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Autor: am 29.03.2012, um 09:05 Uhr | Kategorie: Kritiken | 5 Kommentare

Review: ZORN DER TITANEN (OT: Wrath of the Titans)

ZORN DER TITANEN (OT: Wrath of the Titans) Filmkritik
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Leicht hatte er es nicht, der 2010 ausgetragene Kampf der Titanen. Machte der Mythen, Monstren, Mutationen-Mix im mit Schrammelrock unterlegten Trailer noch Bock auf ein launiges Spektakel, wurde der Film im Ganzen mindestens zur Enttäuschung, vielfach aber eher zur Frontalkatastrophe erklärt, zu einem der am tiefsten in den Sarg des Blockbusterkinos getriebenen Nägel. Doofe Story, flache Charaktere, lächerliche Dialoge und außer ordentlich Effektzinnober nix geboten – joa, das stimmt so sogar alles und das weiß der Film auch selbst ganz genau. Da laufen Edelmimen wie Liam Neeson und Ralph Fiennes in göttlich-kitschiger Montur durch einen Weichzeichnerolymp, da geben Charakterköpfe wie Jason Flemyng und Mads Mikkelsen knurrige Kerle zum Besten, eine bunte Ansammlung fieser Monstren wird auf dem Weg zum Ziel (wie könnte es anders sein: der Rettung einer Prinzessin in Nöten) weggeschlachtet und Nebenfiguren dabei ohne pseudodramatisches Getue einfach aus dem Weg getan. Und jeder hat Spaß an dem angenehm kantigen Vergnügen – nur Filmfans und –kritker sehen’s mehrheitlich anders und trauern gar dem Original von 1981 hinterher, das heutzutage natürlich mit seinen Stop-Motion-Effekten in nostalgischer Verklärung putzig und charmant ausschaut, aber kein bißchen weniger doof ist. Kampf der Titanen wurde also verrissen und so rechtfertigt sich das früh beschlossene Sequel nicht am Zuspruch und wohl auch nicht zwingend am Wiedergutmachungsdrang der Beteiligten, sondern an den fast 500 trotzdem eingespielten Millionen. Doch siehe da: Zorn der Titanen nun bietet ausgefeilte Charaktere, eine innovative Story und echtes, emotionales und tiefgreifendes Drama… NAAAAAY, tut er selbstverständlich nicht! Der ist genauso ein Schund wie sein Vorgänger. Nur macht das willkürliche griechisch-göttliche Gebashe diesmal ein bißchen weniger Spaß.

Story

Eine Dekade, nachdem er den mächtigen Kraken besiegen und den Gott Hades zurück in die Unterwelt verbannen konnte: Halbgott Perseus hat sich von den Schlachtfeldern Griechenlands zurückgezogen und lebt nach dem Tod seiner Frau Io mit seinem Sohn Helius ein einfaches Fischerleben. Doch sein Vater Zeus wendet sich flehentlich an Perseus. Die Menschen beten längst nicht mehr zu den Göttern und von diesen sind nur noch wenige übrig, durch den fehlenden Glauben und die Zuwendung ihrer Schöpfung droht ihnen die Sterblichkeit. Perseus soll sich wappnen für die Ereignisse, die der Welt drohen, sobald der durch die Macht der Götter gefangen gehaltene Zorn der Titanen über die Welt hereinbricht. Und dazu kommt es schneller, als Zeus ahnen konnte. Sein Bruder Hades und sein Sohn Ares, der aufbrausende Gott des Krieges, wenden sich gegen ihn und nehmen ihn in der Unterwelt gefangen, wo Zeus‘ Kräfte Kronos nähren sollen, der einst die Welt und die Götter schuf. Perseus muss sein Schicksal als Halbgott endgültig annehmen und einer verzweifelten Streitmacht um Königin Andromeda beistehen, die sich dem erwachenden Titanen und seinen finsteren Geschöpfen der Unterwelt entgegenstellt…

