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DON JON: Kritik zur Porno-RomCom mit Joseph Gordon-Levitt und Scarlett Johansson

Von Riggs J. McRockatansky vor 3 Jahren geschrieben03 / 20141 Kommentar
DON JON Filmkritik

Story

Jon Martello Jr., von seinen Kumpels wegen seiner Aufreißkünste auch Don Jon genannt, führt ein geradezu idealtypisches Singleleben: sein gutes Aussehen und die regelmäßigen Fitnessstudiobesuche verschaffen ihm den nötigen Schlag bei den Frauen, sein wechselhaftes Sexleben bringt nichtmal ansatzweise Verantwortung und Pflichten mit sich und solange der Prolloprotz genug Pommade im Haar, PS auf der Straße und seine Sünden im Beichtstuhl hinterlässt läuft’s wie geölt. Echte Befriedigung und eine Art von höherer Erfüllung verschafft Jon allerdings nur der Konsum von Internet-Pornographie. Nur zu den Fickefilmchen, den willigen Weibern und ihrer Stellungsvielfalt kommt er beim Masturbieren so richtig auf seine Kosten. Mehrmals täglich. Ist Jon süchtig? Quatsch, Pornos sind kein Heroin oder so ’n Scheiß! Eines Abends gabelt er allerdings in seiner Stammdisco die umwerfende Barbara auf, die ihn zunächst abblitzen lässt, Jons Hartnäckigkeit aber schließlich nicht wiederstehen kann. Während der erste Sex mit der aufreizenden Blondine auf sich warten lässt verliebt Jon sich erstmals, stellt Barbara seinen Freunden und seiner Familie vor, besucht für sie die Abendschule, um beruflich mehr aus sich zu machen, von Zusammenziehen ist die Rede – bis Barbara, die sich selbst nur zu gerne in den schnuckiputzibunten romantischen Hollywoodschnulzen und ihren Bildnissen der wahren Liebe verliert, hinter Jons Pornogeheimnis kommt…

Der Film



Christopher Nolan („The Dark Knight Rises“), Rian Johnson („Looper“) und Steven Spielberg („Lincoln“) hießen in den vergangenen Jahren die Regisseure von einem der aktuell vielversprechendsten leading man seiner Generation, Joseph Gordon-Levitt. Nicht die verkehrtesten Lehrmeister, um hin und wieder mal einen Seitenblick zu riskieren, sich ein paar Kniffe abzuschauen und kurz darauf mit dem eigenen Regiedebüt des Weges zu kommen: als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller der Porno meets RomCom-Dramedy „Don Jon“ setzte Gordon-Levitt 2013 seine seit „(500) Days of Summer“ anhaltende Popularitätssträhne fort, die Indie-Produktion wurde zu einem der Festivallieblinge der Saison und Multitalent JGL kann im Moment einfach nichts falsch machen. Wäre ätzend, wenn der Kleine von hinterm Mond gleich links nicht so verdammt sympathisch wäre. Deshalb ist es auch nicht von Schadenfreude, sondern aufrechter Enttäuschung begleitet, wenn’s zu sagen gilt: „Don Jon“ ist leider gar nicht so gut. Auch nicht wirklich schlecht, weit davon entfernt. Aber die Story vom Italo-Muckie-Macho, der zwischen lauter oberflächlichen Interessen und seiner zwanghaften Pornoleidenschaft seine wahren Gefühle entdeckt, bringt’s nicht zur vollen Erektion und kann zum Teil sogar richtig böse nerven.

Selbstbewusst und ein gutes Stück weit selbstgewahr geht Joseph Gordon-Levitt nach einigen Kurzfilmen sein Spielfilmdebüt an, spielt mit der Spitzbübigkeit seines Grinsens mit Klischees und Bildnissen herum, studiert in einer immer wieder ablaufgleichen Wiederholungsspule den Alltag eines unsympathischen Banalos, dem man schon nach ein paar Minuten mal so richtig gerne die Pommade aus der Frisur bürsten würde. Also, aggressiv gemeint, nicht sexuell! Gordon-Levitts Jon Martello ist einer von diesen ärmellos-aufgepumpten Prollspackos, an den sich in jeder Disco die schärfste Braut dranklemmt und dem man die dickste Sacklaus ans Gemächte wünscht, während man an der Bar auf seinen Ananasmojito wartet. JGL kostet’s genüsslich aus, sich so eine Rolle geschneidert und unter hartem Körpereinsatz erschuftet zu haben und haut seine Weisheiten um die Unterschiede vom Sex in Pornos und echtem Sex mit unverkrampfter Selbstverständlichkeit heraus (und liegt *hust hust* mit dem meisten *hust* sogar goldrichtig *hust hust*).



