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GUARDIANS OF THE GALAXY: Kritik zu Marvels Space-Knaller mit Chris Pratt und Zoë Saldaña (Kino)

Von Flynn Hardy vor 2 Jahren geschrieben08 / 2014Kritiken3 Kommentare
GUARDIANS OF THE GALAXY Filmkritik

Story

Die Erde, 1988: nach einem schweren Schicksalsschlag durch den Verlust seiner krebskranken Mutter wird der junge Peter Quill nicht etwa ins Heim gesteckt oder zu einer garstigen Tante verfrachtet – sondern von Außerirdischen entführt. Zweieinhalb Jahrzehnte später ist Peter als Outlaw in einer fernen Galaxie unter dem Kommando des Space-Piraten Yondu Udonta unterwegs. Doch als er in einer Ruinenstadt auf dem Planeten Morag auf einen scheinbar hochwertigen Gegenstand stößt hintergeht Peter, der sich mittlerweile mit dem hochtrabenden Titel Star-Lord schmückt, kurzerhand seinen Boss, um den Orb selbst zu verkaufen. Ein Scharmützel mit den Gefolgsleuten eines gewissen Ronan später ist Peter auf dem Weg zu einer üppigen Auszahlung. Doch statt Barem muss er erfahren, dass er sich nicht mit irgendwem um irgendwas angelegt hat: Ronan the Accuser vom Volk der Kree ist auf seinen Fersen und benötigt den Orb, um ein Geschäft mit dem urmächtigen Eroberer Thanos abzuschließen, der im Gegenzug den Planeten Xandar zu zerstören versprochen hat, dem sich Ronans ganzer fanatischer Hass aus alten Tagen des Krieges widmet. Die tödliche Assassinin Gamora macht sich auf Peters Spur, allerdings sind auch der Kopfgeldjäger Rocket, ein anthropomorpher und genetisch veränderter Waschbär, und dessen baumähnlicher Gefährte Groot auf ihn aufmerksam geworden…

Der Film



WTF, oder? Die 1980er, Space-Piraten, ein genetisch hochgezüchteter Waschbär und ein Baumwesen, alles in der selben Inhaltsangabe und damit ist grad mal ein Bruchteil dessen angerissen, was Marvel in der zehnten Auskopplung seines Cinematic Universe präsentiert. Dazu kommen auch noch Mixtapes, ein viermaliger World Heavyweight Champion der WWE, mit dem Nova Corps eine intergalaktische Militärpolizei und ein gigantischer abgetrennter Celestial-Schädel, der als Raumstation dient. Und was nicht noch alles, und was nicht noch alles. Willkommen zu „Guardians of the Galaxy“. Trotz eines Supersoldaten im Zweiten Weltkrieg, der gegen eine Wissenschaftsdivision der Nazis an die Front rückt, und dem Götterreich Asgard mit Regenbogenbrücken und Weltenbaum bringt der Comicriese mit dem Space-Ausritt sein bislang ungewöhnlichstes Projekt an den Start und weitet sein Universum in weit, weit entfernte Galaxien aus, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

»Something Good. Something Bad. Bit Of Both.« Unter diesem Spruch von Star-Lord Peter Quill kann man das bisherige Marvel Cinematic Universe zusammenfassen, James Gunns „Guardians of the Galaxy“ gehört aber genauso klar wie zuletzt „Captain America: The Winter Soldier“ in die erste Kategorie. Während das Schildträger-Sequel mit Polit-Thriller-Schwerpunkt Marvels bisher geerdetster Film war und den Superpatrioten überzeugend in der Gegenwart verortete bricht „Guardians of the Galaxy“ in Richtung SciFi-Abenteuer vor und stürzt kopfüber in ein furioses Vabanquespiel, das Asse und Trumpfkarten im Minutentakt aus allen Ärmeln schüttelt und (was wären Superheldenfilme ohne Superlative) zu den besten Blockbustern der letzten vier, fünf Jahre zählt. Von einer gewöhnlichen Leinwandpremiere für neu einzuführende Heftheroen hat „Guardians of the Galaxy“ indes wenig, mit Hintergrundgeschichten wird sich nicht lange aufgehalten, anders als bei „Captain America“ oder „Iron Man“ hat man es hier ja auch nicht mit einer Mensch/Superheld-Werdung zu tun, die Guardians sind ein Haufen Space-Abschaum, der sich in einer against all odds-Story zusammenrauft.



