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DER HOBBIT: DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE – Kritik zum Abschluss der Mittelerde-Saga mit Martin Freeman (Kino)

Von Riggs J. McRockatansky vor 2 Jahren geschrieben12 / 20149 Kommentare

Story

Die Zwergengruppe um Thorin Eichenschild hat es geschafft, sie haben ihre Heimat, den Berg Erebor, aus den Klauen des schrecklichen Drachen Smaug zurückerobert. Doch zu einem hohen Preis für die Bewohner der Seestadt Esgaroth: der erzürnte Wyrm lässt seinen vernichtenden Feuerodem auf die Häuser und die schutzlosen Bewohner hinab regnen, ehe sich ihm der mutige Bogenschütze Bard mit einer legendären Waffe aus vergangenen Tagen entgegen stellt. Doch für eine Rettung von Esgaroth ist es zu spät und die Überlebenden fliehen in die Ruinen von Thal, jene Stadt vor dem Erebor gelegen, die Smaug einst bei seiner Eroberung des Berges vernichtete. Nun hoffen die Menschen auf Thorin und sein Versprechen, sie am unermesslichen Reichtum der Zwergenheimat teilhaben zu lassen, doch der König unter dem Berge, mittlerweile vergiftet von Gier und Argwohn, denkt gar nicht daran, auch nur eine Münze seines Schatzes abzugeben. Stattdessen steht den Menschen unverhofft der Waldlandkönig Thranduil zur Seite, lässt seine Elbenarmee aber vor allem auffahren, um selbst vom Erebor zu profitieren. Und auch ein alter Feind hat es auf den strategischen Wert des Berges abgesehen und so werden unter Führung von Azog dem Schlächter und seiner Brut Bolg zwei gewaltige Orkheere entsandt, bis sich schließlich fünf Armeen vor den Toren Erebors gegenüberstehen…

Der Film


DER HOBBIT DIE SCHLACHT DER FUENF HEERE Smaug Seestadt Esgaroth in Flammen


Hier auf Cellurizon hatten sie ihren Schutzwall gefunden, ihre vehemente Verteidigungslinie, Peter Jacksons teils harscher Kritik ausgesetzte „Hobbit“-Filme. Zwergen-Slapstick, Skrotumorks, keine richtige Mitfühl- und –fieberebene, weil die Charaktere, auch ihrer Menge geschuldet, sehr unterentwickelt blieben – alles zu entschuldigen, „An Unexpected Journey“ und „The Desolation of Smaug“ boten dennoch tolles High Fantasy-Abenteuer ganz weit oben am Qualitätsrand des Genres, natürlich mehr von CGI zusammengehalten, als vom praktischen Kleber, mit dem sich Viggo Mortensen einst einen Zahn zurück ins Grinsen klebte, aber die Freude über das wiedervermittelte Gefühl Mittelerde überwog. Die „Hobbit“-Prequels, eine stimmige Ergänzung (und nie mehr als das!) zur unerreichten „Lord of the Rings“-Trilogie. Als könne viel mehr jemals der Anspruch gewesen sein. Doch „The Battle of the Five Armies“, das Finale des achteinhalbstündigen Halblingprologs, ist niederschmetternd. Nicht, weil es der traurige Abschied von der Mittelerde-Saga ist. Sondern weil der Prequel-Abschluss katastrophal ist. Alles Wohlgesonnensein und in ein günstigeres Licht färben der Fehler und Versäumnisse aus den beiden Vorgängern wird einem hier so stinkig um die Ohren geklatscht, wie den armen Zwergendarstellern kiloweise Glitschefisch in einer Szene aus dem Vorgänger.

