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Autor: am 07.02.2012, um 16:09 Uhr | Kategorie: Classic | 2 Kommentare

Classic: CONAN DER ZERSTÖRER

CONAN DER ZERSTÖRER Filmkritik
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Dass die Abenteuer von Conan dem Barbaren ihre filmische Fortsetzung finden würden war eigentlich bereits klar, bevor John Milius‘ archaischer Fantasystreifen zu einem ordentlichen Hit und unüberhörbarem Startschuss für die Karriere seines Stars Arnold Schwarzenegger wurde. Schon die letzte Szene vor dem Abspann deutete den Willen zur Fortschreibung der Legende des schweigsamen Cimmeriers an und schließlich stehen über 50 Romane an Quellmaterial zur Verfügung, sowohl aus der Feder des Erfinders Robert E. Howard, wie auch Weiterführungen anderer Autoren. Im Stile eines James Bond sollte der martialische Barbar gar alle zwei Jahre schädelspaltend durch Hyboria ziehen, letztlich kam es aber nicht einmal mehr zur Vollendung der mindestens geplanten Trilogie, die Milius unter dem Titel King Conan bereits in der Schublade hatte und die 1987 unter dem Titel Conan the Conqueror entstehen sollte. Doch es war Richard Fleischer vorbehalten, den 1982er Erfolg zwei Jahre später nur einmalig fortzuführen. Unter der Regie des studierten Psychologen und Oscar-Preisträgers geriet Conan der Zerstörer zu etwas völlig anderem, als es Milius (der sich dazu bekennt, dass er lieber General als Regisseur geworden wäre) zuvor eingeführt hatte.

Story

Die hinterhältige Königin Taramis narrt den mächtigen Krieger Conan, indem sie ihm die Erfüllung seines sehnsüchtigsten Begehrens verspricht: seine gefalle Liebe Valeria zu neuem Leben zu erwecken. Dafür soll Conan zunächst die Nichte Taramis‘, die jungfräuliche Prinzessin Jehnna, zur Erfüllung einer alten Vorhersehung begleiten, an deren Ende ein mit Juwelen besetztes Horn zur Wiedererweckung des Gottes Dagoth steht. Gemeinsam mit der Prinzessin, dem tollpatschigen Dieb Malak, dem Zauberer Akiro, der Amazone Zula und Jehnnas hünenhaftem Leibwächter Bombaata begibt sich Conan auf eine gefährliche Reise, die allerlei Mysterien, Bedrohungen und Gegner bereit hält…

Der Film

Der Unterschied zwischen Conan der Barbar und Conan der Zerstörer ist in etwa so gravierend, wie jener zwischen Tim Burtons und Joel Schumachers Batman-Filmen. Das fängt schon beim musikalischen Hauptthema an: das wiederum von Basil Poledouris komponierte Stück ist nicht weniger waffentreibend als sein brachiales Anvil of Crom aus dem Vorgänger, bei beiden möchte man zur Streitaxt greifen und an Conans Seite kämpfen, allerdings tragen die Klänge in der Fortsetzung einen viel deftigeren Heldenethos vor sich her, während in Anvil of Crom die rohe Bedrohung, Wut, Stärke und auch die Tragik Conans mitschwangen. Überhaupt, „roh“ ist das Stichwort. Die im ersten Teil so raue, dreckige, obsessive Vorzeitwelt ist in Conan der Zerstörer eine andere, keine unbedingt durch den Farbtopf gezogen bunte, aber eine an den Kanten runder geschliffene, weniger aus den Feuern des Stahls gehobene. So hat dann auch der weiterhin ideal besetzte Hauptdarsteller Schwarzenegger zwischen den Filmen nochmals die Muckis weiter aufgepumpt, wirkt nun aber nicht mehr so sehr durch harte Sklavenarbeit und Gladiatorenkämpfe geformt, sondern halt gezielt durch’s Gym um die Ecke.