Der Film



Eine typische Masche erster Sequels ist’s ja, dass alles ein paar Nuancen düsterer, gritty’er, edgy’er wird; da können erste Teile noch harmlose Fun-Filmchen sein, in der Fortsetzung geht’s dem Spaß plötzlich festen Griffes an die Eier, so zum Beispiel bei Pirates of the Caribbean und dessen zweitem Teil zu beobachten. Zorn der Titanen handhabt das ebenfalls auf diese Art, zwar werden hier viel häufiger waschechte Oneliner rausgehauen und ein paar Figuren zu puren anachronistischen comic reliefs, die Gesamtstimmung des Films ist aber eine ganz andere. War Kampf der Titanen eine grüne Wiese, über die schwertschwingend und bogenschießend getollt wurde, ist Zorn der Titanen nun ein verdorrtes Feld, alles wirkt grimmiger und die soap opera’esquen Götterkonflikte werden in lottrigem Gewand statt glänzender Rüstung und auf steinernem Boden statt den Hallen des Olymp ausgetragen. Jene Konflikte werden über mehrere Ebenen komplizierter Vater/Sohn-Beziehungen formuliert, die vom Übervater und Erschaffer Kronos bis hin zu Perseus‘ Spross Helius herunter reichen und um die der Film nicht mit den großen Gesten des ersten Teils herumlamentiert, sondern die er diesmal feingliedriger auszuspinnen versucht mit all den Findungs- und Vergebungsprozessen, die Väter und Söhne und Brüder hier durchlaufen – und leider verliert Zorn der Titanen dabei den Spaß zu oft aus den Augen, der sich daraus ergeben sollte, dass das alles viel zu bescheuert ist, um so ernst zu tun.

Nach ein paar gelungen-selbstironischen Momenten zu Anfang, etwa dem gefeierten Kraken-Bezwinger Perseus, der sich nach einem Ritt auf dem geflügelten Pferd Pegasus erstmal ordentlich die unbequeme Haltung aus dem Rücken strecken muss, gibt Zorn der Titanen jeden Anflug eines Zwinkerns auf, kneift wie sein Held die Augen zusammen und marschiert grimmigen Blickes von einem Story-Eckpfeiler zum nächsten, was wie im ersten Teil mehr der Architektur eines Videospiels gleichkommt, statt etwas mit sinnvoller Erzählung zu tun zu haben. Jonathan Liebesmans Sequel fehlen am Ende locker zwanzig Szenen, um einige Handlungsschritte nachvollziehbarer und halbwegs sinniger aneinander zu ketten, und um trotzdem die neunzig Minuten-Grenze zu knacken bläht er seine Action Pieces auf teils unvorteilhafte Länge. Der Kampf der Titanen leitete seine Fights mit Riesenskorpionen, missgestalteten Kriegern und sonstigem Gesockse nicht eben geschickter ab, dosierte die Scharmützel aber besser. Schon der erste größere Kampf zwischen Perseus und einer doppelköpfigen und schlangenschwänzigen Chimäre geht länger als er muss, ohne wirklich was zu bieten. Regelrecht langweilig wird’s, wenn der Halbgott und seine Begleiterschar später auf dem Weg in die Unterwelt das Labyrinth des Daedalus durchstreifen. Sich verschiebende Steinwände, ein ziemlich lascher Minotaurus, noch mehr Steinwände – da fehlen Reiz und Schauwert, um so eine Sequenz derart in die Länge zu drücken.



