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Review: COLOMBIANA

Von Flynn Hardy vor 4 Jahren geschrieben01 / 2012Kritiken3 Kommentare
COLOMBIANA Filmkritik

COLOMBIANA Filmkritik
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Der französische 1990er Action-Thriller Nikita, dessen US-Remake Point of No Return mit Bridget Fonda, die kanadische Serienversion La Femme Nikita mit Peta Wilson, zwei Hongkong-Remakes und eine neuerliche Fernsehadaption mit Maggie Q – Luc Bessons Bild der abgerichteten Killerin hat sich weit verbreitet. Überhaupt der Cinema du look-Regisseur/Produzent aus Paris: Besson hat so einiges für die zum Sub Genre gereiften female assassins bewegt, nach Nikita Anne Parillaud schuf er mit der 12jährigen Natalie Portman und ihrer Mathilda in Léon das role model der lolitären und moralisch diskussionswürdigen Teenage-Killerin, das sich unter anderem mit dem Hit-Girl aus Kick-Ass oder jüngst der von Saoirse Ronan gespielten Hanna weiter etablierte. Mit Colombiana greift Besson in Produzenten- und Co-Autoren-Funktion erneut auf die Motive einer weiblichen Attentäterin zurück, sein lange gehegter Wunsch nach einem Léon-Sequel katalysiert der unter der Regie von Olivier Megaton entstandene Film in einer quasi parallelweltigen SpinOff-Fortsetzung der Story um Mathilda. Colombiana ist dabei allerdings weit entfernt von der Klasse des Besson-Meisterwerks und stattdessen das typische Produzentenkino des 52jährigen à la Taken oder From Paris with Love: viel Style, wenig Substance.

Story

Kolumbien: im Kindesalter muss Cataleya mit ansehen, wie Marcos, der Handlanger des drug lords Don Luis, ihre Eltern tötet. Zuvor händigt ihr Vater ihr noch einen Gegenstand aus, den er vor Don Luis zurückgehalten hat. Cataleya flüchtet in die USA und kommt bei ihrem Onkel Emilio in Chicago unter, von dem sich das junge Mädchen zur Killerin ausbilden lassen will. Fünfzehn Jahre später: mit eiskalter Präzision und geschärften Fähigkeiten arbeitet Cataleya als Auftragsmörderin für Emilio, beginnt jedoch ihren eigenen Feldzug gegen Don Luis, der mittlerweile unter dem Schutz der CIA ebenfalls in den USA weilt. Eine Reihe von über zwanzig Attentaten, bei denen sie die Silhouette einer Cattleya-Orchidee auf der Brust ihrer Opfer hinterlässt, soll Don Luis aus seinem Versteck locken – macht aber auch das FBI auf Cataleya aufmerksam…

Der Film



Sicher lohnt sich kein großer Vergleich zwischen Léon und Colombiana, da ähnelt sich zwar einiges an Grundzutat, letztlich ist’s im Fortlauf aber nur die Variante einer weitergeführten Idee der möglichen Zukunft eines Mathilda-background-alikes, namentlich Cataleya aus Kolumbien. Davon ab erreicht Colombiana in keinem Bereich die Güte Léons, versucht sich aber auch gar nicht erst an dessen Stimmungsdichte. Olivier Megaton badet in satten Bildern, toughen Actionszenen und der Inszenierung seiner sexy Heldin Zoë Saldaña; das ist wuchtig und rasant und ganz sicher auch ordentlich unterhaltsam, aber bar jeden emotionalen Kerns, voller logischer Hinkebeine und überflüssigem Drumdrans. Der Hochglanzlook und die Schnittfrequenz, mit der in den Anfangsszenen Kolumbien vorgeführt wird, erinnern an Tony Scott’sche zack-wooshh-wuummm-zack-Ästhetik und natürlich gibt’s kein differenziertes Bild von Kolumbianern, sondern eines, dass sich an genügend Klischees ausrichtet, um die Bösen gar nicht lange etablieren zu müssen: Kolumbianer halt. Drogen und so. Bärte und finstere Blicke. Böse. Reicht.

