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PRAKTI.COM: Kritik zum Google-Fan Film mit Vince Vaughn & Owen Wilson

Von Riggs J. McRockatansky vor 4 Jahren geschrieben02 / 20141 Kommentar

Story

Für die gewieften Uhrenverkäufer Billy McMahon und Nick Campbell ist die Zeit mit Anfang/Mitte Vierzig abgelaufen, zumindest beruflich: während eines Kundentreffens müssen sie erfahren, dass ihre Firma von gerade eben auf jetzt sofort dicht gemacht hat, laut ihrem Boss Sammy schauen zur Zeitabfrage schließlich eh alle nur noch auf ihre Smartphones. Billy verliert daraufhin seine Freundin und sein Haus wird zwangsversteigert, während Nick ins Matratzengeschäft seines nervigen und analfixierten Schwagers einsteigt. Doch das kann’s ja wohl nicht sein, sagt sich Billy und schreibt sich und seinen besten Freund nach ein wenig Internetrecherche für eine Praktikantenstelle beim Onlinegiganten Google ein. Ohne einen Funken IT-Erfahrung reden sich die Verkaufsstrategen beim Bewerbungsgespräch zwar um Kopf und Kragen, bekommen jedoch den Zuschlag für zwei der begehrten Plätze inmitten eines ganzen Rudels halb so alter brillianter Geister und Technik-Nerds. Aufgeteilt in Teams sollen nun über den Sommer verschiedene Herausforderungen die Googliness des Bewerberkreises ermitteln, dem besten Team winkt eine Festanstellung. Billy und Nick landen in einer Gruppe der Übriggebliebenen und versuchen ihr Bestes, um irgendwie ihre Fähigkeiten für den Teamerfolg einzubringen – nur leisten diese Fähigkeiten leider weder beim Herausfiltern eines Bugs im Quellcode, noch beim Programmieren einer App große Hilfe…

Der Film

Mark Zuckerberg geht wohl immer noch erstmal ‘n Kontoauszug ziehen, um seine Glücksgefühle wieder aufzuladen, nachdem er an „The Social Network“ erinnert wurde. Der lobumjubelte Facebook-Film als Anti-Image-Kampagne für den Erfinder des immer unbeliebter werdenden Einnahme- und Privatsphärenvernachlässigungsgiganten; wie faktentreu David Finchers Soziopathen-BioPic sein mag oder nicht, von Zuckerberg gibt es dafür den Dislike-Button. Mit solch missgünstigen Traumfabrikserzeugnissen müssen sich andere Web-Unternehmer nicht herumärgern: die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page, gemeinsam ein Vermögen von geschätzen $46 Milliarden US-Dollar schwer, können es sich in Bademantel und Schlappen vor dem Fernseher gemütlich machen, wenn da an einem faulen Sonntag Nachmittag „Prakti.com“ (OT: „The Internship“) läuft, denn der meint es sowas von gut mit dem Suchmaschinenmarktführer, das man eigentlich sofort und egal aus welcher Branche stammend seine Bewerbungsunterlagen Richtung Googleplex absenden will. In dieses vierfarbige Wunderland, diesen Garten Eden unter den Arbeitsplätzen, diesen harmonischsten, menschenfreundlichsten Ort in ganz Kalifornien, ach was, auf der ganzen Google Earth!



Im Gegensatz zu „The Social Network“ sind an „Prakti.com“ keine Schlipstreter wie Fincher und Aaron Sorkin beteiligt, sondern der Harmlosfilmer Shawn Levy. Und der sowie die Drehbuchschreiber Vince Vaughn und Jared Stern sehen nicht den kleinsten Grund, den Wissenslieferanten und Gedächtnisersetzer auch nur ein bißchen zu kitzeln. Nein, die Macher erliegen einer glubschäugigen Google-Glorifizierung, statt Search Engine-Satire gibt es Großkonzern-Gekuschel und ob die Crew hinter „Prakti.com“ das ernst meint und Google tatsächlich so sieht, oder ob sie nur um die Indexierung der für ihren Film relevanten Seiten fürchteten: man muss die eigenen Suchergebnisse mit allen negativen Autovervollständigungen erstmal aus dem Kopf-Cache löschen, um dem Film diese übertriebene Schleimscheißerei nicht übel zu nehmen. Akzeptiert man die Heiligkeit des großen G als Gegebenheit der Story lässt sich nämlich schnell ausmachen, dass nicht nur die Herren Brin und Page mit selbiger eine gemütliche Zeit verbringen können. „Prakti.com“ ist (DEN persönlichen Sonntag Nachmittag-Film nach Belieben eintragen___________) der „Als Junge ist sie Spitze“ der Generation Web 2.0: wo sich 1985 Joyce Hyser im Kampf gegen Sexismus und um Anerkennung die Brüste platt schnürrte, um sich in Jungensgestalt ihre High School-Träume zu verwirklichen, sind es hier Vaughn und Owen Wilson, die als Noobs unter Nerds gegen Generationsvorurteile ankämpfen.

