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SURFER, DUDE: Kritik zur chilligen Wellenreiter-Comedy mit Matthew McConaughey (DVD)

Von Riggs J. McRockatansky vor 3 Jahren geschrieben06 / 20140 Kommentare

Story

Ein halbes Jahr lang ist der Surf-Star Steve Addington mit seinem Board um die Welt getourt und hat dabei von Tahiti über Spanien bis Südafrika und Neuseeland die größten und bekanntesten Breaks mitgenommen. Doch nun kehrt der populäre dauerdichte Späthippie in seine Heimat zurück, an die Strände von Malibu, um ausgiebig zu chillen und lässig die Wellen zu reiten. Doch kurz nach seiner Ankunft erfährt er irgendwie von seinem landschaftsgärtnernden Manager Jack, dass seine beiden Hauptsponsoren Ben und Barry Steves Vertragsrechte an den ehemaligen Surfer und heutigen Geschäftsmann Eddie Zarno abgetreten haben. Der zieht in einem hochtechnisierten Luxusgebäude in Malibu eine Reality TV-Show mit Surfern und Chicks hoch und will Steve dafür unbedingt neben dem großmäuligen, aufstrebenden Wellenstar Lupe La Rosa verpflichten. Außerdem sollen Steves Moves in ein Virtual Reality-Game namens „Free Surfer“ übertragen werden. Dem ist das aber alles nicht so recht geheuer und der Altmeister will einfach nur abhängen und surfen, nichts als surfen. Als jedoch an den Stränden Kaliforniens tagelang die Wellen ausbleiben schliddert Steve unversehens in eine Sinnkrise und steht bald ohne Geld und ohne Erfüllung da…

Der Film

»Love and waves, that’s what we need in these dark days…« Der Tagline der Wellenreiter-Comedy „Surfer, Dude“ mag man glauben, wenn man sich mal den Kritiken-Bereich ihres Wikipedia-Eintrags ansieht: 0% auf Rotten Tomatoes, einen verheerenden 16/100-Score bei Metacritic. Wahrlich dunkle Werte, da können Liebe und Surfen echt nicht schaden… Nun denn, muss ja ein gar fürchterlicher Film sein, den Matthew McConaughey da 2008 kurz vor seinem Charakterdarsteller-Siegeszug mit Oscar-Krönung (für „Dallas Buyers Club“) hingelegt hat, hä? Nee, mitnichten. Damals noch abonniert auf den seichten Lover in romantischen Komödien und reduziert auf sein California Beach Boy-Image mit blonder Strähnenmähne und am Strand natürlich gestähltem Body, wurde „Surfer, Dude“ die erste Produktion von McConaugheys Unternehmen j.k. livin‘. Eine Foundation, die nach seinem Lebensmotto (»Just keep living«) heutzutage Kleidung rausbringt und Fitness/Wellness-Programme an öffentlichen Schulen aufzieht, um Schülern und Studenten die Verbindung von Körper und Geist näher zu bringen. Mit dem Motto und dem spirituellen Kram (mit dem Klamottenverkauf nicht so sehr) ist auch „Surfer, Dude“ voll synchron, laid back and relaxed to the max, McConaugheys Image auf’s Korn nehmend und gleichzeitig seine Botschaft mittels eines Nichtfilms verbreitend: just keep linvin‘…



„Surfer, Dude“ ist ein Film mit einem völlig umdämmerten, selbstvergessenen Vibe, ein bißchen wie der Coen-Kult „The Big Lebowski“ (vornehmlich dessen weggedröhnte Halluzinationen) mit Strand und Meer und Surfin‘ statt Bowling. Auf der Tonspur wummern die chilligen Basslines und Reggae-Rhythmen, McConaughey kifft, schlurft, didgeridoodelt und existenzphilosophiert durch eine Handlung, die… die… ja, woraus besteht die eigentlich? Im Grunde aus rein gar nichts, Mann… Spirit und Soul, Lebensgefühl und so weiter, Wellen, rasenmähende Ziegen, Wellen, Mann, irgendwas Anti-Kommerz, Anti-Ausverkauf… »Surfing is to… be with that mystery. To ride that mystery for as long as you can. And then when it’s over that’s cool because you know what? You were there, in line and on time.« Yeah, Dude… was auch immer das heißen soll. Der Film driftet so dahin zwischen McConaugheys Wellensehnsucht, seinem nackten Oberkörper, barbusigem Geräkel mit Lesbenspielchen am Set der Reality TV-Show des hinterhältigen und profitversessenen surfer turned businessman Zarno, mit dem Addington nur ein paar gechillte Worte von Dude zu Dude wechseln will und plötzlich ohne Kohle, ohne Haus und nach fieser Trickserei an einem Videomitschnitt sogar ohne Reputation dasteht, nur weil er sich nicht an beschissene Fernsehformate und nutzlose Virtual Reality-Games verkaufen will.

