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INTERSTELLAR: Kritik zu Christopher Nolans Science Facts-Trip mit Matthew McConaughey & Anne Hathaway (Kino)

Von Flynn Hardy vor 2 Jahren geschrieben11 / 201413 Kommentare
INTERSTELLAR Filmkritik

Story

Im ausklingenden 21. Jahrhundert ist die Erde ein nurmehr dahinsiechender Planet, die Menschheit ausgedünnt, nicht mehr auf Fortschritt, sondern lediglich auf Verwaltung bedacht. Doch im Zuge des Klimawandels gehen auch die Nahrungsmittel zur Neige, wichtige Ressourcen wachsen nicht mehr, grassierende Pflanzenkrankheiten vernichten die Ernten flächendeckend, heftige gesundheitsschädliche Staubstürme ziehen über die Lande. Nachdem auch die Raumfahrt längst aufgegeben wurde bewirtschaftet der ehemalige NASA-Astronaut Cooper gemeinsam mit seinem Stiefvater Donald und seinen beiden Kindern Tom und Murphy eine Farm. Für den nicht mehr als Ingenieur und Piloten gefragten Witwer ein schwer zu ertragendes Schicksal, das er nur durch die Liebe zu seinen Kindern anzunehmen bereit ist. Gemeinsam mit der zehnjährigen Murph stößt Cooper eines Tages in Folge eines seltsamen Ereignisses auf Standortkoordinaten, denen die beiden nachgehen und eine unglaubliche Entdeckung machen: unter Leitung des Theoretikers Professor Brand arbeitet die NASA im Geheimen an der Rettung des Planeten. Auf einer Reise durch ein Schwarzes Loch nahe dem Saturn sollen drei ferne Planeten in einer anderen Galaxie erforscht werden, um der Menschheit als Zuflucht zu dienen. Cooper soll das Projekt anführen, müsste dafür jedoch seine Familie für eine Reise ohne Gewissheiten verlassen…

Der Film

INTERSTELLAR Matthew McConaughey Mackenzie Foy
Na na na na na na na na na na na na na na na na… NOLAN! In anderthalb Jahrzehnten vom Low Budget- und Indie-Filmer zum einflussreichsten und wurzelschlagendsten Blockbuster-Regisseur seit Steven Spielberg, Kompliment an den Briten. Seine Batman-Trilogie „Batman Begins“, „The Dark Knight“ und „The Dark Knight Rises“ sowie der Traum-Thriller „Inception“ gelten als Meilensteine des technisch hochwertigen, ambitioniert-intellektuellen Mainstream-Kinos und kein Filmemacher vereint wohl derzeit eine derart enthusiastische Schar von Bewunderern und unvermeidlichen Nörglern. Nolan, der Gegen-Bay. Nach dem Remake des norwegischen Krimis „Insomnia“ und „Inception“ vollendet und veredelt Nolan seine „In-“-Trilogie nun mit dem Wurmloch-Trip „Interstellar“, unterstützt vom anerkannten Wissenschaftler der theoretischen Physik Kip Thorne. Klingt nach Traumpaar, der klinisch-analytische Kalkülautorenfilmerperfektionist und ein Prof, den die nerdigen Jungs aus der „Big Bang Theory“ sich vermutlich über die Betten hängen würden, jemand der über Gravitation und relativistische Astrophysik fachvorträgt.

