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Review: STAND UP GUYS

Von Riggs J. McRockatansky vor 4 Jahren geschrieben08 / 20131 Kommentar

Beim Golf bezeichnet der Cut das Ausscheiden von Spielern, die bei einem Profiturnier nach den ersten beiden von insgesamt vier Runden mit zu schlechten Ergebnissen dastehen. Sowas ähnliches passiert auch in der Filmwelt, wenn eine Produktion während ihrer BoxOffice-Runden in den USA so unterdurchschnittlich abschneidet, dass es in anderen Ländern nicht mehr zu einem Kinostart kommt. Stattdessen landet solche kommerzielle Flopware dann direkt in den DVD- und Blu-ray-Regalen der Elektrofachhändler, manchmal gibt’s da allein der Besetzung wegen leinwandwürdige Perlen wie das Kampfsport-Drama Warrior oder den Prohibitions-Thriller Lawless zu entdecken, oft ist’s aber eben wirklich blanker Mist, der das Aufmerksamkeitsdefizit eines Kinopublikums verdient hat. Wie im Falle von Fisher Stevens‘ lascher Gaunersause Stand Up Guys

Story

28 Jahre hat der Gangster Val im Gefängnis gesessen, die Schuld seiner Mittäter auf sich genommen und, Ehrensache, niemanden verpfiffen. Alt und ergraut wird er nun in die Freiheit entlassen und von seinem besten Freund Doc abgeholt, der den Ruhestand in einem unkonfortablen Appartment verbringt, Bilder malt und haufenweise Tabletten gegen allerlei Alterserscheinungen und Wehwehchen schluckt. Val indes möchte lieber ordentlich die Sau rauslassen, gegen ein paar gerichtliche Auflagen verstoßen und die wahrscheinlich letzte Nacht seines Lebens so richtig genießen – denn er weiß, der Unterweltboss Claphands fordert seinen Tod, nachdem vor fast drei Jahrzehnten im wilden Kugelhagel ausgerechnet Vals Kugel dessen Sohn niederstreckte. Schnell kommt Val darauf, wer den Job zu Ende bringen soll: Doc, der sonst selbst von Claphands um die Ecke gebracht wird. Mit Zeit bis zum nächsten Morgen starten die Gauner also eine wilde Tour, ganz im Sinne der guten alten Zeit…

Der Film

Stand Up Guys ist das filmgewordene Nachspüren der Frage, was im hohen Alter aus Protagonisten der Gangster-Universen von Quentin Tarantino und Guy Ritchie wird. Nur fällt der Story dazu absolut nix ein. Womit kommt der Film den Altstars Al Pacino, Christopher Walken und Alan Arkin? Mit Potenzproblemen. Mit einer ausgewalzten Episode über Potenzprobleme, vom Auftreten über die viagröse Behebung bis zur Überdosenproblematik mit Blutstau im Ständer und Krankenhausbesuch. Das könnte eine Sitcom-Episode mit Inhalt füllen, Two and A Half Retirees oder so, ist aber mindestens genauso bieder und öde. Cool, smooth und bisweilen makaber will das sein, aus seiner schlaffen Bedeutungslosigkeit Momentum generieren, wenn dann plötzlich Sachen wie Autoverfolgungsjagden, Massenvergewaltigung und Gewaltausbrüche hervor stoßen, nur das Stand Up Guys mit diesem QT-Stilmittel überhaupt nicht umzugehen versteht.



Der Tour durch die Nacht mit drei erschlafften Gaunerkumpanen, die ein paar alte (un)gute Gewohnheiten aufleben lassen und sich so zum vermeintlich letzten Mal ein bißchen Adrenalin durch die Venen pumpen, sitzt der Kalk tiefer in den Knochen als ihren Darstellern. In den wenigen guten Szenen schwingt ein melancholischer Unterton mit, Pacinos Val erfährt früh im Film, dass Walkens Doc für die finale Kugel verantwortlich sein wird, der eine altehrwürdige Gangster, der seinem sicheren Ende entgegen sieht, der andere, sein bester Freund, der es herbei führen wird. Daraus könnte Stand Up Guys einen bitteren Abgesang auf kriminelles Leben und Sterben anstimmen, kommt dann aber immer wieder mit temporär-gewollten Schrägschlägen daher: ganze drei Mal tummeln sich die Faltenopas in Lucy Punchs Privatpuff, der obligatorische Genreshot aus dem Kofferraum heraus darf nicht fehlen, in selbigen liegt die splitternackte Death Proof-Lapdancerin Vanessa Ferlito, deren Peiniger das Altenteiltrio mal eben radikal abserviert…