Trotz des sehr sauberen 3D-Effekts (im Gegensatz zum Vorgänger diesmal nicht miserabel nachkonvertiert) leidet Zorn der Titanen außerdem unter teils übel verschnittenen Action- und Kampfszenen, die zudem auf die niedrigst mögliche Altersfreigabe getrimmt sind und flächendeckende Metzeleien genau wie intime Mann-gegen-Mann-Duelle entweder in Totalen nur so vorbeirasen lassen, oder close ups wählen, um Explizität zu vermeiden. Die hätte dem Tenor aber nicht eben geschadet, schließlich fräsen sich hier die Horden der Unterwelt durch Soldatenleiber und schließlich ist hier mit Ares der Kriegsgott am Werk. Und auch wenn Griechen und Götter nicht wie geleckt aus den Aueinandersetzungen hervorgehen, so hätt’s doch ein wenig mehr Mut zum zünftigen Blutrausch sein dürfen, ohne gleich aus dem Rahmen des PG13-, bzw. FSK12-möglichen zu fallen. Wenngleich zahmer, so geht das Sequel doch noch rücksichtsloser mit jenen Figuren um, die da irgendwann mal um oder hinter Perseus ins Bild rücken, die bekommen nichtmal mehr eine markante Visage, sondern verschwinden einfach nach und nach, ohne auch nur einen Meter vom Acker des Nutzens umgepflügt zu haben. Auf dem betätigen sich neben Perseus höchstens Königin Andromeda und mit Poseidons Nachwuchs Agenor ein zweiter Halbgott. Erstere wird nach der hilflosen Opferrolle aus dem ersten Teil nun wehrhafter, aber nicht wirklich prägnanter von Rosamund Pike statt Alexa Davalos gespielt, letzteren gibt Toby Kebbell als RocknRolla unter den Mythen-Griechen.

Held Perseus indes hat sich von seinen Konflikten von vor zehn Jahren größtenteils verabschiedet, die Rache an Hades scheint vergessen und das hin- und hergerissene zwischen Mensch und Gott spielt in mehrerlei Hinsicht keine große Rolle mehr: zum einen hat der erste Teil das Thema deutlich überreizt, denn während Perseus haderte, verreckten um ihn seine Gefährten, in Zorn der Titanen kämpft er nun vor allem für seinen Sohn und akzeptiert die Halbgöttlichkeit. Zum anderen scheint die Vaterschaft ihn gegenüber seinem eigenen Papa milder gestimmt zu haben, weniger widerspenstig setzt er sich nun auch für den geschundenen Zeus ein und nutzt, was er ist, statt es zu unterdrücken. Das Perseus dennoch regelmäßig erstmal selbst ordentlich auf die Omme kriegt und dann eigentlich immer nur die eine, entscheidene Aktion setzt, lässt seine angeblichen Kräfte allerdings ohnehin überwiegend im Ansatz stecken, er dominiert niemanden und nichts und ist im Grunde weniger Held, als er sein sollte. Besonders der Endkampf gegen Kronos bietet in diesem Fall kaum Verbesserung zu jenem gegen den Kraken. Da kommen Geschöpfe von leinwanderbebender Urgewalt an und dann reicht halt eine Aktion. Schwach. Schauspielerisch holt Sam Worthlessington nicht mehr aus der Figur heraus als zuvor, wirkt aber nicht ganz so arg blass. Mag dran liegen, dass ihm die längeren Haare ganz gut stehen.



Zorn der Titanen ist einen dreizackbreit schwächer als sein Vorgänger, weshalb allen, die den schon nicht mochten, eine Sichtung mit Augenbinde statt 3D-Brille und Ohrenstöpseln zu empfehlen ist. Der Film ist um eine Handlungsdramaturgie sichtlich bemühter, scheitert aber letztlich mehr an deren versuchter Existenz, anstatt wie der erste Teil zu deren Fehlen zu stehen und damit insgesamt besser zu unterhalten. Bildsprachlich wird sich massig bei naheliegenden Vorbildern wie Lord of the Rings, 300, Harry Potter, 2012 und so weiter bedient, eine gewisse Autonomie fehlt Zorn der Titanen somit selbst in den Momenten überwältigendster Schauwerte, dieses generische Nachstellen denkwürdiger Motive des Genre-Kollegiums raubt gar dem an sich beeindruckenden Kronos die Wucht seiner lavaumwehten Erscheinung. Nicht nur vom Olymp, sondern vom genüsslichen over acting hinabgestiegen präsentieren sich Liam Neeson und Ralph Fiennes, die ihre schwächelnden Götter Zeus und Hades angemessen irdisch anlegen und die Tragik der Brüder beinahe über den eindimensionalen Umgang des Drehbuchs hinaus gehoben bekommen. Neben den beiden legt Édgar Ramírez einen sehenswerten Ares hin, den von der Zuneigung seines Vaters Zeus zu Perseus geplagten Kriegsgott spielt er nicht bloß als gekränkten Bengel, sondern nach Jahrtausenden des Kampfes mit etwas Entrücktem, etwas Unverständigem für dieses ganze Treiben, dem er nur mit Streitkolben und Gewalt zu begegnen weiß. Das es keine gute Idee ist, den Sohn des Helden zum finalen Kampf mitzubringen, hätte er allerdings wissen können, wenn der Kriegsgott sich ein paar der gängigen Vater-Kind-thematischen Actionkracher angesehen hätte.