Nach modernen Terror/Antiterrorstrukturen in den „Batman“-Filmen und luzidem Träumen in „Inception“ nun also Wurmloch-Relativitäten in „Interstellar“ – Nolan nutzt seine Filme nur zu gerne als Feldforschungsobjekte und Abarbeitung von komplexen theoretischen Ideen. Da steckt immer viel Ambition, aber wie Kritiker beklagen meist keine Emotion dahinter, keine Kinomagie vor lauter Durchdeklinierung, als wäre Menschlichkeit etwas Fremdartiges für Nolan. Doch jetzt, wo Nolan mit „Interstellar“ Intellekt und Gedankenmodell so direkt wie noch nie zuvor an Gefühl und Humanität zu knüpfen versucht gehen seine bisherigen Anordnungsmodelle schief. Der Exkurs in theoretischer Physik und urmenschliche Wertfragen als emokalisches Tandem quer durch Raum und Zeit, hinein in unerforschte Galaxien und zu ständiger existenzphilosophischer Bedeutungsschwernis. Über das Bewusstsein für die gesamte Spezies oder lediglich die persönliche Bezugsgruppe Mensch, über Empfindungslogik und unfassbare Plotzufälle, die aus Nolans realitätsbessener Abhandlung wie Schachtelteufel vorspringen.
INTERSTELLAR Endurance Wurmloch
„Interstellar“ ist so sehr ein Christopher Nolan-Film, wie er auch der M. Night Shyamalan’ste Film ist, den M. Night Shyamalan nicht selbst gedreht hat. Dialoge und Monologe als Befindlichkeiten- und Gemütszustandsparamater oder explanativer Sequenzenmoderator, jede Phrase ein Bedeutungsmonolith im sinnforschenden Pioniergeiste eines Films, der zwischen wissenschaftlicher Relevanz und Blockbusterunterhaltung auf der Suche nach allem gleichzeitig ist. Runtergebrochen auf die Intimität einer Farmerfamilie („Signs“ irgendwie) im Angesicht einer globalen nature has turned against us-Katastrophe („The Happening“ irgendwie) und Tochter Murphy, in deren Bücherschrank ein Signale sendender Geist haust („The Sixth Sense“ – irgendwie…) und den Papa Cooper erst faktisch-wissenschaftlich als Gravitationsphänomen wegdiskutiert und schließlich doch glaubt, von irgendwelchen fünfdimensionalen Wesen auserwählt zu sein, ihrem gewiesenen Pfad zu folgen (Matthew McConaughey ist „The Last Space- and Timebender“… irgendwie) und mit ihrer Hilfe die NASA entdeckt. Die ihn vom Fleck weg als topqualifizierten Piloten wiederanheuert. Und diesen Job wem gegeben hätte, wenn nicht paranormale Aktivitäten ihn hergeleitet hätten?

Das alles ist bloß das erste Drittel von „Interstellar“ und trotz der Shyamalan-Gedenktafeln ist dieses noch das Beste am Film. Bis zu jener hanebüchen lächerlich und zufallswirksam daher konstruierten Hinleitung, wie Landwirt McConaughey sein Raumfahrtcomeback ermöglicht wird, lässt Nolan Figuren und Setting viel Zeit, um die spätere Reise in die Ungewissheit zu nähren. Die Vater-Tochter-Beziehung ist mehr empirisch als explorativ und obwohl Cooper nicht mehr als ein Verandagespräch mit John Lithgow benötigt, um dem Ruf der NASA zu folgen, findet Nolan hier den passenden Anker, der den Vater aus den Weiten des Alls weiterhin an den Staub der Erde bindet. Die Wirkungen des Klimawandels auf Umwelt und gesellschaftliches Leben werden gut und mit interessanten Ansätzen zur Rückökonomisierung der Gattung Mensch eingebaut, Cooper ist als entgegen seinem inneren Drängen ans Irdische gebundener Denker- und Forschergeist ein begreifbarer Charakter, der die Beugung des Menschen im Angesicht der Katastrophe nicht zu akzeptieren bereit ist (»We used to look up at the sky and wonder at our place in the stars, now we just look down and worry about our place in the dirt…«).
INTERSTELLAR Jessica Chastain Casey Affleck
Nach dem expositorisch gut getimten und ausreichend sorgfältigen Auftakt hetzt „Interstellar“ geradezu ins All, auf Erde, Mais und Staub folgen die Sterne, einige schöne Bilder spährisch-meditativen Weltraumgenusses, es folgen radikal-rationale und im Zuge dessen gleichermaßen radikal unkreative fremde Welten, viel Wissenschafts-Waka Waka und die üblichen Space Mission-Hindernisse: Andockmanöver, Treib-, Sauerstoff- und Vorratsknappheit, Abwägung von Risiken gegenüber möglichem Ertrag zur Findung der besten Lösung, noch viel mehr Wissenschafts-Waka Waka (womit übrigens nicht gemeint ist, dass die vertretenen Theorien banalistischer Unsinn wären, nur ist ihr Vortrag in frontalunterrichteter physikalischer Gesetzmäßigkeit eben wie… Waka Waka) – und je tiefer man ins All vordringt, umso wahrscheinlicher wird es, dass irgendwer durchdreht. Relativität, Mr. Nolan, Relativität, nicht wahr? Da baut der klinisch-wissenschaftliche „Interstellar“ dann ganz plötzlich auf einige Blockbuster-Krücken und -Twists, die die Glaubwürdigkeit des Mittelteils steil aus dem Orbit schießen und in seinem Versuch, ein Möglichstmaß an Auswirkung der All Trips und der Frage nach der Errettung der Menschlichkeit auszudifferenzieren schlittert Nolan in schlimme Plotfallen.

