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Review: PITCH PERFECT

Von Riggs J. McRockatansky vor 4 Jahren geschrieben04 / 20130 Kommentare

Story

Die wenig anpassungswillige Hobbymusikproduzentin Beca Mitchell ist auf Drängen ihres Dozenten-Dads neu an der Barden University. Dort treffen die üblichen College-Grüppchen aufeinander: die Coolen, die Streber, die Sportler, die Nerds. Und die a cappella-Gruppen. Die Kings des Campus, zumindest unter den Vokalisten, sind die Treblemakers um ihren selbstgefälligen Anführer Bumper Allen. Der hat mit seiner Truppe, ihren ausgefallenen Choreographien und Coverversionen aktueller Chart Pop Knaller zuletzt sämtliche Preise abgeräumt und macht besonders den eher konservativ ausgerichteten Barden Bellas und ihrer angestaubten Songauswahl das a ca-Leben schwer. Nach einem Finaldesaster im vergangenen Jahr sind die Ober-Bellas Aubrey und Chloe nun auf der Suche nach einer Neubesetzung und stoßen dabei auf Beca, die sich eigentlich aus allem raushalten will, abgesehen von ihrem Job beim Campusradio. Doch für mehr Integration ins Collegegeschehen stellt Becas Dad ihr finanzielle Unterstützung für einen Umzug nach Los Angeles in Aussicht und so wird sie mit einigen anderen vogeligen Girls ein Teil der neuen Bellas – die unter Aubreys gebieterischem Kommando allerdings starr in den alten Mustern verharren und ohne ein bißchen frischen Wind überhaupt keine Chance zu haben scheinen, sich beim nationalen a cappella-Wettbewerb auch nur in die Nähe der Trophäe singen zu können…

Der Film

Junge, gutaussehende Menschen fangen auf dem Gelände öffentlicher Bildungseinrichtungen spontan zu singen und zu tanzen an – »geh mir weg mit sowat«, denkt man da, in Erinnerung an DAS Teenie-Phänomen vor der Twilight-Emovampwelle. Die High School Musical-Trilogie und ihre Disneybubimilchgesichtergang um Zac Efron, Vanessa Hudgens & Ashley Tisdale… Oh dear. Gefolgt von der TV-Musical Dramedy Serie Glee. Uff. Und dann kommt GQ-Redakteuer Mickey Rapkin mit einem Sachbuch namens Pitch Perfect: The Quest for Collegiate A Cappella Glory daher, in dem er vom Collegetrend vokalistischer Auseinandersetzungen und des musikalischen MashUp’ens berichtet und das wird dann sogar noch verfilmt und… »Boah, geh mir weg mit sowat!« Oder? Nee, her damit und am besten gleich auch mit dem Sequel, das letztens auf der CinemaCon für 2015 angekündigt wurde! Woher dieser Überschwang? Ganz einfach: Pitch Perfect von Broadway-Regisseur und Spielfilmdebütant Jason Moore macht Spaß. Richtig doll. Obwohl, nein Quatsch, weil da (halbwegs) junge und (ein paar) gutaussehende Menschen auf dem Gelände öffentlicher Bildungseinrichtungen spontan zu singen und zu tanzen anfangen und weil die Musikkomödie neben 21 Jump Street mit das frechste, witzigste, spitzzüngigste und schlaueste aus dem Lachgenre ist, was es in letzter Zeit so zu sehen und hören gab.



Der völlig unerwartete Kotzgag zum Ausklang des Prologs setzt gleich mal ein Stimmungszeichen. Pitch Perfect ist keine dieser bunt gezuckerten wutzidutzi Plüschvorstellungen eines Teenagerlebens, Überzeichnungen zielen hier in ganz andere Richtungen. Aber ♫haaaiaiaiaiihalt♫ den Publikumscatch legt der perfekte Pitch schon vorher hin, indem er die berühmte Universal-Hymne ver-a cappella’t und sich zu eigen macht, wie zuletzt das Nerdfest Scott Pilgrim vs. the World, der den weltumrundenden Schriftzug der Produktionsfirma optisch und akkustisch auf 8-bit runterrenderte. Sowas macht halt immer Laune. Ansonsten, wenn die Story ans Laufen kommt, scheint Jason Moores Spielfilmdebüt eben dieser Umstand, ein SpielfilmDEBÜT zu sein, erstmal Schwierigkeiten zu bereiten: die Außenseiterin, die den Anschluss scheut, der Sunnyboy, der Interesse zeigt und zunächst die kalte Schulter kassiert, das Auftauen, der Wettbewerb und so weiter – alles Formel, alles so ganz auf Nummer sicher getippt. Und darin geradezu badend. Das ist nämlich keineswegs einer inszenatorischen Unsicherheit geschuldet, das sind keine tappsigen Anfängerschritte über bekanntes Gebiet. Moore vollführt eine ganz bewusste Verbeugung vor seinen Genrevorbildern, benennt mit John Hughes‘ coming of age-Klassiker The Breakfast Club eines ganz deutlich, und spielt andererseits auf einer sich selbst gewahren Ebene mit den Klischees, mit der Vorhersehbarkeit und lässt einen, genau wie die filmisch nachholbedürftige Beca, dennoch die Magie entdecken, die all diese erzählerischen Mechanismen so klassisch hat werden lassen. Das wirkt in Pitch Perfect nicht unoriginell, sondern zeitlos.

