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Kurz-Review: THE GIRL WITH THE DRAGON TATTOO

Von Flynn Hardy vor 4 Jahren geschrieben10 / 20121 Kommentar
THE GIRL WITH THE DRAGON TATTOO Filmkritik

THE GIRL WITH THE DRAGON TATTOO Filmkritik
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Story

Der schwedische Journalist Mikael Blomkvist fällt auf fingierte Beweise herein und gerät nach seinen wiederlegten Enthüllungen über das kriminelle Wennerström-Unternehmen schwer in Verruf, wird finanziell bis kurz vor den Ruin getrieben. Öffentlich als Lügner und Verleumder gebrandmarkt wird er übrraschend von dem alternden Unternehmer Henrik Vanger kontaktiert, der vor seinem Tod einen letzten Versuch unternehmen will, das Verschwinden seiner Nichte Harriet aufzuklären. Vanger ist sich sicher: ein Angehöriger der eigenen, zerrütteten Familie hat das Mädchen vor über vierzig Jahren ermordet. Abgeschieden vom Trubel um seine Person übernimmt Blomkvist unter einem Vorwand die Ermittlungen innerhalb der Familie. Zäh errungene erste Fortschritte lassen ihn alsbald erkennen, das der Fall möglicherweise größer als vermutet ist. Blomkvist heuert daraufhin die begabte Hackerin Lisbeth Salander an, die ihn zuvor im Auftrag Henrik Vangers beeindruckend gründlich durchgecheckt hat. Mit Hilfe der ungewöhnlichen, emotional instabilen jungen Frau deckt Blomkvist eine ungeheure Kette der Gewalt auf, viele Jahrzehnte und grausame Morde zurück reichend…

Der Film

Mehr Kino-, weniger TV-Film, die Stimmung in verstörenden bis faszinierenden Bildern noch dichter, die gelungenere Zusammenführung der beiden Hauptfiguren, in Daniel Craig den besseren Blomkvist – das sind die Hauptpunkte, über die sich David Finchers Remake des gerade einmal zwei Jahre älteren Män som hatar kvinnor rechtfertigt. Den gen Auflösung radikal wegbrechenden Spannungsbogen haben die Verfilmungen von Stieg Larssons Millennium–Trilogieauftakt gemein, unterscheiden sich dafür in der Handhabe ihrer vermeintlichen Attraktion, der androgyn-anorektischen Cyper-Anarchistin Lisbeth Salander: was Noomi Rapaces Performance zur modernen Ikone erhob, zirkeln Fincher, Drehbuchautor Steven Zaillian und Rooney Maras apathischere Darstellung passgenau auf ein ge- und zerbrochenes, aber wehrhaftes Mädchen herunter, eine Randerscheinung zunächst, die im Leben wie im Film kaum ihren Platz findet, ehe sich die Story in einem träumerischen Schlussakt als ihr ganz persönliches Märchen offenbart – ohne Happy End.



Lange Zeit ist der um Ruf und Ruhm gebrachte Journalist Mikael Blomkvist in seinem bitteren und einsamen Streben nach Wahrheit und Reputation die um Längen spannendere Figur, sein Eindringen in die notdürftig mit Ablehnung und Verschwiegenheit gestopften Risse der Famile Vanger und das pessimistische Entblättern einer Fassadengesellschaft genügen The Girl with the Dragon Tattoo ganz ohne dessen Anwesenheit, um selbst dann zu fesseln, wenn man das Original gesehen hat. Die Salander-Szenen indes… eben irgendwie wie fremd im eigenen Film, Störfragmente im Stimmungsbild der einnehmenden Recherche- und Ausgrabungsarbeit Blomkvists, aber der Figur der nippel- und facegepiercten Punkerin damit vollauf gerecht werdend. Fincher und Mara stellen sie nicht aus, sondern lassen sich Lisbeth geradezu parasitär ihren Weg in die Handlung hinein bahnen. Von Rapace wollte man mehr sehen, von Mara am liebsten gar nichts – und so seltsam das klingt, es ist dem Girl with the Dragon Tattoo kein Nachteil, weder in der Ambivalenz aus fraulich reiz- und sexuell selbstbewusster Enthemmung und kindlicher Verschlossenheit in Maras Spiel, noch im dramaturgisch eng geschnürrten Nachstellgestus des Films.

Fazit: The Girl with the Dragon Tattoo ist die vor allem audiovisuell aufgebohrte Version von Män som hatar kvinnor, in gefrierkalten Bildern und mit Trent Reznors/Atticus Ross‘ schwelendem Score formt Fincher aus dem soliden Fernsehkrimi einen düster-durchdringenden Leinwandluxus, der gleiche Schauplätze, Sequenzen und Schocks nutzt, das Puzzle nur um wenige, aber kluge Teile ergänzt und erweitert (Blomkvists Affäre mit seiner Herausgeberin, das Verhältnis zu seiner Tochter,…) und ausspart, wo sonst zuviel Schein das Zwielicht erhellt hätte (Salanders Background wird nur ganz marginal angerissen, sie dadurch nicht zur totalen Rächerin gegen „das Mannschwein“ als Oberbegriff ihrer Katharsis). Und insgesamt ergibt sich daraus das schlüssigere Gesamtbild, der rundere und plausiblere Film, wofür die eingangs erwähnte erste Begegnung des hadernden Ermittlers und der Junkpunkgöre DAS Beispiel ist. »Rape, torture, fire, animals, religion. Am I missing anything?« Ja, Herr Blomkvist, die herausragende Vorspannsequenz, straight out of James Bonds nightmares, unterlegt mit Karen O’s treibendem Led Zeppelin-Cover, dem Immigrant Song. Immigreat quasi, wie der ganze Film: eine großartige Immitation.

Wertung

Fazit: 8,5/10

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