Warum kann eine Oberflächenanalyse eines Planeten nicht durchgeführt werden, ohne darauf landen zu müssen? Warum kann der Planet nicht durch einfaches Überfliegen bereits in seiner Untauglichkeit eingestuft werden, wenn die Oberfläche aus nichts als Wasser und gigantischen Wellentürmen besteht? Warum verhält sich die Quotenfrau der Crew im ungünstigsten Moment wie eine Idiotin, kann aber fünf Minuten später mit viel Wissenschafts-Waka Waka schon wieder vernunftbegabt erklären, was da eigentlich grade schief gelaufen ist? Ein bisschen näher hingesehen und wuuush, da klaffen sie, die großen narrativen Lücken, die Fehlerhaftigkeiten und Auslassungen im kleinen Einmaleins des Erzählens, die bei Nolan oft nicht auffallen, weil die Ambitionen des Projektes nach Höherem streben – aber keine Abhandlung über die Relativität von Zeit und Raum und die quantenmechanische Beschaffenheit eines Schwarzen Loches, kein buchstäblicher Griff nach den Sternen gleicht es diesmal aus, wenn Nolan sich mit seinem Film und den großen Themen für die kleinen Beats zu wichtig ist. Alles klingt wieder mal groß, belehrend, philosophisch – und dann ist die Story doch nur großes Einerlei, belehrender Brei und philosophisch um keine Erkenntnis bereichernd, zu der man nicht auch in deutlich unter drei Stunden hätte gelangen können. The needs of the many outweigh the needs of the few. Auf so irrsinnig-erleuchtend viel mehr als die gute alte Vulkanierlogik, korrelierend mit den Themen des Films, läuft „Interstellar“ nicht hinaus.
INTERSTELLAR Matthew McConaughey Anne Hathaway David Gyasi
Ähnlich wie bei Gene Roddenberry ist Nolans Blick in unendliche Weiten ein optimistischer, überwinde das Unmögliche und bewirb damit nicht bloß Automobile, sondern eine Tugend der Menschheit an sich. Natürlich nur, wenn du ein hard workin‘ american man bist, denn der Rest der Welt schert sich anscheinend wenig um ihren Fortbestand. Zum zweiten Mal nach „The Dark Knight Rises“ ein schweres Problem von Nolan: das theoretische bigger picture versperrt den Blick auf sein praktisches Gegenstück. Der dunkle Ritter soll ein zivilbevölkerisch nahezu menschenleeres Gotham retten, in „Interstellar“ sieht man von der notleidenden Erdbevölkerung nicht mehr als die exemplarische Farmerfamilie. Nolans Stoffe funktionieren nicht, je größer ihr Gesamtbild wird, je risikobehafteter formuliert die Ziele sind; denn ein Gespür für Emotionalität beweist der Brite hier zwar, eines für Maßstab und Gravitas außerhalb des reinen Benennens und einer angestrengten Stimmung lässt er erneut vermissen. Zumal die an sich wirklich spannende Dimension der relativen Zeit (was Stunden für die Astronauten sind, lässt Jahre und ganze Dekaden auf der Erde verstreichen, was irgendwie wie mit den Traumebenen bei „Inception“ ist…) an dramaturgischer Wirkung verliert, wenn sich der Zustand der Erde in der Handlungszeit höchstens erahnbar weiter verschlechtert, weil Nolan für die Bereiche außerhalb seiner Anordnung eben kaum einen Blick verschwendet und sich Auswirkungen höchstens aus gezwungenen Charakterentwicklungen deuten lassen. Wie im Falle von Coopers Sohn Tom, der im Gegensatz zu Schlüsselfigur Murphy so nebenbei weggehandelt wird.

