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Review: FAST VERHEIRATET (OT: The Five-Year Engagement)

Von Flynn Hardy vor 4 Jahren geschrieben11 / 20121 Kommentar
FAST VERHEIRATET OT The Five Year Engagement Filmkritik

FAST VERHEIRATET (OT: The Five-Year Engagement) Filmkritik
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Seit 2005 und mittlerweile vielleicht ein paar Staffeln zu lang erzählt der hoffnungslose Romantiker und Architekt(urprofessor) Ted Mosby nun schon seinen Kindern davon, wie er ihre Mutter kennengelernt hat. Und auch wenn das genervte Augenrollen von Sohnemann und Tochter inszwischen auf manchen Zuschauer und Fan überspringen mag, How I Met Your Mother gehört dennoch zu den mit Abstand besten US-Sitcoms der letzten Jahre. Doch das Ende ist absehbar für HIMYM und seine Stars, im Mai 2013 soll/könnte nach Season 8 Schluss sein. Und für wen stehen die Chancen am besten mit der Karriere nach der Serie? Für Cobie Smulders, die im Mega-Blockbuster The Avengers Marvels Superhelden unterstützen durfte? Noch nicht abzusehen. Den legendären Neil Patrick Harris, der sich neben seiner Kultfigur Barney Stinson und feschen Award-Moderationen allerdings an Grütze wie Die Schlümpfe und Beastly verschwendet? Dem scheint das Händchen für die Leinwand zu fehlen. Den eigentlichen Star der Serie Josh Radnor? Nicht, wenn er weiterhin so überambitioniert und pseudolebensweise daher tut, wie in seinen Regie- und Hauptdarstellerarbeiten HappyThankYouMorePlease und Liberal Arts. Und für Alyson Hannigan reicht’s wohl auch höchstens zum American Pie-Revival. Nein, die besten Aussichten für eine Karriere nach HIMYM hat tatsächlich der trotz seiner 1,93 Meter anfangs fast unscheinbare Jason Segel, denn der hat seinen Fuß seit Jahren in der Tür von Judd Apatow stehen, einem der momentan einflussreichsten Comedy-Macher des US-Kinos. Dessen frühe Serien Freaks and Geeks und Undeclared, die Filme Forgetting Sarah Marshall und Knocked Up, als Darsteller und Autor gehört Segel zum Apatow-Stamm, dazu noch sein Fan-Gefallen The Muppets und ein Auftritt in Bad Teacher und der Indie-Komödie Jeff, Who Lives at Home – der Kalifornier ist bestens im Geschäft. Ach, und dann ist da natürlich noch The Five-Year Engagement, um den’s hier ja laut Überschrift gehen soll, ein weiteres Schmiedestück aus der Apatow-Gießerei.

Story

Der Souschef Tom Solomon und die angehende Psychologie-Doktorandin Violet Barnes lernen sich auf einer Sylvesterparty kennen und verlieben sich auf den ersten Blick. Ein Jahr später sind beide sich sicher, den Partner für’s Leben gefunden zu haben. Nichts liegt also näher, als eine baldige Hochzeit. Nach vielen guten Wünschen, Heulanfällen und mahnenden Worten auf ihrer Verlobungsfeier soll es möglichst bald soweit sein. Doch die Ehe muss warten, als Violet eine Stelle in der Verhaltensforschung an der University of Michigan erhält. Wofür Tom seine in Aussicht stehende Stelle als Küchenchef in einem Nobelrestaurant bereitwillig aufgibt. Doch während Violet voll darin aufblüht, Sozialexperimente mit Donuts durchzuführen, stößt Tom nicht nur der Kälte und Rustikalität ihres neuen Wohnorts wegen schnell an seine Toleranzgrenzen. Der Edelkoch muss mangels Alternativen in einem Burgerschuppen anheuern und sieht alle seine persönlichen und beruflichen Träume davon siechen. Und auch an die geplante Hochzeit ist überhaupt nicht mehr zu denken…

Der Film

Die Liebe, meint Violets Mum, von ihrem Mann gerade für eine junge sexy Asiatin verlassen, stelle man sich wie eine dieser Romantic Comedys mit Tom Hanks vor, nur sieht die Realität ganz anders aus. Eher wie Saving Private Ryan. Eine Erkenntnis, aus der sich gleich die nächste für The Five-Year Engagement selbst ableitet: das ist der Stoff romantischer Komödien, in der vor zwanzig Jahren noch Hanks und Meg Ryan mitgespielt hätten. Hätte sich gut gemacht neben dem vergessenen Joe and the Volcano, neben You’ve Got Mail und natürlich neben der Idealvorstellung einer RomCom, Sleepless in Seattle. Aber: die Liebe ist nicht wie im Film und die Liebesfilme sind nicht mehr wie zu Zeiten Hanks‘ und Ryans. The Five-Year Engagement ist überlang, in der ersten Hälfte extrem fehlgetimt, angehäuft mit viel zu vielen (un)funny minor characters, selten harmonisch in der Apatow’schen Trademarkmechanik aus Drama und Comedy und wäre wohl ein kompletter Fehlschlag, wenn nicht Jason Segel und Emily Blunt wenigstens ein bißchen dieses Hanks/Ryan-everybody‘s darling-Charmes besäßen und wenn da nicht in der zweiten Hälfte ein merklicher Ruck durch den Film ginge, der ihn bis kurz vor Ende deutlich besser aussehen lässt.



