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SEX TAPE: Kritik zur Jäger des verlorenen Bummsfilm-Comedy mit Jason Segel & Cameron Diaz (Blu-ray)

Von Riggs J. McRockatansky vor 2 Jahren geschrieben01 / 20150 Kommentare

Story

Als junges und frisch verliebtes Paar hatten Jay und Annie Hargrove vor allem eines: ständig und überall phantastischen Sex. Eine Eheschließung und zwei Schwangerschaften später haben der Musikproduzent und die Bloggerin zwar ihr perfektes Familienglück gefunden, nur zum ausgiebigen Vögeln fehlt mittlerweile rapide die Zeit. Eines Abends, zur Feier von Annies beruflichem Erfolg, soll endlich mal wieder was passieren zwischen den Laken und sonstwo im Haus, also kommen die Kinder bei den Großeltern unter und Jay wird im heißen Outfit überrascht – doch irgendwie will’s plötzlich nicht mehr so richtig flutschen. Bis Annie eine Idee hat: die beiden sollten sich beim Sex filmen und dabei jede Stellung aus ihrer Bummsbibel The Joy of Sex durchexerzieren. Gesagt getan, und zwar feurige drei Stunden lang, aufgezeichnet mit Jays neuem iPad. Eigentlich soll das private Sex Tape danach auch gleich wieder aus dem Videoarchiv verschwinden, aber stattdessen passiert ein ziemliches Malheur: via automatischer Synchronisation landen die fröhlichen Rammelstunden der Hargroves auf sämtlichen iPads, die Jay an Freunde und Verwandte verteilt hat. In hektischer Verzweiflung macht sich das entblößte und bloßgestellte Paar auf die Jagd nach sämtlichen Geräten und einem mysteriösen unbekannten SMS-Absender, der das Sex Tape scheinbar bereits gesichtet hat…

Der Film

Busenblitzer, Cameltoes, Nackt-Leaks – Celebrities schweben in der dauernd lauernden Gefahr der Bloßstellung, im Cyber-Zeitalter erst recht. Obwohl, was heißt Gefahr? Wer die Schamgrenze nicht ganz so weit oben ansetzt inszeniert blanke Nippel, See Throughs und Spreizbeine einfach ganz geschickt und die Schlagzeile rund um Film- oder Albumveröffentlichungen ist gesichert. Und auch mit einem Sex Tape lässt sich für manch (Nicht-)Promi die Karriere pushen, bei den meisten ist hier allerdings wohl die Trennlinie zwischen bewusst arrangiertem Skandälchen und dem gewissen Schritt zu weit. Schock und Scham gebrochener Begattungsprivatsphäre ist nun auch Thema der R-Rated-Comedy „Sex Tape“ mit Jason Segel und Cameron Diaz, die die Aufzeichnung ihrer Beziehungsaufpepper-Rammelei in den mystischen Weiten der Cloud verlieren und wiederbeschaffen wollen, ehe vom Nachbarn und Freund über den potenziellen neuen Chef bis hin zum Postboten jeder ihre Schlüpperakrobatik bestaunen konnte.

Cameron Diaz und Jason Segel in SEX TAPE

Tragischerweise der beste Witz des Films ist jedoch die Ironie dahinter: gegenüber dem, was sie hier mit „Sex Tape“ abliefern, hätte es Segel und Diaz gar nicht peinlicher sein können, wenn ihnen versehentlich ein echtes gemeinsames Bummsfilmchen rausgeflutscht wäre, am Set entstanden oder so. Der von „Bad Teacher“-Regisseur Jake Kasdan inszenierte und von Segel selbst scriptüberarbeitete „Sex Tape“ ist ein erbärmlich schlechter Film, als Comedy nahezu komplett unbrauchbar, da nicht ein einziger guter Gag aus der Situation des beschämten Paares gezogen wird. Statt überdrehter Komödie winselt ständig nur das monotone Untertongejammer von verlorener Freiheit und Freizügigkeit zweier ziemlich unsympathischer oberer Vorstadtsmittelschichtler, deren Sexleben einst jeden Porno blass aussehen ließ und nun eben seit einiger Zeit nicht mehr im Lebensmittelpunkt steht, während er mit iPads um sich wirft und sie gerade einen lukrativen Deal zur Übernahme ihres Mama-Blogs durch eine familienfreundliche Vorzeigefirma abschließt. It’s the hard knock life, you know?