In einer einzigen ungeheuer kraftvollen Szene gelingt Nolan der Brückenschlag zwischen physikalischer Lektion und emotionaler Tragik, ohne dabei gleich wieder in kryptische Existenzmetaphorik abzudüdeln. Da zeigt der Regisseur, welch Meister im Übertrag von Gedankenspiel auf Storytellingmechanik eben doch in ihm steckt und wie großartig sein Kino funktionieren kann, wenn er dies in einem passenden Rahmen anwendet. Bis „Interstellar“ in die nächste Phase übergeht, in der die bemühten Schauspieler sachlich wie Lehramtsabsolventen das fachkundig-fundierte Script der Gebrüder Nolan aufsagen, der Film Schlaues erzählt und Dummes zeigt (der komplette Part auf dem Eisoberflächenplaneten inklusive Überraschungsgast ist aus tausend Gründen kompletter Bullshit, episodisch abgespalten wohl das bescheuertste, was Nolan je inszeniert hat, noch dazu ein mieses „Sunshine“-RipOff…). Obgleich technisch tadellos stellt sich auch kein wirklicher visueller Überwältigungsreiz ein, was mit Fokus auf Geschichte und Charaktere natürlich nicht sein muss und eh nicht Nolanesque wäre, doch so ein paar mehr Mindblower mal zwischendurch statt kargen Staubstürmen und Wüsten aus Wasser und Eis… Das Genre heißt Science FICTION, Mr. Nolan, nicht Science FACTS.
INTERSTELLAR Eisplanet
Diesen signifikanten Unterschied wirft „Interstellar“ erst im letzten Drittel und vor allem mit dem Schlusstwist über Bord. Hierzu nur so viel: Nolan goes full Shyamalan. Raum (und Zeit, hö hö) für Interpretation bleibt nicht viel, wer hinsieht und zuhört enträtselt den Schluss aber eh bereits lange bevor McConaughey die Erde verlässt. Zum Abschluss einer auslaugenden Reise wird dann sogar die Liebe noch astrophysikalisch theoretisiert und zu all dem gerät Hans Zimmer in Orgelekstase, gerade auch in Szenen, deren Bilder einem nicht erzählen, was man da gerade von der Musik vorgeschrien bekommt. Darin ist der Zimmer-Score gewohnt effektiv, liegt jedoch oft wie eine dicke Klangtapete über dem Film. Die Darstellerriege ist natürlich wieder Nolan-typisch hochkarätig und Matthew McConaugheys Leistungsstreak (klasse in „Mud“, Showstealer in „The Wolf of Wall Street“, hochgelobt für „True Detective“ und Oscar-gekrönt in „Dallas Buyers Club“) setzt sich nahtlos fort. Anne Hathaway, Jessica Chastain und Michael Caine hingegen liefern verlässliches, und das weiß Nolan auch, weswegen er ihre Figuren unterversorgt, um mit Wes Bentley, Casey Affleck, John Lithgow, Topher Grace und Ellen Burstyn noch ein paar Namen und Gleichungsabwandlungen seiner Formel mehr unterbringen zu können, ohne jedoch echte Charaktere zu entwerfen. Den auch nicht selten gehörten Vorwurf der Humorlosig- und Überernsthaftigkeit seiner Stoffe kontert Nolan indes mit den komplett identifikationslosen Roboterklötzen TARS und CASE, deren Humormometer präzise genau im Prozentbereich justierbar sind, selbst Lacher also zur binären Formel geraten. Immerhin: ein Meta-Gag auf eigene Kosten, wie er Nolan durchaus zuzutrauen ist.