Megaton, dessen Wahl seines wenig subtilen Künstlernamen übrigens der genau zwanzig Jahre vor seiner Geburt stattgefundene Atombombenabwurf auf Hiroshima beeinflusste, findet allerdings hin und wieder auch zur Ausdrucksstärke durch Reduktion: die Ermordung der Eltern findet nicht frontal on screen statt, sondern im erstarrten Gesicht und den tränengefüllten Augen der jungen Cataleya, gut gespielt von der 13jährigen Spielfilmdebütantin Amandla Stenberg. Dass es Megaton, Besson und Mit-Autor Robert Mark Kamen aber nicht auf die mehrgründige Auslotung des Seelenlebens eines traumatisierten Mädchens abgesehen haben wird schnell deutlich, wenn Cataleya sich als keineswegs wehrlos und vor Schock handlungsgelähmt zeigt, sondern schon in diesen jungen Jahren abgebrüht die bad guys narrt und sogar deren Parcour-kundigen Schergen über den Dächern Kolumbiens voraus ist. Da wird aus dem Film bald das, wonach er aussieht: Colombiana wirkt, als betrachte man schnellen Blickes die Panels eines Comics, Megaton betreibt keinen wirklichen Szenenaufbau, er lässt Bilder mit schnellen Orts- und Begebenheitswechsel die Eindrücke über Personen und Handlung erwecken, die Sprechblasen über den Köpfen der Figuren kann man sich beinahe dazu denken.



Nachdem Cataleya in den hotten Body Zoë Saldañas gewachsen ist macht sich ein weiterer Einfluss bemerkbar, nämlich der von Videospielen. Als Second unit director war Megaton an der Produktion der Verfilmung des Attentäter-Games Hitman beteiligt und der Stealth-Serie um Klon-Killer Agent 47 kommen Colombiana und Cataleya in ihrer „Spielmechanik“ tatsächlich um einiges näher, als die Xavier Gens-Adaption. Verkleiden, verbergen, Kameras umgehen, geheime Wege nutzen, unbemerkt zuschlagen, Beweise vernichten und den Mord so komponieren, dass er auf reichlich falsche Fährten lockt – Cataleya und 47 scheinen die selben Lehrbücher studiert zu haben. Im Gegensatz zum anzugtragenden Glatzkopf mit dem Strichcode im Nacken bietet Colombiana aber natürlich das optisch reizvollere Paket, wobei auch dieser Aspekt sich deutlich vor irgendeine ernstzunehmende (oder –gemeinte) Trauma-, Milieu- oder Selbstjustizstudie schiebt. Die verschlagene Killerin wird umfänglichst fetischisiert, in knallenge Bodysuits mit Nippelvorstand gesteckt, macht sich ständig nackig, bekommt Knackpo und Beine attraktionär ins Bild gerückt und wird von allen Seiten zum Begaffungsobjekt.