Als hätten Jackson und seine treuesten Stab-Mitstreiter für den Abschluss die B-, nein die C-Crews rangelassen und als hätten die nach ein paar Minuten die Lust daran verloren, Mittelerde mal ohne des Meisters Hand zu verwalten, so läppisch, so hingeschlampt, so ohne jeden Rhythmus wirkt „The Battle of the Five Armies“. Schon die Pre Title-Sequenz: mit dem auf Esgaroth niedergehenden Flammenregen des wütenden Smaug startet der Film ähnlich spektakulär wie „The Two Towers“ mit seinem überwältigenden Gandalf vs. Balrog-Opener, doch nach „The Desolation of Smaug“ fühlt sich dieser flambierte Auftakt und seine Auflösung (zu lange darf der geflügelte Tod schließlich nicht die Show dominieren, sonst würden die Armeen ja gar nicht erst in Gang kommen…) deutlich wie dem falschen Film zugeordnet an. Ein erstes Indiz, wie hart „The Battle of the Five Armies“ die Kritik an der Splittung des urspünglichen Zweiteilers auf drei Filme offen legt und schlussendlich als berechtigt bestätigt. Und danach wird’s holprig in Mittelerde, als presche man mit Radaghasts Karnickelschlitten durch den Düsterwald. Das Arrangement der titelgebenden Schlacht, also die Hinleitung, bis sich die fünf Heere gegenüberstehen, ist schlicht stümperhaft und zum Teil aus der „Rings“-Trilogie recycelt. So wie dort zunächst einzig Aragorn um den Aufmarsch und das Ausmaß der Uruk-hai-Streitmacht wusste sind es hier Gandalf und Legolas, die mit unguter Kunde über die Orkverbünde aus Dol Guldur und Gundabad gen Erebor eilen.


DER HOBBIT DIE SCHLACHT DER FUENF HEERE Tauriel Evangeline Lilly Legolas Orlando Bloom


Das könnte man so durchwinken, zumal die liebgewonnen Helden andernfalls gar nichts dolles beizutragen hätten, doch besonders wird der dritte „Hobbit“-Film von der vernachlässigten bis verpatzten Figurenzeichnung seiner Vorgänger hinterrücks dental attackiert: zwischen „The Desolation of Smaug“ und „The Battle of the Five Armies“ liegt anfangs ein Handlungszeitraum von kaum mehr als ein paar Minuten, und dann vergeht wohl immerhin der ein oder andere Tag, doch wo der bis dato ehrhafte Zwergenkönig Thorin Eichenschild plötzlich die Drachenseuche herhat, die Gier und Argwohn in ihm hochtreibt, bleibt bis auf die Prognosen vom Erklärzwerg Balin völlig in der Luft hängen. Richard Armitages Thorin nahm über die Länge der Vorgänger einfach eine solch unstete Entwicklung (allein in seiner Beziehung zu Bilbo), dass dieser abrupt hergedichtete change of heart aus dem selben Nichts entsteht, in das Elbenhexe Galadriel den alten Anti Sauron zurückwünscht. Bei „The Fellowship of the Ring“ und im Falle Boromirs reichte Jackson einst ein halber Film, um einen Wandel vom loyalen Mitstreiter zum Machtbesessenen und wieder zurück glaubhaft einzufangen, und hier ist das so plötzlich wie Reißverschluss auf- und zuziehen. Das perfekte Maß an reinem Abenteuer und filigraner Figurenzeichnung sogar noch bei kleinsten Nebensträngen der „Lord of the Rings“-Filme offenbart sich mit „The Battle of the Five Armies“ endgültig als verkümmertes Talent Jacksons, der in der „Hobbit“-Trilogie im nicht mehr überwindbaren Übergewicht nurmehr Abenteuer an Abenteuer und Schauwert an Schauwert schneidet.

