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YOUNG ONES: Kritik zur Dürre-Dystopie mit Michael Shannon und Elle Fanning (Blu-ray)

Von Flynn Hardy vor 2 Jahren geschrieben11 / 2014Kritiken3 Kommentare
YOUNG ONES Filmkritik

YOUNG ONES: Kritik zur Dürre-Dystopie mit Michael Shannon und Elle Fanning (Blu-ray)
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Story

In einer nicht weit entfernten Zukunft: von der globalen Erwärmung ausgedörrt liegt der einst blühende Planet Erde mittlerweile brach, fruchtbares Land hat sich aufgrund des akuten Wassermangels in staubige Einöden verwandelt. Abseits der halbwegs ausreichend grundversorgten Städte kämpfen Siedler und Farmer in der Ödnis um ihre Existenz. So auch der abgehärmte Ernest Holm, der mit seinem Sohn Jerome und Tochter Mary weit draußen ein karges Leben führt, jedoch in der festen Überzeugung, dass sein Stück Land nach wie vor fruchtbar wäre, wenn es nur Zugang zu den lebenspendenden Wasserreserven hätte. Immer wieder bittet Ernest darum, eine geplante Wasserleitung auch an seine Farm anzuschließen, doch der Landstrich wird dafür als zu unbedeutend eingestuft. Ein weiterer Dorn in Ernests Auge ist der junge Flem Lever, der ein Verhältnis mit Mary hat. Der zwielichtige Bursche verfolgt ganz eigene Interessen mit dem Gebiet der Holms – und dann passiert ein folgenschwerer Unfall…

Der Film



George Millers Endzeit-Klassiker „Mad Max“, die deutsche Genreproduktion „Hell“, zuletzt „The Rover“ und auch Christopher Nolans Wurmloch-Space Trip „Interstellar“: Dürre und die Knappheit natürlicher Ressourcen sind Standartmotive des dystopischen Science Fiction-Kinos. So auch in Jake Paltrows kargem Ödland-Existenzdrama „Young Ones“. Auch wenn der knurrige Farmer Ernest Holm gleich in der Eingangsszene zwei Eindringlinge in seinem Habitat mit Waffengewalt abwehrt: dem jüngeren Bruder von Gwyneth Paltrow ist bei seinem zweiten Spielfilm als Autor und Regisseur nicht am martialischen Krieg und Kampf um knappe Mittel gelegen, eher reduziert er das Setting auf familiäre Dysfunktionen, klassische Western-Motive und coming of age-Tragik in einer gnadenlosen Welt. Jugend und Unschuld haben trotz der Weitläufigkeit der ausgedörrten Prärielandschaft keinen Platz, der Weg zur Mannwerdung ist steinig und staubig und kein optimistisches Abenteuer.

Die Absenz von bewaffneten Biker Gangs und marodierenden Banden mit geifernden Halbirren als stete Bedrohung in diesen antizivilisatorischen Gebieten macht sich nicht als Ausfallkriterium bemerkbar, „Young Ones“ ließe sich mühelos auch als reines Siedler-Drama im 19. Jahrhundert durchdenken. Selbst futuristische Elemente wie Lastenroboter sind in ihrem Design und ihren Funktionen eher Nutztieren nachempfunden, als wirklichen Fortschritt zu repräsentieren, was dem Film eine gute Portion Authentizität verleiht: eine Zivilisation am Abgrund besinnt sich zurück auf das Wesentliche. Als typischer skeptisch beäugter Outcast-Charakter hat Ernest Holm sich mit den Umständen arrangiert, in der staubigen Wüste zu überleben gelernt, einer Hoffnung auf Fruchtbarkeit verhaftet, die längst vergangen scheint. Sein eher sensiblerer, feingeistigerer Sohn und die rebellische Tochter hingegen… Hmmm… Ja, was ist eigentlich mit denen los?



Paltrows „Young Ones“ verfehlt, das wird schnell klar, leider die bereits durch den Titel gegebene Ausrichtung, denn die Jungen in dieser postapokalyptischen Welt, Elle Fanning („Maleficent“) und Kodi Smit-McPhee („Dawn of the Planet of the Apes“), bleiben neben dem Archetyp Michael Shannon unpraktischerweise nahezu charakterfrei. Der weiche Depri-Bursche, der noch längst nicht in die Fußstapfen des Vaters passt und der sein Innenleben in Skizzenbildern festhält, und die aufsässige Göre, die bei Papas patriarchalischen Beschützerversuchen zur zeternden Zicke wird und sich chronisch missverstanden fühlt. Mehr als Button-Pushing innerhalb eines sehr eng gefassten Problemverständnissen von Kids und Teens betreibt Paltrow nicht, da werden Schubladen aufgezogen, die nicht zum Schrank passen und es mag einfach keine Konfliktschwere und Affinität zum Setting entstehen, wenn die mehr hormonell-generalisiert denn individuell geplagte Fanning sich in Notstandszeiten die Nägel lackiert und ihren Dad nach dessen Rückkehr ob seiner Mitbringsel nach Ohrringen und nicht nach Trinkwasser fragt.

