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Review: AUF DER SUCHE NACH EINEM FREUND FÜRS ENDE DER WELT

Autor: am 20.01.2013, um 16:01 Uhr | Kategorie: Kritiken | 3 Kommentare

AUF DER SUCHE NACH EINEM FREUND FÜRS ENDE DER WELT Filmkritik
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Story


Der Asteroid Matilda rast auf die Erde zu und wird in spätestens drei Wochen mit einem gewaltigen Einschlag alles Leben auslöschen. Als eine letzte verzweifelte Rettungsmission scheitert steht es unabwendbar fest, das Ende der Menschheit. Die Reaktionen auf den nahenden Untergang sind verschieden, reichen von enthemmten Partyexzessen bis hin zu Verzweiflung und Selbstmord und offener Randale und Plünderei. Versicherungsvertreter Dodge Petersen indes geht es ganz anders an, nämlich mit stoischer Ruhe, nachdem seine Frau Linda im Angesicht des Endes den Mut gefunden hat, ihn Hals über Kopf zu verlassen. Dodge geht weiter zur Arbeit, will weder verkuppelt werden, noch bis dato verpasste Drogenerfahrungen nachholen. Seine unaufgeregten letzten Tage werden allerdings durcheinandergewirbelt, als er auf Nachbarin Penny trifft. Die steckt nicht nur gerade in einer mentalen Krise, sondern hat in den vergangenen Monaten auch versehentlich Dodges Post erhalten, zwischen der sich ein Brief seiner Jugendliebe Olivia befindet. Als Krawalle in der Stadt zu wüten beginnen macht er sich gemeinsam mit Penny, die vor dem Asteroideneinschlag ihre Eltern zu erreichen hofft, auf den Weg, um noch irgendeinen Sinn im Leben zu finden…

Der Film

Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt, oder: Apokalypse mal anders. Tragisch-komisch und romantisch ist das eher selten, ersteres höchstens unfreiwillig, wenn die Michael Bays und Roland Emmerichs den Weltuntergang als krawalliges Effektspektakel aufmarschieren lassen und das Ende des Planeten zum Event wird. Eines der beliebtesten what if-Spektakel und trotz bisweilen Millionen von Toter letztlich oft Happy End’ig, zumindest wenn Bruce Willis am Start ist oder auf Geologie und Physik gepfiffen wird. Anders jedenfalls geht’s im Regiedebüt Lorene Scafarias zu. Filme wie Armageddon und Deep Impact sind lediglich das Prequel zu ihrer Geschichte, die dort im Vordergrund stehenden Rettungsmissionen und Hoffnung für die Menschheit werden in Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt gleich zu Beginn von einer simplen Radiomeldung zerschlagen. »The final mission to save mankind has failed… the 70 mile wide asteroid known as ‘Matilda’ is set to collide with Earth in exactly three weeks time, and we’ll be bringing you our countdown to the end of days, along with all your classic rock favorites.«



Linda Petersen hat damit genug gehört, türmt fluchtartig aus Dodges Wagen, wohl kaum auf Rettung hoffend, sondern auf Erlösung von vielen verschwendeten Jahre der Ehe und Gemeinsamkeit mit einem denkbar unbedeutenden Jedermann. Dem zunächst nicht einmal dieses persönliche Desaster eine merkliche Regung entlockt. Schade ist, dass Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt seine komischste Szene mit dieser ersten bereits hinter sich hat, und das obwohl Scafaria zu Anfang gerade das Lustige aus der Tragik des nahenden Endes zu kitzeln versucht. Doch sie findet keinen Ausdruck und weckt damit auch lange Zeit kein Gefühl für den nahenden Weltuntergang, Szenarien mit enthemmten Partyfreunden, Straßenaufständen oder sich profilierenden Ex-Freunden wirken gewöhnlich, vielleicht gewollt so allgemein, um die Apokalypse so weit es geht zu entspektakuliseren, aber damit sind sie auch nicht richtig daran gekoppelt. Da passiert zu wenig am Rande der Haupthandlung, um das Ereignis zu globalisieren und viel mehr sonstwie geartete Situationen daraus abzuleiten. Wenn in der Stadt randaliert wird, während in den Vororten weiter der Rasen gemäht wird, ist das zwar ein Kontrast, aber einer, dessen Urspungsbild kaum wahrnehmbar ist.

