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Review: HORRIBLE BOSSES – EXTENDED CUT

Von Flynn Hardy vor 5 Jahren geschrieben01 / 20125 Kommentare
HORRIBLE BOSSES EXTENDED CUT Filmkritik

HORRIBLE BOSSES - EXTENDED CUT Filmkritik
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Story

Die Freunde Nick, Kurt und Dale haben alle eines gemeinsam: auf die ein oder andere Weise leidet jeder unter seinem jeweiligen Boss. Nick wird von dem machtversessenen Dave Harken ausgenutzt und bei einer anstehenden Beförderung hinterrücks übergangen, Kurt muss sich mit der diskriminierenden Konzernführung des Kokskopfes Bobby Pellitt rumschlagen und die nymphomane Chefin des verlobten Dale will mit ihren sexuellen Avancen keine Ruhe geben, ehe er ihr es nicht vor der Trauung so richtig besorgt hat. Aus einer anfänglichen Herumspinnerei beim Feierabendbier wird plötzlich ganz schnell ein fester Entschluss: die schrecklichen Bosse müssen dran glauben. Und so holen sich Nick, Kurt und Dale in einer zwielichtigen Kneipe die Hilfe des vermeintlichen Auftagskillers „Motherfuckah“ Jones – der hat letztlich aber nur ein paar sehr allgemeine Ratschläge parat und so bleibt es an den drei Geknechteten, diese in die Tat umzusetzen…

Der Film

Wer sich mit den drei (Anti-)Helden der Arbeit aus Seth Gordons Horrible Bosses nicht sofort identifizieren kann, der hat im Berufsleben bislang wahrscheinlich ziemliches Glück gehabt. Aber es dürften ihn wohl die meisten schonmal am eigenen Leib erduldet haben, den Chef und Kollegen, dem man nichts als das blanke Verderben an den positionsmissbrauchenden Hals wünscht. Die Herrschsüchtigen der Hierarchie, die Despotie des Dienstes, die sexuellen Belästiger beim Broterwerb – Horrible Bosses stellt seine bemitleidenswerten Würstchen inmitten des schlingenden Schlundes der totalitären Diktaturen ihrer jeweiligen Bosse auf und präsentiert ein schön involvierendes Szenario, das zum reinsten „what if“-Eskapismus gerät, als die ausgenutzten Angestellten beschließen, die Chefs um die Ecke zu bringen.



Ein Blick in die Trailer oder auch nur auf die Besetzungsliste von Horrible Bosses reicht natürlich aus, um das Highlight des Films vorausahnen zu können: die horrible Bosses. Die nutzen die gebotene Bühne und spielen mit Genuss gegen und mit ihrem Image; Colin Farrell macht sich hässlich und dreht hier, nicht unähnlich seinem Bullseye aus Daredevil, an den Schrauben der Egozentrik, statt des süßen RomCom-Mäuschens gibt Jennifer Aniston eine lasziv-schamfreie Edelschlampe und Kevin Spacey kommt so blasiert, in eingebildeter Wichtigkeit posend und so weit von oben herab daher, wie es gelegentlich aus seiner konsequenten Abschottung des Privatmanns Spacey fehlinterpretiert und ihm tatsächlich als Wesenszug angedichtet wird. Soviel Exzentrik fordert natürlich ein bißchen mehr natürliche Blässe auf der anderen Seite und dafür eignen sich die everyday faces von den beiden Jasons Bateman und Sudakis sowie Charlie Day nicht minder gut.

Trotzdem, und da passt immer mal wieder die Feinabstimmung von Horrible Bosses nicht so ganz, holt Gordon aus dem Gegeneinander der Untergebenen und Vorgesetzen nicht alles heraus. Der Humor hebt sich phasenweise auf, wenn anfangs die ordinäre Aniston keine zwei Worte nacheinander ohne deutliche Sexanspielung verliert, der Film aber erstmal fast jeder Figur »pussy« und »dick« und »boobs« in den Mund legt, dann verpufft die Schlampenwirkung, genauso wie der sexistische Farrell mit seinen dumpf-doofen Vorurteilen nicht bloß genug gestellt wird, wenn dann vor allem von Sudeikis immer wieder ganz arg biedere »bäh, gay… Straight ftw!«-Momente bemüht werden. Einzig zwischen dem auftrumpfenden Spacey und dem duckenden Bateman stimmt die ganze Zeit das Gleichgewicht, allein schon weil Mimikmagier Spacey den Bogen zwischen satirischer Überzeichnung und blanker Verachtenswertheit erwartungsgemäß am gekonntesten spannt und damit den hassenswertesten Boss gibt.



