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Autor: am 25.04.2012, um 15:43 Uhr | Kategorie: Stars im Portrait | 2 Kommentare

Stars im Portrait: SAMUEL L. JACKSON


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Portrait

Spoof Movie, Massen-Entertainment, Kult-Wegweiser, SciFi-Oper, Trashfest, Indie-Drama, Comic-Blockbuster – klingt nach bedeutend mehr, als ein einziger Schauspieler innerhalb einer einzigen Karriere zu stemmen imstande sein kann. Schauen doch die meisten in ein, zwei Richtungen und nageln sich dann fest auf das, was sie dort entdecken. Man nähme es Vin Diesel auch nicht ab, wenn der plötzlich durch schwermütige Historienschinken walzen, oder wenn Adam Sandler den grimmigen Actionhelden mit Suchtproblem geben würde. Hin und wieder kommt aber ein Star mit einer solchen speziellen Allgemeingültigkeit, dass er zu allem passt, was er sich zu tun traut, ob’s ihm nun angemessen ist oder er sich komplett daran verschwendet. Samuel L. Jackson ist so einer. So einer, dem man den weisen Jedi genau wie den Bibelverse zitierenden Auftragskiller, den knallharten Cop ebenso wie den sensiblen Liebhaber abnimmt. Was er dafür mitbringt ist gar nicht mal das große mimische Ausnahmetalent, Jackson ist nicht De Niro, nicht Spacey, die alles spielen können. Jackson ist Jackson: der coolste Motherfucker im Haus. Jacksons Ruf ist immer schon da, wo er auftaucht, er selbst mittlerweile ein Synonym für Kult. Das ist manchmal nicht ganz verhängnislos, muss man aber auch erstmal erreichen.

Dabei fing alles ganz anders an: geboren in Washington, D.C., wuchs Samuel Leroy Jackson in Chattanooga, Tennessee bei seiner Mutter und den Großeltern auf, traf seinen alkoholabhängigen Vater nur zweimal in seinem Leben, ehe die Sucht ihn dahinraffte. Das sein Sohn einmal eine weit über 100 Produktionen umfassende Filmographie aufweisen können würde war in Jacksons Jugendjahren nicht nur seiner Hautfarbe wegen nicht abzusehen; das Interesse war schlicht nicht da. Während seiner Zeit an der Riverside High School galt Jacksons Hingabe der Musik, er spielte Horn und Trompete im Schulorchester, nach seinem Abschluss besuchte er das Morehouse College in Atlanta mit dem Ziel, Meeresbiologie zu studieren. Um ein paar extra Credits zu kassieren und auf ärztliches Anraten, um seinem Stottern entgegen zu wirken, schloss Jackson sich einer Schauspielklasse an und entdeckte ein Interesse an der Schauspielerei. Allerdings unterbrach ein Zwischenfall während des Civil Rights Movements Jacksons Ambitionen. Nach der Ermordung Martin Luther King, Jr.’s nahmen Jackson und einige Mitstudenten im Jahr 1969 Mitglieder des Kuratoriums, darunter Martin Luther King, Sr., auf dem Kampus als Geiseln, um Reformen des Schulkurrikulums zu erzwingen. Zwar stimmte das Morehouse College dem letztlich zu, Jackson allerdings wurde wegen seiner kriminellen Aktivität für zwei Jahre supendiert.