Segel, eigentlich grundsympathisch und perfekt als idealistisch-knuffiger Typ mit leicht naivem Spleen, spielt das grummelig und übellaunig runter, als wüsste er selbst nur zu gut, auf was für einen Mist er sich da eingelassen hat, wenn er nicht gerade an Cameron Diaz rummachen kann. Die indes bekommt mit „Sex Tape“ ein weiteres Vehikel serviert, um ihr Körperego streicheln zu lassen und ihr alle paar Szenen zu versichern, dass sie immer noch ’ne steile Alte ist, ’ne Ständergarantie, ’ne Wichsvorlage oder wie auch immer der Film das benennen mag. Als hätte sie es sich mittlerweile vertraglich zusagen lassen, von sämtlichen Co-Stars fortwährend ihre Hotness bestätigt zu bekommen, damit es bloß das Publikum nicht vergisst. Wie schon in „The Other Woman“ ist das nicht mehr die freche, unbekümmerte Diaz von einst, sondern eine panisch nach Aufmerksamkeit schreiende Fremdschämfregatte, die dem verzweifelten Kampf gegen Hollywoods elende Alters- und Schönheitsidealgesetzte nicht mehr ihr Talent, sondern bloß noch ihren Körper entgegen reckt. Die Diaz zeigt Arsch, die Diaz zeigt Brust, nur unbeschwerte Comedy, die vergeht ihr darüber.

Rob Lowe und Cameron Diaz in SEX TAPE

Besser trifft’s Rob Lowe als exzentrischer Web-CEO Hank Rosenbaum, der mit seinen Vorlieben für Ananasscheibchen, die Disneyfizierung seiner selbst in Gemäldeform und gelegentlich einer Nase voll Koks eine nette Parodie auf die vermeintlichen Absonderlichkeiten von Netzmenschen in hohen Positionen liefert, die nur trotz des schlüpfrigen Datenverbreitungsthemas so gar nichts mit dem Rest des Films am Hut hat. Die längste Episode der „Sex Tape“-Wiederbeschaffung spielt sich in Rosenbaums Villa ab, wo es Segel mit einem wildgewordenen Schäferhund aufnehmen muss, während Diaz feststellt, dass ihr Chef in spe nicht so clean wie der Ruf seiner Firma ist. Da ist mal eine kleine Spitze in Richtung Corporate Identity und die Sauberimagepflege von (www.)Unternehmen drin, aber hauptsächlich ist es Segel im Kampf gegen unlustig-sadistischen Tierslapstick und die Kapitulation eines Drehbuchs, das mit dem Dilemma seiner Figuren nichts anzufangen weiß, außer der verbalen Variation von Fick-Begriffen und Wehmutsklischees. So nichtssagend und gelangweilt abgeklappert, das es einem gleichgültiger nicht sein könnte, ob diese produktgesteuerten Markenmenschen ihr Vögelalphabet nun wieder öfter aufsagen oder nicht, ob sie ihr Filmchen vor der Veröffentlichung auf YouPorn bewahren können oder nicht, oder ob sie ihren Mama-Blog gesellt bekommt oder nicht…

Wertung & Fazit

Action: 0,5/5
Viel Bett-Action und -Akrobatik, Segels Hundekampf…
Spannung: 0/5
Nicht ein Konflikt drin, der mehr als banal-egal wäre…
Anspruch: 0/5
„Sex Tape“ macht ernster als er sollte an der ausgelutschten Post-Hochzeits-Sexkrisenkiste rum, von einer anspruchsvollen Auseinandersetzung kann aber natürlich keine Rede sein.
Humor: 0,5/5
Ganze zwei gute Gags, von denen einer gar nichts und der andere nur höchst zusammenkonstruiert was mit der Prämisse zu tun hat…
Darsteller: 1/5
Wer die nach wie vor respektabel knackige Cameron Diaz nackig sehen will ist hier richtig. Wer dazu ihr Comedy-Talent sucht ist hier falsch. Das gilt so ähnlich auch für Jason Segel, nur das es bei dem nicht ganz so verzweifelt wirkt…
Regie: 1/5
Bei „Bad Teacher“ hat Jake Kasdan gezeigt, dass er Comedy mit Tempo und Timing und die Diaz scharf UND komisch inszenieren kann. Hier geht das alles daneben.
Fazit: 1/10
Besser „One Night in Paris“ als ein Abend mit Cameron und Jason: statt Tempo auf der Hatz nach den iPads mit der schlüpfrigen Datei aufzunehmen lahmt der ganze „Sex Tape“ so sehr wie Segel am Ende des Films. Ramponierter R-Rated-Rotz.

Mehr zum Film

IMDb Link moviepilot Link

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