Und warum hat mich das zwei Filme lang nicht nachhaltig gestört und hier schon? Weil „The Battle of the Five Armies“ jetzt einen emotionalen Payoff fordert, den der Film mit seinen erwirtschafteten Centbeträgen an Charakterinvestment niemals einlösen kann. Schon in „The Desolation of Smaug“ war die Anbandelei zwischen der hinzugedichteten Elbenkriegerin Tauriel und handsome dwarf Kili bloß peinlich und natürlich auch nicht tolkienkonform (da es eine der Figuren in dessen Mythologie schließlich gar nicht gibt) und dadurch noch unverständlicher. Was sich aber „The Battle of the Five Armies“ herausnimmt, aus dieser elbisch-zwergischen Romanze zu stricken, ist regelrecht beschämend. Vor kurzem kennengelernt, einen peinlichen Flirtversuch abgeblockt (»Aren’t you going to search me? I could have anything down my trousers.«), dann zwei Minuten esoterischen Dialogs über Steine und Sterne, später ein bißchen am verletzten Bein rumgerieben – und bääms, love is in the middle air! Drama, Tränen, für nichts! Für fuckin‘ GAR NICHTS an Gefühlen! Eine Liebesgeschichte, nur aufgebaut, weil Evangeline Lilly und Aidan Turner die attraktivsten Menschen am Set waren und irgendwelchen Teen Girlies unbedingt ein »hach, schmelz, ist das tragisch, schluchz…« entlockt werden soll!? Trägt narrativ sonst ja nichts zur Verständigung zwischen edlem Elb und ungehobeltem Zwerg bei…


DER HOBBIT DIE SCHLACHT DER FUENF HEERE Ian McKellen Gandalf


Diese plumpe Maßnahme kann jedenfalls nie ausgleichen, dass die „Hobbit“-Reihe nach dem (für viele überlangen, aber eigentlich wichtigen doch letztlich ungenutzten) Auftakt von „An Unexpected Journey“ kein starkes Zentrum mehr bot und dieses in „The Battle of the Five Armies“ gänzlich verloren geht. Figurenperspektiven wechseln ständig oder es werden gar keine eingenommen, aus anfangs kraftvollen Motiven wie jenem der dreizehn vertriebenen Zwerge, die nicht zuerst ihr Gold, sondern ihre Heimat zurück fordern, wich das Leben wie aus dem Düsterwald und im permanenten passieren, passieren, passieren, von dem die Reise zum Erebor und nun auch die Verteidigung des Berges getrieben sind, ist kein Raum für Charaktermomente. Martin Freeman gibt einen so wundervollen Bilbo Beutlin und alles könnte sich auf sein Erlebnis und Erleben dieser ganzen Unternehmung stützen, Thorins Wandel, der Schatten des Einen Ringes, ein heraufziehender Krieg aus den Augen eines unwahrscheinlichen Hobbits – aber nachdem Bilbo das Auenland verlassen hat glitt von ihm nicht die Straße, sondern die Geschichte immer weiter fort und fort, bis ausgerechnet die titelgebende Figur irgendwie nur noch dabei statt mittendrin ist und er in „The Battle of the Five Armies“ Stellvertreterempfindungen artikulieren muss, die sich nicht für’s Publikum und nicht mal für ihn selbst ergeben. Die Gruppe der Zwerge sei ihm so sehr ans Herz gewachsen. Muss wohl in jener Zeit des gemeinsam verbrachten Jahres passiert sein, die die Filme ausgespart haben.

Und wenn mehr als eine stimmige Ergänzung zur unerreichten „Lord of the Rings“-Trilogie eh nie gefragt war, was ist dann das Problem? Das Problem ist, dass „The Battle of the Five Armies“ keine stimmige Ergänzung ist. Wozu ganz gewaltig seinen Teil beträgt, dass ich dieses Mal erstmals in den „Genuss“ einer HFR-Vorstellung mit ihren 48fps kam – Formatkürzel, denen ich nicht mit einem HDL, sondern einem FU antworte. High Frame Rate, 48 statt 24 Bilder in der Sekunde, Mittelerde in Soap Opera-Optik, disturbing as fuck. Raubt der großen Leinwand ihre Magie. Wer kann wollen, dass Kino SO aussieht? Drum wird der Film beizeiten seine zweite Chance in der Extended Fassung bekommen, aber auch unabhängig von missmutig stimmenden Technikstandarts ist Jackson bei seinem dritten „Hobbit“-Film nicht viel gelungen, wodurch er sich sonst auszeichnete. Wenn es mit der Schlacht der fünf Armeen losgeht kommt ein paar wenige Male das big time-Feeling der erbitterten Kämpfe um Helms Klamm und auf den Pelennor-Feldern auf, nur dann holt halt unter den Heeren von Orks, Elben und Zwergen niemand zum Streich mit Keule oder Schwert aus, mit dem man mitfiebern kann. Wie erwähnt, der Film hat keinen Rhythmus und das gilt auch für das ellenlange Geschlachte, für das Jackson und Kameramann Andrew Lesnie mal groß aufziehen und es dann wieder eng um einige Figuren rum konstruieren, ohne der Auseinandersetzung um den Erebor Dynamik und Dramatik zu verleihen. Viel willkürliches Gehaue mit allerlei Getier vom Hirsch über’s Wildschwein bis zu Erdwürmern und Widdern und wenn am Ende alles aussichtslos erscheint wird halt auch noch die letzte Reserve an Gezüchte zum zigsten Mal reingeworfen, um das Blatt zu wenden. Kein Vergleich mit den packendsten Momenten aus „The Two Towers“ oder „The Return of the King“, wenn Gandalf zur Rettung eilt oder die Rohirrim aufmarschieren…