Statt der Bosse zieht‘s aber schnell die Unfähigkeit der Angestellten in den Vordergrund, die in der Umsetzung ihres Mordsplans mal so gar keine Talente offenbaren. Von der bissigen Arbeitsweltsatire rückt Horrible Bosses leider allzu schnell ab, Kommentare in Richtung Wirtschaftskrise, soziale Brandmarkung und die Perspektivlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt ab einem gewissen Alter (alles Gründe für die Jungs, ihre verhassten Jobs nicht einfach hinzuschmeißen) geraten entweder zu leise und kraftlos, oder aber zu laut und vulgär: der Investment Manager Kenny, Opfer der Lehman Brothers-Insolvenz und nun Handjob-for-cash-Anbieter, hat in der Unrated-Fassung einen noch längeren, aber deshalb nicht weniger unsubtilen und letztlich verschenkten Auftritt, Dales Registrierung als sexueller Triebtäter wegen des nächtlichen Urinierens auf einem menschenleeren Kinderspielplatz taugt ebenfalls nur für ein paar der laueren Gags unter der Gürtellinie.

Unfähigkeit ist nun dennoch ein bewährtes Comedymuster und so ist Horrible Bosses auch in deren Aufzeigen insgesamt noch recht amüsant; die drei Protagonsten, von denen Charlie Day irgendwann zu nerven beginnt und überhaupt keinen Unterschied zwischen zufällig zugekokst und von Natur aus hibbelig erkennen lässt, während bei Jason Bateman die Grenze verschwimmt, ob er nun seine Figur pragmatisch oder selbst einfach nur lustlos-phlegmatisch spielt, stoßen immer wieder mit hallendem Gong an die Grenzen ihrer Kompetenz, wenn sie einen Killer zu engagieren versuchen oder auf sneaking mission in den Häusern ihrer Bosse unterwegs sind. Genauso zufällig, wie sie bei ihren Bemühungen an Ergebnisse gelangen, setzen sie unbemerkt eine Kette von Ereignissen in Gang, die die Story weitertreiben und auch einige in die Länge gezogene »Lights, camera, roll film… Action, let’s improvise!«-Momente zwischen Bateman, Day und Sudeikis aus ihrem drohenden Stillstand reißen. Als Beispiel jüngeren Datums bekam diesen Strudel der sich verselbständigenden Zufälle aber Shawn Levys Date Night noch besser in Schwung gebracht.



Horrible Bosses ist leider zu sehr sein deutscher und zu wenig sein Originaltitel. Kill the Boss ist natürlich eine dieser denkbar platten und unnötigen Umenglisierungen, trifft die Sache aber bedauerlicherweise besser. Die schrecklichen Chefs kommen alle drei zu kurz, Colin Farrells Auftritt wird in der Unrated-Fassung wenigstens noch um eine längere und eigentlich unverzichtbare Szene erweitert, während Bateman, Day und Sudeikis gleich mehrere Sequenzen über ihren Pointenzenit hinaus improvisieren dürfen. Da hätte man sich doch eher noch ein bißchen mehr Platz für die Horrability Spaceys und Jennistons gewünscht, da hätte Horrible Bosses als Satire gerne noch viel weiter als gerade mal bis an die Gartentür der bitterbösen Gemeinheit gehen können. Statt die aus dem Haus zu locken steckt der Film ihr nur einen harmlosen Knallfrosch in den Briefkasten und gibt sich damit zufrieden, hinter der Fassade ein gehässiges und kaum vernehmbares Schimpfen zu hören.