Segel und sein Regisseur und Drehbuchkollaborateur Nicholas Stoller scheinen keinen Platz mehr in der Schublade für verworfene Nebenfiguren gehabt zu haben und stopfen das ganze Gerümpel an schrägen Typen in The Five-Year Engagement, ohne einem einzigen Profil zu verleihen, am ehesten noch Chris Pratt, der als Toms vogeliger Kumpel Alex zumindest die Ansätze einer Entwicklung durchmacht. Ansonsten bleibt keinem mehr als eine Marotte oder eine Stereotypie. Besonders platt: Violets Forschungskollegen, aka die Minderheiten-Crew mit dem hip-sportlichen Afro-Amerikaner, dem geekigen Asiaten und der resoluten Latina. The Five-Year Engagement ist ewig lange nicht mehr, als das Anschlagen der paar Takte dieser mit Bleistift zur Farbenfreudigkeit gezwungenen Nebenfiguren, während ihm für Tom und Violet immer nur so viel einfällt, wie es braucht, um die Hochzeit hinaus zu zögern. Auf mindestens eine halbe Stunde und die Hälfte an Rollen hätte der Film problemlos verzichten können und wie bereits letztens bei der Rudd/Aniston Nudistensause Wanderlust geschrieben gilt auch hier: die Apatow’sche Konzept-Komödie weiß oft nicht, wo der Gag aufhört und der Outtake anfängt.

Um die nicht stattfindende Hochzeit moralisch-dramatisch zu torpedieren halten’s Segel/Stoller ebenfalls nicht gerade mit dem Peter Fox-Motto ♫Hey, alles glänzt, so schön neu!♫: nicht das „ob“ ist Vorzeichen der Variable, sondern das „wann“. Violets Schwester Suzie lässt sich mit Loser Alex ein und nach peinlichem One Night Stand landen die beiden natürlich lange vor dem designierten Brautpaar vor einem Pfarrer, ebenso natürlich startet Violets Professor Winton Childs irgendwann eine Offensive in ihre Richtung. Und das wird nicht allein dadurch unvorhersehbarer oder besser, weil Pratt, Alison Brie und vor allem Rhys Ifans die gelungensten Nebenfiguren sind. Ifans, zuletzt als Lizard in The Amazing Spider-Man unterfordert, dafür in Roland Emmerichs Shakespeare-Drama Anonymous brilliant, macht hier das Möglichste aus ziemlich wenig, allein sein snobistisch-kupelhaft-kampfkundiger Auftritt hätte mehr Platz verdient. Der Waliser trägt einen entscheidenden Teil dazu bei, dass The Five-Year Engagement in der zweiten Hälfte deutlich zulegt, obwohl Ifans‘ Plotteil platt und uninspiriert ist führt er doch zu einer der besten Szenen des Films.



Dennoch gelingt es dem Film zu spät, die Drama/Comedy-Mischung ans Reagieren zu bringen, erst wenn sich Segel nach einem größeren Zeitsprung an seine neue Heimat angepasst hat und mit Wildwuchs im Gesicht in den Wäldern Michigans auf die Jagd geht, Besteck und Geschirr mit Fellüberzug und aus Rehbeinen geformten Henkeln verziert, kommt mal ein auf Gagebene überraschendes Element in The Five-Year Engagement und auch die ernsten Themen des psychologisch kastrierten Mannes entladen sich in gelungenen humorvollen (Toms vorgetäuschter Orgasmus) und emotionalen Momenten. So richtig greift das alles aber nicht mehr, dafür hat der Film den Negativstapel zuvor zu hoch aufgetürmt und den guten Eindruck der zweiten Hälfte schmälert dann außerdem ein schrecklich übertrieben gepuderzuckertes Ende, aus dem man eigentlich eine der beiden Hauptfiguren wie aus einem Alptraum aufzuschrecken erwartet… bis plötzlich der Abspann losflimmert und diesen Süßkleister wirklich als das Ende des Films offenbart…

Wertung & Fazit

Action: 0/5
Kein Kriterium.
Spannung: 1/5
Die Hochzeit am Ende steht nie in Frage, der Weg dahin ist überlang und in Hälfte Eins tempoarm.
Anspruch: 1/5
Erst in der zweiten Hälfte werden die Dramaelemente eine Spur tiefgreifender.
Humor: 1,5/5
Die 1,5 Punkte verbucht allein die zweite Hälfte mit einigen doch noch ziemlich guten Gags, nachdem’s zuvor nichts als unlustige Nebenfigurendauerschleife gab.
Darsteller: 3/5
Jason Segel und Emily Blunt passen, daran entsteht nie Zweifel. Unter den viiiiielen Nebendarstellern ist Rhys Ifans einsames Highlight, der Rest bestenfalls erträglich, schlimmstenfalls nervend überflüssig.
Regie: 2/5
Segel/Stoller können’s besser, gehen’s eine Stunde lang völlig falsch an und zeigen dann, was in ihrem Film gesteckt hätte.
Fazit: 4/10
Eine in allen Belangen schwache erste und eine gute zweite Hälfte plus ein klebriges Ende: The Five-Year Engagement ist insgesamt unterdurchschnittliches Apatow-Entertainment.

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