Dabei bleibt es, wenn Scafaria im Laufe des Films von humorig auf romantisch-tragisch umschwenkt. Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt macht szenenweise betrachtet eigentlich sehr viel sehr schön und richtig, obwohl eine grundsätzliche Vorhersehbarkeit nicht ausbleibt rutscht die Story an ihren emotionalen Punkten nicht ins Kitschige oder moralige Rührseeligkeit ab, da sind vereinzelt ganz wundervolle Momente dabei – nur berühren die meist nicht wirklich, weil dieser olle Weltuntergang keinerlei spürbare Präsenz besitzt und als bloße Aussage schlicht nicht genügt, um die Gefühlswelten der Figuren ausreichend zu reflektieren. Die Apokalypse bleibt immer bloß eine Idee Scafarias, ein Auslöser für Ereignisse, hinter denen kein unbedingtes Bedingen steckt. Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt wird seine Idee zum Verhängnis, denn man müsste sich als Zuschauer eigentlich vollständig von ihr lösen, um dann einen nicht weltbewegenden (oder -vernichtenden), aber feinen kleinen Film zu sehen, einen über Besinnung und Selbstfindung, Eigenerkenntnis und (nie verkehrt) die Liebe, aber den an sich selbst gestellten Anspruch einer „what to do, when the end is near…“-Aufarbeitung erfüllt er nicht. Die Ethik des Endes, das Verzeihen von Fehlern, Wunsch und Begehr nach Gemeinsam- und Zweisamkeit – mehrmals im Jahr Themen dutzender Dramen und Tragikkomödien und hier zu entbrüdert von einem fixen Gedanken seiner Schöpferin, die danach nicht viel damit anzufangen wusste.



Besser als ihre part-time-Chefin machen’s Scafarias Darsteller. Steve Carell ist ein Geschmackssache-Komiker, einer der bohrend nerven kann, sich aber genauso extrem zurücknehmen kann und in Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt mit seine beste Leistung in einer nicht ausschließlich auf Witzefang ausgelegten Rolle liefert. Nervpotenzial besitzt auch immer mal die zähnefletschende Keira Knightley, in einer hysterisch-mental desorientierten Rolle wie jener der Penelope „Penny“ Lockhart erst Recht, doch der Britin gelingt hier das Wandeln auf dem schmalen Grat, der spleenig-liebenswert von ätzend-überdreht trennt. Zumal der Film mit der Zeit stetig ruhiger wird, Dodges und Pennys Road Trip sich nicht mehr an Skurrilitäten wie dem Zwischenstopp im Friendsys-Restaurant oder dem ungewöhnlichen „Selbst“mord eines Truckers abmüht, nicht mehr krampfhaft versucht, Reaktionen auf den Weltuntergang zu inszenieren. Viel TV-Prominenz tummelt sich in Klein- und Kleinstauftritten, von Melanie Lynskey über Connie Britton und Patton Oswalt bis hin zu William Petersen und Gillian Jacobs, doch Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt besinnt sich schließlich auf ein drei Leute starkes Charakterdrama, das zu ♫The Air That I Breathe♫ von den Hollies endlich zu dem gelangt, was der Geschichte bis kurz vor Schluss, bis kurz vor den endgültigsten aller Schlüsse versagt bleibt: emotionale Berührung.

Wertung & Fazit

Action: einzelwertung-05 0,5/5
Kaum als Kriterium zu werten, der Film wird ruhiger und besonnener, je weiter er voran schreitet.
Spannung: einzelwertung-15 1,5/5
Hoffnung auf die Rettung der Welt gibt es keine, passagenweise passiert auch auf der dramatischen und tragisch-komischen Ebene einfach zu wenig.
Anspruch: einzelwertung-15 1,5/5
Was tun im Angesicht des nahenden Endes? Ein paar tiefgreifende Antworten hält der Film parat, allerdings würden diese auch blendend ohne die eigentliche Frage funktionieren.
Humor: einzelwertung-1 1/5
Anfangs viel zu sehr darum bemüht, Komik aus der Apokalypse abzuleiten.
Darsteller: einzelwertung-45 4,5/5
Steve Carell und Keira Knightley spielen sehr überzeugend die eigentlich altbekannte Story einer unwahrscheinlichen Zueinanderfindung durch, die prominenten Cameos und Kleinrollen geraten daneben sehr gimmickhaft.
Regie: einzelwertung-25 2,5/5
Lorene Scafaria hatte eine schöne Idee, der sie mit einigen schönen Momenten begegenet, aber sie doch nie bis zum Letzten ausreizt.
Fazit: wertung-fazit-55 5,5/10
Vielleicht hätte Frau Scafaria ihre Geschichte kompakter, in Kurzfilmform präsentieren sollen, so jedoch startet ihre Weltuntergangsalternative bereits ohne Puste und kommt erst gegen Ende zu einem weichen, rhythmischen Atmen.

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  • Die Idee finde ich äußerst erfrischend. Schade, dass der Film wohl zu wenig daraus macht. :-/ Danke für die Kritik!

  • Schade. Klingt irgendwie… mieß. Hatte mir mehr davon erhofft, da ich Endzeitfilme sehr gerne mag und Steve Carell eigentlich auch.

    • „Mies” ist schon ein bißchen hart gesagt, der Film hat definitiv seine Momente, nur leider verpufft der Apokalaypse-Kontext. Als Carell-Fan aber durchaus schon einen Blick wert ;)