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Review: RED LIGHTS

Von Riggs J. McRockatansky vor 4 Jahren geschrieben12 / 20121 Kommentar

Story

Die Akademikerin Margaret Matheson und ihr Assistent, Physiker Tom Buckley, haben es sich zur Aufgabe gemacht, mit den Mitteln der Wissenschaft paranormalen Humbug zu enttarnen. Geisterbeschwörungen, wundersame Heilungen, Kontakt zu den Toten – mit nüchterner Rationalität entlarven die beiden allerlei Scharlatane, sowohl im privaten häuslichen Bereich, als auch auf betrügerischen Großveranstaltungen. Doch nach einer früheren Begegnung wagt sich Matheson an einen nicht mehr heran: den berühmten, blinden Mentalisten Simon Silver, der nach dem plötzlichen Tod seines größten Kritikers vor vielen Jahren seinen sofortigen Rücktritt aus dem Rampenlicht verkündet hatte, nun aber eine große Comebacktour arrangiert. Buckley indes betrachtet Silver als den Jackpot, die Auflösung und Erklärung seiner Methoden als ultimativen Triumpf der Wissenschaft über das Paranormale. Als er sich jedoch auf eigene Faust Silvers Kreisen zu nähern versucht geschehen alsbald Dinge um ihn herum, die Buckleys feste Überzeugungen in nahezu wahnhaften Zweifel treiben, den es unbedingt zu widerlegen gilt…

Der Film

Klingt nicht neu, das Thema des Skeptikers, dessen Überzeugungen auf die Probe gestellt werden, beispielsweise von den X-Files in Konflikt und Zusammenarbeit der sachlichen Dana Scully und des glaubenswilligen Fox Mulder staffelweise durchexerziert. Dem Einfluss von Chris Carters wegweisendem Mystery-Serienhit will sich Rodrigo Cortés auch überhaupt nicht entziehen und formt gleich zu Anfang seines Red Lights die berühmte »I Want to Believe«-Catchphrase von Agent Mulders Posterbehang zum nicht weniger kernigen »I Want to Understand« um. Das US-Debüt des Galiciers etabliert schon in seiner Pre Credit-Sequenz, worum es ihm geht: Schein, Erwartungen und deren Durchkreuzung, wenn ein verängstigter Hausbesitzer die eintreffenden Wissenschaftler allein ihres Geschlechts wegen verwechselt und fälschlicherweise Buckley als Experten Matheson begrüßt, Trug und Lüge, Trick und Effekt, ein schwebender Tisch, geisterhafte Geräusche – und eine rationale, ganz und gar weltliche und diesseitige Erklärung. Ein Auftakt, der Red Lights lange Zeit definiert, denn Cortés betreibt einen durchaus ungewöhnlichen und bemerkenswerten Szenenaufbau, lässt vieles offen stehen, arrangiert seinen Film in einigen Szenen wie einen Boxkampf Wissenschaft vs. Paranormal, lässt erstere überlegen herumtänzeln, aber läutet den Gong, bevor sie zum K.O. ansetzt.



Wie in jener Sequenz, in der Margaret Matheson und Tom Buckley, unterstützt von der jungen Studentin Sally Owen, die ausverkaufte Vorstellung des reißerischen Wunderheilers Leonardo Palladino observieren, mit kühlem und geübten Kalkül hinter seine Methoden kommen – und dann, wenn man von Red Lights eigentlich erwarten würde, dass auch die öffentliche Bloßstellung, wohlmöglich die Lächerlichmachung des Scharlatans Teil dieser Sequenz ist, einfach abbricht. Ein zunächst interessantes Konzept, das Cortés seinem Film da überstülpt, sich eben nicht dem Reißerischen oder gar Belustigendem hingibt, sondern das Geschehen so sachlich passieren und ausklingen lässt, wie seine Protagonisten es angehen. Damit weckt er ein Interesse an der Geschichte, das sich wohl nicht ergäbe, würde Red Lights häufiger in gängige Erwartungsmuster fallen, so aber herrscht Cortés über eine in erlesener Kühlheit gefilmte Stimmungsdichte, innerhalb derer die Rationalität des Wissenschaftsduos (später –trios) klar den Vortritt gegenüber der permanent in Frage stehenden Übernatürlichkeit erhält, ohne dass dieses Wegpräzisieren und –analysieren steif oder steril wirken würde, im Gegenteil: es ist hochinteressant, Mathesons und Buckleys Geschichte zu verfolgen, Skepsis und Erklärung ausnahmsweise mal die „Heldenrolle“ gegenüber Unerklärlichem und Außersinnlichem einnehmen zu lassen, statt sie zum Feindbild der Phantasterei zu degradieren.