Natürlich ist es eine tolle und kluge Idee, eine solche Knallcharge mit seinen XXX-Vorlieben eine vom Blondschopf zu den High Heels RomCom-geprägte Traumfrau begehren zu lassen, die höhepunktfixierten Bummsnummern der Rammelindustrie gegen die Biederbettenrealitäten zu schneiden und die Vorstellungswelten von „Liebe“ des einen und des anderen Mediums neckisch kollidieren zu lassen und natürlich findet Gordon-Levitt dafür einige spritzig-spitze Bilder: so erstrahlt Jons Angebetete, Barbara *Achtung* Sugarman, selbst in der spärlich beleuchteten Disco noch in einer Flut goldgelber Umschleierung und der gemeinsame Kinobesuch von „Special Someone“ mit Channing Tatum und Anne Hathaway zerpflückt sarkastisch die Formelhaftigkeit der heutigen Liebeskomödie. Alles gut und nett, aber Gordon-Levitts Intentionen in Ehren: mehr als gewolltes, hip-süffisantes IN-Trend-Gehasche ist sein Film meistens nicht. Vieles an, beziehungsweise eher in diesem „Don Jon“ wirkt dann wiederum so unintoniert luftleer, als hätte Gordon-Levitt das Drehbuch letztlich eben doch nur um die Idee zur Gelegenheit herum ersonnen, Scarlett Johansson mal an Brüste und Hintern zu fassen. Kann man ihm kaum verdenken, eine solche Szene würde sich jeder bei entsprechender Reputation und Möglichkeit, die sexiest woman alive dafür gewinnen zu können, mit hibbeligen Griffeln ins eigene Script kritzeln.

Lange nicht alles bringt Gordon-Levitt so gewitzt und unaufdringlich-kokett unter wie den Einfall, Hollywoods Number One Cry Face Julianne Moore, genau, heulend in die Story einzuführen. Für alle die’s nicht wissen: Julianne Moore heult so viel und in so vielen Filmen, dass aufgrund der Dehydrationsgefahr die Salzwasserinfusionen stets am Set bereit stehen. Die Handlung in Dauerschleife, die nach Jons Kirchenbeichten und Gym-Bußen stets im selben Rhythmus und leicht abgeänderten Parametern rebootet, schlägt von ihrer Symbolik in allzu starren Zwang um und besonders Jons Besuche bei seiner Familie nerven mit der Zeit: ein grobmäuliger Dad, der permanent Footballspiele im Fernsehen anschreit, die resolut dagegen angehende „sweet as sugar, aber immer kurz vor’m Nervenzusammenbruch“-Mum mit Überbehütungstendenzen, und die angeödete Schwester, den kompletten Film lang mit ihrem Smartphone verwachsen, aber am Ende als einzige zu nutzbringender Beratschlagung in der Lage. Bringt „Don Jon“ nicht voran und irgendwann ist Gordon-Levitts Punkt einfach klar, genau wie bei seinen Pöbelattacken gegen andere Autofahrer, der Hot Chick-Skala seiner Kumpel und anderen Dingen, denen ab Hälfte der Story die Frische ausgeht, um noch mal über die selbe Strecke unbedingt am Leben erhalten werden zu müssen.



In welche Richtung JGL die Mär vom Porn Addict auflösen wird ist auch nicht mehr schwer zu erraten, sobald die Seitenhiebe spärlicher werden und das schelmische, jedoch ebenfalls nicht immer zweckführende Eigenbewusstsein des Films zunehemend einem dramatischeren Einschlag weicht. Der steht der Geschichte allerdings vor allem dank der formidablen Julianne Moore gar nicht mal schlecht und rettet das Ende sogar davor, in genau den belanglosen Kitsch wegzudriften, den er zuvor entlarvt. „Don Jon“ spritzt schlussendlich in viele Richtungen und viele der Ergüsse enden wie jene des Protagonisten: in Papiertüchern im Mülleimer. Der Film hat echte Höhepunkte, wie den Trockenfick mit der heißen Johansson, die dabei dank geschickter Beleuchtung und Kamerastellung unterrum nackt aussieht, und den ungezwungen-frivolen Ton seiner Schlüpperthemen, und doch kein befriedigendes Ziel. Genau dieser letzte Kick, der Jon beim Sex mit Partner gegenüber seinen Solopraktiken vorm Laptop fehlt, fehlt dem Film selbst.

Wertung & Fazit

Action: 0/5
Kein Kriterium.
Spannung: 1/5
Nicht sehr viel spannender, als es die herkömmliche RomCom vom Grabbeltisch ist, aber für’s Genre natürlich auch kein wirkliches Kriterium.
Anspruch: 1,5/5
Neckisch-selbstgewahr ist der Film und in Ansätzen immer wieder ein durchaus kluger Kommentar zu Medienkonsum und -weiterverarbeitung. Nur zielgerichtet ist das alles irgendwie nicht.
Humor: 1/5
Letztlich doch mehr Drama als Komödie und DEN dicken Brüller sucht man auch vergebens. Trotzdem schön ungezwungener Ton ohne die falsche Verschämtheit sonstiger Genrebeiträge.
Darsteller: 4/5
JGL hat sichtlichen Spaß an seinem selbstgezimmerten Pornonarren, Miss Johansson und Frau Moore sind passend besetzt und erfüllen sämtliche Erfordernisse mit Bravour.
Regie: 2/5
Gordon-Levitts Intentionen und Ideen sind gewitzt und teils sehr gekonnt umgesetzt, dennoch verläuft er sich letztlich in der Ziellosigkeit seines Scripts.
Fazit: 4,5/10
Hier die Bewerbung ums platteste Fazit des Monats: der PornCom geht einfach irgendwann der Saft aus. Eine löbliche Prämisse, viele nette und gestalterisch spitzbübische Ideen, die aber keine rechte Standkraft aufbringen wollen, um den kompletten Film zu tragen.

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Kommentare

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  • donpozuelo 198 Kommentar(e)

    Oha…das ist jetzt, glaube ich, die erste negative Review, die ich zu dem Film lese. Sonst sind immer alle so begeistert von Levitt…. ich fand den Trailer damals zumindest ganz witzig… aber so richtig ins Kino gezogen hat’s mich dann doch nie 😀

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