Wertung & Fazit

Action: 2/5
„Interstellar“ baut sich ohne viel Spektakel auf und verfällt auch später nicht in solches, immerhin gibt’s aber ein paar handelsübliche Weltall-Manöver, einen absurden Faustkampf und ein paar Explosionen.
Spannung: 2/5
Das große existenzialistische Menschheitsdrama wirkt nie wirklich dringlich, die großen Spannungsmomente sind Standartware, die Auflösung ist mindestens erahnbar.
Anspruch: 2,5/5
Klar, viel intelligentes Gerede, für das man mehr Recherche als einen Wikipedia-Artikel über Astrophysik zu Rate ziehen muss – aber die Themen bleiben dennoch generisch, der Plot ist bisweilen schreiend doof.
Humor: 0,5/5
Ernst und grimmig, stets um Realitätsbezug und Faktenabgleich ringend, mit den beiden Robotern bringt Nolan aber entweder eine zwinkernde, oder aber total verständnisferne Humorkomponente in den Film.
Darsteller: 3/5
Schlagen sich alle tapfer gegen die Lehrhaftigkeit des Scripts, McConaughey ist gut wie zuletzt immer, der Rest verlässlich, aber günstigstenfalls unterfordert.
Regie: 2/5
Das erste Mal, das Nolan besser einen Fachvortrag über ein für ihn interessantes Thema gehalten hätte, statt einen Film darüber zu drehen…
Fazit: 4/10
„Interstellar“ ist in seiner Gesamtheit der bislang schwächste Film des Christopher Nolan. Einzelne Szenen sind herausragend gut, einige Sequenzen herausragend schlecht. Drei Stunden Laufzeit, die manchmal nur so vorbeirasen, und sich dann wieder wie sechs anfühlen.

Mehr zum Film

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Kommentare

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  • Christopher Nörgler 1 Kommentar(e)

    Der Film ist langweilig und überbewertet, genau wie “Inception”.

  • SunnyboyXP0 21 Kommentar(e)

    Auch ich bin etwas überrascht, wie unterschiedlich dieser Film auf die Zuschauer wirkt. Ich war zutiefst emotional bewegt und hatte an mehreren Stellen mit den Tränen zu kämpfen, eben weil viel Zeit für die Charakterisierung der Figuren aufgewendet worden ist. Deshalb empfand ich ihre Gefühle und Beziehungen zueinander sehr glaubhaft. Matthew McConaugheys Leistung fand ich überragend, ebenso wie Zimmers geniale Filmmusik. Hab einen solch fesselnden Soundtrack noch nie erlebt, wobei mir Gladiator immer noch am besten gefällt. Die visuellen Effekte gefielen mir gut wie auch das Bestreben um physikalische Genauigkeit.

    Bei zwei Kritikpunkten gehe ich allerdings mit. 1) Weshalb immer Amerikaner die Welt retten sollen, wissen wohl nur die Amis selbst. 2) Das Austicken des einen Wissenschaftlers fand ich daneben und nicht passend. Es werden garantiert keine Leute für solche Missionen ausgewählt, die psychisch labil sind.

    Alles in allem für mich einer der besten Filme der letzten Jahre, der mehrere Oscars verdient gehabt hätte. Vor allem für Soundtrack und Hauptdarsteller hätte es einfach einen Oscar geben MÜSSEN!

    • Flynn Hardy 198 Kommentar(e)

      Na ja. Selbst wenn Eddie Redmayne nicht gewesen wäre, so hätte McConaughey doch mindestens gegen Michael Keaton keine Chance auf das zweite Oscar-Gold nacheinander gehabt 😉

  • Dan 1 Kommentar(e)

    Mein Gott…. Die wohl schlechteste Kritik die ich jemals gelesen habe…

  • Friendly 1 Kommentar(e)

    Dieser Film schafft es, sowohl besonders gut als auch besonders mittelmäßig zur gleichen Zeit zu sein. Mit 169 Minuten Laufzeit hat er ja auch die Zeit dazu. Schlecht ist der Film, wenn zwei Wissenschaftler-Darsteller vor einem Whiteboard stehen und sich gegenseitig mit Pseudo-Physik zuschwurbeln. Gut ist er, wenn die schwarze Leere des Weltraums auf einmal unendlich zu sein scheint und das Raumschiff sehr, sehr klein.

