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SABOTAGE: Kritik zum berstigen DEA-Action-Thriller mit Arnold Schwarzenegger (Blu-ray, uncut)

Von Riggs J. McRockatansky vor 3 Jahren geschrieben09 / 20143 Kommentare

Story

Commander John „Breacher” Wharton ist der väterliche Anführer einer Eliteeinheit von DEA-Agenten, die auf die heikelsten Missionen im Kampf gegen Drogenkartelle angesetzt wird. Doch seit der brutalen Folterung und Ermordung seiner Familie durch ein mächtiges und brutales mexikanisches Kartell vor ein paar Monaten ist Breacher nicht mehr der Selbe und die Gefahren der vergangenen Jahre sollen sich nun wenigstens für sein Team auszahlen: die Razzia einer Villa endet für die ansässigen Drug Pusher in einem Blutbad, für Breacher mit dem Verlust eines Mannes, aber auch einer Beute von zehn Millionen, die in die eigenen Taschen abgezweigt werden sollen – und plötzlich verschwunden sind. Der Verlust bleibt jedoch nicht unbemerkt, Breacher und sein Team werden unter Anklage gestellt und für mehrere Monate suspendiert, ehe die Ermittlungen wegen mangelhafter Beweislage aufgegeben werden müssen. Breacher reaktiviert den verbliebenen Rest seiner Einheit, aber die Sache ist längst nicht ausgestanden, im Gegenteil: innerhalb kurzer Zeit werden zwei seiner Jungs bestialisch abgeschlachtet aufgefunden und die toughe Ermittlerin Caroline Brentwood nimmt sich des Falles an. Führen die Morde zu dem geschröpften Kartell – oder gibt es etwa einen Verräter in Breachers eigenen Reihen?…

Der Film

Gäbe es einen Gesetzesbeschluss zur cinematerotischen Eheschließung wäre David Ayer der erste auf’m Standesamt, um den Cop-/Crime-Thriller zu heiraten. Und uff, das wäre ’ne harte Ehe, denn der Regisseur und Drehbuchautor meint es seit jeher geradezu masochistisch ernst mit dem Genre. Zwar lässt sich Ayer im November mit dem Panzerfilm „Fury“ auf eine Liaison mit einem Weltkriegsactioner ein, doch sein Name wird weiterhin für ruppige Milieustudien voller Korruption, Gewalt, strauchelnder und gefallener (Anti-)Helden stehen, die in einem brodelnden Sumpf Pflicht und Ehre oder zumindest sich selbst zu verteidigen versuchen. Originell sind Ayers Stoffe wie „Dark Blue“, „Street Kings“ oder „End of Watch“ nicht, aber dafür kompromisslose Atmosphärebretter, ausgespien aus dem Moloch des Alltags exekutiver Staatsgewalten. Der sprichwörtliche harte Tobak, fern ab von leichter Unterhaltung für Jung und Alt. Die Kapitänsuniform der Familienuntauglichkeit legt sich nun allerdings „Sabotage“ an, der renitenteste »Fuck off and die«-Rotzer in Ayers bisherigem Schaffen. Und, here comes the pain, der beste Film mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle seit Anfang der 1990er.



Nach einer Vielzahl von L.A.P.D. Officers, Army Rangern und SWAT-Spezialisten folgt Ayer diesmal einem Rudel DEA-Agenten, Typen mit verrückter Haarmode und martialischen Spitznamen wie Pyro, Grinder oder Monster. Klingt nach „American Gladiators“, doch im Gegensatz zu den harmlosen Muskelriesen lässt Ayer in „Sabotage“ einen richtiggehend barbarischen Haufen los: denen allen sind im Laufe der Jahre im knallharten Undercover-Einsatz sämtliche Sicherungen aus den Fassungen geknallt, das Team des legendären Breacher Wharton ist ein Kollektiv zerstörter Seelen. Harte, geschlagene Hunde, die über ihren kugelsicheren Westen einen weiteren Schutzpanzer tragen, einen aus ständigen obszönen Beleidigungen, ausschweifenden Party-, Sauf-, Drogen- und Stripclub-Gelagen. Sympathieträger und nice guys liegen Ayer nicht im Blut und in dieser Hinsicht schafft er mit „Sabotage“ sein Opus Magnum, keinen Schritt weit bemüht er irgendeine Figur des breiten Ensembles an die Seite seines Publikums, obwohl sich mit „Avatar“-Leading Man Sam Worthington, dem knuffigen Terrence Howard oder dem charmanten „Lost“-Raubein Josh Holloway die passenden Gesichter darunter befänden.

