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Review: 21 JUMP STREET

Von Flynn Hardy vor 4 Jahren geschrieben09 / 2012Kritiken4 Kommentare
21 JUMP STREET Filmkritik

21 JUMP STREET Filmkritik
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Trotz der wohl unvermeidbaren Totalausfälle (siehe Zookeeper, Die Schlümpfe, Freundschaft Plus) war 2011 ein gutes und vor allem verhältnismäßig originäres US-Komödienjahr: Kristen Wiig und ihre Bridesmaids, die man noch so oft als „female Hangover“ bezeichnen kann und die trotzdem die lustigere Truppe sind, Cameron Diaz‘ »I’m still here!«-Auftritt in Bad Teacher, und natürlich das absolute Anarchobrett Your Highness – alles far beyond Durchschnitt. 2012 sieht’s da etwas mauer aus: Seth MacFarlane Vulgärbär Ted hat zwar ordentlich abgeräumt, die Found footage R-rated Comedy Project X, das Aniston/Rudd-Nudistenvehikel Wanderlust oder der nur wohlwollend als „gut“ zu bezeichnende Apfelkuchenaufguss American Reunion – alles eher gröber geschnitzt. Doch ausgerechnet die Adaption eines Kultserienphänomens, das heutzutage eigentlich allein Johnny Depp ohne direktes Zutun aufrecht erhält, rockt nun den Komödienjahrgang 2012 wie kein anderer: bereits im Mai 2008 bestätigte Columbia Pictures eine Umsetzung des Teenpopkulturstoffes 21 Jump Street, mit dem zunehmend angesagteren Jonah Hill als treibender Kraft, nach dessen Wunsch kein geringerer als Rob Zombie die Regie hätte übernehmen sollen. Geworden sind’s dann die Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen-Macher Phil Lord und Christopher Miller, doch auch die liefern genau das ab, als was Hill den Film mal beschrieb: »[an] R-rated, insane, Bad Boys-meets-John Hughes-type movie«.

Story

Die frisch gebackenen Cops Jenko und Schmidt sind dicke Freunde – allerdings erst seit der gemeinsamen Ausbildung an der Metropolitan Police Academy. Zuvor auf der Highschool waren der etwas tumbe Sportlerschönling und der verschüchterte Streber natürliche Feinde im Mikrokosmus der Vorurteile, Grüppchenbildung und Imagepflege. Sieben Jahre später haben sie’s vereint mit Muskeln und Köpfchen zum gemeinsamen Streifendienst geschafft. Auf dem Fahrrad. Als sie dabei auf eine cannabiskonsumierende Rockerbande stoßen scheint die Chance auf die erste Verhaftung gekommen. Jenko allerdings scheitert am Verlesen der Rechte, Schmidt an seiner Zögerlichkeit und so werden die beiden, teils ihrer Unfähigkeit, teils ihrem jungenhaften Aussehen geschuldet, zu einem Undercover-Programm versetzt, bei dem sie als Brüder Brad und Doug McQuaid getarnt eine Highschool infiltrieren, um der Quelle und den Vertreibern einer brandgefährlichen Modedroge auf die Spur zu kommen. Als sie ihre Geheimidentitäten verraffen landet jeder in den Kursen des anderen, Holzkopf Jenko muss Chemie büffeln, während Schmidt bei der Theater AG antreten muss. Doch die richtig großen Probleme warten erst noch…

