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DER HOBBIT – SMAUGS EINÖDE: Kritik zum Mittelerde-Abenteuer

Von Riggs J. McRockatansky vor 3 Jahren geschrieben12 / 20133 Kommentare

Story

Nachdem sie der unterirdischen Orkstadt entkommen konnten setzt die ungewöhnliche Gemeinschaft aus dem Zauberer Gandalf, Hobbit Bilbo Beutlin und den dreizehn Zwergen um Thorin Eichenschild ihren gefahrvollen Weg zum Erebor fort. Jenem Berg, in dessen Hallen einst der Reichtum der Zwerge blühte, ehe der Drache Smaug das Umland verwüstete, den Schatz an sich riss und seine Hüter vernichtete oder vertrieb. Doch auf den rechtmäßigen Thronerben Thorin und die anderen warten zunächst andere Bedrohungen: ihr Weg führt die Gruppe durch den Düsterwald, in dem seit einiger Zeit grauenvolle Gestalten umgehen und sich der Hauch eines aufziehenden Schreckens immer tiefer verwurzelt. Während Gandalf der Graue jenem noch namenlosen Bösen in den Ruinen von Dol Guldur nachspürt geraten die Zwerge nach einigen gemeisterten misslichen Lagen schließlich in die wenig offenen Arme der Waldelben des nördlichen Düsterwalds. Deren König Thranduil zeigt ebenfalls Interesse am Schatz der Zwerge, jedoch keines am Schicksal Mittelerdes…

Der Film

♫Far over the misty mountains cold – hin zu Kritik, ungehewooohnt♫ Längst nicht alle konnte Peter Jackson im letzten Jahr mit seiner herbeigesehnten Rückkehr nach Mittelerde glücklich machen: statt Zweiteiler zur Trilogie aufgebläht, CGI übertrumpft den praktischen Effekt und vor-Ort-Dreh, die HFR-Kontroverse, „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ integrierte schon im Vorfeld ein paar höchst ungewollte Begriffe in den Kanon, und mit Slapstick-Zwergen, Albino-Orks, karnickelrasenden Knatteropas und mit rotzenden Trollen und skrotumkinntragenden Fettwanstorks konnten dann auch nicht all jene was anfangen, die mit Zauberstab oder Spitzohren zur Premiere auftauchten. Total d’accord, alles nicht so töfte. Trotzdem war’s ein schönes Fantasy-Abenteuer, eine gerne entgegen genommene Dreingabe und Erweiterung für die unerreichbare „Der Herr der Ringe“-Trilogie. Mehr als das, so viel sei vorweggenommen, ist erwartungsgemäß auch der Mittelteil des zweiten Dreiers rund um Pelzfüße, untertiteltes Linguisten-Exzessivtum und laaaaanges in der Gegend rum marschieren nicht geworden. „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ ist toll(kin)es High Fantasy-Kino, das für weitere ausschweifende 160 Minuten nach Mittelerde entführt und dem Genre-Fan (wie ich es einer bin) viele Wünsche und Träume erfüllt und in ein paar andere Seifenblasen leider weiterhin mit der Nadel sticht.



Nachdem der große eye opener zu Beginn diesmal ausbleibt, es also keinen epischen Rückblick auf vergangene Kriege gibt, geschweige denn einen gleichwertig-überwältigenden Gandalf vs. Balrog-Moment, tanzt „Smaugs Einöde“ nicht lange um’s Feuer herum: die Orks unter Führung von Azog dem Schlächter sind nach deren gefiederter Flucht bereits wieder auf der Jagd nach der Heldengruppe, die Handlung bringt noch schnell Beorn den Pelzwechsler hinter sich, ehe im Düsterwald erst halluzinogene Mächte, dann die Spinnen, dann die Elben zuschlagen. Im Gegensatz zur wildwässrigen Fässerflucht aus den Fängen des blasierten Tawarwaith-Fürsten Thranduil kommt der Film bis hierhin erstmal schwer in Fluss, eher durch und ins Bild geschubst wirken Handlungsorte und Figuren, die Vorgeschichte bleibt stolpriger vorgetragen als der „Ringe“lpietz. Das die kurzgeratene Heldengruppe seit nunmehr zwei Filmen und in fast sechs Stunden stets von einer Gefangenschaft in die Klauen der nächsten flieht ist sicher nicht der Erzählform raffiniertester Kniff. Von Dooftrollen in Säcke gesteckt, von Orks niedergerungen, von Spinnen zugewoben, von Elben eingesperrt und fröhlich so weiter, eine strukturelle Dauerschleife, die aber viel strammer als noch in „Eine unerwartete Reise“ gewickelt wird.