Doch „Sabotage“ ist wie die Stürmung eines Unterschlupfes durch Breachers Männer, face first und frontal auf die Fresse, ohne langes Fackeln und direkt, präzise und ohne jede Reue. Was. Ein. Ritt. Ungeschliffen und nicht glatt gebügelt lässt Ayer ohne Heldenpräsenz einen sardonischen Anschlag auf sonnige Gemütszustände los, einen grimmigen schlechte Laune-Film mit „who dies/whodunit“-Plot, der einem Schwarzenegger im „tierisch mies drauf“-Zustand eine kaum weniger kernige Olivia Williams zur Seite stellt. Zweckgebunden agiert auch der Steirer hier weitenteils fern seiner üblichen Leinwandallüren, einzig das genüssliche Paffen dicker Zigarren implantiert er in den Breacher-Charakter; schiefes Grinsen, die typische Oberkörper/Arme herumwerfen-Gestik und die seit seinem Post-Politiker-Comeback beigemengte Selbstironie bleiben weg. Schwarzenegger „spielt“ so fixiert, stoisch und (vordergründig) ironiefrei wie seit den 1980ern nicht mehr und das steht dem Actionrecken auch weit jenseits der Sechzig noch ausgezeichnet.



Szenen, in denen mehr als Ballern und Grummeln von Big Arnie gefordert ist, hält Ayer geschickt in Schatten und Gegenlicht, Schwarzenegger unter einem Hoodie oder sein Gesicht durch die eigenen Hände verborgen, so dass die naturgegebenen Acting Limits und Unbeholfenheiten des Terminators die Rolle nicht versauen und Breachers Hintergrund mit der entführten Familie (der in den Trailern fälschlicherweise wie ein beschränkt-einfallsloser Climax angepriesen wurde) ausreichend Gravitas verliehen wird. Sein fast schon flehentliches Appellieren an den Zusammenhalt der Familie gegenüber seinem Dreckshaufen von Team gibt dem Diebstahl der Kartellmillionen und den anschließenden Ereignissen eine tragische Note inmitten des selbsterfüllend-damoklestischen Herganges. Den überträgt Ayer auf verzerrt-hyperbrutale Gewaltakte an gesichtslosen Kartellschergen und der Reihe nach an Breachers Männern, die nicht stumpf getötet, sondern symbolträchtig niedergerichtet werden, was gemeinsam mit zwischengestreuten Foltervideos in Zeiten des multimedial verbreiteten ISIS-Terrors und dessen Hinrichtungspropaganda eine magenumdrehende Wirkung entfaltet.

Seine paar krimiartigen Unklarheiten (wer hat die Kohle, wer steckt hinter den bestialischen Übergriffen) hält „Sabotage“ so lange es geht unter der Decke, wobei Spannung hier nicht durch die abduktiven Ermittlungsschlüsse des Duos Schwarzenegger/Williams entsteht, sondern wenn überhaupt durch die fatalistische Gewissheit, dass keiner das „10 kleine DEA-Arschlöcher“-Prinzip heile überstehen wird. Das ist die eventorientierte Spannung nach klassischem Slasher-Muster – wer stirbt wann und vor allem: wie? Worthington, Howard, Holloway, dazu Joe Manganiello („What to Expect When You’re Expecting“), Max Martini („Pacific Rim“) und Mireille Enos („World War Z“), das sind Stars auf ähnlichem Bekanntheits- und Wiedererkenn-Level und keiner ist sich zu schade, hier richtig deftig über die Wupper zu gehen. Wobei die Enos als cracksüchtige Lizzy schon ein Stück vorsticht, die druggie-Version von Vasquez aus Camerons „Aliens“ ist ’ne übertrieben harte Bitch, die sich mühelos gegen die Testikelüberzahl in Breachers Einheit durchzusetzen versteht (»Sweetheart, you’re so in over your fucking head«).