Nicht jedes einzelne Salzkorn in der „Guardians of the Galaxy“-Suppe braucht seine lange Erklärung und Vorgeschichte, das Gegen-, Mit- und schließliche Füreinander der bunten Gruppe leitet die wichtigen Charakteristika ab, der Arc jeder einzelnen der fünf Hauptfiguren tritt an bestimmten Stellen in den Vordergrund und positioniert sie innerhalb eines vielfältigen Universums. „Guardians of the Galaxy“ zeigt, wie man eine solche abgedrehte Welt über Figuren mit Seele, Witz und emotionalem Gewicht schleunigst begreifbar und zugänglich macht, da können die galaktischen Wächter auch aus solch illustren Kreisen wie Comedy-Shows, Showkampfringen, anderen SciFi-Franchises oder Rechnerprozessoren zusammengecastet sein. Marvel setzt so selbstbewusst wie kompetent auf scharfgeschliffene Charaktere, ohne dass für den Moment des Films relevant werden würde, wer sich da an die Schöpfung eines waffenstarrenden Waschbären gemacht hat, woher der gutmütige Baummann Groot stammt und so weiter. Ebenso für das Zutrauen Marvels in die Klasse des eigenen Materials und die kreative Güte der Umsetzung spricht der Verzicht auf eine rein integrative Projektionsfigur (sprich einen Ahnungslosen unter Wissenden, dem stellvertretend für das Publikum das fremde und außergewöhnliche seiner Welt erklärt wird, wie Luke Skywalker in „A New Hope“ oder Harry Potter, der im Grunde sieben Bücher und acht Filme lang diesem Muster folgt). „Guardians of the Galaxy“ wird einfach von der Leine gelassen und der expositorische Ballast ist minimal, aber präzise.

Zwar erinnert man sich nach dem Film kaum mehr an Namen von Personen, Orten oder Verbänden (außer natürlich Groot, denn dessen Namen hört man schließlich oft genug 😉 ), das ist für das pure Vergnügen an „Guardians of the Galaxy“ aber völlig unerheblich. Zu den vielzähligen Weltenwechseln dehnt sich die Handlung nicht grade in ungeahnte Weiten des Storytellings aus, aber das erfordert neben dem wichtigeren Teambuilding-Aspekt außerdem das große Ganze: Marvel fährt die Infinity Gems-Storyline und wird demnächst irgendwann Thanos mit dem Infinity Gauntlet lospadauzen lassen und so ist es halt nach dem Tesserakt in „The Avengers“ und dem Äther in „Thor: The Dark World“ auch in „Guardians of the Galaxy“ wieder ein nicht näher definierter Machtgegenstand, der das Wohl unzähliger bedroht. Die Wechselwirkung mit dem restlichen Cinematic Universe ist einseitig, Post Credit Sequence-Erscheinungen wie eben Thanos oder der von Beneicio del Toro gespielte Collector wird ein Stück weit ihr »Häää?«-Faktor genommen und ihre Präsenzen werden in Zusammenhänge gesetzt, wohingegen „Guardians of the Galaxy“ selbst natürlich nicht ständig Ereignisse von rechts und links um Tony Stark, Nick Fury und co. ansprechen muss.



Ungehemmt kann James Gunn voranpreschen und einen berührend-menschlichen Prolog mühelos in ein knalliges Space-Adventure kippen lassen. Mit dem großartigen ersten Auftritt von Chris Pratt, der die Rolle des Peter Quill sofort und genauso einnehmend owned, wie es Robert Downey Jr. in „Iron Man“ gelungen ist, legt ein wahres Unterhaltungsspektakel los, mit Retro-Charme (der Soundtrack, Quills herrlich antiquierte Popkulturverweise), kleinen und größeren Referenzen an Genreklassiker (der Anflug auf die schädelförmige Minenkolonie Knowhere als Spiegel der Begegnung des Millenium Falcon mit dem Todesstern) und einem ideal aufeinander abgestimmten Mixtape aus schnodderigem Wortwitz (der im Original zweifelsfrei nochmals besser als in der Synchro rüberkommt), Starfighter-Action und dramatischen Momenten. Die überakzentuiert Komponist Tyler Bates zwar manchmal mit seinem dann arg pathetischen Score, aber es ist mit wohligem Grinsen entgegen genommen, wie sehr „Guardians of the Galaxy“ neben Sprüchen und Explosionen auf eine nostalgische Unschuld, Gefühle und Beziehungen zwischen den Figuren setzt und manche Szenen dann umso überraschender und frecher vor’m Kitschüberfluss auflöst. Und dennoch sogar zu Tränen rühren kann, wenn sowas vermessen überkandideltes wie Quills sich eigens verliehener bekloppter Titel Star-Lord seine tieferliegende Begründung erhält.