    Mehr zum Film unter: http://friendly101.blogspot.de/2014/11/interstellar.html

  • Ghostwriter 3 Kommentar(e)

    Für mich verdient der Film 9/10. Die größte positive Überraschung war für mich, dass es Nolan gelingt ein Familiendrama zu inszenieren, dass nicht gezwungen oder unrund wirkt, sondern überzeugt. Da hatte ich ehrlich gesagt die größten Bedenken. Stattdessen fand ich das erste Filmdrittel sehr ansprechend. Und die emotionalste Szene in Nolan’s Schaffen – Achtung Spoiler -, als Cooper die Videoaufzeichnungen seines Sohnes sieht und damit dessen Leben, inkl. Geburt und Tod dessen Sohnes, quasi im Zeitraffer sieht, – Spoiler Ende – war wirklich überragend.

    Gut gefallen hat mir auch der (zugegeben manchmal fast übertriebene) Soundtrack. Insbesondere vorm Finale, als die Handlung auf der Erde und im Weltall in schnellen Schnitten vom Score getrieben wurde, und als bei der genannten emotionalen Szene mit dem schwarz werden des Bildschirms auch schlagartig die zuvor sich aufbauende Musik schlagartig stoppte, wurde die Musik sehr gut in den Film eingebunden und fügte diesem sogar zusätzliche Nuancen bei.

    Sicherlich kann man kritisieren, dass wenig über die Hintergründe der Zustände auf der Erde oder die Details am Ende des Films (Gibt es mehrere Raumstationen? Wie groß ist die Station? Wie sieht es auf der Erde mittlerweile aus? …) erklärt wird. Aber besser Dinge offen lassen, als sie schlecht oder unzureichend zu thematisieren. Das gilt aus meiner Sicht auch dafür, dass nicht zig tausend Menschen auf der Erde gezeigt werden, sondern nur relativ wenige exemplarisch. Das es noch andere gibt wird ja häufig erwähnt und ist auch zu sehen (Baseballspiel im ersten Drittel des Films, Schule der Tochter, NASA-Gebäude inkl. Arbeitern, flüchtende Autos im mittleren Drittel).

    Der Kritikpunkt des Ami-Patriotismus und die Frage, ob anderswo auf der Erde nichts getan wird, finde ich an den Haaren herbei gezogen. Da müsste man eine Mockumentary anstatt eines Standard-Spielfilmes drehen, um genau zu analysieren, was wo auf der Erde geschieht. Hier geht es halt exemplarisch um diese Personen und von denen haben nun einmal einige eine NASA-Vergangenheit bzw. das know how usw. Sonst würde es den Film ja auch nicht geben…

    Der Humor hat mir im Übrigen ebenfalls sehr gut gefallen. Launige Dialoge innerhalb der Familie, später vereinzelt auch zwischen den Astronauten, sarkastische Roboter (ob als Meta-Gag gedacht oder nicht) und der Gag gegen Ende mit dem “leidenschaftlicher Farmer”. 😉

    Kritikpunkte gibt es natürlich trotzdem ein paar, doch sind diese zum Großteil zu verschmerzen und verhindern zwar 10/10, aber ruinieren den Film nicht. Und somit sieht man mal wieder: die Wahrnehmung ist sehr unterschiedlich. Ich als Sci-Fi-Fan bin sehr zufrieden mit dem Film. 🙂

    • Flynn Hardy 198 Kommentar(e)

      Nur nochmal schnell zum “Ami-Patriotismus”: den kritisiere ich gar nicht so unbedingt (zumal im Film ja auch nicht irgendwie penetrant eingebracht) und während des Films kam mir das gar nicht ins Bewusstsein, das ist nur eine Anmerkung und von mir vor allem im Zusammenhang damit gemeint, dass andere Regisseur wegen sowas eben schon per se unter schweren Beschuss geraten und bei ‘nem Nolan beklagt’s komischerweise keiner, obwohl er im Kern die selben Mechanismen verwendet. Bei der “emotionalsten Szene in Nolan’s Schaffen” stimme ich im übrigen voll zu, die fand ich auch sehr stark und toll umgesetzt, wie auch geschrieben: da vereinen sich das reine Gedankenspiel und die Storytellingmechanik nahezu perfekt.