DER HOBBIT DIE SCHLACHT DER FUENF HEERE Thranduil Lee Pace Elch Bard Luke Evans


Die wichtigsten Figuren spaltet „The Battle of the Five Armies“ eh von der großen Schlacht ab und schickt sie ihrem jeweiligen Endboss hinterher, wodurch für das Ausmaß des Getümmels ab einem bestimmten Punkt völlig der Blick verloren geht, bis der eben noch heftig tobende Massenkampf plötzlich an allen Fronten vorbei und geklärt ist und manche Figuren wie Bard der Bogenschütze nichtmal mehr zum abschließenden Händeschüttler auftauchen und auch die Zwergengruppe bis auf vier Mitglieder überhaupt keine Beachtung mehr findet. Lieber übergibt Jackson die Regie und Effektabteilung mal kurz in die Hände einiger Nintendo-Programmierer und zwingt den bedauernswerten Legolas in einen schlimmen Fremdschämmoment im Stile von Superklempner Mario (hüpf, Elbenbursche, hüpf hüpf!) und unterwältigt ansonsten gnadenlos mit den entscheidenden Duellen zwischen diesem und jenem und hiesem und diesem. Die Tränendrüse bleibt trocken gelegt, auch wenn am Ende kräftig gestorben wird, doch da schaltet sich dann wieder das Problem mit der fehlenden Mitfühlebene für zu vage Figuren ein, die einem über 470 Minuten Laufzeit nicht nahe gebracht wurden. Neben Elbenprinz Legolas ist auch Gandalf der Tattrige kein Ankerpunkt, der erholt sich den ganzen Film lang nicht von seiner Pein in Dol Guldur, huscht verrafft durch die Kulissen und findet für kein Wort der Mahnung und Warnung das ihm gebührende Gehör. Selbiges kann sich ebenso Howard Shores Score nur dann verschaffen, wenn er auf bekannte Klänge aus dem „Lord of the Rings“-Dreier zurückgreift, die aber ähnlich lieblos in ihren Verknüpfungsversuchen der Trilogien ge- und misslingen, wie Jacksons dahergehaspelte szenische Entsprechungen: ein Gespräch mit Elbenkönig Thranduil und Sohnemann Legolas über einen bestimmten Gefährten zum Beispiel ist kein wohliger Wink Richtung „The Fellowship of the Ring“, sondern umständliches und an der präsentierten Stelle unsinnigst reinkonstruiertes Möchtegern-Fan-Service-Gelaber.

