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Review: VOLL ABGEZOCKT (OT: Identity Thief)

Von Riggs J. McRockatansky vor 4 Jahren geschrieben08 / 20130 Kommentare

Story

Der unscheinbare Buchhalter Sandy Bigelow Patterson aus Denver, Colorado, wird von seiner Finanzfirma im dritten Jahr in Folge bei der erhofften Bonuszahlung übergangen, während sich seine Bosse die sehr ordentlichen Gewinne in Millionenbeträgen einverleiben. Grund genug, sich einer Gruppe nicht minder wütender Kollegen anzuschließen und eine eigene Firma zu gründen, in der für Sandy sogleich der Posten des Vizepräsidenten vorgesehen ist. Dieser vor allem finanzielle Segen kommt gerade recht, wird die gemeinsame Wohnung für ihn, seine schwangere Frau Trish und die beiden Töchter schließlich langsam zu klein. Doch plötzlich wird aus dem bravbürgerlichen Sandy ein per Haftbefehl gesuchter Verbrecher, der in Waffen- und Drogengeschäfte verwickelt sein soll. Was ist da passiert?! Tatsächlich ist der Familienvater während eines unbedachten Telefonats einer Kreditkartenbetrügerin auf den Leim gegangen, die sich seine Daten geschnappt hat und nun unter seinem Namen Sandys Konten plündert und in Florida die Sau rauslässt. Der Polizei sind die Hände gebunden und um im Zuge des schwebenden Verfahrens nicht seinen Job zu verlieren und seinen Namen von allen Strafzweifeln rein zu waschen muss Sandy selbst sich auf den Weg nach Florida machen, um die Identitätsdiebin Diana dingfest zu machen und nach Denver zu überführen…

Der Film

Sieben Jahre lang die spleenige Köchin Sookie bei den Gilmore Girls, mit Mike & Molly eine Emmy-ausgezeichnete Sitcom am Start, Oscar-nominiert für Bridesmaids und mit ihren letzten fünf Filmen weltweit über eine Milliarde eingespielt – um mal gleich den richtigen Niveau-Ton für den nachfolgend zu besprechenden Film zu treffen: Melissa McCarthy ist im Moment ganz schön dick im Geschäft. Verstehste? Dick. Weil die is ja dick, so körperlich und so. Das ist rein als Feststellung nicht sonderlich witzig und Seth Gordons Road Movie-Komödie Identity Thief fast zwei Stunden dabei zuzusehen, wie der Film McCarthys Wuchtbrummigkeit immer wieder als seine einzige komische Idee zelebriert ist es ebensowenig. Die Dicke platscht zu Boden, die Dicke schnauft außer Atem, die Dicke ferkelwemst ’nen anderen Dicken, die Dicke brawlt und wird von ’nem Auto auf’s Korn genommen. Zwar spinnt Identity Thief auch noch ein paar fehlplatzierte Schwarzhumorigkeiten und Dramamomente um seine Prämisse herum, im Wesentlichen ist es aber nicht mehr, als eine plumpe R-Rated-Comedy, die immer den offensichtlichsten Weg zum schlechten Gag wählt.



Fettleibigkeit als Quell komödiantischer Einlagen ist als Masche so alt wie das Genre der Komödie selbst, von Oliver Hardy über Kevin James bis Zach Galifianakis. Das ist nicht per se politisch überkorrekt vorzuverurteilen, Comedy darf erstmal (fast) alles, um ihr Publikum zum Lachen zu bringen. Pummelwummsen sind also kein Tabuthema, doch wie jede tendenzielle Randgruppen- und Minderheitengagamache braucht es dafür Gespür und Attitüde. Davon besitzt Identity Thief jedoch so viel wie ein nerviger Handyklingelton. Seth Gordon, der zuletzt mit Horrible Bosses zwar verschenkte, aber doch ordentliche Ware geliefert hat, und sein Drehbuch-Duo Craig Mazin und Jerry Eeten lassen hier jedes Empfinden für Figuren vermissen, denen man über ihre Vorstellung hinaus folgen mag. Jason Bateman spielt mit Sandy Patterson mal wieder den leibgeschneiderten Mittelstandsjedermann, dem der Weg die Karriereleiter rauf durch irgendwelche Umstände vermiest wird, und das reißt der Westchesteraner zum zigsten Mal mit einer Routine runter, die in ein scheinbar von sich selbst gelangweiltes Anti-Schauspiel umschlägt. Der eigentlich ja voll knuffige Bateman schaut im Filmverlauf immer angeödeter aus der Wäsche und beißt mit einer Arschigkeit um sich, die ihn als Sympathieträger ausscheiden lässt.