Zunächst schloss sich Samuel L. Jackson der Black Power-Bewegung an, auf der Suche nach einen Weg aus der jahrelang angestauten Wut, die Rassentrennung und die gesellschaftliche ‚whites only‘-Unterdrückung ausgelöst hatten. Jackson gehörte einer radikalen und schusswaffenbereiten Fraktion an, ehe seine Mutter ihn nach einer Warnung des FBI, wonach ihr Sohn kein weiteres Jahr in Atlanta überleben würde, nach Los Angeles holte. Dort engagierte sich Jackson für soziale Bedürfnisse, ehe er zurück am Morehouse College 1972 mit dem Bachelor of Arts in Drama abschloss. Das Mitwirken in Theaterstücken, mehreren TV-Filmen und sein Spielfilmdebüt im Blaxploitation-Indie Together for Days (1972) hatten endgültig seine Schauspielleidenschaft geweckt und Jackson einen anderen Weg aufgezeigt. Nach einem Wohnortwechsel Richtung New York fand er in Morgan Freeman einen Mentor, beide waren Mitglieder der Negro Ensemble Company. Jackson spielte in den Bühnenstücken The Piano Lesson und Two Trains Running, die nach ihren Premieren am Yale Repertory Theater ohne ihn zum Broadway weiterziehen mussten: Jackson war dem Alkoholismus und der Heroinsucht verfallen. Nach seinem Auftritt in dem Stück A Soldier’s Play lernte er 1981 Spike Lee kennen, spielte kleine Rollen in dessen School Daze (1988) und Do the Right Thing (1989), arbeitete für’s Fernsehen (unter anderem drei Jahre als stand-in für Bill Cosby bei der The Cosby Show), 1989 war er in The Exorcist III und Sea of Love, 1990 in Martin Scorseses Mafia-Epos GoodFellas zu sehen.

Jacksons Drogenabhängigkeit verschlimmerte sich in dieser Zeit, nach mehreren Heroinüberdosen stieg er auf Kokain um und wurde schließlich von seiner besorgten Familie in eine Entzugsklinik eingewiesen. Es war der entscheidende Wendepunkt in Jacksons Leben und Karriere, zwei Wochen nach dem Entzug stand er für Spike Lees Jungle Fever (1991) als crackhead vor der Kamera – und wurde für seine Leistung beim Cannes Film Festival und mit weiteren Awards als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Die für Jackson kathartische Rolle leitete seinen Durchbruch ein, anschließend spielte er zunächst weitere Nebenrollen in der Komödie Strictly Business (1991), dem Ghetto-Drama Juice und Phillip Noyce‘ Polit-Thriller Patriot Games (beide 1992) mit Harrison Ford, ehe er neben Emilio Estevez in der grandiosen Lethal Weapon-Parodie National Lampoon’s Loaded Weapon 1 seine erste Hauptrolle spielte. Es folgten der bis dato erfolgreichste Film aller Zeiten, Steven Spielbergs Jurassic Park, sowie Tony Scotts True Romance (alle 1993). Dessen Autor, ein gewisser Quentin Tarantino, kontaktierte Jackson danach für einen Film namens Pulp Fiction. Über das, was selbiger 1994 auslöste, muss man nicht mehr viele Worte machen. Wie der Film selbst, so wurde auch Jackson zum Phänomen, zum Inbegriff der Coolness, zum Popkulturgut. Die Rolle des anzugtragenden, über Fußmassagen schwadronierenden und Bibel zitierenden Killers Jules Winnfield brachte Jackson Oscar- und GoldenGlobe-Nominierungen, einen BAFTA- und einen Independent Spirit Award.