Ausladend in die Breite und nicht notwendigerweise zielführend inszenierter Fan Service – auch das durchgehend etwas, das Jackson in den beiden Vorgängern ansprechender zu präsentieren verstand. Legolas‘ Integration in die Geschichte sorgte in „The Desolation of Smaug“ für aufregende, ass kickende Elbenaction, hier hingegen bloß für unfreiwillige Komik. Das Wiedersehen mit Christopher Lee, Cate Blanchett und Hugo Weaving in „An Unexpected Journey“ war schön, hier wird es in einer gar fürchterlichen Cameo-Sequenz verschleudert, in der die großen Weisen Mittelerdes gegen eine schattengeistrige Vorform der Nazgûl antreten. Warum Effektgematsche, warum müssen es halbtransparente CGI-Flattermänner sein und nicht die einschüchternden, physisch anwesenden Ringgeister in ihren schwarzen Umhängen, die Umzingelszene auf der Wetterspitze rezitierend, WIE episch wäre das gewesen?! Wo ist deine Finesse hin, Peter Jackson, dein Sinn für stimmungsvolle Aneinander- und Zusammenfügung, für vigoröse Intermezzi und dein Gespür für Aufnahmen, die im Gedächtnis bleiben und lange wiederhallen? Von sowas gibt es gar nichts mehr in „The Battle of the Five Armies“, in den Vorgängern rissen Bilbos Begegnungen mit dem Geschöpf Gollum und dem enormen Smaug nochmal einiges an sich, das die Filme ansonsten nicht für sich hätten beanspruchen können, doch der Abschluss bietet höchstens im Lächerlichen bemerkenswerte Bilder, wenn Zwergenfürst Dáin Eisenfuß auf ’nem Eber in die Schlacht gezockelt kommt oder die Kämpfe der Völker generell aussehen wie kostümiertes wir-tun-so-als-ob-Laientheater…


DER HOBBIT DIE SCHLACHT DER FUENF HEERE Thorin Richard Armitage Bilbo Martin Freeman


Und so wird Billy Boyds wehmütige Abspannode The Last Goodbye statt eines tränenzehrenden Adieus zu einem Ausdruck der Fassungslosigkeit und gleichzeitigen Erleichterung nach einem erschütternd schwachen Abschied aus Mittelerde. „The Battle of the Five Armies“ hängt in der dünnen Luft der Schwächen seiner Vorgänger und diese Schwächen explodieren geradezu in diesem finalen Akt. Keine Epik im Schlachten-Epos, keine Emotionen in den ausgestellten großen Gefühlen, einzelne Szenen, die das qualitative Mindestniveau Jacksons in mordoriöse Abgründe reißen, eine Schlacht ohne Dimensionen, einzig in ihren abgehackten und raffinessefreien Schauwerten in willkürlichem Viecher- und Gestaltenüberfluss und mit kopflosen Computermassen aufeinander getürmt, Figuren werden verdrängt und vergessen, vergeudet oder verrissen und am Ende, wenn alle in betrübtes Wehklagen und Trauermimik verfallen wirkt nichts davon aufrichtig, weil es aus den Figuren herausgezwungen und nicht aus ihnen entwickelt rüberkommt. Unzählige Entscheidungen und Wege dem Ende entgegen lassen baffe »meint ihr das jetzt echt ernst?“-Verwunderung in Richtung Jackson, Fran Walsh und Philippa Boyens sprießen, bis man gar eher die bad guys Azog und Bolg anfeuert, um einen Schlussst(r)ich unter diesen Farcen zu ziehen. Auch kompositorisch ist „The Battle of the Five Armies“ mängelbehaftet, Zwerge und Orks kann man in den versatzstückhaft angeordneten Schlachtfeldscharmützeln kaum auseinanderhalten, wenn die mausklickgenerierten Massen im grausig-uncinematischen HFR-Look ineinander rennen. Und so bleibt nur Betrübnis. Die Reise endet. Aufgelöst und in Tränen. Aber aus ganz anderen Gründen, als es richtig gewesen wäre…