      Ansonsten auch hier nochmal ein Dank für einen konstruktiven Gegenmeinungsbeitrag, da ist mir in den letzten Stunden auch anderes begegnet 😉

  • Stanford Hill 1 Kommentar(e)

    Endlich jemand, der den Film scheinbar ähnlich wie ich wahrgenommen hat. Ich war schier schockiert zu sehen, dass bei einer bekannten Film-Community über 90 % der Zuschauer über 9/10 Punkten gegeben haben. In meinem Kino haben die Zuschauer teilweise lautes Stöhnen des Fremdschämens für den Regisseur/Drehbuchautor von sich gegeben. Trotzdem finde ich kaum etwas anderes als “Ein Film für die nächsten Generationen” oder “So muss Kino sein” oder “Ein Meisterwerk und Nolans bester Film”. Was stimmt nicht mit mir?

    Interstellar lief vor meinen Augen ab… wie ein Film. Ohne dass ich jemals wirklich eingetaucht bin in die Untiefen der Filmzeit-Relativiät, wenn ich das mal so nennen darf. Stattdessen war ich überrascht wie einfallslos Nolan an ein so potenziell phantasiegeladenes Material heran geht. Vergleichen mit einem Bildhauer hat er es lediglich geschafft aus dem perfekten Block Granit mit den besten Werkzeugen seiner Zeit eine schlechte Oskar-Figur zu meißeln, ihr dann den Kopf Abgeschlagen und Kunst darauf geschrieben. Hehe.
    Und mal im Ernst: die “Ich schick mir selbst eine Botschaft in die Vergangenheit, damit die Zukunft überhaupt stattfindet”-Paradoxon-Kiste hab ich bei Terminator 1 mit 11 Jahren als Herausforderung gesehen… naja, vielleicht bin ich schon so alt, dass mir alles wie eine Wiederholung vor kommt. Schluchz. Auf jeden Fall ist diese Einfallslosigkeit für mich das Gegenteil von “Evolution der Menschheit”. An der Stelle (wie du sagtest, relativ früh erkennbar) wurde der Film für mich auf einer außerfilmischen Ebene unglaubwürdig. Schade.

     

    • Flynn Hardy 198 Kommentar(e)

      Ja, das ist zum Teil schon hart zu lesen, mit was für Superlativen der überfrachtet wird. Hab gestern viel gelesen von “so einen Film gab es überhaupt noch nie” und “eine ganz neue Art von SciFi-Kino” etc. Dabei ist’s im Kern bloß eine 08/15-America saves the day-Story/Katastrophenfilm, wofür Bay oder Emmerich sich vor Kritik und Häme kaum retten könnten, wenn’s hier nicht statt Explosionen und Hurrapatriotismus die dicke Portion Astrophysik gäbe.

      Aber man beachte nur die Steroetypie bei den Figuren: der hemdsärmlige weiße all american hard working guy rettet die Welt, während der einzige Schwarze im Film wofür da ist? Um erst die Zeitrelativität zu verbildlichen und dann später zu sterben. Whoa. Wat innovativ. Dazu die genannten Bedienfelder Shyamalan, “Gravity”, die Nummer mit dem durchgedrehten Doktor, die so ziemlich jeder Mission in Space-Film gebracht hat… Aber es ist halt Nolan und so schrecklich schlau, deshalb merkt’s keiner. Sagt er ja sogar selber. “People are always accusing my films of having plot holes, and I’m very aware of the plot holes in my films and very aware of when people spot them, but they generally don’t.” 😉

  • Flo Lieb 94 Kommentar(e)

    Jetzt bin ich halb überrascht, halb perplex o_O

    Das ist doch hier das Blog, wo sogar noch THE DARK KNIGHT RISES ziemlich gut wegkam und INCEPTION mit der vollen Punktzahl durchgewunken wurde? Bin ich irgendwo falsch abgebogen? 😀

    Lustigerweise habe ich das mit dem Shyamalanvergleich auch bei Salon.com gelesen, unterm Strich – und das möge man mir verzeihen, was okay ist, da ich wohl allein auf weiter Flur damit stehe – sehe ich allerdings nicht, was den Film hier von INCEPTION unterscheidet. Beides dümmliche Filme mit horrenden Logiklöchern, das Traum-Trauma sogar noch mehr als der hier. Für mich irgendwie nicht griffig, warum ein Nolan-Fanboy, hier plötzlich so frustriert aus dem Kino watschelt. Da machte mich auch die Kritik nicht schlauer.

