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GODZILLA: Kritik zum König (?) der Monsterfilme mit Aaron Taylor-Johnson und Bryan Cranston (Kino)

Von Flynn Hardy vor 2 Jahren geschrieben05 / 2014Kritiken4 Kommentare
GODZILLA Filmkritik

GODZILLA: Kritik zum König (?) der Monsterfilme mit Aaron Taylor-Johnson und Bryan Cranston (Kino)
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Story

1999: Dr. Ichiro Serizawa wird auf die Philippinen gerufen, wo man während Minenarbeiten einen ungewöhnlichen Fund gemacht hat. Die Überreste eines riesigen, prähistorischen Wesens scheinen hier tief unter der Erde begraben zu liegen – doch Serizawa stößt auf noch mehr, nämlich eine Brutstätte, aus der etwas geschlüpft zu sein scheint… Kurz darauf wird die japanische Großstadt Janjira von einem verheerenden Erdbeben erschüttert, wobei ein Atomkraftwerk kollabiert und der Nuklearingenieur Joe Brody seine Frau verliert… 15 Jahre später hat Brody den Verlust noch immer nicht überwunden und ist sich sicher, dass die Regierung den wahren Hintergrund der Katastrophe zu vertuschen versucht. Sein Sohn Ford, inzwischen Navy Lieutenant und Kampfmittelbeseitigungstechniker, reist nach Japan, um ihn in die Staaten zu seiner Frau Elle und ihrem gemeinsamen Sohn zu bringen. Doch Brody kann ihn überreden, noch ein letztes Mal das verstrahlte und abgeriegelte Gebiet in Janjira aufzusuchen, wo er wichtige Unterlagen von damals und endlich Antworten zu finden hofft. Tatsächlich stoßen sie in den Trümmern der Atomruine auf eine geheime Forschungsstation, wo sich jenes Wesen, das damals von den Philippinen entkam, eingenistet hat, sich vom radioaktiven Material ernährt – und schließlich erwacht und entkommt. Das gigantische Monstrum stellt eine Bedrohung für die gesamte Menschheit dar, doch Dr. Serizawa weiß um die Existenz einer weiteren Kreatur, die den Kampf aufnehmen könnte… GOJIRA!

Der Film



Acht Jahre länger im Dienst, sechs Aufträge mehr erledigt, dabei viiiiiel größeren Schaden angerichtet und die Welt zugegebenermaßen nicht viel öfter gerettet, als zerstört – klare Sache, nicht der Geheimdienstler James Bond hat die größte Filmserie am Start, sondern das Urmonstrum Gojira aka Godzilla. 1954 walzte die Wortschöpfung aus den japanischen Begriffen für Gorilla (Gorira) und Wal (Kujira) erstmals Tokio platt, damals Allegorie und Verarbeitung des Atombombentraumas von Hiroshima und Nagasaki und zugleich Warnung vor weiteren Einsätzen nuklearer Technik. Durch alle Jahrzehnte folgte bis Mitte der 2000er ein wilder Ritt mit dem König der Monster, der mehrmals einen Gesinnungswandel vom Zerstörer zum Retter vor einer illustren Schar weiterer Viecher wie King Ghidorah, Angilas, Gigan oder Destoroyah mitmachte und trotz einiger Designänderungen einem Grundelement treu blieb: dem Special Effect „Mann im Gummianzug“. Zehn Jahre nachdem die produzierenden Tōhō-Studios mit „Final Wars“ ihre Saga auf unbestimmte Zeit abschlossen und pünktlich zum sechzigjährigen Geburtstag der verstrahlten Riesenechse bekommt Godzilla nun sein zweites US-Remake (neben dem desaströsen und unter Fans verpönten Roland Emmerich-Vehikel von 1998). Der Brite und „Monsters“-Regisseur Gareth Edwards nahm sich dem Unterfangen an und scheitert anders, aber fast genauso kläglich wie sein Kollege aus Sindelfngen…