Conan der Zerstörer steht in seiner ganzen Machart, in der leicht weichgezeichneten Optik, den holprig geschnittenen Kampfszenen, der per Nebensatz formulierten und auf kruden Wegen beschrittenen Story usw. viel näher an den mannigfaltigen Ergüssen des italienischen Peplum-(oder Sword-and-Sandal-)Genres und damit in der Tradition von Filmserien wie Hercules (1957–1965; u.a. mit Steve Reeves), Ursus (1961–1964) oder Maciste (1960–1965), als dass er sich an den Values seines Vorgängers orientiert. Wo der sich selbst nicht wirklich wichtig, aber doch verflucht ernst nahm ist Conan der Zerstörer ein selbstironisches Trashfest, dem dieser Anstrich (und das im Gegensatz zu dem weiter oben gezogenen Batman-Vergleich) aber insgesamt ebenfalls ganz gut steht. Vielleicht ist Conan der Zerstörer mit seinen Monstren und Mutationen sogar der Film geworden, der sein Vorgänger nach dem ersten Drehbuchentwurf Oliver Stones bereits hätte werden können, wenn man aus dem nicht die reinen Fantasy-Elemente umfänglich rausreduziert hätte.

Hexen, Riesenschlangen, Geistern und okkulten Schlangenkultlern begegnet man zwar auch nicht oft beim Einkaufsbummel, aber diesmal tritt Conan gegen einiges mehr an fantastischem Kreaturentum an: ein Magier, der sich in einen Vogel aus Dunst und in seinem Spiegelkabinett in einen klingenimmunen Affenmann verwandeln kann, dazu ein waschechter Gott, aus dem ein schleimiges und einhörniges Vaginavisagenmonstrum wird – das sind schon Kaliber! Allerdings von genau solch lächerlicher Statur und Erscheinung, wie sich das anhört. Das Viechzeug, dass dem gnadenlosen Barbaren da ungelenken Schrittes vor’s Breitschwert getorkelt kommt ist nicht bloß in seinen Schwachpunkten dramaturgisch denkbar ungünstig positioniert und designt, auch scheint beim Affenmann das MakeUp-Department nicht fertig geworden zu sein und die Jungs und Mädels aus der Sound Effect-Abteilung hatten ebenfalls nur Zeit für zwei jaulende Töne. Aaaaber der Funfaktor dieser Billigbestien schraubt sich natürlich umso höher, je blöder dat aussieht, wie sie Big Arnie da mit wurschteligen Wrestling Moves bearbeiten und der sein gequältestes »I’m acting!«-Gesicht aufsetzt. Wenn man das findet, wie es ist, nämlich scheiße, dann bitte – aber es ist immerhin scheiße mit stolz geschwollener Männerbrust.



Im Ton komplett different zum Vorgänger zu sein macht Conan der Zerstörer also nicht per se zum schlechteren Film, dafür sorgen andere Dinge. Conan selbst fehlt im Sequel einfach das starke Motiv, das ihn in Conan der Barbar unaufhaltsam vorantrieb. Da mag die böse Königin Taramis zwar versprechen, dass sie seine Valeria wieder zum Leben erweckt, aber bereits nach ein paar Minuten hat der Zuschauer jenen Wissensvorsprung, der klar macht, dass es dazu eh nicht kommen wird. Ein so auf Handlung und Tat und unbeirrten Weg ausgerichteter Charakter wie Conan benötigt aber einen entsprechend starken Antrieb hinter sich und diesen Schub baut Conan der Zerstörer nie auf. Die Story um die schicksalsbestimmte Jehnna ist viel zu uuuaaaahhhääähhhh und in ihren Stationen viel zu austauschbar, um dem eigenwilligen Krieger zu genügen. Zumal sich das von Olivia d’Abo gespielte Püppchen vom Hofe 1984 einen brutalen Quäkenbattle um die Nervkrone mit Kate Capshaw und ihrer dauerkreischenden Willie aus Indiana Jones und der Tempel des Todes lieferte und ihre Rettung drum eher etwas ist, das man anstelle des Barbaren auch einfach mal hätte bleiben lassen können…

