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Review: DREAM HOUSE

Von Riggs J. McRockatansky vor 5 Jahren geschrieben10 / 20120 Kommentare

Die berüchtigten „kreativen Differenzen“ sind wohl kaum jemals zum Wohle eines Filmes und damit auch nicht zum Vergnügen des Zuschauers ausgegangen. Den Psychothriller Dream House müsste man sich demnach sparen können, wenn man sich ein wenig darüber schlau liest, was da so los war. Regisseur Jim Sheridan, immerhin verantwortlich für die preisgekrönten Dramen In the Name of the Father (1993), The Boxer (1997) und In America (2003), allerdings auch für 50 Cents spielfilmlange Album-Promo Get Rich or Die Tryin’ (2005) und das eher semi-nötige Brothers-Remake (2009), überwarf sich mit Morgan Creek Productions, verlor die Kontrolle über den Final Cut und wollte schlußendlich überhaupt nicht mehr mit dem Projekt in Verbindung gebracht werden, während die Hauptdarsteller Daniel Craig und Rachel Weisz, unzufrieden mit der finalen Schnittfassung, sich der Promotion für den Film verweigerten. Dazu wurde auch noch ein Trailer veröffentlicht, der den großen Plot Twist des Films einfach mal vorwegnahm und drum geht wohl demnächst jeder der Beteiligten mit Tipp-Ex an seine/ihre Wikipedia-Einträge, um den zu allem Überfluss an den Kinokassen brutal abgeschmierten Dream House aus den Filmographien zu streichen. Doch hinsichtlich der Qualität des Horrortrips (mehr auf die Produktion, denn auf das Werk selbst bezogen) kann dennoch vorsichtig Entwarung gewunken werden: Dream House ist nicht viel mehr, als eine suburbane Shutter Island-Variation, aber immerhin eine ganz stimmungsvolle, getragen von einem immer sehenswerten Trio exzellenter Darsteller.

Story

Der erfolgreiche Lektor Will Atenten zieht sich mit einem Vorvertrag für sein erstes eigenes Buch aus dem Job und dem Treiben New Yorks zurück, nachdem er mit seiner Frau Libby und ihren beiden Töchtern ein renovierbedürftiges Traumhaus im malerischen New England erstanden hat. Das Familienglück scheint perfekt. Auch als die kleine Dee Dee eines Abends einen dunklen Mann vorm Fenster gesehen zu haben glaubt ist noch kein Anlass zur Beunruhigung gegeben, doch als schließlich eine Gruppe von Teenagern in ihrem Keller ein bizarres Ritual abhält wird Will misstrauisch. Alsbald muss er herausfinden, dass in ihrem Haus vor fünf Jahren ein grausamer Dreifachmord stattgefunden hat, vermutlich begangen vom Familienvater Peter Ward, der jedoch aus Mangel an Beweisen und aufgrund seiner psychischen Verfassung lediglich zu einem Psychiatrieaufenthalt verurteilt werden konnte. Will stellt weitere Nachforschungen an, stößt aber sowohl bei den Behörden, wie auch bei Ann Patterson, der reservierten Nachbarin von gegenüber, auf eine Mauer des Schweigens. Doch als immer wieder jemand des Nachts um ihr Haus herum auftaucht beginnt Will zu glauben, dass Peter Ward zum Ort des Verbrechens zurück gekehrt sein könnte…

Der Film

Hands down: Dream House würde kaum halb so gut abschneiden, wenn da nicht Bond Daniel Craig und mit Rachel Weisz und Naomi Watts zwei der begnadetsten Actricen unserer Zeit das in ihrem häuslichen Frieden jäh gestörte Ehepaar und die mysteriöse Nachbarin geben würden. Genausowenig zu ver- und missachten: Marton Csokas und Elias Koteas, immer für einen prägnanten Auftritt gut. Aber nu kann dat Personal noch so jut sein, entscheidend is, wat in ’ne Regale steht. Das ist unter’m Strich nicht mehr, als die solide Konservenkost aus der pappenheimer’schen Thrillerfabrikation. Damit befriedigt man nicht den Gourmetgaumen eines Heinz Horrmann, sondern tritt gegen den unstillbaren Appetit „Calli“ Calmunds an, soll heißen: Dream House sättigt und mundet nicht, wenn man einen richtig zünftigen Psycho-Thrill geboten kriegen will, ist aber schmackhafter und den akuten Hunger zügelnder, als ein leerer Teller. Das verschneite Vorstadtrund irgendwo in New England bietet einen ansehnlichen und gut eingefangenen Schauplatz und nach ganz klassischer Manier kriecht das Grauen langsam in die anfängliche Idylle. Craig spielt angenehm weit weg von seiner unnahbaren Bond-Inkarnation, das Getüddel mit seinen Filmtöchtern und Zusammensein mit seiner mittlerweile auch im wahren Leben-Ehefrau Rachel Weisz wirkt authentisch und warm genug, um dieser Familie keine Mehrfachmörder (oder gar Dämonen und Geister?…) in ihre Behausung zu wünschen.