McCarthys Diana indes ist gefangen in einem unschlüssigen Hin- und Hergeschwanke zwischen komplett durchgebrannter White Trash-Ranztante und tragischem Charakterbackground, doch auch wenn ein entnervter Barmann, in dessen Etablissement die Identitätsdiebin mit Sandys Kohle um sich schmeißt, gleich zu Anfang anmerkt »These aren’t your friends. They like you because you’re buying them drinks. People like you don’t have friends…« und damit andeutet, dass etwas tiefer begrabenes als offensichtlicher Böswill hinter ihren Taten steckt, entwickelt sich nie Mitgefühl für diese verbrecherische Dampfnudel. Wie auch, wenn Gordon im einen Moment den Sex zwischen ihr und dem Cowboyhut tragenden Big Chuck als abartiges Elefantengebalze inszeniert, vor dem Sandy stellvertretend Augen und Ohren verschließt, McCarthy aber unmittelbar danach Tränen der Rührung vergießen soll, als sie zufällig einen Anruf vom schnuckeligen Patterson-Nachwuchs abfängt. Da passt nichts zueinander und entweder hätten Gordon und die Autoren konsequent dabei bleiben sollen, dass sie einen Body Mass Index jenseits messbarer Norm nur mit Lautstärke, ungehobeltem Benehmen und Widerwärtigkeit assoziieren, oder sie hätten die Füllmenge ihrer Hauptdarstellerin gefälligst weniger ausstellerisch und fremdschämend-entblößend verwalten sollen, um sie als verlorene Existenz nicht komplett unglaubhaft zu machen.



Damit nicht genug: scheitert Identity Thief schon an diesem kruden Mix aus falscher Sentimentalität und in seinen schlimmsten Momenten hoch peinlicher Fragwürdigkeit, mengt er dem Geschehen auch noch einen wirr und zusammenhanglos ein- und ausgeführten Crime-Part bei, als sich in Person eines unkaputtbaren Kopfgeldjägers und zweier Handlanger im Auftrag eines inhaftierten Mexikaners dunkle Gestalten an Sandys und Dianas Fersen heften. Der lederne Robert Patrick als Skiptracer, sowas wie T-1000 meets Leonard Smalls (der Höllenbiker aus Raising Arizona), und sexy Génesis Rodríguez sind dabei noch die einsamen Höhepunkte von Identity Thief, obwohl ihre Figuren eher in Exploitation-Grotesken wie The Baytown Outlaws gehören und ein paar unvermittelte Gewalteinlagen den ohnehin unsteten Ton des Films brechen. Dass der sich dann nichtmal für eine runde Auflösung dieses flatulenten Beiwerks kümmert hätte erst recht dafür gesprochen, die langweilige Sause um eine flockige halbe Stunde zu kürzen. Viel besser hätte das Identity Thief nicht gemacht – aber wenigstens wär’s schneller vorbei gewesen…

Wertung & Fazit

Action: 1,5/5
Voll wenig.
Spannung:0,5/5
Voll gähn.
Anspruch: 0/5
Voll nich.
Humor: 0,5/5
Voll vergeigt.
Darsteller: 1,5/5
Voll unverständlich, warum die sowas mit sich machen lassen.
Regie: 0,5/5
Voll daneben.
Fazit: 2/10
Schwache Schwachmödie, die nach unaufregend-guckbarem Beginn iiiiiimmer schlechter und schlechter wird.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

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