Zwei Gegenpole positioniert Cortés deutlich: einerseits die großgestigen und nicht selten fieszungigen Psychics (und ihre Stellvertreter), andererseits einen in Form von News-Schnippseln oder Talkrunden oft zwischengeschalteten Medienrummel rund um die spektakuläre Rampenlichtrückkehr des Simon Silver – wobei Red Lights es mit letzterem gehörig übertreibt. Den weiter oben als Metapher verwendeteten Boxkampf zwischen Wissenschaft und Paranormalem baut Cortés über die Einbindung sensationsgeiler medialer Berichterstattung wie ein echtes Sportgroßevent oder eine hitzige Politdebatte auf und dieses Getöse wirkt angesichts des subject matter doch eher lächerlich-plakativ bis vollkommen deplatziert. Glaubwürdigkeit, soziale Relevanz – was auch immer Cortés zu erreichen versucht, es verpufft hinter der geradezu trashigen Überproportionierung von schreierischen Titelblattschlagzeilen und euphorischen TV-Journalisten. Silver selbst, von Robert De Niro fern alter Taxi Driver etc.-Glanzzeiten, aber auch weit von der only-for-the-paycheck-laissez-faire attitude jüngerer Vergangenheit gespielt, ist Anfangs nur ein Schatten im Hintergrund, eine beunruhigende Allgegenwart, dessen Zweck für die Handlung nach dem teils hervorragenden Aufbau einen spannenden Konflikt und Dreikampf verspricht, ein Duell auf Augenhöhe – zu dem es dann aber nicht kommt.



Cillian Murphy gibt den immer fiebrigeren Buckley und der rauscht ab einem harten Bruch in der Story zu schnell von absoluter Vernunft und Rationalität in ein obsessives Gebaren, Red Lights aus der ruhigen Konzentriertheit in einen allzu affektiven, aber umso weniger effektiven Zustand des Kettengerassels: plötzlich müssen’s jump scares sein, selbstmörderisches Flügelgetier, das blutig gegen Fensterscheiben klatscht, realitätsverwischende Visionen, als wolle Cortés, der dem Paranormalen zuvor so genüsslich und doch nüchtern den Zahn zog, letztlich mehr Kompromiss damit eingehen, als es gut für seinen Film ist. Der Geschichte geht mehr und mehr das Wissen verloren, was und wohin sie eigentlich will, immer wieder tauchen nun Sequenzen auf, die einfach falsch wirken, ehe Red Lights in einen horriblen The Sixth Sense-Twist mündet, der mindestens in einem von zwei Teilen vorhersagbar ist und dessen Flashbackfragmente nicht für retrospektives Augenaufreißen vor lauter Verwunderung sorgen, sondern den Film eher auf eine scheinbar vollkommen willkürliche Art upside down kippen, ihm eine Aussage einzuprügeln versuchen, die sich überhaupt nicht daraus ergibt, die zuvor stimmungsvolle Momente plötzlich im ätzenden Regen eingehen lässt. Nee, Twist-Enden haben es seit deren M. Night Shyamalan’scher Dauerverwendung ohnehin schwer, was Red Lights aber in seinen finalen Minuten auftischt ist schon gröbster Nonsens, überhaupt nicht vereinbar mit der so sauberen ersten Hälfte des Films und nicht mal kompatibel zur drangeklatschteren, weniger subtilen zweiten.

Da können auch tolle Darsteller nicht mehr rumreißen, dass Red Lights sein großes Potenzial zugunsten billigen Budenzaubers verschleudert. Murphy und De Niro bekommen dadurch die psychologische Ebene ihres Kampfes um’s Recht nahezu komplett weggezogen, die anfangs einnehmende und facettenreich angelegte Figur Sigourney Weavers wird verschenkt, ebenso wie Joely Richardson als De Niros bitchige Managerin, Toby Jones als windiger Para-Doc und Olsen-Sister Elizabeth als Nachwuchsskeptikerin und Murphys kinda odd love interest. Red Lights bricht in sich zusammen wie das sprichwörtliche Kartenhaus, was als eine der größeren Überraschungen des Filmjahres 2012 beginnt geißelt sich selbst zu genrestandartkonformer Substanzlosigkeit herunter. Eine grobe Täuschung, der ganze Film, auf den all das zurückfällt, was er anfangs zum Humbug erklärt, große Gesten, hinter denen nichts anderes als billige Tricks stehen. Dafür ein tief geseufztes: schade. Wirklich schade drum…

Wertung & Fazit

Action: 1/5
Wird nach ruhigem Aufbau zum Ende hin immer reißerischer, ohne dass dies dem Film gut täte.
Spannung: 2/5
Wird stark aufgebaut und verpufft dann in lautem Geknalle nahezu vollständig.
Anspruch: 1/5
Durch das überzogene Mediengeprotze rund um die paranormalen Aktivitäten nie wirklich glaubwürdig, doch zunächst durchaus facettenreich und mit spannenden Denkansätzen – aber dann…
Humor: 0/5
Fehlanzeige.
Darsteller: 4/5
Alien-Queen Weaver und Scarecrow Murphy sind ein tolles Gespann, dem man anfangs nur allzu gerne in die Handlung folgt, auch De Niro gibt hier eine seiner besseren Spätleistungen.
Regie: 2/5
Der Spanier Rodrigo Cortés macht samt Crew zu Anfang das meiste richtig und am Ende alles kaputt. Unerklärlich, wieso der Mann meint, nach so stimmungsstarkem Beginn einen solch austauschbaren Budenzauber fabrizieren zu müssen…
Fazit: 4,5/10
Fängt ganz stark an, lässt ungeheuerlich nach: Red Lights ist anfangs spannend, konzentriert, interessant, ungewöhnlich, und ab einem harten Knick in der Mitte das genaue Gegenteil. Ein blödsinniges Ende, an den Haaren herbeigeschleift, macht zudem vieles vom starken Auftakt rückwirkend zunichte.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

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