    Ansonsten als Nolan-Nörgler aber: Welcome to the Dark Side 🙂

    • Flynn Hardy 198 Kommentar(e)

      Buff, warum werde ich denn heute bloß überall als “frustriert” bezeichnet? 😀

      Und ich bin kein Nolan-Fanboy. TDKR würde seine schon damals großzügigen 7/10 nach zweiter Sichtung nicht mehr bekommen. Ansonsten ja, zugegeben, find ich Nolans Filme alle klasse, auch “Inception”, auch wenn ich die Kritik dazu sicher nicht nochmal so schreiben würde wie vor immerhin vier Jahren, einfach weil ich mir selbst mal eine gewisse Reifung in meiner “Arbeit” hier unterstelle. Ich war vor vier Jahren noch viel unkritischer und wohl wirklich ein bißchen fanboy’ig. Aber ich gucke Filme heute tatsächlich “anders”, was ich manchmal eigentlich ganz schrecklich finde 😉

      Warum “Inception” gut, warum “Interstellar” nicht? Ersterer funktioniert in Nolans Modus Operandi, letzterer nicht. Und wenn das aus der Kritik nicht hervorgeht liegt das ja eher an deiner Sicht, wonach sich die Filme nicht voneinander unterscheiden 😉

  • indy 3 Kommentar(e)

    Faszinierend, wie unterschiedlich Filme doch wahrgenommen werden können. Während ich definitiv Abstriche gemacht habe (weil mir das Intro auf der Erde zu lang erschien und es mir insgesamt nicht besonders gut gefallen hat), war ich als SF-Fan von den Szenen danach im All begeistert.

    Spoiler-Warnung!

    Gerade die Darstellung der kosmischen Phänomene ist einer der absoluten Pluspunkte des Films. Das Wurmloch, das Schwarze Loch, die Wellenberge auf der Wasserwelt. Das spektakuläre Finale im Schwarzen Loch, und die Einbindung der Zeit-Dillatation – all das sind Sachen, die ich in einem richtigen Hard-SF-Film à la Arthur C. Clarke sehen möchte.

    Und auch die Musik Zimmers ist im Gegensatz zu seinen bisherigen (guten) Soundtracks überraschend anders und hypnotisch. Selbst in Bezug auf die vermeintliche Humorlosigkeit war ich überrascht über deine Perzeption. Ich finde, dass INTERSTELLAR einer der “witzigsten” Filme Nolans ist. Der Humor funktioniert sowohl in den Dialogen (nicht nur mit den Robotern, die ich sehr gelungen finde), sondern auch in diversen visuellen Gags.

    Für mich ist INTERSTELLAR aufgrund der Abstriche sicher nicht der beste Nolan, aber auf keinen Fall so schlecht, wie du ihn siehst. Ich freue mich jedenfalls auf die zweite Sichtung (dann endlich mal im IMAX-Format)! 😉

    Ach ja, den Shyamalan-Vergleich erachte ich als ziemlich erzwungen, auch wenn natürlich Ähnlichkeiten mit SIGNS vorliegen – daraus jetzt gleich einen kompletten Shyamalan-Film zu machen, ist etwas arg konstruiert. 😉

    Hier ist meine Review im Blog! 😉

     

    Gruß!

    indy

    • Flynn Hardy 198 Kommentar(e)

      Konstruktiver Beitrag, danke dafür 😀

      Was den Shyamalan-Vergleich angeht: Ähnlichkeiten gibt’s ja nicht nur zu “Signs” und die gehen auch noch sehr viel weiter, als ich das aus Spoilergründen oben beschrieben habe. Also SPOILER AN: das Ende, mit dem Familienmitglied, das aus einer anderen Zeit die entscheidenden Botschaften in die Gegenwart sendet – das ist keine Ähnlichkeit, das IST “Signs” 😉 Und im Allgemeinen steckt da viel Erzählmechnik drin, derer sich auch Shyamalan bedient, ohne dessen Werk konkret ähneln zu müssen. Hab mir bei dem Vergleich also durchaus mehr gedacht, als Nolan mit einem in Verruf geratenen Filmemacher zu synchronisieren. Was nichtmal zwingend was negatives wäre, da ich M. Nights Werk bis inklusive “The Village” sehr gerne mag.

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