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ZWEI VOM ALTEN SCHLAG: Kritik zur Boxer-Tragikomödie mit Sylvester Stallone & Robert De Niro (Blu-ray)

Von Riggs J. McRockatansky vor 3 Jahren geschrieben05 / 20140 Kommentare

ZWEI VOM ALTEN SCHLAG: Kritik zur Boxer-Tragikomödie mit Sylvester Stallone & Robert De Niro
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Story

In den frühen 1980ern gehörte die Rivalität der Pittsburgher Boxer Henry „Razor“ Sharp und Billy „The Kid“ McDonnen zu den größten Fehden des Sports und elektrisierte Massen verfolgten ihre beiden Kämpfe, von denen jeder jeweils einen gewinnen konnte. Doch vor einem alles entscheidenden dritten Duell zog sich Razor überraschend aus dem Boxgeschäft zurück, verzichtete auf eine Millionengage und die Frage, wer von beiden der bessere Mann war, blieb ungeklärt. Dreißig Jahre später schlägt Razor sich mit ehrlicher Arbeit in einer Werft durch und unterstützt nebenbei seinen knorrigen alten Trainer Louis „Lightning“ Conlon. Überfällige Rechnungen und weitere Geldsorgen lassen Razor jedoch auf ein Angebot des ebenfalls nicht gerade vom Glück verfolgten Promoters Dante Slate Jr. einsteigen: ein Videospielentwickler will ein Box-Game rund um die Kontrahenten Razor und Kid programmieren und möchte die alten Recken für Bewegungsaufnahmen verpflichten. Erstmals nach langen Jahren treffen die Feinde dabei wieder aufeinander. Kid, der mittlerweile einen Autohandel betreibt und in seiner eigenen Kneipe jeden Abend den belächelt-großkotzigen Entertainer mit ausgelutschten Box-Stories gibt, hat es nie überwunden, dass der Entscheidungskampf damals nicht stattgefunden hat. Eine spontane Prügelei wird schließlich zu einem vielgeklickten Internet-Hit und bringt den findigen Dante auf eine Bombenidee: warum die Faustkampfrenter nicht einfach jetzt nochmal in den Ring stecken?…

Der Film

Das wäre in den ’80ern wahrlich mal ein Duell gewesen: Rocky Balboa gegen Jake LaMotta, der Italian Stallion gegen den Raging Bull, der ehrliche und leicht naive Gutmensch gegen das exzentrische Choleriker-Arschloch. Das wäre DER Boxfilm geworden, unabhängig davon, dass es sich bei LaMotta um eine reale Persönlichkeit des Kloppesports und bei Rocky natürlich um einen fiktiven Charakter handelt, in gewisser Weise Synonym für den Kampf gegen die Widrigkeiten, unter denen sich Sylvester Stallone ins Filmgeschäft durchschlug. Zu einer direkten Konfrontation der beiden berühmtesten und besten Boxsportfilme kam es jedenfalls nicht, Rocky wurde im Laufe seiner sechsteiligen Karriere erst zum Propagandainstrument der Reagan-Ära („Rocky IV“), ehe er sich in einer nostalgisch-würdigen Bonusrunde 2006 endgültig von der Leinwand verabschiedete. LaMotta indes bekommt ein klagenüberzogenes Pre/Sequel, das mittlereile „The Bronx Bull“ heißt und offiziell nichts mehr mit Martin Scorseses „Raging Bull“ zu tun haben darf. Aber: weit über drei Jahrzehnte nach ihrem jeweils ersten Kinokampf erhalten die beiden Sport(film)ikonen nun doch noch ihr ebenfalls inoffizielles Match, ein „Grudge Match“, wie es der Originaltitel des eingedeutschten „Zwei vom alten Schlag“ nennt. Stallone gegen De Niro, let’s get ready to rumble!



Freilich bekommt man mit „Grudge Match“ kein Sport- und Charakter-Drama vom Kaliber der Oscar-prämierten „Rocky“ (1976) und „Raging Bull“ (1980) geboten, das zweite Leinwandtreffen von Stallone und De Niro nach dem großartigen Thriller „Cop Land“ ist eine manchmal altersmelancholische, mal alberne, manchmal rührselige und mal amüsante Tragikomödie mit einer Menge Imagereflexion des Actionstars und des Method Actors, vorrangig bezogen auf zwei ihrer berühmtesten Figuren, Balboa und LaMotta. Plotmäßig ist „Grudge Match“ nicht dolle, gerade in Einbindung von Social Media-Phänomenen einigermaßen weltfremd und die Ringecke, in der die Nebendarsteller herumtänzeln, würde Michael Buffer mit einem dröhnenden »Cliiiichés aaaaaaaaaaand stereotyyyyyyyyyyyps« ansagen. Allein die sportliche Rivalität der erschlafften Boxrentner und ihr Weg zur bestmöglichen Ü60-Form füllt keinen Zweistünder, egal wie viele Trainingsmontagen man aneinander schneiden würde, und so drapiert „Grudge Match“ rund um Razor und Kid ein Andenkenalbum kleinerer Schicksalsgeschichtchen um die nie überwundene große Liebe, den entfremdeten Sohn, um den verarmten Ex-Coach und alles mögliche an Zweigwerk, an dem die Wege der beiden Boxer irgendwann mal hängen geblieben sind.