Hey, das klingt ja fast wie ’ne Handlung, aber eigentlich ist es doch keine, weil Addington nur eine Sache wirklich schwer belastet: keine Wellen da. Kein Surfen möglich. Kein Sinn. »I’m a surfer, dude…« Addington will die Wellen erzwingen, erfasten, sie mit Ritualen heraufbeschwören, verbrennt sein Board, reibt sich mit der Asche ein – nichts, der Ozean bleibt ruhig. Muss er schließlich doch bei Zarno unterschreiben? Und was hat das eine überhaupt mit dem anderen zu tun, würd’s seine Kreditkarte entsperren, wenn wieder Wellengang wäre, würd’s die Räumungsklage an seiner Hauswand entfernen, seinen zwischenzeitlich inhaftierten Manager aus dem Knast holen? Die Kommerzverweigerung und das wochenlange Warten auf die Welle, das ist kein Plot, das ist Geisteshaltung, Metaquatsch, McConaugheys „mit mir nicht mehr“-Signal, indem er ein Abziehbild seines Images als die größte Hohlpumpe spielt, aber seelische Integrität wahrt, zu seinen Idealen steht: just keep livin‘… Das ist zum Teil schreiend bekloppt und zu nichts hin führend, so unbelegt mit Handlungsmustern, Charakterzeichnung und was auch immer für Schlagwörtern, wie die trocken umherkreisende Stulle in Addingtons dichtgedröhnter Birne.



Wo DER Dude immerhin ein konkretes Anliegen hatte (Ersatz für seinen vollgepinkelten Teppich), woraus sich eine Kette aus Ereignissen um Entführung, Pornoproduzenten und Nihilisten entrollte, chillt der „Surfer, Dude“ einfach weiter seine Basis, pfeift sich die nächste Portion Gras rein und wartet auf die Welle, das allerdings zunehmend verzweifelnder. Das ist bis zur Wirbelsäulenüberstreckung zurückgelehnt, lässig und ohne jede Dramatik, aber manchmal richtig komisch (McConaugheys verpeilte Reaktionen auf Gesprächspartner wie Zollbeamte, seinen Manager oder hochgestochene Business-Schwadronaten sind pures Comedy-Gold). Dazu reift eine Love Story mit einer knuddeligen Ostküstlerin und Produzententochter, die auch bloß aus einer Lebenslaune heraus und ohne großartig mehr an Motiv in Malibu aufschlägt, und Woody Harrelson, Willie Nelson und Scott Glenn lassen sich blicken, um grinsend und feixend die „most non-working work“ (Zitat Harrelson) ihrer langen Karrieren runterzureißen. Ramón Rodríguez personifiziert als Autogramme mit Stempel verteilender Kommerzsurfer den modernen Gegenentwurf zu Addington und hat damit so viel Spaß, wie Jeffrey Nordling als schleimiger Ex-Boardbesteiger. Spaß mit „Surfer, Dude“ wird sicher nicht jeder haben, das ist schon ein sehr spezieller Film mit sehr speziellem Stimmungsbild. Wer sich drauf einlässt, wird davon allerdings ein gutes Stück mitgetrieben und coolt einfach mal schlanke achtzig Minuten ganz weit down, bis zur nächsten Welle an aufgeregten, dramatischen, richtigen Filmen… »Quick, don’t just do something; stand there…«

Wertung & Fazit

Action: 0/5
Nee, chillig, Mann…
Spannung: 0,5/5
Nee, voll runter gecoolt und mit einem Spannungsbogen, so labbrig wie ‘ne Qualle am Strand…
Anspruch: 0,5/5
Metamäßige Abrechnung mit McConaugheys Image und ein bißchen „Reality-TV ist voll manipulativ und verlogen und kommerzieller Ausverkauf ist scheiße“-Moral, aber hey… lässig, Mann, alles halb so wild…
Humor: 2/5
Basisgechillter Stoner-Humor lässigster Güte…
Darsteller: 4/5
Harte Arbeit war das sicher für keinen, siehe Woody Harrelsons flapsige Aussage. Spaß hatten aber alle und Matthew McConaughey beweist schon vor seiner momentan andauernden Strecke von Ausnahmeleistungen („Killer Joe“, „Mud“, „The Wolf of Wall Street“, „True Detective“,…), zu was er fähig ist. Der ist schlicht klasse als hohlgekiffte Überspitzung seines eigenen Images aus jener Zeit und treibt dabei auch seine Oberkörperfreikultur mit kompletter Nacktheit an die Grenzen.
Regie: 3,5/5
Schwer zu beurteilen… Ach, 3,5/5, fertig…
Fazit: 7/10
Weggechillt vor sich hin treibende Ode ans Nichtstun, außer dem, worauf man Lust hat. Matthew McConaughey spielt genau das, für was er die längste Zeit seiner Karriere verschrien war, aber mit dicker Portion Selbstironie und -erkenntnis und einer schauspielerischen Klasse, die eben damals schon vorhanden war und dem Matt nicht plötzlich über Nacht nachgewachsen ist und die ihn dazu befähigt hat, sich von der Kommerzialisierung seines Leinwand-Ichs reinzuwaschen. „Surfer, Dude“ ist die Metaebene zu diesem Wandel.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

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