»Casting black actors is still strange for Hollywood. Denzel gets the offer first. Then it’s Danny Glover, Forest Whitaker and Wesley Snipes. Right now, I’m the next one on the list«, meinte Samuel L. Jackson 1993, nach Pulp Fiction dürfte er in der Rangfolge der schwarzen Akteure deutlich nach oben gerutscht sein. Obwohl Tarantinos Geniestreich bereits Jacksons dreißigster Film war explodierte sein Output in den nächsten Jahren geradezu, ohne Genre- oder Rollenfestlegungen zu beachten. 1995 spielte er im Drama Losing Isaiah, in Barbet Schroeders Kiss of Death neben David Caruso und Nicolas Cage und gab Bruce Willis‘ Sidekick im Actionkracher Die Hard with a Vengeance. Im nächsten Jahr folgten Paul Thomas Andersons Zockerdrama Last Exit Reno, die Sportkomödie The Great White Hype, Renny Harlins Action-Thriller The Long Kiss Goodnight und Joel Schumachers Justiz-Thriller und John Grisham-Adaption A Time to Kill mit Matthew McConaughey, Sandra Bullock und Kevin Spacey. Letzterer Film brachte Jackson die nächste GoldenGlobe-Nominierung. Nach der Hauptrolle in Kevin Reynolds Schul-Drama/Thriller One Eight Seven arbeitete er 1997 erneut mit Quentin Tarantino zusammen und brillierte in dessen Blaxploitation-Hommage Jackie Brown neben Genre-Ikone Pam Grier und Robert De Niro. Dem Unterwasser-SciFi-Flop Sphere folgten anno ’98 ein Cameo in Steven Soderberghs eleganter Elmore Leonard-Adaption Out of Sight und die Hauptrolle neben Kevin Spacey im packenden Geisel-Thriller The Negotiator.

Puh, Zeit zum Durchatmen, sollte man meinen, doch weit gefehlt: von 1999 bis heute und von Cameo bis Hauptrolle kommt Samuel L. Jackson in jedem Jahr auf drei bis sieben Filme; ‘99 veredelte er George Lucas‘ Star Wars: Episode I – The Phantom Menace als weiser Jedi-Meister Mace Windu, im Jurassic Park mit Haien Deep Blue Sea wurde er nach Dino- nun zum Fischfutter, Anfang des neuen Jahrtausends folgten William Friedkins Kriegsfilm Rules of Engagement, M. Night Shyamalans (Comic-)Drama Unbreakable und Jacksons Auftritt als legendärer Detektive John Shaft in John Singletons quasi-Fortsetzung der Richard Roundtree-Originale aus den 1970er-Jahren. Das Genre-Hopping ging mit The 51st State, Changing Lanes, The House on Turk Street, dem Vin Diesel-Hohl-Actioner Triple xXx, John McTiernans Basic und S.W.A.T. mit Colin Farrell und Jeremy Renner fröhlich weiter, dazwischen lag noch Star Wars: Episode II – Attack of the Clones. Von Stereotypen und Klischees bei der Besetzung afro-amerikanischer Darsteller hatte Jackson sich entweder konsequent ferngehalten, oder aber gekonnt damit jongliert, mit dem big bad motherfucka und seinen Fluchtiraden begründete er eher ein eigenes Klischee mit, doch zwischen Einschüchterung und Erhabenheit liegt bei Jackson der Unterschied oft allein schon rund um seine Stirn- und Augenmuskulatur und deren An- und Entspannung. Autorität bringen seine 1,89 Meter große Erscheinung und seine Stimme mit sich, die markante Mundform sorgt für tief eingegrabenen Ernst und offene Heiterkeit, völlig bekloppte Gaga-Dialoge kann er damit genauso ausdrucksvoll aufsagen, wie er einen ganz allein mit einem dramatischen Monolog packen kann, so furchteinflößend wie ein Gremlin und so sanft wie ein Mogwai kann er sein.