Die gewählten Mittel von Moore und Drehbuchautor Kay Cannon sind über- und durchschaubar, sie präsentieren spleenige Sonderlinge im Dutzend, vermeiden es aber gekonnt, auch nur einen Charakter zu weit in irgendeine Absurdität zu treiben. Die Figuren, wenngleich in der Mehrheit mit lediglich einer prägnanten Eigenschaft verschlagwortet (Zicke, Sexbombe, Freak, Lesbe, Geek…) sind lebendig und innerhalb dieser eigentlich völlig quatschigen a cappella-Subkultur glaubhaft. Selbst Rebel Wilson, neben Melissa McCarthy momentan Hollywoods häufigste Antwort auf die Frage nach der „schmerzfreien Dicken“, macht in dieser Funktion hier eine viel bessere Figur, als noch in Bridesmaids oder What to Expect When You’re Expecting, in denen dieser Rollentyp einfach immer den einen Schritt ins Despektierliche abdriftete. Kurzum: Pitch Perfect stellt ein klasse Ensemble vor, aber nicht aus. Die Zündrate der Gags liegt nicht bei 100%, aber nur weniges schießt wirklich komplett am Ziel vorbei, auch einige vulgäre Einlagen oder solche in Verbindung mit Körperausscheidungen lassen sich noch *ähem* schlucken. Denn ansonsten steckt da soviel Witz im Detail und im Anspielungsreichtum, im schelmischen und nie zu aufdringlichen Zwinkern, wenn der Film den ganzen a cappella-Zirkus auch mal verhöhnt: als Trivialität, wenn Sängerin Chloe die Knötchenbildung an ihren Stimmbändern wie einen todgeweihten Schicksalsschlag quittiert bekommt; als so gar nicht ruhmreiches Nieschentum, wenn eine a(lt) capella-Truppe um Scrubs-Star Donald Faison lange nach dem College noch um Aufmerksamkeit hechelt und zu jeder verkauften CD eine weitere gratis dazulegt.



Auch toll: John Michael Higgins und Elizabeth Banks als Kommentatorenduo bei den Competitions mit ihren lakonisch-anzüglichen Sprüchen (»Well, you are a misogynist at heart, so there’s no way you would have bet on these girls to win.« »Absolutely.«). Allein die Namen der beiden, er pragmatisch John Smith, sie extravagant Gail Abernath-McKadden – das ist nicht mehr als Randnotiz, aber wie gesagt: soooo viel Witz steckt in Pitch Perfect im Detail. Der Plot um Anna Kendricks Beca? Beinahe Nebensache, da bei aller cleveren self-awareness eben doch einen Touch zu konventionell, die erzählerische Pflicht neben der Kür. Sweetie Kendrick spielt, tanzt und singt die freche Outsiderin überzeugend und auch Skylar Astin ist als love interest mindestens sympathisch, dennoch sind ihre beiden Figuren die gewöhnlichsten des ganzen Films, ihr Annäherung-Konflikt-Bewältigung-Lauf halt der ungefährdetste Home Run romantischer Komödien. Ist aber überhaupt nicht schlimm, da Pitch Perfect trotzdem keines dieser berechnenden Aniston-/Heigl-Vehikel ist, das die ewig selbe Emotionsklaviatur aus reiner Bequemlichkeit und Risikoscheu immer wieder rauf und runter klimpert. Nee, Pitch Perfect kann mehr, hat mehr und zeigt mehr, der lockert die Laune und die Beine und fühlt sich trotz zig Paar Brüsten im Kampf gegen hahnenkammaufgestellte Spacken nichtmal zum girl power-Loblied berufen. »Organized nerd singing? This is great!« ♫Uhhhhh, yeah-hi-yay-hih-yeah!♫

Wertung & Fazit

Action: 1,5/5
Die Tanz- und Showeinlagen haben ordentlich Dampf.
Spannung: 1,5/5
Nicht wirklich vorhanden, auch wenn der Film sich durch seine self-awareness zumindest ein paar Türen offen hält hinsichtlich seines zu erwartenden Happy Ends.
Anspruch: 1/5
Muss man nicht Tage später noch dran herum grübeln, kommt aber mit netter Botschaft und ohne Moralkeule und besitzt durchaus Schläue.
Humor: 3,5/5
Sitzt einfach.
Darsteller: 4/5
Tolles Ensemble mit vielen eher unbekannten Gesichtern, was den Film noch zusätzlich frisch erscheinen lässt.
Regie: 4/5
Jason Moore nutzt seine Broadway-Erfahrung und legt ein gepfeffertes Spielfilmdebüt hin, in dem er seine offensichtlichen Vorbilder klug und ironisch referenziert.
Fazit: 7,5/10
Überraschung! Einer DER Überraschungshits des letzten Kinojahres ist tatsächlich überraschend gut. Wahnsinnig sympathische, gewitzte und clevere a ca-College-Comedy.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

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