Obwohl, „kämpfen“… Als Wort viel zu hart, für das was sich da in „Prakti.com“ abspielt. Da ist der wehmütige Auftakt, während dem Vaughn und Wilson gefühlt ewig (und in der Unrated-Fassung noch länger) ihre zusammenschrumpelnden Existenzen beklagen, ehe die Herausforderungsbäume nicht höher wachsen, als die beiden klettern können. Nicht ihr kompletter Mangel an Programmier- und sonstigen IT-Kenntnissen sorgt für Überforderung, sondern der Umstand, dass die beiden noch nie von den X-Men und deren Gründer Charles X. Xavier gehört haben. Levys grundoptimistische Google-Fan Fiction ist die Konfrontation mit einer Gewohnheitsbedingungen ändernden Umwelt und als solche typische Frat Pack-Comedy, das geltende Selbstverständnis des Individuums Mann verliert sich nur, um sich und seine Altherrgebrachtheit und weitere Gültigkeit genau dort wiederzufinden und nutzbringend einzusetzen, wo man es am wenigsten vermutet hätte. Was im Falle von „Prakti.com“ (und das schematisch ebenso typisch) heißt, dass die lockeren Praktiker Vaughn und Wilson den sozialkompetenzfreien Nerds und obendrein noch einer zugeknöpften Karrieristin zeigen, wie Leben eigentlich geht.



(Leichte SPOILER-Tendezen im folgenden Absatz)
HTML, CSS, Soforthilfe bei Browser- und Mail-Konten-Problemen, sowas lernt man sich alles über Nacht an und schon ist es Zeit, sich im Stripclub die dicken Doogles der Tänzerinnen um die Ohren ballern zu lassen und dem smartphonebesessenen »mir doch alles egal…«-Zyniker-Kid der Gruppe zu entlocken, dass das ja wohl die verdammt beste Nacht seines Lebens war. Klar läuft am Ende für ihn was mit dem Pseudo-Tough Chick, das in Wahrheit noch Jungfrau ist, und der autoaggressive Asiate, der von Mutti zu Höchstleistungen getrietzt wurde, kann dieser schließlich ganz männlich entgegen treten, während der schüchterne Obergeek die unerreichbar scheinende Traumfrau rumkriegt. Und auch die distanzierte Rose Byrne grinst irgendwann nur noch blöde, wenn ihr die Hormonlatüchte anspringt und sie feststellt, dass es einen charmanten Mann zur Zufriedenheit dringender braucht, als die totale Karriere. Das ist überlang, weil es so absolut erwartbar ist, weil deshalb nie echte Dramatik entsteht – ein Feierabendfilm, wenn der Zumutbarkeitslevel für echte Probleme und Schwierigkeiten gen Null gesunken ist, patent vorgetragen von den Hauptdarstellern und den Klischee-Nerds. In seiner puscheligen Harmlosigkeit ist das sogar ganz süß. Nicht toll, nicht außergewöhnlich witzig, aber gut zum Abschalten.

Wertung & Fazit

Action: 0,5/5
Spielt allenfalls in der Quidditch-Szene eine Rolle.
Spannung: 0/5
Wie der Wetterbericht von vorgestern: kommt einem alles bekannt vor und man weiß, dass alles gut gegangen ist. Aber das weiß der Film und setzt voll auf seine Optimismusimpfung.
Anspruch: 0/5
Google ist in echt nicht soooo toll und Programmieren nicht sooo leicht, aber auch hier gilt: Optimismus über alles!
Humor: 1/5
Da steckt viel mehr Witz drin, als der Film rausholt, aber dafür müsste er frecher zu Google sein und nicht bloß Nerdklischees verbauen, die die „Big Bang Theory“ in mittlerweile sieben Staffeln durchkaut.
Darsteller: 3/5
Sympathisch. Gerade Vaughn spielt ja oft mal mit Arschattitüde, hier schenkt er sich das zum Glück des Films. Die Chemie mit Wilson stimmt sowieso.
Regie: 2/5
Shawn Levy halt. Das ewige Schwanken zwischen gehobenem und unterem Durchschnitt.
Fazit: 5/10
„Google – Der Film“. Gut geeignet, wenn die Arbeitswoche hart war und der Freizeitausgleich so schmerzfrei-aufbauend wie möglich sein soll und alle Mitdenk- und Hinterfragungsreflexe sich komplett ausschalten lassen.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

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Kommentare

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  • Lasse Vogt 32 Kommentar(e)

    Dieser Film war tatsächlich auf Platz 1 meiner schlechtesten Filme 2013. GOTT, habe ich den gehasst! Ich fand ihn nicht lustig, er war beleidigend, sinnlos, gute 10 Jahre zu spät und einfach furchtbar! Wenn du ihn mochtest, super. Ich war eine Weile hirntot nach der Sitzung.

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