„Godzilla“ startet verheißungsvoll, Alexandre Desplats später enervierender Score poltert wie von Sinnen über einen Vorspann mit Archivaufnahmen von Atombomentests, der stachelplattenbesetzte Rücken des Monstrums bricht durch Meeresoberflächen, dann ein bißchen „Jurassic Park“ mit einer staunend durchwanderten Ausgrabungsstätte und schließlich der dramatische Kernkraftwerkszusammenbruch im fiktiven Janjira, unweigerlich die Erinnerung an die nukleare Katastrophe in Fukushima von vor drei Jahren heraufbeschwörend. Wie angekündigt sucht Edwards die Erdung der später ausbrechenden Monstergigantomanie im Spiegel menschlicher Schicksale und bedient sich des Kniffs, die „Guten“ emotional ans „Böse“ zu knüpfen, weshalb natürlich auch der Familienname Brody nicht willkürlich gewählt ist (siehe Spielbergs „Jaws“). Das funktioniert über Bryan Cranstons verzweifelten Joe Brody und seine besessene Suche nach der Wahrheit noch ausgezeichnet: auch wenn der markerschütternde Monolog des „Breaking Bad“-Stars (»You are not fooling anybody when you say that what happened was a natural disaster«… und so weiter) im finalen Film nicht zur Geltung kommt liefert Cranston mit wenig ergiebigem Basismaterial (hier schonmal für die Jungs von CinemaSins: „Daddy is too busy to remember his own birthday“-Cliché) eine durchaus ergreifend-tragische Figur.



Bis zum Ausbruch des M.U.T.O. (Massive Unidentified Terrestrial Organism) ist „Godzilla“ gut, das Mysterium, dem Brody nachjagt, zwar für den Zuschauer längst enträtselt, aber Cranstons einnehmende Performance gleicht seinen Wissensnachteil aus. Aaron Taylor-Johnsons zwischengeschobenes Militärheimkehrer- und gleich-wieder-los-müssen-Panel samt Elizabeth Olsens Vorahnungsmoment (»It’s not the end of the world.«) gerät hingegen einigermaßen plump, aber aushaltbar kurz. Während und dann vor allem nach der ersten M.U.T.O.-Attacke wird aber eines der dicksten Probleme des Films deutlich, bezüglich der weiter oben erwähnten Kopplung zwischen Gut und Böse: es passiert nahezu nichts, ohne dass irgendwo ein Brody in der Nähe ist. Der Weg der Monster folgt und kreuzt den Weg der Brodys und die unfassbaren Geschehnisse fast ausschließlich aus der Sicht und mehrmals direkt aus den Augen und der Perspektive einer Familie passieren zu lassen erweist sich nicht als erzählerisch gelungen, sondern als ein banales durch den Plot-Geschubse. Der M.U.T.O. greift auf Hawaii an, wer sitzt da in der Hochbahn? Ford Brody. Godzilla erreicht San Francisco und es kommt zu einem Gefecht zwischen ihm und dem Militär auf der Golden Gate Bridge, wer beobachtet das aus dem Schulbus? Sohnemann Sam Brody. Godzilla und der M.U.T.O. erreichen die Innenstadt, wer starrt schockiert von einem Monster zum anderen? Elle Brody.

Das Schlimme daran: nachdem Cranstons Part früh keine Rolle mehr spielt geben die Brodys keinen Anlass mehr zum Mitfiebern, nur weil immer einer von ihnen in der unwahrscheinlichsten, zufälligsten und konstruiertesten Lage mittendrin steht. Dazu liefern Taylor-Johnson und die Olsen fade Leistungen voller klischeebesetzter Momente und plotdienlicher Koinzidenzen (das Telefon klingelt zur falschen Zeit oder wird im passenden Moment nicht gehört, sie ist natürlich Krankenschwester und er im rechten Moment der man to get the job done…). Edwards übertreibt es mit dem Fokus auf die Familie, ohne dass er über sie irgendwas auszudrücken wüsste; klar ist das ein ganz gängiges Blockbuster-Laster, dass Handlungsrelevanz immer genau dann eintritt, wenn Hauptfiguren in der Nähe sind, aber in „Godzilla“ ist es Ausdruck eines zunehmend hilfloser wirkenden Drehbuchs, das immer seltener weiß, wie es Mensch und Monster sinnvoll nebeneinander stellt und es trotzdem auf’s Krampfhafteste weiter versucht. Genauso verhält es sich mit Ken Watanabes Dr. Ichiro Serizawa (Referenz ans Original, nebenbei bemerkt), der mit seinem Sidechick Sally Hawkins und dauergrüblerischer Miene die Lernbaukastenwissenschaft hinter den Kaijus artikuliert und dem für seine erhellenden Erklärvorträge oft nur noch eine aufleuchtende Glühbirne über dem Kopf fehlt.