Dialoge auf dem Niveau bildungsferner Problemviertel und sozialer Brennpunkte (»Why’s he tattooing a dick on your back?«; »Don’t blow your balls off.« »Don’t worry, they’re made of brass.« »Are they as big as your wife’s?«), gesprenkelt mit zahlreichen »Fuck«-Varianten und einem fortwährenden „die Eier zu dick um in die Hose zu passen“-Jargon, das alles vorgetragen von bösärschigen Bleiwichsern, die nichtmal ein Marginal an Mögenswertem mitbringen – schon klar, dass „Sabotage“ weder viel BoxOffice-Milch, noch allzu positive Resonanz abgezapft hat. Aber, und das ist ja mit das Geile daran: noch deutlicher könnte Ayers Film nicht darauf scheißen, ohne diese Haltung zur bloßen Masche zu degradieren. „Sabotage“ ist knüppelhartes und nach seinem ureigenen Wertekodex durchgezogenes Actionkino, das sich rücksichtslos und vollständig seiner Sache verschreibt. Die Story ist konventionell und banal, das Erlebnis aber künstlerisch geradezu existenziell, zumindest aus Ayers schöpferischem Kern heraus betrachtet. Ein brachialer, purer, reiner Film, der sich der Massentierhaltung Mainstream-Entertainment verweigert. Was, wenn nicht genau SOWAS, haut denn sonst die stets dringlichst benötigten Adrenalinschübe ins Genre?!

Wertung & Fazit

Action: 4/5
Mengenmäßig sprengt’s nicht den Rahmen, aber die Actionszenen sind bockhart und wahnsinnig direkt.
Spannung: 1,5/5
Wer ist der Nächste, das ist die Frage die hier sowas wie Spannung andeutet, ansonsten ist der Krimiplot eher banales Beiwerk, was im Rahmen der brettmosphärischen Umsetzung aber vollkommen ausreicht.
Anspruch: 0,5/5
Will man die abgewichsten Figuren als Zerrbildnisse ihrer beruflichen Identität, beziehungsweise ihres Identitätsverlustes deuten steckt da schon ein gewisser, interessanter Gedanke hinter den ganzen sinnlos scheinenden Flüchen und Beleidigungen.
Humor: 0/5
Furzwitze und Insults am laufenden Band, spätestens in der zweiten Hälfte ist das aber ein kackernstes Unternehmen.
Darsteller: 3,5/5
Kernige Typen und toughe Bitches, angeführt von einem Schwarzenegger, der in seinem Seniorenstatus bisher noch nicht SO perfekt eingesetzt wurde.
Regie: 4/5
David Ayer mit seiner bislang biestigsten Regiearbeit. Kann man lieben, kann man hassen, so ist es halt, des Ayers Schaffen…
Fazit: 8/10
Bester Schwarzenegger-Kracher seit gut zwei Jahrzehnten. ‘n richtig fieses Stück Scheißdreck, Null nach Maßstäben à la „sympathische Charaktere“ oder „ausgeklügelte Story“ zu be- und schon gar nicht zu verurteilen. Feines, reudiges Mistvieh von Film.

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Kommentare

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  • Flo Lieb 96 Kommentar(e)

    Oha, hab eher einen weiteren Verriss erwartet. Fand den Film nicht sonderlich prall, aber auch nicht vollends uninteressant (und war mit meinen 5/10 noch eine der – zumindest von mir wahrgenommenen – positiven Besprechungen. Als Ayers opus magnum würde allerdings nicht mal ich das bezeichnen, da fand ich schon allein END OF WATCH runder).
    Aus dem Supporting Cast hätte man mehr machen können/müssen, Arnies Frisur ist ziemlich panne, der Subplot um die Familie relativ egal – aber irgendwie kann man als biergeschwängertes DVD-Filmchen drüber hinwegsehen.

  • Frankt Strohmayer 17 Kommentar(e)

    War echt sehr auf deine Kritik gespannt und bin vielleicht etwas überrascht das sie so positiv ausgefallen ist.  Aber nach den vielen Drehbuch – Verwirklichung Disastern der letzten Monate tut so ein ehrlicher und direkter Film Echt gut.  Habe ihn im kino gesehen und erst am Wochenende auf Blu.

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