Wertung & Fazit

Action: 4/5
Natürlich mehr und episch aufgeblasener als im ersten Teil, aber die Setpieces sind weniger gelungen und vor allem wirkt der Film zum Teil, wie eine auf niedrigeres Rating zurechtgeschnittene Nachmittagsprogrammfassung. Kein Kompliment für Cutter Martin Walsh…
Spannung: 1,5/5
Identische Spannungskurve zum ersten Teil – also keine besonders steile und mit wenigen Ausschlägen, zumindest nicht nach oben. Im letzten Drittel gar mit Längen.
Anspruch: 0,5/5
Hier mal einer halber Gnadenpunkt, die geriechisch-göttliche Tragödie der Väter, Söhne und Brüder deutet in ihrer Konstellation zumindest an, dass da kraftvolle mythologische Konflikte hinterstecken.
Humor: 0,5/5
Der Grundton ist rauer, dafür wird mehr und nicht immer gelungen gekalauert. Als gefallener Gott Hephaestus fällt Bill Nighy (im Zwiegespräch mit einer alten Bekannten…) einfach mal für die Dauer seines Auftritts komplett aus Zeit und Epoche.
Darsteller: 3/5
Wie gesagt, es mag an den Haaren liegen: Worthington zeigt seine bisher wohl beste Action Hero-Leistung, wofür er sich allerdings kaum anstrengen muss. Der Rest vom Fest ist wie gehabt teils hochkarätig und von Neeson über Fiennes bis Nighy gern gesehen.
Regie: 2/5
Jonathan Liebesmans ergänzt seine katastrophale Filmographie nicht durch einen weiteren Tiefpunkt, bleibt den Beweis aber weiterhin schuldig, dass ihn mehr als sein Hintern für den Regiestuhl befähigt.
Fazit: 5,5/10
Take it or leave it: Zorn der Titanen entkräftigt ein paar der Argumente, die FÜR den Vorgänger sprachen, drum braucht ihn sich niemand anzusehen, der an dem schon nur rumgemeckert hat. Also entweder in Ruhe lassen, oder sich der zweiten Runde Mythen-Missbrauch einfach hingeben und weniger spaßig, aber tricktechnisch oberklassig und letztlich ordentlich unterhalten werden.

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  • [...] Filmreview bei christiansfoyer.de [...]

  • Kinovergnügen Pur. Riesen, Monster und Götter, wie man sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nie auf der Leinwand zu sehen bekam. Spannend umgesetzt und Grafisch auf höchstem Niveau. Der 3D Effekt war diesmal auch akzeptabel. Werde ihn mir auf jeden Fall noch einmal ansehen. Die Filmkritik würde ich an eurer stelle nicht beachten, vollkommen unangemessen.

  • Hallo,

    mir wurde von [url=http://whoknowspresents.blogspot.de/2012/03/funf-fragen.html]WhoKnows[/url] ein [url=http://www.filmforen.de/index.php/blog/19/entry-7452-5-fragen-oder-die-weitergabe-des-filmstoeckchens/]Filmstöckchen[/url] überreicht und ich möchte dieses hiermit gerne an Dich weitergeben.

  • ich habe letztens den vorgänger im tv gesehen und war schon nicht sonderlich begeistert. von daher werde ich das angebot mit augenbinde und ohrstöpseln wohl annehmen ;)

    • Ich hab den ersten einen Tag nach TV-Ausstrahlung nochmal auf DVD geschaut und steh voll hinter den ordentlichen 6/10, die der hier bekommen hat. Aber wie geschrieben: besser wird’s nicht, also mach du’s ruhig wie beschrieben ;)