Allerdings bügelt sich Dream House mit dem langsamen Einschleichen seiner Psycho- und Thrillerelemente eine dicke Falte ins Setup: eine Familie mit zwei ganz jungen Töchtern zieht in ein seit Jahren leerstehendes, schönes Häuschen in beschaulicher Umgebung und kommt nicht auf die Frage, warum so lange Zeit niemand vor ihnen da war? Entdeckt erst nach Bekanntwerden der schrecklichen Ereignisse die kaum zu übersehenden Einschusslöcher in den Flurwänden? Fragt sich nicht, was aus den Kindern geworden ist, deren Größe mit Bleistiftstrichen an den Türrahmen chronologisiert wurde? Das sind zwar alles solche Kopfkratzfragen, die sich später relativieren und ganz auflösen, die aber, solange sie in den Raum drängen, zum credibility breaker werden. Genau wie die einigermaßen bescheuerte Idee, ein paar gruftige Teenager im Keller der Atentens rumritualisieren zu lassen, weil total düstere Familienmörder total finster sind, eyyy. Also, rasch die suspension of disbelief auf „on“ geswitcht und schnell erkannt, dass Dream House trotz der ihm nicht abzuleugnenden Stimmungsdichte ein ziemlicher light-Gruseler ist. Die meisten Szenen, bei denen das Thrill-o-Meter auszuschlagen droht, lüften sich halt in solchen Mumpitz wie die kids from the crypt auf, enden beim Schattenmann, der im umliegenden Wäldchen verschwindet oder der auskunftsunwillig von dannen ziehenden Naomi Watts.

Sowas schockt im Jahr 2012 natürlich niemanden mehr und kommt ähnlich altbacken daher, wie das fiaskoöse Hammer Film-Comeback The Resident, wohlgemerkt dennoch mit um Welten höherer Qualität. Dort wie hier wird der große Twist vom Ende in die Mitte des Films vorgezogen. Wo diese Maßnahme dem laschen Spanner-Softcore-Thrillerchen mit Hilary Swank und Jeffrey Dean Morgan den endgültigen Todesstoß versetzte, bekommt Dream House dadurch allerdings einen nicht unerwarteten, aber doch wesentlich interessanteren Turn. Was beginnt (oder beginnen könnte) wie ein Horror- oder gar Haunted House-Thriller schlägt ab der Handlungshälfte zum Psycho-Drama um, womit sich, wie erwähnt, vieles von vorher relativiert und in ein anderes Licht, oder besser: in einen Schatten rückt, der zwar nicht stark genug ist, um sogleich eine hinweisentdeckende, The Sixth Sense-erprobte Zweitsichtung von Dream House anzugehen, aber doch Wirkung zeigt. Derartige Storys um traumatöse Psychosen, Realitätsverleugnung und bis tief in eine Manie hineingesteigerte Wirklichkeitsverzerrungen müssen halt schon wirklich viiiiel falsch machen, um nicht wenigstens einen Funken Interesse an ihrem Ausgang am Glimmen zu halten. Dream House bedient dieses Interesse grundsolide und vor involvierendem Hntergrund, mit einem erlebenswert aufspielenden Daniel Craig, der nicht an die Wucht von Leonardo DiCaprios wahnhafter die-Schrauben-werden-immer-lockerer-Performance aus Shutter Island heran reicht, seinem verzweifelnden every day man jedoch Tragik und Fallhöhe verleiht.



Was Dream House völlig misslingt und wo jeder Protest Sheridans und seiner Darsteller am finalen Werk ersichtlich wird, ist das Ende. Der Film bedient sich des konventionellsten und offensichtlichsten aller Auswege, der sich noch in der ersten Viertelstunde beim bloßen Blick ins Gesicht einer Nebenfigur abzeichnet, die kaum die Handvoll an Minuten Screentime abbekommt und dann zum evil schemer hochgeschoben wird. Wie auch immer der Film nach Sheridans Wunsch in Form und Inhalt ausgefallen wäre, spätestens mit dem Ende muss er sich in der vorliegenden Form eingestehen, bloß die B-Lösung psychologischen Thrills zu sein. Und wäre nicht die Freude an Craig, Weisz und Watts würde er ungebremst in noch niederere Regionen abrauschen. Neben einer immerhin messbaren Anzahl wirklich starker Szenen ist es eben vor allem das Trio, das für ein magenschmerzfreies Durchhalten von Dream House sorgt und dem Schlussakt sogar noch einen emotional greifbaren Moment abringt.

Wertung & Fazit

Action: 0,5/5
Langsam und ruhig aufgebaut, wenige echte Aufreger.
Spannung: 2/5
Der Thrill hält sich in Grenzen, dennoch gelingt dem middle twist ein Weckruf an’s zu Schwinden drohende Interesse.
Anspruch: 1/5
Beim besten Willen kein ausformuliertes Psychogramm und filmisch ansonsten überwiegend gnadenlos konventionell, aber auch nicht ganz frei von Tiefgang.
Humor: 0/5
Kein Kriterium.
Darsteller: 4/5
Gleich drei Darsteller, die schon allein jeden Film wert wären und hier die sprichwörtlichen Kohlen gleich mehrfach aus dem Feuer fischen.
Regie: 2,5/5
Schwer zu beurteilen, wo bei Dream House Sheridan aufhört und die Produktionsfirma anfängt, erst Recht nicht abzuschätzen, inwiefern das ein anderer Film geworden wäre, hätte man den Regisseur in Ruhe machen lassen.
Fazit: 6,5/10
Dream House wäre sicher gerne die verschneite Vorstadtversion von Scorseses meisterhaftem Shutter Island geworden, was er aber wohl auch unter günstigeren Produktionsumständen nicht geschafft hätte. Obwohl nun aber vom Regissur bis zu den Darstellern kaum einer mit dem Film zufrieden ist, ist der trotzdem noch ganz gut geraten.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

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