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300: RISE OF AN EMPIRE – Kritik zum navalen Schlachtfest mit Sullivan Stapleton und Eva Green (Blu-ray)

Von Flynn Hardy vor 2 Jahren geschrieben07 / 20142 Kommentare
300 RISE OF AN EMPIRE Filmkritik

Story

480 vor Christus: Gottkönig Xerxes strebt mit der schier unermesslichen Größe seiner persischen Streitkräfte die Eroberung Griechenlands an. Während sich dessen Stadtstaaten nicht auf eine Vereinigung im Kampf gegen die Übermacht einigen können, stellt sich Xerxes bei den Thermopylen der spartanische König Leonidas mit einem Heer von 300 unbeugsamen Kriegern in den Weg. Doch die Schlacht um Griechenland tobt nicht nur dort: zeitgleich führt der Athener Feldherr Themistokles seine Flotte am Kap Artemision gegen die persischen Schiffe. Genau wie die Spartiaten sind Themistokles und seine Männer den Eroberern zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen, können jedoch mit ihrem Kampfeswillen und nautischen Geschick den Nachteil zunächst ausgleichen. Die persische Flotte allerdings wird von der gnadenlosen Truppenführerin Artemisia angeführt, die nichts als blutige Rache am Volke der Griechen im Sinn hat, das ihr und ihrer Familie einst unvorstellbare Gräuel angetan hat…

Der Film

Ahu, ahu, ahu! Die Griechen sind zurück zur zweiten Runde Perser klatschen! 2007 gelang Regisseur Zack Snyder nach dem zwiespältig betrachteten Zombie-Klassiker-Remake „Dawn of the Dead“ mit der optisch außergewöhnlichen Graphic Novel-Adpation „300“ der Durchbruch, das Fantasy-Kriegerepos um eine Handvoll Spartiaten, die sich einer persischen Übermacht in den Weg stellt, übersetzte die Vorlage von Zeichner und Autor Frank Miller ähnlich wie Robert Rodriguez‘ „Sin City“ zwei Jahre zuvor kongenial teils Panel für Panel auf die Leinwand und schuf eine durchgestylt-realitätsfremde Ästhetik aus durchtrainierten Männerleibern, Blut und Gewalt. Weder in Comic- noch Filmform was für jedermann und mitunter scharf kritisiert für seine faschistisch zu deutende (ungleich faschistisch intendierte) Propaganda als Erzeugnis der Erzählerperspektive (ein Spartiat, der seine Männer mit den Heldentaten der 300 auf die nächste Schlacht einstimmt), sowie ob historischer Ungenauigkeit bei der Wiedergabe der Schlacht bei den Thermopylen.



Die martialische Erzählung einer form-, körper- und kampfbesessenen Kaste, allet für die Ehre, allet für den Club. Fragwürdig, aber für ein mündiges und seherfahrenes Publikum locker zu durchschauen und zu verkraften, ohne ideologisch davon korrumpiert zu werden. An der Comicfortführung „Xerxes“ um die Vorgeschichte des Perserkönigs arbeitet Miller nun schon seit Jahren (oder ist die inzwischen erschienen? Keine Ahnung…), die Verfilmung jedenfalls war schneller dran: „300: Rise of an Empire“ ist ein Sidequel zu Snyders „300“ und erweitert die Geschichte um Ereignisse vor, während und nach dem Kampf von Leonidas und seinen Spartiaten. Die Stimme der Rahmenerzählung stammt diesmal aus dem Munde der zur Witwe gemachten Königin Gorgo, die zunächst von der Schlacht bei Marathon und vom Aufstieg des Knaben Xerxes zum mächtigen Herrscher erzählt und aus dem Gottkönig einen Repräsentanten macht, ein goldbehangenes Symbol für eine Kriegstreiberin im Hintergrund. Das gewinnt der einseitigen „die guten Griechen gegen die bösen Perser“-Konstellation durchaus ein, zwei Facetten mehr ab, ansonsten bleibt aber alles dem Nachfolger/Nebenläufer/Vorgänger „300“ sehr ähnlich.