Wertung & Fazit

Action: 2/5
Keine Augenöffner, keine großen Momente, keine richtig mitreißenden Set Pieces, nur versatzstückhaftes Runterrattern von unpersönlichem Massengetümmel und schwachen Endfights von dieser gegen jene Figur.
Spannung: 1/5
Immer noch das Prequel-Problem: es ist klar, wem garantiert nichts passiert. Und alle anderen sind einem egal. Oder ihre Arcs so ärgerlich, dass man ihr Ableben eher begrüßt, als es zu betrauern. Das darf so nicht sein…
Anspruch: 1/5
Eine erbärmlich schwache Konfliktausführung und -bewältigung (Thorins Einsicht…), Charakterzüge und -empfindungen aus dem großen leeren Nichts herbei gebetet…
Humor: 0,5/5
Düsterster Film des Prequels-Dreiers und gerade deshalb wirken Humoransätze wie über den windigen Handlanger Alfrid Lickspittle (Ryan Gage) irgendwann nur noch vollkommen derangiert…
Darsteller: 3,5/5
Tragen am wenigsten Schuld am Versagen des Films, retten mit ihren Darbietungen sogar noch die ein oder andere Szene, aber manche Dialogausrutscher und Entwicklungen sind selbst von den besten und passigsten Darstellern nicht mehr aufzuwerten…
Regie: 1/5
Ohhhh, Peter Jackson, was hast du getan? Dem Meister entgleitet Mittelerde im letzten Akt seiner Saga vollkommen.
Fazit: 3/10
Es bricht mir das Herz, aber: „The Battle of the Five Armies“ ist ein katastrophaler Abschied aus Mittelerde. Wie ein kalter Entzug wird der Tolkien-Welt ihr Zauber entrissen. Als hat einem Jackson zum Schluss mit wüsten Beleidigungen unterlegt eins in die Fresse servieren wollen, um den Schmerz des Auseinandergehens zu erleichtern und ihn in Wut umzuwandeln, auf das ja nie wieder einer nach weiteren Hobbit-, Elben- und Zwergen-Abenteuern lechzt.

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Kommentare

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  • Ein begeisterter Kinobesucher 1 Kommentar(e)

    Eine schön geschriebene und detailierte Rezension.

    Leider völlig falsch. Welchen Film hat Herr Hoja eigentlich gesehen?

    Der dritte Hobbit hat mehr gute Szenen und Figuren als der Herr der Ringe in allen drei Teilen. Ich habe mich großartig unterhalten. Peter Jackson hat vorher offensichtlich nur geübt.

    Beispiel Thranduil. Lee Pace (der Mann war mir bislang völlig unbekannt) allein ist doch den Eintritt wert. Im Alleingang interpretiert er die Rolle “Elb” vollig neu. Statt den langweiligen, engelsähnlichen Übermenschen der höheren Sphären spielt er den Dandy. Großartig der genüsslich amüsierte Gesichtsausdruck mit dem er die Herausforderung von Eisenfuss (nicht) kommentiert. Was reitet man mit Stil? Auf einem edlen weißen Araber wie Arwen? Nein. Der Elb von Welt reitet auf seinem Riesenhirsch in die Schlacht. Beim Abschlachten der Orks macht er den Eindruck, sich nur eben für einen Cocktail zur Bar vorarbeiten zu wollen. Alles so voll hier an der Upper East Side. Endlich haben die Eldar ihr schwarzes Schaf.

    Thorins Entwicklung ist nicht nach zu vollziehen? Was Hamlet sein Schädel ist Thorin sein frisch gelegter Fussbodenbelag. Er wandert über eine goldene Ebene und Smaug der Zwergenkenner verspottet ihn noch aus dem nassen Grab. “Es reizt mich fast, ihn Dir zu überlassen…”

    Was haben nur alle gegen Tauriel. Selbst wenn man der Romanze mit Kili nichts mehr abgewinnen kann, weil man kein romantischer Jungspund mehr ist: Sie ist zweifellos die perfekte Augenweide. Und überhaupt. In den meisten Opern, Romanen und Heldenepen reicht den Epigonen schon ein kurzer Blick auf ein Abbild der zu Liebenden und sie maschieren arienschmetternd und beseelt in den dramatischen Untergang. Logik, psychologische Figurenentwicklung und Hochkultur, das gehört nicht zusammen. Das Mädel hatte Legolas Langweiler satt. Wer will es ihr verdenken?