Beklopptes Wissenschaftsgeblubber und andere Dinge wie das idiotisch handelnde Militär mit seinen wirkungslosen Angriffsversuchen gehörten natürlich auch zu den japanischen „Gojira“-Streifen dazu. Edwards’ „Godzilla“ nimmt sich darin aber so dead fucking serious und ist so versessen darauf, aus dem „Männer im Gummianzug zerstören Spielzeugstädte“-Prinzip einen kataklysmischen und gnadenlos ernsten Abriss über Atomangst und evolutionäre Rangfolge abzuleiten, dass die letztlich rar gesäten Bilder echter Panik und intensiven Monster-Terrors damit irgendwann nur noch kollidieren, statt zu harmonieren. Der Film präsentiert sich in einer furchtbaren Missbalance zu dem, was man eigentlich geboten kriegen will, und dem, wohin es Edwards’ Blick immer wieder zurück zieht, und was in den Trailern ein so grandioses Stimmungsbild erschuf wird zerstückelt von allem, was darin nicht gezeigt wurde. Thema „zeigen“: nach Godzillas erstem, Gänsehaut bereitenden Auftritt in seiner ganzen Pracht malträtiert Edwards die Vorfreude bis zum geht nicht mehr, denn den folgenden ersten Monster-Brawl verschiebt er auf flüchtige Fernsehbilder (natürlich verfolgt von einem Brody) und je länger Edwards solche Cutaways anwendet und die Erwartungshaltung sonstwohin steigert, desto weniger interessiert der Film in Handlung und Figuren und desto hämmernder wird die Frage: gibt es das erlösende große Finale zum Ausgleich?

Watanabe und seine Glückskeks-Botschaft aus dem Trailer läuten dieses Finale markant ein und dann – wächst ein Gigant an, der selbst Godzilla überragt: die Enttäuschung. Enttäuschuguska, Disappointmantia, die Monster der zerstörten Erwartungen! Selbst während des Finales ist die Monsteraction oft nur Hintergrundbild eines egalen Militärmännerplots, wie im PlayStation-Kracher „God of War“, bei dem man immer wieder an fetten Schlachtpanoramen vorbeirannte, an der Konsole aber wenigstens stehen bleiben und die Pracht einen Moment genießen konnte. Zu allem Überfluss bekommt der König der Monster keine Persönlichkeit, dieser ganze »er kommt, um die Natur ins Gleichgewicht zu bringen«-Ying Yang-Ping Pong-Bullshit und der dem Gottkaiju wie ein lechzender Fanboy des eigenen Kulturerbes hinterherhechelnde Watanabe lösen nicht annähernd den Hype um Godzilla aus, den der Film dringendst liefern müsste.[Ab hier wird es leicht SPOILERisch]So geschieht’s dann, dass eher noch das M.U.T.O.-Pärchen Charakter und Motivation bekommt, beides zwar unvorteilhaft für die Menschheit, aber nachvollziehbarer als Godzillas »rööööhr, ich hau die alle kaputt!« Und einem vor Erschöpfung ausgelaugten Godzilla wünscht man auch nicht hoffnungsvoll die letzte Kraft, wenn man von seinen Auseinandersetzungen bis dahin fast nichts gesehen hat. Passend dazu und im hochschwellenden Gefühl, dass Edwards mit nichts in seinem Film irgendwas anzufangen weiß, geraten dann auch die Killmoves der Echse wahnsinnig unspektakulär und der Film hätte keine Stunde gedauert, wenn Godzilla einfach gleich damit losgelegt hätte, statt sich lange von den M.U.T.O.s piesacken zu lassen.[SPOILER Ende, ab hier gefahrloses Weiterlesen möglich]



Edwards scheitert unterm Strich kläglich daran, die Sensations- und Bildergeilheit eines Monsterkloppe-Blockbusters mit einem Familiendrama, allegorischem Subtext und generischer Militäraction kombinieren zu wollen, denn das alles ist vor allem eines: uninteressant. Spätestens, wenn Bryan Cranston aus der Handlung verschwindet, dessen Part sich im Nachhinein wie ein nur teilweise zugehöriger Vorfilm anfühlt. Das in den seltensten Momenten diese defibrilatorpflichtige Intensität der Trailer erreicht wird liegt zudem an Desplats Score, der überpowert vom ersten Takt an und es würde kaum verwundern, wenn sich mitten im Kampf mal eines der wütenden Urungetüme zur Kamera dreht und mit beschwichtigender Geste sagt »Sachte Mann, wir machen das schon…«. Die vergnügliche Doofheit der zum Teil kolossal albernen „Gojira tai…“-Filme (also „Godzilla vs…“) bekommt Edwards nicht annähernd in sein härter, echter, realistischer-Korsett gequetscht und um das für sich stehend oder als direkte Reminiszenz an den Ton des ’54-Originals durchzupauken ist dann wiederum vieles an anderer Stelle seines „Godzilla“ zu blöd, zu plump, zu beliebig. Und obwohl er sich strukturell ganz eng an zahlreiche seiner Vorgänger lehnt verdient der Film im Grunde nichtmal seinen Titel, gemessen an der Häufigkeit ihres Auftauchens und der perspektivischen Unabdingbarkeit, die Edwards ihnen damit einräumt, müsste der eigentlich ganz anders heißen: „The Brody Bunch“…