Der Film

Wie brutal Trailer einen auf’s dünne Eis der Fehleinschätzung führen können: der überlange Red Band Clip zu 21 Jump Street von vor zehn Monaten sah fürchterlich aus. Billig, humormäßig jenseits der Gürtellinie irgendwo auf Knöchelhöhe, plump runtergeschnoddertes Fäkal- und Vulgärfeuerwerk halt, affig und rammdösig gespielt von Jonah Hillbilly und Channing Tadumm. And you know what? 21 Jump Street bestätigt genau diesen Eindruck teils sogar, ist aber nebenbei verflucht clever, sich seiner selbst auf’s Herrlichste bewusst, eine saukomische Parodie auf die Serie und haufenweise Actionfilme und Teen Comedys und –Klischees und nur mit ganz wenigen Aussetzern. Im Gesamten des Films funktionieren sogar die meisten der richtig derben und zotigen Gags, da ganz sicher die nächste schlauer und überraschender konstruierte Situation nicht lange auf sich warten lässt und weil das Hauptdarstellerduo (wider Erwarten) sowieso fast alles rausreißt. Als wallenmähniger Beau und Zahnspangen-Eminem werden Jenko und Schmidt perfekt eingeführt, der rowdyhafte Muskelmann mit Modelfresse und Kartoffel-IQ und der muttersohnige Wannabe und A-Grader, die beide ihren Abschlussball versäumen, weil der eine zu schlechte Noten schreibt und der andere kein Date klar kriegt und die ihre Talente während der Polizeiausbildung wunderbar naiv und herzlich vereinen: »You’re really good at this.« »Yeah, I am.« »Hey, you wanna be friends?«



In 21 Jump Street stößt man auf unzählige Artikel aus dem Standartsortiment von Buddy-, Cop- und Teenie-Komödien und so klar, wie der Film sie aneinanderreiht, so schlagartig bricht er sie auf, kaspert und jongliert damit herum: der ewig angepisste Vorgesetzte kommentiert sich ebenso selbst, wie die ganze Ausgangslage des adaptierten TV-Relikts, die Vergangenheit der Serie ist im Film existent und der aufgewärmte »same old shit« bezieht sich natürlich nicht nur auf das Undercover-Programm, sondern auch auf das einfallslose Ideenrecycling an sich. Da fehlt eigentlich nur noch der Fourth Wall Break, um 21 Jump Street voll auf Meta zu trimmen, aber das überhaupt mehr als die Lümmel-, Kotze-, Kacken-Ebene bedient wird reicht schon aus und öffnet dem Film eine ungeahnte Humorvielfalt. Geschmackssache bleibt’s trotzdem, wenn Tatum und Hill ihre erste Verhaftung feiern, indem sie den Täter trockenbummsen oder sie sich gegenseitig die Finger in den Hals stecken, um die Teufelsdroge H(oly)F(ucking)S(hit) auszuwürgen, aber auch solche Szenen drehen dermaßen gnadenlos am Rad und passen halt in dem Moment zu den Figuren, so dass 21 Jump Street auf Kurs bleibt, egal wie hart er zwischen hintergründig und grützbekloppt schwankt.

Die eigentliche Handlung, Aufbau, Entwicklung und Kausalitäten sind dabei vernachlässigbar, vieles auch erahnbar, wenn zum Beispiel Jenko Tipps für die Positionierung in der Gruppengesellschaft der Highschool an den ewig unbeliebten Schmidt verteilt, dann aber selbst grade noch die Sportler, Grufties und Streber identifiziert kriegt, aber schon an den Cosplayern scheitert und überhaupt den Paradigmenwechsel nicht geschluckt bekommt, der die cool kids von der Spitze der Leiter gestoßen hat. Da sind plötzlich Typen wie Schmidt gefragt und das dem die verspätete Popularität in Kopf und Hose steigt ist ebenfalls so eine deutlich ausgerichtete Erwartbarkeit. Aber das macht nichts, denn ohne das 21 Jump Street irgendeine ernst gemeinte Predigt an sein Publikum richten würde gelingt es den Realfilmdebütanten Phil Lord und Chris Miller, diesen naiven »…wanna be friends?«-Moment vom Anfang den ganzen Film hindurch zu konservieren, auch damit auf’s Amüsanteste mit der Cop-Freundschaft zu spielen und die herzliche Dynamik zwischen Tatum und Hill am Leuchten zu erhalten.