All sowas stört, statt dass es den Film und sene Episodenstruktur zu einem Rentnervoir Dogs oder Kalk Fiction macht. Der Kern der Story, Pacino und Walken, ihre Freundschaft und der unweigerliche Ausgang, das wäre eine gute Kurzfilmidee gewesen, wird aber mühevollst auf Spielfilmlaufzeit gestreckt. Auch drei rüstige Oscar-Preisträger können nichts ausrichten, wenn die Gags nicht zünden, die Charaktere nichts hergeben, die Story wie ein umgekippter Farbeimer zähflüssig in viele Richtungen zerläuft, ohne ein Gesamtbild zu ergeben. Pacino wedelt mit den Armen und hatte in den letzten Jahren definitiv schlechtere, irgendwann ganz gewiss aber auch mal weit bessere Rollen, Kultmime Walken legt standesgemäß ein kleines Tänzchen hin, Arkin gibt buchstäblich Gas und tut sich die Chose nicht länger als nötig an – für Fans der Stars sicher alles okay, aber trotzdem greifen auch die lieber zum zigsten Mal zum Godfather oder zu Scarface, zu Deer Hunter oder Suicide Kings, zu The Russians Are Coming, the Russians Are Coming oder zu Glengarry Glen Ross.



Californication-Sweetie Addison Timlin als liebreizende Diner-Bedienung Alex, Good Wife Julianna Margulies in ihrer ER-Schwesternkluft und die erwähnten Punch und Ferlito bieten nicht mehr als höchstens optischen Mehrwert, tragen jedenfalls kaum dazu bei, den nächtlichen Ausritt der old school Verbrecher großartig anzureichern. Ob sich der zuvor noch am Sauerstoffgerät hängende Arkin da in Punchs Puff als Superstecher entpuppt, die Ferlito nach einer Vergewaltigung unnatürlich aufgeräumt wirkt oder Timlin und Margulies Verwandschaftsverhältnisse zu dem Trio offenbaren, Stand Up Guys havariert weiter schwerfällig und langweilig durch seine Handlung. Drehbuchator Noah Haidle und Regisseur Stevens haben keinerlei hervorstechende Einfälle und Kniffe parat, um ihren Film der Lethargie zu entreißen. Und selbst um ihr verdientes Ende bringen sie die Figuren, als sie es auch in der Schlusseinstellung noch verreißen und mit elendiger Pseudocoolness aufzutrumpfen versuchen. Nee, Stand Up Guys ist nix, legt euch lieber wieder hin Jungs, genießt den Ruhestand und lasst’s gut sein.

Wertung & Fazit

Action: 1/5
Nicht viel los.
Spannung:0,5/5
Wie man Lässigkeit und Banalität so sehr überbetont, dass daraus die pure Langeweile wird, genau das zeigt Stand Up Guys beispielhaft.
Anspruch: 0,5/5
Da gibt es ein paar melancholische Anklänge, aber die werden verschlungen von der puren Egalheit von Story und Charakteren.
Humor: 0,5/5
Kaum ein Gag, der funktioniert.
Darsteller: 3/5
Gern gesehene Oldies und Girls, aber die sind alle in empfehlenswerteren Werken zu sehen gewesen.
Regie: 1/5
Fisher Stevens’ Liste seiner Schauspielauftritte in der IMDb ist lang, die seiner Regiearbeiten hingegen kurz. Sorry, aber das darf gerne so bleiben.
Fazit: 2/10
Holt nichts außer einem dysfunktionalen Episodenkonstrukt aus seiner Idee heraus, das ziellos vor sich hintreibt. Unglaublich öde, trotz Pacino, Walken und Arkin.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

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