Dabei hat „Grudge Match“ das sprichwörtliche Herz stets am sprichwörtlich rechten Fleck, aber manches ist dann doch arg tief in die klitsch-klatsch-Klischeesuppe getaucht: dass der verantwortungslose und selbst im hohen Alter noch vielweibernde Kid neben seinem unehelichen Sohn aus einer Affäre mit Razors Flamme Sally auch noch seinen furchtbar altklugen Enkelbengel kennenlernen muss, streckt den Film um eine überflüssige Viertelstunde. Den absehbaren »Mom was right about you…«-Bruch nach der ersten Annäherung konstruiert „Grudge Match“ gleich auf zwei Wegen, einmal ohne, einmal mit direkter Beteiligung des Enkels und so wird eine ungünstige Doppelbelastung draus. Mit Stand-up-Comedian Kevin Hart als quasselstrippigem black Sidekick und Alan Arkin als grumpy Sidekick bietet der Film weitere bewährte Sparringspartner, die durchwachsen unterhalten, einfach weil man diese Typen schon so oft gesehen hat. Der deutsche Titel „Zwei vom alten Schlag“ könnte seinen Zahlenwert glatt um Eins erhöhen, denn neben Stallone und De Niro ist ganz klar der Film selbst hochgradig unmodern in seinen Typisierungen, seinem Storyverlauf und der ganzen Mache.



Ähnlich der Familienkomödie und Billy Crystal/Bette Midler-Reunion „Parental Guidance“ von vor zwei Jahren ist das letztlich aber alles erzsympathisch und besonders die beiden Hauptdarsteller knautschen und kautzen sich vergnüglich durch’s Geschehen. Ihre Rivalität hat Pfiff, wie zu besten Jack Lemmon und Walter Matthau-Tagen können die beiden nicht mit- und nicht ohneeinander und das löst sich auch nicht mit der Zeit in falsche Sentimentalität auf. Am Ende liefern sich die beiden einen Fight, der mit Boxsport so wenig zu tun hat, wie ein Fliegenfurz mit ‘nem Gewitter, der aber nach vorangegangenen Szenen wie Stallones Prostatauntersuchung oder De Niros Schwabbelbusen keine Slapstickaffen aus ihnen macht, sondern zwei glaubhafte Kontrahenten, die es wirklich nochmal ernst meinen und sich dafür den verdienten gegenseitigen Respekt zollen. So ist „Grudge Match“ mit seinen „Zwei vom alten Schlag“ auch nicht nur Würdigung, sondern wie vieles in der Spätphase der Karrieren großer Stars und Schauspieler eine schöne Vergewisserung dessen, dass sie noch da sind, die alten Helden der Herzen.

Wertung & Fazit

Action: 1,5/5
Stallone und De Niro raufen und balgen sich und der Kampf am Ende hat dann sogar nochmal ordentlich Wumms.
Spannung: 1,5/5
„Grudge Match“ gelingt es durchaus, den Ausgang des Endkampfes nicht nach zwanzig Minuten bereits in Stein zu meißeln, echte Spannung kommt in den etwas überlangen zwei Stunden trotzdem nicht auf.
Anspruch: 2/5
Klischeehaft und voll von Stereotypen, der Kampf der Protagonisten um ein würdiges Alter und ihr unterschiedlicher Umgang mit der gemeinamen Vergangenheit ist aber auch nicht ganz frei von ansprechender Charakterzeichnung.
Humor: 1,5/5
Schlägt sehr unterschiedliche Humortöne an und nicht jeder klingt gut oder innerhalb des Films auch nur einheitlich. Trotzdem insgesamt vergnüglich und leicht.
Darsteller: 3/5
Stallone ist Stallone, bei De Niro kann man sich heutzutage seiner Lust an der Arbeit nicht mehr sicher sein, hier verströmt er sie aber in vollen Zügen. Eine ausgezeichnet besetzte Riege von Nebenfiguren bleibt indes an bewährten Stereotypen haften.
Regie: 3/5
Alles ganz ordentlich und nett, was „Naked Gun 33 1/3“-Regisseur Peter Segal hier zusammeninszeniert
Fazit: 7/10
Erzsympathische Sport-Komödie, ein Film mit Herz und Seele. Sprengt zwar keine Genregrenzen und verlässt sich bei Handlung und Figuren auf Klischees, bereitet aber eine harmlos-nette Zeit.

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