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THE PHILOSOPHERS: Kritik zur Apokalypsen-Hypothese mit James D’Arcy

Von Riggs J. McRockatansky vor 3 Jahren geschrieben02 / 20142 Kommentare

Story

An einer internationalen Schule in Jakarta gehen zwanzig Studenten in ihre letzte gemeinsame Unterrichtsstunde im Fach Philosophie. Ihr verschlagen-brillianter Lehrer Mr. Zimit lädt jedoch nicht zu geselliger Runde mit Kuchen und Keksen, sondern fordert seine Schüler zu einem finalen, radikalen Gedankenexperiment heraus: unter der Annahme, dass eine atomare Apokalypse die Welt und das Leben vernichtet finden sich die Studenten vor einem Bunker wieder, der ein Jahr lang ihr Überleben ermöglicht. Vorräte und Sauerstoff sind danach aufgebraucht. Das zu lösende Dilemma: die Ausstattung des Bunkers reicht lediglich für zehn Überlebenswillige. Willkürlich lässt Zimit die Gruppe verschiedene Berufe ziehen, anhand derer nach den Prinzipien der Logik und Vernunft ausgewählt werden soll, wer überleben darf. Eine Bauingenieurin? Scheint sinnvoll für einen späteren Wiederaufbau der Welt. Ein Dichter hingegen? Überflüssig. Zimits eigene Rolle innerhalb des Gedankenspiels? Den Schülern nicht bekannt. So lassen sich die Klassenbeste Petra, ihr Freund James und die anderen auf die moralische und logistische Prüfung und die Frage ein, wer leben darf und wer nicht…

Der Film

THE PHILOSOPHERS Pic1

In mannigfaltiger Form wurde sich an ihr abgeackert, der drohenden oder voll durchgezogenen Apokalypse. Endzeit, atomarer Winter, Actionspektakel, in Lackoptik oder als raue Realdystopie, als Psycho-Thriller oder sogar Romanzen-Drama – Autor und Regisseur John Huddles findet nun mit „The Philosophers“ tatsächlich nochmal einen unverbrauchten Ansatz rund ums Ende der Welt, einen, der Titel nimmt es vorweg, philosophischen. Wenn es zu entscheiden stünde, wer es an seinem wahrscheinlichen Nutzen gemessen zu überleben verdient – wem ist es dann gestattet, vorbehalten, gegönnt? Und wer muss warum buchstäblich draußen bleiben? Der Film beginnt ziemlich unmittelbar und direkt, neben der Liebelei zwischen Klassenprimus Petra und dem schwarzen Schaf des Kurses James erfährt man wenig bis gar nichts über die internationale Gruppe, ein paar Aufwärmgedankenspiele schälen höchstens sporadisch so etwas wie eine Ahnung von moralischem Standpunkt einzelner Studenten heraus, ehe Huddles im Angesicht der atomaren Menschheitsauslöschung alle bei Null starten lässt. Es geht nicht um Mitleid, nicht um Sympathie, sondern um Kalkül, logische Voraussicht und Nutzen.

Ein ambitionierter, filmdramaturgisch gewagter und interessanter Ansatz: Huddles konstruiert „The Philosophers“ zunächst konsequent als reines Theorem, alles bleibt Hypothese. Der Kampf um die Plätze im Bunker unter bloßer Betrachtung verschiedener Berufsgruppen verläuft überwiegend auf rationaler Geistesebene, das Aufbegehren gegen Ausschluss wird zaghaft formuliert, als handle es sich um eine Gruppe logikgeleiteter Vulkanier, die da inmitten eines atompilzumrankten Platzes um den Fortbestand der Rasse verhandelt. Dennoch schaffen die Gegebenheiten des Experimentes einige situativ heikle Momente in der Dynamik zwischen der Gruppe und dem undurchsichtigen Masterplan ihres Lehrers und Huddles liefert gar einige drastische Momente und Wendungen, in denen sich utilitaristische Gedankenspiele und emotionale Extremsituationen begegnen und zu verheerenden Folgen und einem letztendlichen Scheitern der ersten Runde führen.

James D’Arcy und die Studentengruppe in THE PHILOSOPHERS

Doch allenfalls im ersten der insgesamt dreimal durchgedachten Szenarien raffen sich Ideen und Abwegungen zum echten Denkanreger und Schockgenerierer auf. „The Philosophers“ läuft über vor Potenzial, die praktikable Handhabe geht Huddles aber während der zweiten Runde verloren. Den zuvor für sich stehenden Berufen der Studenten wird eine Besonderheit zugewiesen, ein »aber…«, ein »und…«, die Grundbedingungen werden ausgeweitet, die Dynamiken verändern sich und dennoch lahmt der zweite Durchgang massiv. Die angedachte Verschärfung des Szenarios scheint sinnlos (die Gruppe soll innerhalb ihres Bunkerjahres für die Geburt von mindestens einem Kind sorgen) und wird auf Konfliktgefüge auf Soap-Niveau runtergebrochen und darin macht es sich ungleich schärfer als beim ersten Durchgang bemerkbar, dass ja eigentlich doch gar nichts auf dem Spiel steht und Konsequenzüberträge aus der Gedanken- in die Lebenswelt der Studenten praktisch nicht stattfinden. So steht im Zentrum von Szenario Zwei die Entzweiung von Petra und James, da er nun statt eines theoretischen „Ökobauern“ ein theoretisch „schwuler Ökobauer“ ist. Aber, wo sich doch so viele andere Fässer zu öffnen anböten: was soll das Theater darum? Ist ja nur die Theorie des Gedankenspiels, innerhalb dessen Petra und James in überhaupt keiner Beziehung zueinander zu stehen verpflichtet sind.