Wertung & Fazit

Action: 3/5
Hier gibt es wenig, dass nicht „Pacific Rim“ im letzten Jahr besser oder zumindest vergnüglicher gemacht hätte.
Spannung: 1,5/5
Hin und wieder sind auch hochhaushohe Monster für Suspense-Momente gut, nur verpuffen die im Desinteresse an den meisten Charakteren.
Anspruch: 0/5
Nimmt sich ernst, seeeeehr ernst sogar. Hat nur leider auf keiner Ebene einen guten Grund dazu, denn die Wissenschaft wirkt wie Erklärfernsehen für Kinder (wie kommen die Löcher in den Käse, was benötigen Urzeitmonster zur Paarung,…), die Charaktere sind fade, das Militär zu blöd für alles und als Allegorie auf Atomirrsinn hat Godzilla anno 2014 nichts zu berichten, was nicht sein Vorfahre von 1954 schon geahnt hat.
Humor: 0/5
Humorlose Veranstaltung, die auch das reine Vergnügen am Monsterkrach viel zu selten einfach mal zelebriert, wie es sich gehören würde.
Darsteller: 3/5
Mit Bryan Cranston verschwindet die beste Figur und der engagierteste Darsteller recht schnell aus dem Film, alle anderen bleiben nicht nur im Angesicht der Urzeitgiganten blass.
Regie: 2/5
In einigen Szenen blitzt die Ehrfurch, aber auch das Vergnügen hoch, das Edwards beim Dreh eigentlich gehabt haben sollte, zum Beispiel wennn er seinen Titelhelden zum ersten Mal enthüllt. Nur weiß er mit dem und eigentlich jedem anderen Element seines Films ebenso herzlich wenig anzufangen und versteht die Gegensätze des Stoffes nicht zu einem tollen Ganzen zu vereinen.
Fazit: 4/10
Ein Film der monströs hohen Erwartungen und der urgewaltigen Enttäuschung. Eine Nacht nach Filmsichtung gehen die vier Punkte gefühlt einzig an die vier großen Brüllszenen Godzillas, denn vom Rest lohnt sich nichts für länger im Gedächtnis zu behalten. Lieber nochmal die Trailer ansehen, denn kaum was von dem, was da nicht schon drin ist, lohnt sich. Im Gegenteil: da gibt’s Szenen, die sind im Trailer gar besser als im fertigen Film. Soviel zur tollen Marketingkampagne…

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Kommentare

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  • Flo Lieb 63 Kommentar(e)

    Sidechick – I like that!

    Ansonsten kommen Herr Emmerich und ich aus Sindelfingen 😉

    Grundsätzlich sind wir uns wohl einig, mit der Ausnahme, dass für mich Emmerichs Film in einer anderen, höherklassigen, Liga spielt. Verstehe die Animositäten gegen den 98er Film nicht, aber sei’s drum.

  • donpozuelo 192 Kommentar(e)

    Au weia… jetzt machst du mir ja keine Hoffnungen 😀 Ich geh heute ins Kino… und irgendwie hoffe ich trotzdem noch, dass es mir vielleicht gefällt. Naja, schauen wir mal 😉

    • Christian Hoja 1462 Kommentar(e)

      Viel Erfolg! Ich wollte ihn ja lieben, soooooo sehr… Aber irgendwann ging’s einfach nicht mehr. Hat aber zum Teil auch mit den Erwartungen zu tun, die wurden allerdings deutlich enttäuscht (8-9/10 erwartet, da wäre 6-7/10 ja noch in Ordnung gewesen, aber so…).

    • donpozuelo 192 Kommentar(e)

      So… zu meinem großen Unwollen muss ich dir leider in fast allen Punkten zustimmen. Die vier Punkte sind vollkommen gerechtfertigt, der Film wird seinen hohen ERwartungen wirklich nicht gerecht. Für einen “Godzilla”-Film viel zu wenig Godzilla und auch der Rest war eher unterirdisch…

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