Wie dieser ist „Rise of an Empire“ visuell ein Schlachtschiff, CGIstokles und Choreographoltis leisten großen Dienst und der Film wirkt auch etwas abwechslungsreicher als der überwiegend sepiagesättigte „300“ mit seinen harten gelb-braun/schwarz-rot-Kontrasten und ist nicht einfach als „300 für die Badewanne“ abzutun. Die Gefechte zur See bringen Variation und Dynamik mit und haben genug eigenen Reiz, um „Rise of an Empire“ als nicht zwingend benötigtes, aber auch nicht komplett überflüssiges Beiwerk zum Hauptakt „300“ zu gewichten. Da der Vergleich zum Videospiel bei der Optik so treffend ist: Noam Murro ist ein brauchbares Add-On zum Main-Game gelungen, das mehr von der etablierten und funktionsnachgewiesenen Mechanik bietet und mit ein paar eigenen Ideen versieht, damit sich das Zocken…ähh…Zusehen zum Vollpreis lohnt. Murro ordnet sich ganz der Aufgabe unter, des Snyderleins Stilistiken nachzustellen, „Rise of an Empire“ gerät allerdings in einem Kernelement des Gemetzels noch ein Stück verfremdeter: die Blutfontänen spritzen hier höher, schneller, weiter, selbst kleinere Hiebe lösen rote Geysire und Lebenssafteruptionen aus, die 3D-gerecht in Richtung Kamera schwappen und obwohl das auf den ersten Blick noch brutaler wirkt und sich auch in der höheren Altersfreigabe niederschlägt, kam „300“ dennoch schmerzhafter rüber, als dieses total übertriebene Gesuppe.



Eine ausgedeutete Geschichte (die eine neutralere Perspektive voraussetzen würde) ist für „Rise of an Empire“ ebenso zweit- oder gar drittrangig wie für den großen Bruder. Politische Ränkespiele und die Uneinigkeit zwischen den Stadtstaaten Griechenlands werden höchstens in Stichworten angerissen, um mit der Story überhaupt auf einen erklärenden Nenner zur Frage »warum greifen die Griechen die Perser nicht verbündet an?« zu kommen. Stolz, Feigheit, Eigensucht, die Sicht der Spartiaten, denen der Feldzug des Feindes die ultimative Gelegenheit zum Höchstziel gibt, dem ruhmreichen Heldentod – das sind wohl irgendwie die Gründe, warum die neue Hauptfigur Themistokles sich vergebens müht, sein Land hinter sich zu vereinen. Sullivan Stapleton ist dabei kein willkürlich festgelegter Nullmeridian, aber auch kein Äquator wie Gerard Butler, der uneingeschränkte Bezugspunkt des Vorgängers. Butlers Leonidas und sein Heer der tapferen „300“ umspülte umso heftiger dieser manchem schwer im Gedärm liegende spartanische Ethos von Kriegerehre bis zum Tod, den die athenische Sicht Themistokles‘ in „Rise of an Empire“ relativiert, sogar abschätzig betrachtet und entglorifiziert. Themistokles‘ Ansprachen haben nicht ganz das Feuer, nicht ganz den mitreißenden Eifer und nicht ganz die plumpe Kriegstreiberei inne, wie es beim Leib und Seele-Spartiat Leonidas rüberkam. Wer da eine gewisse Empfänglichkeit ausstrahlt muss im Australier Stapleton den weniger charismatischen Anführer sehen, eigentlich geht der die ganze »für Griechenland bis in den Tod«-Kiste aber nur ein bißchen weniger po- und mehr pedrestisch an: der Flottenführer gesteht Scheitern ein, hadert und grämt sich ob seiner Entscheidungen, die Frauen zu Witwen und Kinder zu Waisen machen. Das macht „Rise of an Empire“ nicht tiefgründiger und weniger zitierfähig, Stapleton aber nicht zur doll schlechteren Hauptfigur.

