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BAD NEIGHBORS: Kritik zur Komödie mit Seth Rogen und Zac Efron (DVD)

Von Riggs J. McRockatansky vor 3 Jahren geschrieben09 / 20141 Kommentar

Story

Mac und Kelly Radner sind glücklich verheiratet und nach wilden Partyjahren nun mit einem eigenen Haus in einer beschaulichen Wohngegend und der Geburt von Töchterchen Stella vor einigen Monaten sesshaft geworden. Hin und wieder peppt nochmal Sex außerhalb des Schlafzimmers und ein Gelegenheitsjoint den Alltag auf, ihre feierversessene Freundin Paula muss aber beim raven gehen auf Mac und Kelly verzichten, wenn die übermüdet vom Spießerstress an der eigenen Haustür wegknacken. Skeptisch und um ihre Ruhe fürchtend beäugen die beiden eines Tages den Einzug der Studentenverbindung Delta Psi Beta im Nachbarhaus. Lässig und cool, um bei den Teens nicht im falschen Licht zu erscheinen, aber dennoch bestimmt werden mit dem Verbindungspräsidenten Teddy die Fronten geklärt und eine gemeinsame Partynacht mit zusammenschweißenden Ritualen wie Pinkelstrahl kreuzen später ist man sich einig: was auch bei den Delta Psis abgeht, die Polizei wird rausgehalten. Als die Studenten bereits am folgenden Abend aber die nächste Sause steigen lassen und es ohnehin Teddys erklärtes Ziel ist, in jahrzehntelanger Verbindungstradition den krassesten Scheiß überhaupt abzuziehen, um sich bis zum bevorstehenden Abschluss auf der Delta Psi Beta-Ahnenwand wiederzufinden, sehen Mac und Kelly keine andere Möglichkeit, als die Cops zu rufen. Einen solchen Vertrauensbruch will Teddy allerdings nicht auf sich sitzen lassen und so entbrennt ein waschechter Vorgartenkrieg zwischen den Parteien…

Der Film



Der Grat zwischen Junge und Mann ist schmal. Wenn überhaupt vorhanden. Sind wir doch mal ehrlich: unsere Generation würde nichts vor’m Fernseher, von unseren X-Boxen und PlayStations, unseren Blu-ray-Playern und Comicsammlungen wegbewegen, keine unserer Partys wäre vor’m nächsten Morgen zu Ende und niemals würden wir unseren Style mit Kapuzenpullis und Band-Shirts, Sneakern und Sport-Jerseys wechseln – wenn da nicht irgendwann im Leben die grässliche Vernunft Einzug hielte und damit die Einsicht, dass das alles so nicht mehr geht. Das Ausbildung und Job und nicht mehr die Eltern für Kohle sorgen müssen. Das Frau und Kind Zeit und Verantwortung fordern. Aber, irgendwo tief in uns, Peter Maffay wusste was er da singt, sind wir ein Kind geblieben. Ein Umstand, aus dem Hollywoods Comedy-Cliquen fast ihr gesamtes Potenzial abschöpfen, sei es die Happy Madison Gang um Adam Sandler, Rob Schneider und Kevin James, das Frat Pack mit Jack Black, Owen Wilson und Vince Vaughn, oder dessen Abkömmling, die Apatow Mafia, zu der unter anderem Seth Rogen, Jason Segel, und James Franco gehören: das Kind im Manne, das Streben gegen die bessere Vernunft und die Auseinandersetzung mit dem Erwachsenwerden und –sein ist da allgegenwärtiges Thema.

Wie in „Bad Neighbors“, der seine Prämisse vom eskalierenden Streit zwischen Spießbürgern und Partyteens mit stetem Seufzen des von Alters wegen zur Reife verpflichteten Mannes im Verlangen nach vergangener Unbeschwertheit zeigt. Vorübergehender Frieden mit den neuen Verbindungsnachbarn wird nicht mit Tee und Gebäck geschlossen, sondern mit Gras und Pilzen, die kalkulierte Einladung der Delta Psis zu ihrer Einweihungsfete wird nicht bescheiden abgelehnt oder nur verschämt angenommen, sondern lechzend nach Freiheit vom Alltag mit Job und Kind als Gelegenheit ergriffen, sich ENDLICH, nach Wochen und Monaten mal wieder so richtig die Birne wegzuballern und daneben zu benehmen, mit einem Ohr am Babyfon, während die Teens alles mit dem Smartphone aufzeichnen. Ein Klassiker auf dem „da ist was faul in der Nachbarschaft“-Metier wie Joe Dantes „The ‘Burbs“ wird „Bad Neighbors“ sicher nicht, dafür ist der Film zu hysterisch und stützt sich zu selten klar auf seine eigentlich formidabel comedytaugliche Prämisse und stattdessen auf geschmacksfeie gross out-Momente.