Wenn Horrible Bosses sich auch nicht dahin traut, wo’s wehtut: unterhaltsam ist’s allemal. Der vielversprechendere weicht halt recht schnell dem alterprobten Humoransatz und ansonsten verlässt sich Seth Gordon bedingungslos und ohne die ganz große Inspiration auf seine Darsteller. Mit den lange Jahre TV-Comedy-erprobten Bateman (Arrested Development), Day (It’s Always Sunny in Philadelphia) und Sudeikis (Saturday Night Live) kann man grundsätzlich wenig falsch machen, irgendwie wuppen die schon mehr Gags durch’s Sieb, als drin hängen bleiben; Colin Farrell ist großartig, Jennifer Aniston dead sexy und Kevin Spacey soviel Highlight, dass neben ihm nur Schatten bleibt. Dazu Jamie Foxx als „Motherfuckah“ Jones und in einer kleineren Rolle Donald Sutherland – Horrible Bosses erfüllt wenigstens diese eine Erwartung, dass er allein seiner Stars wegen lohnt. Das nach ordentlichem Kassenerfolg mittlerweile fast sichere Sequel darf dann aber, wenn’s denn schon sein muss, ruhig ein wenig fester zubeißen.

Wertung & Fazit

Action: 1,5/5
Tempo stimmt meist, gegen Ende ein bißchen „klassische” Action.
Spannung: 1/5
Mehr als einmal in seinen Konsequenzen vorhersehbar, aber Horrible Bosses ist schließlich kein Thriller und drum ist das nicht so schlimm.
Anspruch: 0,5/5
Verteilt ein paar wenige Seitenhiebe subtiler Natur in Richtung des Haifischbeckens Arbeitsmarkt, ansonsten überzeichnet und laut.
Humor: 2,5/5
Mehr von den Bossen hätte wohl automatisch mehr Punkte bedeutet, für den Film insgesamt, wie auch speziell in dieser Kategorie.
Darsteller: 4/5
Die großen Namen zahlen sich aus: Spacey, Farrell und Aniston sind das erwartete (und leider zu kurze) Highlight, während Bateman, Day und Sudeikis standadisiertere, aber immer noch gute (Impro-)Comedyperformances bieten.
Regie: 2,5/5
Seth Gordon macht nicht mehr, als die meisten Comedy-Regisseure, wenn sie einen solchen Cast vor die Kamera gestellt bekommen: einfach draufhalten.
Fazit: 6/10
Bei aller Gemeinheit: auf einen der Spitzenplätze der 2011er Komödien schaffen es die schrecklichen Chefs nicht, dafür hält Horrible Bosses nicht lange und auch nicht stark genug an der Idee fest, eine richtig böse Satire sein zu wollen.

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Kommentare

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  • Whoknows 352 Kommentar(e)

    Allein schon die nymphomane Chefin dürfte einen Blick wert sein. Und sonst wechseln wir zum kleinen Klassiker “Nine to Five” aus dem Jahre 1980. Dort will man den Chef auch umbringen. 🙂

    • ChristiansFoyer 1462 Kommentar(e)

      Ohhh ja, die nymphomane Chefin ist einen Blick wert. Und dann noch einen und noch einen und… ähem… äh, ja, “Nine to Five” kann man sich auch mal ansehen…

  • donpozuelo 198 Kommentar(e)

    Ich fand den nicht schlecht. Allerdings bleibt nicht wirklich viel von dem Film in Erinnerung. Nach fünf Minuten hat man selbst die besten Szenen schon wieder vergessen. Trotzdem irgendwie ganz okay (das ist die Meinung nach der ersten Sichtung… 😉 )

    • ChristiansFoyer 1462 Kommentar(e)

      Joa joa, dat passt schon. Ich glaube, das der hier bei mir durchaus mit ‘na besseren Wertung hätte rausgehen können, wenn mir nicht in letzter Zeit so viele Komödien so deutlich besser gefallen hätten (“Your Highness”, “Bridesmaids”, “Bad Teacher”…). Aber ok is “Horrible Bosses” allemal.

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