Konnte man dem Vorgänger noch seine „Die Gefährten“-Baukastennarration zum Vorwurf machen geht „Smaugs Einöde“ sehr viel deutlicher den Weg seiner eigenen Geschichte und kreiert endlich wieder denkwürdige Mittelerde-Momente. Da ist viel Fan Service dabei, aber ohne flehentlichen Versöhnungswink. So kehrt zum Beispiel Orlando Bloom entgegen der Vorlagentreue in der Rolle des Legolas zurück und darf gemeinsam mit der beigedichteten Elbin Tauriel hordenweise Orks metzeln. Und das macht halt keiner dermaßen elegant und mit solchen krassen elb ass moves! Der kill count des Leichtfuß-Duos übersteigt den der Zwerge bei weitem und natürlich sind da massenhaft Shots dabei, die nur den Fanboy zum Jaulen bringen und weiter nichts wollen – aber DAS ist Fantasy, ein nach allen Regeln der Kampfeskunst Orks wegmachender Elb, wer will DAS denn bitte nicht sehen?! Die Handlungsfunktion der generellen Elbenanwesenheit in „Smaugs Einöde“ beschränkt sich ansonsten auf die Retter-in-letzter-Sekunde-Nummern, für die Gandalf diesmal ausfällt, und um in Thranduils »Mittelerde kann uns mal«-Haltung dem Herrn der Ringe vorzugreifen. Das ist nicht viel, aber wie diese ganze Prequel-Kiste eben eine nette Zugabe, warum sollte der Film aussparen, was nicht zuvorderst seinem Plot dient, sondern die Urspünge dessen abforscht, was die „Der Herr der Ringe“-Saga später manifestieren wird? Im Gegensatz zu den „Star Wars“-Trilogien wird man das gewaltige Mittelerde-Märchen im nächsten Jahr schließlich als zwanzigstündiges Ganzes genießen können und wie viele »Aha!«‘s wird dieser Anspielungs- und Ausschweifungsreichtum wohl Erstsehern bescheren…



»All good stories deserve embellishment.« Es klang fast entschuldigend, als Gandalf diese Worte dem Abschluss des fast vierzigminütigen Prologs von „Eine unerwartete Reise“ entgegen sprach, aber es war doch mehr als das: ein Credo für Peter Jackson, jeodch genauso eine Wahrheit über das Fantasy-Genre an sich. Was macht Tolkiens Mittelerde-Mythos denn so einzigartig und beliebt? Seine Ausgeschmücktheit, der nie versiegende Reichtum dieser Welt, deren Autor zum Teil Beugerichtung und Beschaffenheit einzelner Grashalme auf der Reise seiner Figuren beschrieb, gleich mehrere Sprachen bis ins letzte linguistische Detail ersonn. Daran können Jackson, Fran Walsh und Philippa Boyens selbst in den Extended Editions ihrer Umsetzungen nur kratzen, verschieben, ändern oder dichten einiges hinzu, doch wie viel sie dabei auch nach rechts und links und nicht nach geradeaus inszenieren mögen: es trägt dazu bei, neben dem literarischen auch das filmische Mittelerde reich zu gestalten, eine Welt über rein handlungsrelevante Szenen oder expositorische Dialoge hinaus zu schaffen, mögen dabei noch so viele Namen genannt werden, die keiner kapiert und noch so viele Orte bereist, an denen eigentlich nichts passiert. DAS hat seit dem Fantasy-Boom nach „Der Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ eben kein anderer Fantasy-Film geschafft.