Mit einer Plotentwicklung andererseits hat es sich mit dem Auftritt Saldañas; der Gegenstand, um den es Don Luis anfangs geht und wegen dem er immerhin Cataleyas Eltern töten lässt kommt überhaupt nicht mehr ins Spiel und ansonsten geht Colombiana einfach nur straight darauf zu, dass es am Ende zur Konfrontation kommen wird. Die kaum nennenswerten Nebenhandlungen um den ermittelnden FBI-Mann Ross und Cataleyas Sexbeziehung zu dem Maler Danny werden über schlimm konstruierte Zufälle vorwärts gebracht (ein Putzmann hilft dem FBI-Agenten mit dem Orchideen-Symbol auf die Sprünge, Dannys Kumpel stellt etwas nicht so schlaues mit einem Handyschnappschuss der schlafenden Cataleya an,…) und auch der ganze Racheplan der sonst so kalkulierten Killerin hat wenig Sinn und Verstand und an einem bestimmten Punkt, an dem sie ihn denn dann endlich einschlägt, springt einem der von Anfang an viel effektivere Weg zur Auffindung des bösen Don Luis ätschbät’schend ins Gesicht. Saldaña selbst hingegen macht ihre Sache ausgesprochen gut, gelegentliche Heulkrämpfe sind zwar kein Ersatz für Charakterentwicklung, aber neben reichlich Reizen ist sie in der Rolle der seelenpeingeplagten Killerin schon überzeugend und wirkt auch an großkalibrigen Wummen weniger zierlich und verloren, als es auf dem Filmposter ausschaut. Bei manch etwas übertriebenem Mimikeinsatz scheint sie wohl noch die Motion Capture-Aufnahmen zu James Camerons Avatar zu sehr verinnerlicht zu haben, trotzdem ist Colombiana ganz klar Saldañas Show.



Diese Show steigert sich nach den vorigen sneak kills und Heimlichmanövern am Ende leider zu einer wüsten Ballerorgie, womit Cataleya zwar die Erwartungen ihrer Feinde durchkreuzt, leider aber auch jeden (außer den optischen) Reiz verliert. Aus Colombiana wird Commando und aus Saldaña eine Schwarzeneggerbourne, die, statt nochmal ein paar Highlights auf leisen Sohlen zu setzen, einfach alles wegmäht und DEN Schurken des Films damit zu eher unspektakulären Toden „verhilft“, besonders bei Don Luis ist’s nicht nur erwartbar, sondern wiederum von einem furchtbar konstruierten Zufall bestimmt. Trotzdessen und auch einiger grottendoofer Szenen zwischendurch: ohne viel Aufwand in der Oberstube ist Colombiana schon ein ganz ordentlich wegguckbarer Action-Thriller, der seine Thematik weniger fragwürdig, sondern in teils reichlich überhöhter Schlichtheit, stark stilisiert und ohne Realitätsanker formuliert und der letztlich von einigen Highlightszenen und der ansprechenden Performance Zoë Saldañas profitiert.

Wertung & Fazit

Action: 3/5
Wird am Ende viel zu laut und viel zu willkürlich und viel zu „alles schonmal gesehen”. Macht den besten Eindruck, wenn die Heldin aus dem Schatten und der Deckung agiert.
Spannung: 1,5/5
Ziemlich gerade von Punkt A nach Punkt B inszeniert, twistet und wendet nicht und bemüht ein paar Zufälle zu viel.
Anspruch: 0/5
No.
Humor: 0,5/5
Die überraschend abgebrühte Mini-Cataleya sorgt am Anfang für ein, zwei Lacher. Das war’s.
Darsteller: 3/5
Neben der Orchidee wächst nicht viel: die Bösen sind kaum präsent, Cliff Curtis (wie meist) wird verschenkt. Dafür ist Zoë Saldañas one woman show eine sehenswerte.
Regie: 2/5
Wie Pierre Morel ist auch Olivier Megaton nicht viel mehr, als ein Erfüllungsgehilfe des typischen Besson-Produzentenvehikels und seines Cinema du look.
Fazit: 5/10
Der besssere Hit(wo)man, der schlechtere Léon und insgesamt ein durchschnittlicher Film. Durchgestylt von Zopf- bis Fußspitze, mit einigen starken und manchen richtig blöden Szenen und sexy Zoë Saldaña. Oh, und Johnny Cashs Hurt im Abspann, das muss ja auch ‘n Punkt wert sein.

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Kommentare

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  • Dos Corazones 352 Kommentar(e)

    Muss nicht sein. Da will ich lieber mal ohne Werbeunterbrechung Léon gucken.

    • ChristiansFoyer 1462 Kommentar(e)

      Gute Alternative 😉

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