Ein weiteres Problem schafft sich Conan der Zerstörer, indem er seine wichtigste Station, nämlich den Eispalast des Zauberers Toth-Amon und den darin verborgenen (bzw. so dastehenden) magischen Diamanten bereits nach der Hälfte hinter sich hat und der Film dann sein Tempo drastisch runterfährt. Statt knackigem rom-bom-bom-bom-bom-bom-ra-bom-bom-bom gibt’s Laufzeitstrecker wie den Dr. Sommer-Talk zwischen der jungfräulichen Prinzessin und dem Trottel der Gruppe, dem Dampfquasseler Malak. Auch das Rumschlawenzeln Jehnnas um den mächtigen Conan und ihr »How do you attract a man?«-Gefasel mit der Ebenholz-Amazone Zula beißt sich dann doch arg hart mit dem wenig betulichen Klotten-runter-und-los-geht-der-Bumms des Vorgängers. Mindestens gleichwertig ist hingegen die Präsentation weitläufiger Schauwerte. Mexico ersetzt Spanien als Hintergrund des Spektakels, starre Panormanen werden mit uralten Statuen oder einem riesigen Mammutskelett aufgepeppt. Auch die Effekte müssen sich fast 30 Jahre nach Erscheinen nicht verstecken, in Zeiten vor CGI war Einfallsreichtum gefragt und den besitzt Conan der Zerstörer bei aller teilweisen Albernheit und Lächerlichkeit in der Ausführung.



Conan ohne Arnold Schwarzenegger wäre nicht denkbar gewesen, und wer wenn nicht der Österreicher sollte es sein, der Conan der Zerstörer aller Mängel zum Trotz an sich reißt und die Show bestimmt, anders zwar als im ersten Teil, aber mit der ihm gegebenen Präsenz und Unverwechselbarkeit. Abgesehen von Big Arnie und der ganz schnuckeligen, aber wahrlich nicht zu Unrecht mit der Goldenen Himbeere als schlechtester neuer Star bedachten Olivia d’Abo, versammelt Conan der Zerstörer einen illustren Cast: NBA-Legende Wilt Chamberlain als heimtückischer Riese Bombaata, Extravaganz Grace Jones als kampfstaberprobte Zula, Auftragsschurke Pat Roach (u.a. in den ersten drei Indiana Jones-Filmen zu sehen), der den Affenmonstermagier gibt, dazu die Rückkehrer Mako als Narrator und Zauberer Akiro und Hüne Sven-Ole Thorsen (hier in einer anderen Rolle als im Vorgänger). Wohin es indes Conans treuen und mutigen Gefährten Subotai zwischen den Filmen verschlagen hat bleibt ungeklärt, er wird aus dem Nichts durch den diebischen Feigling und Sprücheklopfer Tracey Walter als Malak ersetzt, ein viel typischerer comic relief-Sidekick, der ein bißchen den frühen Bill Murray doubelt, sein Nervpotenzial aber zum Glück nicht ausreizt, im Gegenteil, der klopft sogar ganz witzige Sprüche. »My brothers sisters cousin never said anything about bars.« Klassisch.

Wertung & Fazit

Action: 2,5/5
Spannung: 0,5/5
Anspruch: 0/5
Humor: 2/5
Darsteller: 3,5/5
Regie: 3/5
Fazit: 6/10
Low Fantasy-Trash bester Marke. Dem Vorgänger damit nicht im Ansatz ebenbürtig, aber trotz tempoarmer zweiter Hälfte unter den richtigen Vorraussetzungen schwer unterhaltsam – und wenn’s nur der reichlichen unfreiwilligen Komik wegen ist.

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  • Ich fand den auch schwächer als den ersten Teil. Habe den Film aber bis jetzt auch erst einmal gesehen. Und ich weiß nicht: Ich kann einfach nicht Grace Jones sehen. Bei der weiß man immer nicht, ob sie Mann oder Frau sein möchte. Da hätte man Conan schon etwas weiblicheres an die Seite geben können ;)

    • Ich hab den hier sogar öfter gesehen als den ersten. Ist zwar der schwächere Film, aber auch der besser als doof-unterhaltsamer Zwischendurchsnack geeignete. Und egal, wen man an Arnies Seite gestellt hätte: sein Busen wäre trotzdem der größte des Films ;P