Die philosophische Betrachtung muss also doch auf etwas Gebrauchsfertiges gestutzt werden, Konservenemotionen dünsten in den Film und je deutlicher wird, was eigentlicher Hintergrund dieser extremen letzten Unterrichtsstunde ist, desto mehr macht sich „The Philosophers“ kaputt, auch rückwirkend. Der dritte Durchgang des Szenarios, dessen Ausgestaltung Petra an sich reißt und dem pragmatisch-diabolischen Lehrer Zimit mit einem Gegenentwurf die Stirn bietet, scheint’s dann noch raus- und zurück auf eine Erkenntnisebene zu reißen, ehe der Schlusstwist den Film vielleicht nicht völlig ruiniert, aber ebenso nicht mal annähernd das rausholt, was in diesem ungewöhnlichen SciFi-Drama zu stecken scheint. Destination fader Nachgeschmack. Den hinterlassen auch die Darsteller, von denen keiner wirklich schlecht ist, die aber kaum herausgefordert werden. Als hinterhältiger Lehrer ist James D’Arcy ja ganz ok, aber abgesehen davon, dass er aussieht wie der Zögling einer Dreiersamenspende von Ethan Hawke, Benedict Cumberbatch und Michael C. Hall, fehlt ihm in den entscheidenden Momenten der gewisse Funken Intensität, der die Rolle außergewöhnlich hätte machen können. Rhys Wakefield, der irre Yuppie aus „The Purge“, gibt hier einen blank-schmachtenden Schönling, Sophie Lowe guckt die ganze Zeit leicht dösig aus der Wäsche, die übrige Besetzung um „Harry Potter“-Darstellerin Bonnie Wright – hübsche junge Hochglanzmenschen, die mehr nach Badestrand Malibu denn nach Philosophiekurs Jakarta ausschauen.

THE PHILOSOPHERS Pic2

Man stelle sich vor, was für ein guter Film „The Philosophers“ hätte werden können… Die Prinzipien utilitaristischer (und damit teilweise schlicht menschenverachtender) Vernunft ausgetestet an einer Gruppe theoretischer Konstrukte, deren Gefühlsebene unaufhaltsam in die Gleichung involviert wird. Das hätte wahnsinnig viel Raum geboten, nur nutzt John Huddles bloß die Besenkammer. Die erste halbe Stunde entwickelt sich durchaus involvierend, der klassischer Narration entsagende Ansatz ist mal was anderes, nur trägt er den Film nicht mehr, sobald Huddles sich nicht mehr vollkommen darauf verlässt. Was schließlich bleibt ist eye candy, nette Panoramaaufnahmen, solide Effekte, gutaussehende Darsteller in schick designten Klamotten und mit perfekt gestylten Frisuren, die selbst nach einem Jahr Bunkerleben nicht aus der Form geraten. Das Rollenspiel der Studenten bleibt auf seine Oberbegriffe beschränkt und nach dem starken Auftakt reichen die Denkansätze nicht weiter als bis zur nächsten Wand. Der Score von Nicholas O’Toole und KoЯn-Frontmann Jonathan Davis ist unspektakuläres Elektrogedudel, das keinerlei Akzente setzt. „The Philosophers“: ein Lehrstück ungenutzten Potenzials…

Wertung & Fazit

Action: 0,5/5
Zweckmäßig getrickste Atompilze, ansonsten kein großes Kriterium.
Spannung: 2/5
Ergibt sich weniger aus der hypothetischen Apokalypse, sondern mehr daraus, wie dieses Gedankenexperiment denn nun aufzulösen ist – zumindest so lange, bis den Film das selbst nicht mehr so richtig interessiert.
Anspruch: 2/5
Da steckt schon ganz interessantes Gedankengut drin, nur statt darin herum zu forschen zergeht „The Philosophers“ in einem abgeschmackten Beziehungsdrama.
Humor: 0/5
Ganz am Schluss wird’s etwas lockerer.
Darsteller: 3/5
Alles ok, alles nichts Besonderes. James D’Arcy macht zu wenig aus seiner Rolle, alle anderen haben nicht viel Rolle.
Regie: 2/5
Wahnsinnig interessanter Ansatz, ziemlich verplemperte Umsetzung.
Fazit: 4,5/10
Schade drum, da scheint anfangs so viel mehr drin zu stecken, als der Film letztlich zulässt. Die hypothetische Apokalypse hätte das Zeug zu neuen Genre(un)tiefen gehabt, verhaspelt sich aber im Laufe der Zeit zu sehr in einer eher blödsinnigen Dreiecksgeschichte.

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Kommentare

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  • Danilo 1 Kommentar(e)

    Die Kritik trifft es auf ganzer Linier. In der ersten dreiviertel Stunde war ich hin und her gerissen und hab auf spannende Twists gewartet, oder auf neue Erkenntnise, aber was am Ende rauskam war nicht erträglich in seiner Banalität. Der FIlm ist nicht durchdacht und am Ende nur peinlich.

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