In einer sich unnütz umständlich entfaltenden Geschichte bleibt es an Nicholas Hoult („X-Men: Days of Future Past“), mit seiner auch nicht gerade aufregend aufgebauten Figur des stoppelbärtigen Motorradrebellen in die Nähe einer dramaturgisch gewichtigen Fallhöhe zu gelangen. Flem Lever schwankt überzeugend zwischen der unscharfen Grenze aus purer Aufsässigkeit, adoleszenter Verunsicherung und dem unbedingten Willen, es einer übermächtigen Vaterfigur recht zu machen und deren Schmach zu tilgen. Das entfaltet „Young Ones“ mit und ab einem unerwarteten Perspektivbruch ganz ordentlich, obwohl eben Elle Fannings blasse Mary eines prägnanteren Aufbaus bedürfte, um die entstehende Konstellation mit ihren schwellenden Hintergründen emotional greifbarer zu gestalten.



Im finalen Akt des pseudoartsy in drei Kapitelüberschriften unterteilten Films zieht mit einem aktiver werdenden Smit-McPhee immerhin auch mal die Spannung an, die sich unter Paltrows krudem Plotmanagement zunächst nicht vorwagt. „Young Ones“ ist speziell, ein ungewöhnlich umgesetzter und arrangierter Film, aber längst nicht auf ähnlich einnehmende Art, wie es in diesem Jahr zum Beispiel das verstörende SciFi-Mysterium „Under the Skin“ oder Denis Villeneuves Psycho-Kopf-Kammerspiel „Enemy“ waren, die vielfältige allegorische Deutungsmöglichkeiten boten, während Paltrow in seinen Kunstgriffen bloß bemüht wirkt, eine an sich simple, jedoch kraftvolle Geschichte aufzujazzen, statt sich darauf zu konzentrieren. Einige nette Visuals in ausgeblichen-greller Einöde, ein paar feine Ideen und keine Übererklärung der Umstände, wodurch gewisse Ereignisse in ihrer dystopisch-entarteten Selbstverständlichkeit eine stoßweise Schockwirkung erhalten (die verkaufen ihre Babys?!?), dazu ein guter Michael Shannon, der aber nicht die Maximalintensität seines Schauspiels entfalten kann – „Young Ones“ besitzt einige Potenzen, nur bringt Paltrow sie nicht ausreichend zur Geltung.

Wertung & Fazit

Action: 1/5
Für Endzeit-Action lieber zur „Mad Max“-Trilogie greifen, in „Young Ones“ ist dahingehend nicht so viel los.
Spannung: 1/5
Kommt erst im letzten Drittel überhaupt mal in Gang.
Anspruch: 1/5
Zu wenig Charaktertiefe, vor allem Elle Fanning ist bloß Beiwerk.
Humor: 0/5
Kein Kriterium.
Darsteller: 3/5
Für ihren Mangel an Tiefe und Entwickung können die Schauspieler nichts, wirksam dagegen anzuspielen schaffen sie immerhin manchmal in vereinzelten Szenen.
Regie: 2/5
Jake Paltrow scheint mit seinem „Young Ones“ so dringend etwas Unherkömmliches abliefern zu wollen, das er Dinge wie emotionales Gewicht und stringentes Erzählen dafür außer Acht lässt. Sich wiederholende Kamerakniffe wie Zoom Out-Shots sind dafür kein brauchbarer Ersatz.
Fazit: 4,5/10
Wortwörtlich karger Ödland-Western im SciFi-Dystopie-Rahmen, der kaum Sogwirkung entwickelt und in seinen artsy Spielereien ambitionierter zu wirken versucht, als er es in der Umsetzung ist.

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Kommentare

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  • Flo Lieb 94 Kommentar(e)

    Da kann ich ja froh sein, dass ich keine Rezensionsexemplar bekommen hab 😀

    • Flynn Hardy 181 Kommentar(e)

      Och, so selten wie wir einer Meinung sind… Ist doch gut möglich, dass der dir locker um drei, vier Punkte besser gefallen hätte 😉

    • Flo Lieb 94 Kommentar(e)

      In der Regel gefallen mir Filme nicht besser, sondern schlechter als dir 😉

      Vielleicht landet mein Exemplar ja doch noch im Briefkasten, dann komm ich nicht drumrum 😀

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