Das gehört eben auch dazu beim Apatow-Konsortium, verbale und visuelle Derbheit. Überlange Penisse, selbstgegossene Dildos, Milchstau in den Brüsten – bei sowas kennt „Bad Neighbors“ keine Verwandten, das wird erst offensivst angedeutet und findet sich früher oder später auch frontal im Bild wieder, egal ob’s nun grad in die Szene und den Ablauf passt oder nicht. Aber spätestens wenn die Gürtellinie auf Knöchelhöhe rutscht, Carla Gallo den Pythondödel von Christopher Mintz-Plasse als Halsschmuck trägt und Seth Rogen die überreifen Titten(prothesen) von Rose Byrne melkt, bewegt sich der Film fern dessen, was bei der Ausgangslage möglich scheint. Sowas kann man in Anarcho-Ablegern wie „Your Highness“ oder „This Is the End“ problemlos und bis zur Unendlichkeit unterbringen, doch solche Gags weit unterhalb des Geschmacksnullpunktes brauchen eine durch Film und Figuren geebnete Tragfläche, um auch mal in einer grundsätzlich weniger abgespacten Comedy wie „Bridesmaids“ zu flutschen, und da bietet „Bad Neighbors“ für die ganz deftigen Ausrutscher nach unten nicht genügend Halt.

Davon ab funktioniert der Humor des Films ganz gut, wenn sich die Parteien gegenseitig punk’en und prank’en liegt darin der eigentliche Reiz der Ausgangslage (die Nummer mit den geklauten und überraschend wieder „auftauchenden“ Airbags hätte sich als Running Gag noch weiter auszubauen gelohnt; der „bros before hoes“-Codebreaker;…). Filmverweise und –zitate wie Macs und Teddys stimmgewaltige Diskussion über den besten „Batman“-Darsteller oder die Robert De Niro-Mottoparty der Studies sind sowieso Selbstläufer. So richtig waghalsig-bissig wird „Bad Neighbors“ hierbei aber nicht und treibt’s nie so übertrieben zu weit, wie bei den Euter- und Puller-Gags und es bleibt der Eindruck, dass Szenen wie der Dildo-Verkauf im Vorgarten der Delta Psis lustiger, weil spontaner, frecher und unerwarteter wären, wenn man ihnen nicht bei der Herstellung der Schwengelduplikate beiwohnen würde. Mindestens so schwabbelig wie die Gummiknüppel gerät die moralische Kehrseite, die „Bad Neighbors“ dem wilden Tun der Studenten und besonders Zac Efrons Teddy als ihrem Vortänzer reindrückt.



Teenieschwarm Efron indes spielt sich so langsam frei vom „cutie cutie Zuckerschnutie“-Image seiner „High School Musical“-Tage und liefert als Teddy eine ganz ordentliche Leistung zwischen schlangenzüngigem Anführer und realitätsverweigerndem Feiertrottel, an dessen Seite der zum großkotzigen Arschloch geborene Dave Franco (siehe das unterschätzte „Scrubs“-SpinOff „Med School“) zu kurz kommt, trotz Kommandolatte. Rogen mit seinem dröhnenden »woooohh, waaait, whaaaat?!?!«-Humor ist seit jeher nicht jedermanns Sache, da werden sich Fans und Hater gleichermaßen von „Bad Neighbors“ bestätigt fühlen, Rogen spielt und ist halt Rogen. Die Byrne mit ihrem permanent verhuschten und immer leicht zur Leidensmiene abgleitenden Gesichtsausdruck scheint sich noch in einem der „Insidious“-Gruselschocker zu wähnen, hat aber ihre Momente.

Wertung & Fazit

Action: 1/5
Partyrausch, Kloppereien mit Dildos und Airbag-Stunts – so ungefähr sieht Action in „Bad Neighbors“ aus.
Spannung: 0,5/5
Kein Pflichtfeld für Komödien und auch mit dem ersatzweisen „was kommt wohl als nächstes Verrücktes“ kann „Bad Neighbors“ hier nicht groß punkten.
Anspruch: 0/5
Man ist nie zu Erwachsen zum Feiern, sollte vor lauter Feiern aber nicht das Erwachsenwerden vergessen… So oder so ähnlich geht die bescheidene Moral von „Bad Neighbors“, die den Film eher überdehnt als bereichert.
Humor: 2/5
Die ausgewalzten Penis- und Postnataltittenwitze schnüren das eigentliche Potenzial der Prämisse regelmäßig ab.
Darsteller: 3/5
Alles in Ordnung, allerdings hätte Dave Franco allein für seine Robert De Niro-Immitation schon mehr Platz im Film verdient.
Regie: 2/5
Nicholas Stoller guckt bei den ferkeligen Witzen zu lange drauf, achtet dafür nicht genug auf die eigentlichen Reize der Ausgangssituation.
Fazit: 4/10
„Bad Neighbors“ ist ausreichend unterhaltsam, würde aber deutlich mehr hergeben, wenn die extrem comedytaugliche Prämisse nicht für unpassende Genital- und Geschlechtsmerkmalwitze herhalten müsste.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

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Kommentare

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  • Flo Lieb 96 Kommentar(e)

    Wertungstechnisch sind wir uns nahe, dennoch fandest du den Film scheinbar weitaus gelungener als ich (weshalb die niedrige Wertung letztlich doch etwas überrascht).

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