Samuel L. Jackson kann alles, in dem er vor allem Samuel L. Jackson kann und der Typ kann halt ‘ne Menge. Das vernachhaltigte er weiter im Basketball-Drama Coach Carter, dem sinnfrei-Sequel xXx: State of the Union, Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith und der Action-Komödie The Man (alle 2005). Neben Julianne Moore ging’s im ignorierten Drama Freedomland weiter, während das kalkulierte Trashfest Snakes on a Plane allein seines Titels schon im Vorfeld für einen gewaltigen Internet-Hype sorgte und dem letztlich kaum gerecht wurde. Als gottesgläubiger Landwirt und Bluesmusiker versuchte er in Black Snake Moan die nymphomane Christina Ricci zu bekehren, in Home of the Brave (alle 2006) spielte er einen traumatisierten Golfkriegsarzt. In Resurrecting the Champ war er ein obdachloser Ex-Boxchampion, im Horror-Thriller 1408 der Manager eines vermeintlichen Spukhotels und in Renny Harlins Cleaner (alle 2007) ein Tatortreiniger, ehe er als blondierter Jäger dem Jumper Hayden Christensen das sprunghafte Leben zur Hölle machte. Der geplante Ausbau zum Franchise scheiterte, dafür band sich Jackson mit seinem Post Credits-Cameo im Superheldenüberrschungshit Iron Man an ein noch viel weiterreichendes Projekt: als undurchsichtiger S.H.I.E.L.D.-Chef Nick Fury verpflichtete er sich für eine ganze Reihe von Marvel-Verfilmungen und absolvierte kleinere und größere Auftritte in Iron Man 2 (2010), Thor, Captain America – The First Avenger (beide 2011) und schließlich der großen Zusammenkunft der Helden, The Avengers (2012).

Abseits des Marvel-Kosmos spielte Samuel L. Jackson 2008 außerdem in Giancarlo Espositos Gospel Hill, als fieser Rassisten-Cop in Lakeview Terrace, neben Bernie Mac in der Komödie Soul Men und in Frank Millers desaströser Comicverfilmung The Spirit, durch den sich Jackson als extravaganter Schurke The Octopus overactet. Nach reichlich over the top- und just for the paycheck-Performances lag Jackson mit dem hervorragenden Drama Mother and Child mal wieder ganz genau richtig und nutzte seine Präsenz neben Naomi Watts für ein bewegendes Spiel leiser Gesten und Töne. Im knüppelharten Terrorismus-Thriller Unthinkable gab er den Verhör- und Folterspezialisten, in The Other Guys persiflierte er gemeinsam mit Dwayne Johnson in einem denkwürdigen Kurzauftritt sein Actionstar-Image. Da nach den Avengers vor den Avengers ist dürfte Jackson auch in sämtlichen kommenden Iron Man-, Thor- und Captain America-Sequels wieder eine Rolle spielen, ein Einzelfilm zu seinem Nick Fury ist ebenso im Gespräch. 2012 ist er außerdem einmal als good guy in The Samaritan, einmal als bad guy in Meeting Evil zu sehen, ist natürlich in Quentin Tarantions Django Unchained mit von der Partie und für den angekündigten xXx: The Return of Xander Cage eingeplant.



Es geht also munter weiter für Samuel L. Jackson, der es mit seinen über einhundert Filmen auf ein weltweites Gesamteinspiel von fast acht Milliarden gebracht hat (alles vom Cameo über Synchronarbeiten bis zur Hauptrolle mit eingerechnet) und damit der kommerziell erfolgreichste Filmstar überhaupt ist. Nichtmal annähernd jeder seiner Filme ist ein guter, selbst aber ist Jackson meist ein Erlebnis, sogar noch im größten Bockmist ein Turm des Erlebenswerten mit all seiner Ausstrahlung. Mit extravaganter Haar- und Bartmode ist er ein Mann der tausend Gesichter, nicht unbedingt einer der tausend Gesichtsausdrücke. Dennoch zählt Jackson nicht nur seiner Arbeitswut, seiner scheinbar wenig wählerischen Rollenauswahl und damit verbundenen Omnispräsenz zu DEN Stars der Gegenwart. Ein Star, der nicht nur Rassenvorurteile, sondern auch sich selbst überwinden musste, um der zu werden, der er heute und seit Jahren und noch viele Jahre lang ist und sein wird: Samuel L. Jackson, der biggest baddest coolest motherfucker.

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  • In „Black Snake Moan” war er großartig! Schön seine Karriere hier nochmal so ausführlich aufbereitet zu sehen. :)

    Gruß Garfield

    • Und für mich war’s ‘ne schöne Recherche. Der hat ein paar lustige Anekdoten in seiner Vita ;)