    Angeblich ist “Opfer” als Beleidigung gängig auf deutschen Schulhöfen. Den Status sind die Orks jetzt los, Dank an Azog. Der wurde wahrscheinlich von Profi Leon ausgebildet. Mit seeligem Lächeln unter dem Opfer hindurch gleiten und dann die Handgranaten aus dem Mantel ziehen. Verzeihung, den Zweispitz zücken. Während der Held, in diesem Genre üblicherweise unsterblich, herrlich dumm aus der Wäsche guckt.

    Gandalf der Tattrige? Der Mann sieht aus wie jede brauchbare Führungskraft der mittleren militärischen Ebene. Überall geht alles schief, der Feind schei..t von allen Seiten in den Kessel, die Götter lassen einen im Stich und man ist nur von sturköpfigen Idioten umgeben. Wenn dann die Luftwaffe auf sich warten lässt,  dann wirkt eben nicht mehr alles so elegant und das Pfeifchen zieht auch nicht gleich an. Besser als im leuchtend weißen Mantel einen viel zu steilen Berg herunter zu reiten.

    Ich könnte das jetzt noch eine Weile fortsetzen, aber ich habe noch anderes zu tun, bis ich heute abend zur Hobbit 3 – Gesamtschau ins Kino gehe. Würde ich Herrn Hoja auch empfehlen.

    Ganz großes Kino!

    P.S.: Lasst endlich die Schlittenkaninchen in Ruhe. Erkennt denn hier wirklich keiner, dass es sich dabei in Wahrheit um eine Hommage an aufgemotze Rennkleinwagen mit zu kleinem Hubraum handelt?

    • Riggs J. McRockatansky Riggs J. McRockatansky 201 Kommentar(e)

      Joa. Wenn man das als Gegenwarts- und Kultursatire liest sicher schlüssig. Danke dafür 😉

    • Erik 1 Kommentar(e)

      Ich gehe davon aus, dass dieser Beitrag satirisch gemeint ist – dann ist er nämlich richtig gut.
      Wenn das wirklich ernsthaft gemeint ist, dann empfehle ich Ihnen Filme wie Sharknado oder Terminator 4 😉

  • Niclas 1 Kommentar(e)

    Konnte ich die letzten Jahre HFR und 3D noch umgehen bleibt mir jetzt wohl nichts anderes übrig.

  • bullion 39 Kommentar(e)

    Oh, in die HFR-Falle getappt! Hatte mir letztes Jahr das gesamte Smaug-Erlebnis versaut. Schlim, wirklich schlimm! Ich hoffe hier auch auf Besserung in der Heimkinosichtung. Wenn ich in den Abschlussfilm gehe, dann nur wenn ich eine Vorstellung ohne HFR (und idealerweise in 2D) finde.

    • Riggs J. McRockatansky Riggs J. McRockatansky 201 Kommentar(e)

      Da hatte ich leider keine Wahl und irgendwie war ich ja schon auch neugierig, das mal zu erleben. Aber jetzt im Nachhinein hätte ich mir das natürlich nur zu gerne erspart…

  • donpozuelo 198 Kommentar(e)

    Oh ja… das ist wirklich Mist. Jackson beweist hier allein Skeptikern und Nörglern, dass diese Dreiteilung von der Hobbit absoluter Schwachsinn war. Wäre er mal bei zwei Filmen geblieben… das hätte dann vielleicht noch was werden können. So untergräbt er sich seinen guten Ruf, den er durch die “Herr der Ringe”-Trilogie aufgebaut hat… ich hoffe, Jackson bekommt jetzt Mittelerde-Verbot. Der soll mal lieber endlich den zweiten Teil zu “Tim und Struppi” machen. Darauf warte ich ja schon ein bisschen…

    • Riggs J. McRockatansky Riggs J. McRockatansky 201 Kommentar(e)

      Rein dem Eindruck des Films nach würde ich sagen: dem muss keiner was verbieten, der hat schon von alleine keine Lust mehr auf Mittelerde 😉 „Tim und Struppi” kann er aber auch seien lassen. Da hat mir der erste auch nicht sonderlich gefallen. Ich kann mit diesen fremdartigen Optikexperimenten und Gimmickfisematenten einfach nix anfangen. Reine Animationsfilme gerne, aber nicht diese befremdlichen Zwitter…

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