„Guardians of the Galaxy“ schließt mit zur Spitze der Marvel-Movies auf und deibel noch eins, das Ding ist ein riesiges Vergnügen, ein paar Zeilen seien aber auch den Schwächen des Films gegönnt: manch zuvor verwendeter Terminus („stürzt kopfüber“, „voranpreschen“) hat’s schon angedeutet, „Guardians of the Galaxy“ ist eine Sause ohne Pause und ein paar ruhige Momente zwischen den Charakteren mehr würden gerade der schwer actionlastigen zweiten Stunde nicht schaden, wo sich der Film in seinen besten Szenen doch so prächtig über die Gegensätzlichkeiten des bunch of a-holes verkauft. Ähnlich den Dunkelelfen in „Thor: The Dark World“ ist zudem Gegenspieler Ronan the Accuser nur ein Lückenfüller, bis nächstes Jahr im „Avengers“-Sequel „Age of Ultron“ und beizeiten mit Josh Brolin alias Thanos die A-Player der Schurkenliste mit harter Hand ins Geschehen eingreifen. Allerdings holt Lee Pace trotz dick überschminktem Gesicht noch einiges aus Ronan raus und strahlt durchaus Bedrohlichkeit und Macht aus, wenngleich er am Ende ähnlich bloßgestellt wird, wie Loki durch die »puny god«-Aktion des Hulk in „The Avengers“…



Marvels Phase 2 hat sich bisher von Film zu Film gesteigert und mit dem Selbstverständnis des Kassenerfolges (auch wenn der hier seit langem mal wieder etwas in Frage stand) hält nicht etwa Stagnation Einzug, sondern eine zunehmende Sicherheit in Stil, Sprache und Gestaltung des Cinematic Universe. Und dazu kommen dann noch die kreativen Impulse von talentierten Regisseuren wie Alan Taylor, den Russo-Brüdern oder James Gunn. Mit der Besetzung von Chris Pratt ist an vorderster Front neben Downey Jr., Chris Evans und Chris Hemsworth mal wieder ein Volltreffer gelungen, während die verlässliche Zoë Saldaña und ebenso Dave „The Animal“ Bautista die zweite Reihe nicht nur farblich ergänzen, ganz zu schweigen von den schillernden Showstealern Rocket und Groot. The Guardians of the Galaxy will return. Das ist die beste Nachricht eines ansonsten mal wieder ernüchternden Blockbuster-Sommers.

Wertung & Fazit

Action: 4/5
Durchweg gelungen und tricktechnisch unantastbar, aber den vielen Explosionen und dem Space-Geballer fehlt so ein gewisser finaler Kick einer wirklich herausragenden Action-Sequenz. Der letzten Stunde würde zudem ein bißchen weniger Hast nicht schaden.
Spannung: 1,5/5
Unterhaltsam und temporeich wie nur was, aber die Story um Weltenvernichterei und das Zusammenfinden eines unwahrscheinlichen Teams ist nichts Neues, wohlgemerkt aber auch bewusst klassisch erzählt.
Anspruch: 1/5
Angedeutet wird viel, aufgelöst noch längst nicht alles, nur hohles Fun-Spektakel ist „Guardians of the Galaxy“ aber auch so schon nicht.
Humor: 2,5/5
Hier könnte die Originalfassung noch locker einen Punkt mehr bringen, es ist erahnbar, wie viel Wortwitz in der synchronisierten Version verloren geht. Trotzdem mit der witzigste Marvel-Film.
Darsteller: 4/5
Sympathiebombe Chris Pratt hat das Charisma und mittlerweile auch den Look, um Hollywoods next big thing zu werden. Eine Bereicherung für Marvels Besetzungsliste ist er jedenfalls auf Anhieb. Auch die weitere, überaus illustre Besetzung macht einen guten Job.
Regie: 4/5
Wie zuletzt die Kollegen Taylor und Russo/Russo liefert James Gunn ein durchweg überzeugendes (Marvel-)Blockbuster-Debüt.
Fazit: 8,5/10
Da wird sich „Star Wars: Episode VII“ im kommenden Jahr mächtig ins Zeug legen müssen: James Gunn und Marvel präsentieren ein Space-Abenteuer, wie es seit ewig keines gegeben hat und ergänzen nicht nur das Cinematic Universe, sondern das ganze Genre um ein echtes Highlight. Bis in drei Jahren, ihr verfluchter Haufen Space-Abschaum 😀

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Kommentare

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  • Hauke 4 Kommentar(e)

    Spot on.

  • donpozuelo 193 Kommentar(e)

    Ja, “Guardians” lohnt sich echt. Hat wirklich sehr viel Spaß gemacht… und ja, da muss Abrams sich jetzt ordentlich ranhalten mit seinem “Star Wars” – eins hat Marvel hiermit ja jetzt schon 😉

    • Flynn Hardy 181 Kommentar(e)

      Wobei ja krass ist, dass das mittlerweile alles aus dem selben Haus kommt 😀

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