Nach zuvor klarem Comedyübergewicht und nur einer alle Erwartungen an Explosionsfetischismus durchkreuzenden Verfolgungsjagd mündet 21 Jump Street schließlich in ein ziemlich heftiges Actionfinale, bei dem an Blut, durchsiebten und verstümmelten Leichen nicht gespart wird und das dazu noch einen der besten Cameos unterbringt, der nix mit Marvel-Mastermind Stan Lee zu tun hat. Ein bißchen fühlt sich das vom Gewaltgrad her out of place an und auch der Schlussgag mit und für den Oberschurken geht eine Penislänge zu weit. Das rüttelt aber nicht mehr daran, dass 21 Jump Street die beste Komödie im Jahr 2012 ist, ein kackbratziges Gagfest sowohl unverschämter, wie auch intelligenter und einnehmend-herzlicher Natur. Channing Tatum, nach der Tanznummer Step Up und dem Actiondrama Fighting irgendwann mal Hollywoods next big thing, dann nach einer Flopreihe in diesem Jahr plötzlich wieder obenauf (siehe auch die Erfolge von The Vow und Magic Mike), ist als knackige Hohlfrucht eine Idealbesetzung, sich aber auch für keinen Shice zu schade, gleiches gilt für Jonah Hill, der einige seiner besten Szenen mit seiner Filmverwandtschaft Caroline Aaron und Joe Chrest hat, die köstliche embarrassing parents geben. James‘ kleiner Bruder Dave Franco, schon im unterschätzten Med School-SpinOff von Scrubs ein formidabler Großkotzarsch, lässt auch in 21 Jump Street eine ordentliche Portion Slimyness fließen, der knautschige Ice Cube war seit Three Kings in keiner Rolle mehr so gut aufgehoben, Brie Larson ist schnuckelig als Hills love interest.

Wertung & Fazit

Action: 2,5/5
Dreht nach zuvor klarem Comedyübergewicht am Ende ordentlich auf, bei allem steigenden Gewaltgrad aber immer noch eher auf den Gag als den Kill aus.
Spannung: 1,5/5
Den Krimi-Plot kann und muss man natürlich nicht ernst nehmen, das Tempo ist aber durchgehend hoch, das Timing stimmt.
Anspruch: 1/5
Nichtmal halb so blöd, wie der Trailer es hat erwarten lassen.
Humor: 4/5
Die paar missglückten oder zu weit gehenden Gags werden locker aufgewogen durch die parodistischen Einlagen usw.
Darsteller: 4/5
Das sind natürlich Performances für MTV Movie- und Teen Choice Awards, nicht für Oscars und Globes, aber fuck it, hier gibt’s comedic acting in Hochform!
Regie: 4/5
Tadellos. Lord und Miller hätten zwar dies und das für den Deleted Scenes-Bereich aussparen können, beweisen aber ansonsten alles, was gute Komödienregie so braucht.
Fazit: 8,5/10
Absolut geiler Film: witzig, einfallsreich, selbstbewusst. 21 Jump Street ist die beste Komödie des Jahres.

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Kommentare

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  • Wulf | Medienjournal 23 Kommentar(e)

    Oh, wow, der ist bei dir ja richtig gut weggekommen! Mir waren die Gags teilweise doch zu sehr over-the-top um das noch großartig zu finden. Wenn ich auch ein paar Lacher verzeichnen konnte hat der Film mich nicht annähernd so überzeugt wie dich. Aber vielleicht belehrt mich dann ja Teil 2 beizeiten eines Besseren.

    • ChristiansFoyer 1462 Kommentar(e)

      Tja, wie ich immer sage: nix ist so sehr Geschmackssache wie Humor! Wie geschrieben hatte ich von dem Film Fürchterliches erwartet, aber ähnlich wie bei “Your Highness” wurd’s dann nach ein paar Augenverdrehern zu Anfang einfach mitreißend witzig. Für mich und meine Dame jedenfalls, die auch ziemlich begeistert war ;D

    • Wulf | Medienjournal 23 Kommentar(e)

      Wohl wahr. Für “Your Highness” konnte ich mich ja auch erwärmen, obwohl der Humor dort ja noch deutlich abgründiger war. Bei “21 Jump Street” waren meine Holde und ich uns aber ebenso einig, dass da manches in der Form nicht hätte sein müssen. Letztendlich fand ich ihn aber – immerhin – auch besser als erwartet und einige großartige Lacher waren dabei, definitiv!

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