Die misst man in einem solchen Schlachtengetümmel eh am besten an ihrem Gegenspieler und wo Leonidas den auf den blutgetränkten Kampfesstätten an den Thermopylen abstinenten Xerxes nie direkt vor’m Schwert hatte, muss sich Themistokles mit Artemisia auseinandersetzen. Und die wird nicht ständig auf einem goldenen Thron durch die Gegend gezockelt, sondern bringt vollen Einsatz mit. Die kämpft und knödelt härter als jeder Mann und liefert sogar eine Hintergrundgeschichte, die dem ohnehin stark sexuell aufgeladenen Pathos der „300“-Filme nicht nur ein paar blanke Frauenbrüste hinzufügt, sondern eine Perspektive des Hasses auf männliche Sexualität und Ausschweifung, zugleich als Mittel Artemisias eingesetzt, den standhaften Themistokles auf ihre Seite zu ziehen. Eva Green gibt eine furiose evil bitch und beherrscht ihre Untergebenen wie den Film mit harter Hand. Ohne ihre Artemisia würd’s für „Rise of an Empire“ dann doch etwas schneller in Richtung reizloser Abklatsch gehen, da das Gemetzel und die Machart bei aller Wucht irgendwann an einem toten Punkt angelangen und sich wahrscheinlich auch nicht nochmal erheben würden, wenn nicht die Green den nächsten großen Reizpunkt setzen würde, ob sie dazu nun Köpfe abtrennt und knutscht, ihre Generäle zurecht weist oder die Schenkel spreizt.



Neben Green und Stapleton bleibt „Rise of an Empire“ blass, die prominenten Rückkehrer David Wenham, Lena Headey und Rodrigo Santoro absolvieren kaum mehr als verlängerte Cameos und unter Themistokles‘ Männern befinden sich keine Kaliber wie Vincent Regan, Tom Wisdom und Michael Fassbender, die an Butlers Seite im ersten Teil zumindest Persönlichkeit hinstellten. Hans Matheson, Callan Mulvey und Jack O’Connell sind nicht viel mehr als Abzieh- und an einem Punkt Umkehrbilder von deren Rollen. Schön wär’s ja mal gewesen, wenn „Rise of an Empire“ in seiner ganzen maskulinen Astralästhetik oder, um’s etwas ordinärer auszudrücken, schwulen Fetischoptik ein homosexuelles Kriegsbrüdergespann losgeschickt hätte, also statt Emotionen wie im Vorgänger an eine Vater/Sohn-Beziehung an eine Lehrer/Zögling-Bindung zu knüpfen und gleichgeschlechtliche Liebe in Heldenpose und als toleriert zu zeigen, statt sie in Verunsicherung und Scham und den ewigen Kampf UM Toleranz zu zwingen („Philadelphia“, „Brokeback Mountain“ „Dallas Buyers Club“). Aber solange daran Begriffsketten wie »bemerkenswert«, »gewagt« und »skandalös« hingen wird ein großer Studiofilm lieber weiter auf die zugerittenen Pferde setzen. Und das Anliegen, ihr Fleisch und Stahl-Epos als Injektion zur Gleichberechtigung zu veranschlagen, wäre mit Jungens wie Zack Snyder und Frank Miller auch an die verkehrte Adresse gerichtet…

Wertung & Fazit

Action: 4/5
Brutal und bis in den Exzess hochstilisiert, aber so ab Mitte/letztem Drittel des Films mit merklichen Abnutzungserscheinungen.
Spannung: 2/5
Ähnlicher Ablauf wie in „300“, geraffter vorgetragen. Hochspannung kommt nicht auf.
Anspruch: 0/5
Zeigt man besser nicht im Geschichtsunterricht.
Humor: 0/5
Weniger mitgröhlfähig als der Vorgänger.
Darsteller: 3/5
Sullivan Stapleton ist ein solider Nachfolger Gerard Butlers, Eva Green haut richtig auf die Pauke, ansonsten wenig erwähnenswertes.
Regie: 3/5
Noam Murro verhebt sich nicht am Vorbild Zack Snyder, dessen Style-Exzesse sind aber noch impulsiver.
Fazit: 7/10
Ganz würdiger Nebenkriegsschauplatz zu „300“. Visuell gewaltig und gewalttätig, ideologisch sicher wieder von Emden bis Athen sonstwohin interpretiertbar.

Mehr zum Film

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