So, wo war ich? Ach ja, „Smaugs Einöde“. Der bietet mit der Seestadt Esgaroth und mehr von der Festungsruine Dol Guldur einige beachtliche neue und erweiterte Sets, greift mit Howard Shores Score dieses Mal nicht so oft auf Gedächtnisklänge zurück, schraubt den Einsatz des zum Jar Jar Binks des Hobbit-Universum ausgerufenen Radagast der Braune genauso zurück, wie die kindergartentauglichen Komikeinlagen der unerwarteten Reise. Gemäß Sequelregelwerk wird’s düsterer, die Bedrohungen für die Zwerge und Bilbo sowie den die meiste Zeit separierten Gandalf geraten weniger cartoonhaft und dafür mehrschichtiger. Die geifernden Orks, die herablassenden Elben, das große und gar nicht so unbekannte Urböse Dol Guldurs und zusätzlich ein politisches Intrigenspielchen in Esgaroth – das sind schon andere Kaliber als Schnoddertrolle und solch Zeugs. Was weiterhin fehlt ist allerdings die Gefühlsseite. Die Figuren gehen auf dem Weg zum Erebor nur geographisch voran, die Zwergengruppe bleibt nach wie vor fast nur als solche identifizierbar, auch wenn sie nicht mehr ununterbrochen in voller Zahl beieinander sind. Anfangs deutet sich noch eine bereits steigende Abhängigkeit Bilbos zum geheimnisvollen Ring an, den er seit seiner Begegnung mit dem Geschöpf Gollum bei sich trägt, was Martin Freeman einige sehr feine »was passiert mit mir…?«-Huscher bietet, sich dann aber im steten Wechsel des Handlungszentrums verliert. Dort steht keine Figur so richtig, nicht Bilbo, nicht Thorin, nicht Gandalf. Die kleinen Momente, die eine emotionale Ebene bedienen, fehlen „Smaugs Einöde“ ebenso wie sie „Eine unerwartete Reise“ fehlten und wenn Jackson sie ansetzt kommt so ein Quatsch dabei herum, wie die zwergisch-elbische Völkerverständigung zwischen Kili Aidan Turner und Tauriel Evangeline Lilly.



Darum bleibt „Smaugs Einöde“ ein tolles Fantasy-Abenteuer in einer fesselnden Welt, das man als Fan mit herzerfüllter Freude verfolgen kann, aber doch nicht so direkt daran teilnimmt, wie noch an der Quest des Ringträgers Frodo Beutlin und seiner Gefährten. Kein echter Anlass zum Mitfiebern, kein hemmungsloses Losgeheule, wenn es irgendjemandem mal schlecht ergeht. Das wird auch „Hin und zurück“, der Abschluss der Hobbit-Trilogie, im nächsten Jahr nicht mehr ändern können, die komplette Dröhnung nicht nur für die Sinne, sondern gleichsam für’s Taschentuch gibt es dann eben erst ab „Die Gefährten“. Ähem, war noch was? Noch etwas unerwähnt geblieben? Nein? Na gut, dann…. Ohhhhhh, Mooooment, eines ist da ja doch noch! Oder besser: einer. Der König unter dem Berge. Der goldhortende Wyrm. Smaug. »Truly, songs and tales and movie critics fall utterly short of your enormity, O Smaug the Stupendous…« Nichts hinzuzufügen… Von Smaugs Offenbarung bis zum Cliffhanger ist das feurige Finale im Erebor jedenfalls der bislang beste Part des Prequel-Unterfangens. DAS ist Fantasy, wenn eine wackere Zwergengruppe in den unermesslichen Hallen ihrer Vorväter unter Einsatz von Bergbau- und Schmiedetechniken gegen einen gewaltigen Drachen antritt!

