberlake und Segel starken Support und hier und da setzt auch mal eine der kleineren Rollen ein Glanzlicht. Wo da nun in welche Richtung noch mehr drin gewesen wäre ist letztlich egal, nicht nur weil’s nicht mehr zu ändern und‘s drum müßig drüber zu diskutieren ist, sondern weil bei dem möglichen Mehr an Richtung auch eine ganze Menge an falschem Weg hätte beschritten werden können: so wird Diaz‘ Elisabeth nicht der großen moralischen Läuterung unterzogen, ihr Schutzpanzer aus Sarkasmus nicht mal angekratzt, die große »not I was teaching them, they were teaching me«-Fabel wird hier auch nicht angestimmt und so ist’s am Anfang, in der Mitte und am Ende ein dreckiges Vergnügen.

Wertung & Fazit

Action: 0/5
Kein Kriterium.
Spannung: 1/5
Dackelt zum Glück nicht allzu brav und nicht jeder Mechanik hinterher, die das Genre so vorschreibt, ohne allerdings die große Originalität zu bieten. Das durchgehend hohe Erzähltempo hält aber auch das Interesse aufrecht.
Anspruch: 0/5
Verdiente 0 Punkte und kein Problem damit. Zwingt den überzeichneten Figuren keinerlei Moral von der Geschicht auf und das ist gut so.
Humor: 3,5/5
Wenige wirklich schlechte Gags und viele gute. Kein Humor, der’s jedem recht machen will, aber funktioniert, wenn’s gefällt. So einfach kann das sein.
Darsteller: 4,5/5
Cameron Diaz liefert ihre beste Comedy-Performance, seit sie sich 1998 Sperma in die Haare geschmiert hat. Dazu der sarkastische Segel, der selbstironische Timberlake, die abgedrehte Punch – dat passt!
Regie: 3,5/5
Auch in der für diese Kritik vorliegenden, knapp 6 Minuten längeren Unrated-Fassung mit viel Tempo und Timing inszeniert und dank gutem Script ohne Ausuferungen in die falschen Richtungen. Sauber.
Fazit: 7/10
2011 erweist sich immer mehr als überraschend guter Komödienjahrgang. Auch Bad Teacher besteht in fast allen Fächern und mit sehr ordentlicher Gesamtnote und verdient sich ein Extralob für den Verzicht auf die Moralkeule.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

Liken/Teilen

Artikel Credits
Relevante Links zum Thema

Kommentare
Deine Meinung zum Thema?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>



  • Fand den auch eher schwach. Hatte mir vom Trailer mehr versprochen. 3 bis 4 Punkte wegen den doch guten Diaz, Segel (verschenkt) und Timberlake.

    • Ach, ihr seid aber auch alle ‘n Haufen Miesepeter… ;)
      Nachher gibt’s ‘ne Review zu ‘nem WIRKLICH schlechten Film (allerdings auch zu einem, bei dem schon die Trailer nix anderes vermuten ließen)!

  • Ui!!! Ganze vier Punkte mehr als bei mir! Ich konnte mit dem Film wirklich gar nichts anfangen. Ich fand die Witze lahm, die Schauspieler auch und die Geschichte – gut, das war vorhersehbar – auch. Hat mich echt Null unterhalten.

    • Joa, kann ich absolut nachvollziehen, nix ist so sehr Geschmackssache wie Humor, und mehr bleibt einer Komödie halt meist nicht ;)

      • Wahre Worte, wahre Worte!!! ;)