Wertung & Fazit

Action: 4,5/5
Legolas und Tauriel und ihre Orkschlachterei, die Fassflucht, der räuch’rige Showdown: schöne Fantasy-Sets mit tollen Fights. Nicht alles am Optimum getrickst und die ewige Gefangenschaft/Flucht-Mechanik fällt etwas negativ auf.
Spannung: 3/5
Immer noch das Prequel-Problem: wer lebt und wer stirbt ist klar, sobald man die Vorlage oder die „Der Herr der Ringe“-Nachfolger kennt. Dafür ist viel mehr Tempo und Dramatik drin, als noch beim Vorgänger.
Anspruch: 2,5/5
Durch das hochgeschraubte Tempo und die perspektivische Sprunghaftigkeit gehen echte Charaktermomente leider noch ein bißchen mehr verloren.
Humor: 0,5/5
Viel weniger gewollt als im Vorgänger. Der Ton ist spürbar rauer und düsterer, Gags eher zynischer Natur.
Darsteller: 4,5/5
Passt natürlich alles weiterhin perfekt, nur ist für niemanden der ganz große Raum zum Glänzen da. Am ehesten bekommt den Martin Freeman geschaufelt, ehe gigantische Schwingen ihren Schatten auf ihn werfen und die Show im Erebor Benedict Cumberthreat gehört…
Regie: 4,5/5
Wie im letzten Jahr: Peter Jackson bringt Mittelerde zurück auf die Leinwand und bis auf ein paar erzählerische Holprigkeiten hat er nichts verlernt.
Fazit: 9/10
Fantasy-Kino made in Mittelerde: eben das Beste, was das Genre zu bieten hat. Smaugs Einöde ist die nächste große Bühne für Schlachten und Schauwerte, Dramen und Drachen, Hobbits und Elben, Zwerge und Orks. 160 Minuten lang einfach wegreißen lassen.

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Kommentare

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  • Christian Hoja 1462 Kommentar(e)

    @Alaric & Ktin: kann ich alles nachvollziehen, was und warum euch die erwähnten Dinge stören. Einen mehr Bilbo-fixierten Film (um die Trilogie mal als ein Ganzes zu betrachten) hatte ich eigentlich auch erwartet und der insgesamt fehlende Fokus auf IRGENDEINE Figur stört mich auch mit am meisten an AUJ und TDOS. Das hat LOTR einfach viel besser hinbekommen. Andererseits hab ich im Falle des HOBBITS die Vorlage nicht gelesen, drum fällt mir vieles an Änderungen nicht sooo störend auf, außer der Filmfluss ist davon beeinträchtigt, wie bei der Beorn-Sequenz, die mir als Nichtkenner einfach nur komplett fehl am Platz vorkam. Wird in der Extended aber sicher erweitert.

  • Ktin 1 Kommentar(e)

    Ich schließ mich Alaric vollstens an. Das Buch hätte als Script vollstens gereicht. Man hätte lieber versuchen sollen die vorhandenen Szenen aus dem Buch ausreichend darzustellen als neue hinzuzudichten. Zum Beispiel bei Beorn, im Wald oder meiner Meinung nach war die Zeit als die Zwerge bei den Elben gefangen waren zu kurz, das dauerte doch im Buch länger, oder? Die ganze Lovestory und die Seestadt haben finde ich den Film eher gestört. Obwohl die Seestadt ja im Buch vorkam, aber den Teil hätte man kürzer halten können, gerade das ständige hin und her springen am Ende des Filmes, wenn man dann doch mal endlich ein wenig gefesselt ist, haben einen doch ein bisschen den Spaß genommen.

  • Alaric 1 Kommentar(e)

    Ich mag gerade das “kindliche”, kleine an der Buchvorlage. Zwar ist mir klargeworden, was Jackson will (“Den Hobbit” in Mittelerde intgrieren und deutlich mehr Epik generieren) aber mir hätte eine dierektere Umsetzung mit Bilbo im fokus besser gefallen. Also eine Art Mittelerde-Roadmovie mit mehr Atmosphere mehr Spinnen und Wald weniger Elben und Seestadt also weniger Action und Slapstick, dafür mehr bunte Nostalgie mit eigenem warmem Humor. Aber wirklich gefehlt hat mir vorallem die Sequenz in der die Zwerge, angeleitet von Gandalf, ihre höfliche aufwartung bei Beorn machen. Wäre auch Bilbos Hobbit Charakter durchgekommen hätte man ein bisschen mehr Gemütlichkeit und Mut gehabt (Ich glaub nicht das irgendjemand versteht was ich mit diesem Satz meine…, ich weiß es ja selbst nicht) … So ist der Film an und für sich zwar super gemacht aber das Buch hätte mir als Script besser gefallen…

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